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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-18 · Heft 46 (18.11.1898) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
Seite 551 (sequence 11)
Language
German
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551 rch sie W ich inline rrz as ich ne Sa as sie lir sei rch in er!" er ib tte!II m sr :b it io n d s >- l, >e r Der Krieger wich, maßlos überrascht, einen Schritt zurück. „Du siehst," sagte der Prophet — und die Worte strömten rasch und heftig von den Lippen —, „Du siehst, daß der Kampf gegen Israel mit dem Raub Nasmis enden muß. Die Vermählung mit Naemi giebt Dir ein unbezweifeltes Recht auf Edoms Thron, und Israel wird lieber einem König zur Schlacht folgen als einem besitzlosen Abenteurer. Der Aufstand Edoms ist vor dem Ausbruch geendet. Reson ist gefangen. Nasmi aber ist uns entrissen — wir müssen das Mädchen wieder haben, damit das Recht auf unserer Seite sei. Gott will es also; er hat Dir zehn Stämme verliehen. Aber Rehabeam, Salomos Sohn, ist ein tapferer Jüngling und auf dem Thron geboren. Deine Geburt jedoch —" „Der grausame, weichliche, verhaßte Knabe!" unterbrach Jerobeam mit Verachtung und Zorn den Sprecher. Der Prophet zuckte die Achseln. „Er hat das uralte Gesetz auf seiner Seite und die Stimmen der Kinder Juda uud Benjamin." Der Krieger rief mit heftiger Ungeduld: „Ich habe nicht Muße und nicht Weisheit, dies gefährliche Gewebe zu lösen. Siehe, ich will mein Schwert heben und mein Recht erkämpfen. Dreißigtausend ägyptische Männer stehen an den Grenzen von Amalek und sind gerüstet, nach Jerusalem zu ziehen, sobald wir den Kriegsruf ertönen lassen. Du sagst, Edoms Aufstand sei zu Ende. Wohlan, laß' uns mit gewaltigem Kriegsruf die wehrhaften Männer von Damaskus bis hinab gen Ezjon-Geber sammeln! Wir wollen ihnen Beute und Geld versprechen, wenn Jerobeam König geworden! In einigen Tagen werden dreihundert Männer einzeln und verkleidet in Jerusalem einziehen, wilde Räuber aus den Wüsten um Sinai und Horeb, die Jerobeam zugeschworen. Wir senden Boten an Pharaos Heer und heben das Schwert." Der Prophet schüttelte das Haupt. Der Gewaltstreich war seinem tiefer denkenden Geist ein unreifes Wagestück, welches alles bereits Errungene in den Staub schmettern konnte. In diesem Augenblick rannte ein Mann keuchend den Abhang herauf und stand alsbald mit einer von Schweiß übergoffenen Stirn vor dem Propheten. Es war Sethron, der Aegypter. (Fortsetzung folgt.) Das Geheinrniß. Historische Erzählung von A. Stern. VI. »s'war ein klarer Winterabend, als unsere Reisenden vor den Thoren Nürnbergs hielten und Einlaß begehrten. „Wie ist Euer Name?" fragte der Thorwächter. „Wilibald Bischer, Student aus Prag," erwiederte Wilibald und sah Marien an, unschlüssig, was er weiter sagen sollte. Sie nickte ihm zu, und er fuhr fort: „Dieser, mein Gesell, heißt Martin Sternaug, ist gleichfalls Schüler." „Schon gut," sagte der Wächter; „aber Ihr?" fragte er gleich darauf mit forschendem Blick den Arzt. „Ich heiße Jbn Wakar," sagte dieser. „Mit Vergunst, alter Herr," entgegnete der Wächter: „das klingt wunderlich und ist gar ein seltsamer Name, wie ich Zeit meines Lebens noch keinen gleichen gehört habe." „Ein seltsamer Name eben nicht," erwiederte Jbn Wakar, „aber ein jüdischer ist es." „Gott bewahre!" rief der Wächter, „da kann ich Euch nicht einlaflen, und wenn Ihr sechsfachen Leibzoll geben wolltet; in der freien Stadt Nürnberg darf kein Jude über Nacht bleiben. Zieht nach Fürth, da wird solch Gesindel geduldet!" „Unverschämter!" rief Wilibald heftig und zog das Schwert. „Zu Hilfe!" schrie der Wächter, und heraus kamen zehn Hellebardiere und der Rottenmeister. „Was giebt's?" fragte der Letztere. „Der Jude und die Studenten haben sich an mir vergreifen wollen, weil ich solchem Gezücht die Thore nicht öffnen wollte!" „Das alte Lied von den Prager Studenten!" lachte der Rottenmeister, „Ihr kommt nicht herein, und damit gut." „Nicht herein?" knirschte Wilibald, „nun, das ist wahr, bei Euch sind die Ochsen nie Kälber, sondern gleich ochsenhaft grob!" Er wollte seiner Galle noch mehr Luft machen, als Jbn Wakar dazwischen trat und ruhig fragte: „Lebt der Siebenherr Werner Wyttenbach noch?" „Allerdings," erwiederte der Rottenmeister, „aber was gehen Dich, Jude, unsere Genannten an?" „So bringt ihm unverzüglich dieses Schreiben," versetzte Jbn Wakar, „und so lange, bis Antwort kommt, vergönnt uns, in Eure Wache zu treten!" „Das kann nicht sein," sagte der Rottenmeister, „nach Sonnenuntergang darf einmal kein Jude in die Stadt, und Euer Brief hat auch wohl Zeit bis morgen!" „Ihr setzt Euch gewiffer Strafe aus, wenn Ihr zaudert!" antwortete der Arzt. „So gebt her!" erwiederte Jener, „gleich hier vor dem Thor ist eine Herberge; da niögt Ihr verweilen, bis die Antwort kommt. Ich will Euch einen Wegweiser mitgeben!" „So laß' ich's mir gefallen!" lächelte Marie und strich dem noch immer in sich hinein scheltenden Wilibald die Runzeln von der Stirn. Strutho lief auf ihren Wink vorauf; neben ihnen ging der Hellebardier, das große Thier immer scheu ansehend; so gelangte die Karawane nach einem einsamen Gehöft, das seitwärts von der Heerstraße lag. „Ihr seid da!" sagte der Soldat. „Das Euer Dank!" erwiederte Marie und drückte ihm ein Goldstück in die Hand. Er sah bald sie, bald das Gold erstaunt an. „Nehmt nur, nehmt," lächelte sie, „unser Gold ist kein Blei; und Ihr habt auch wohl Weib und Kind daheim. Aber zuvörderst helft uns vom Pferde!" Als sie abgefliegen und in das große gewölbte Wirthszimmer getreten waren, bedankte sich der Hellebardier noch einmal recht herzlich bei Marie und ging. „Da habt Ihr einmal wieder ein frohes Gemüth gemacht, liebe Marie!" sagte Wilibald. „Und ist das nicht wohlgethan?" erwiederte sie; „es ist so schön, Anderen Freude zu machen, daß ich gern alle Wonne, die mir zu Theil werden soll, darum geben will. — Aber was ist das, Wilibald," fuhr sie fort, „hat Euer Schläger eine goldene Klinge? Ihr habt Recht, mit Gold ficht man sich besser durch die Welt als mit Eisen. Seht doch!" Wilibald schnallte seinen Degen ab, und als sie es näher untersuchten, fanden sie, daß die Scheide doppelt und an der einen Seite mit Goldstücken gefüllt war. „Also darum drang er in mich, mit mir zu tauschen, der edle Junge!" rief Wilibald. fr Sii ■ ’i -j- 4 : j. '4

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