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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-18 · Heft 46 (18.11.1898) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
Seite 549 (sequence 9)
Language
German
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549 dessen Nachfolger besessen zu haben. Es wird nämlich erzählt: Z. fastete hundert Tage, damit nicht Hela zu seinen Lebzeiten sterbe und ihm so die Leitung der Gemeindeangelegenheiten zufiele. Mit Z. stand als Halachist im gleichen Range Samuel ben Jizchak. In Babylonien nannte man sie „die Großen der Zeit". Einmal finden wir sie im Hause Samuel ben Jizchaks in halachischer Diskussion. Ihre nahe Beziehung zu einander bezeugt die Frage Zettas an Assi, ob sich die Bestimmung, daß, was sich Gesetzeskundige einander zuschicken, verzehntet werden müsse (als nicht verzehntet zu betrachten sei), auch auf Leute wie er selbst und Samuel ben Jizchak beziehe. Eine halachische Entscheidung, welche Samuel ben Jizchak »ach Babylonien schickte, erregte das Mißfallen Z.'s. Die agadische Tradition hat ein Gespräch der Beiden erhalten, ferner eine agadische Schriftauslegung, welche Z. aus einer Predigt Samuel den Jizchaks zu berichten wußte. Die allzu populäre Art, mit welcher sich Samuel den Jizchak an Hochzeitsaufzügen betheiligte, tadelte Z. als Herabsetzung der Gelehrtenwürde. Nach einer anderen Version hätte ihn gerade Z. gegen die tadelnden Bemerkungen der Anderen in Schutz genommen. In Schutz nahm ihn Z. einmal gegen seinen eigenen Schüler Jirmeja, der eine Halacha im Namen Samuel ben Jizchaks vortrng. Z. fuhr ihn mit den Worten an: Noch ist Samuel ben Jizchak am Leben, und ihr hängt ihm schon euere Lappe» an. Als Samuel ben Jizchak starb, war es Z., der seine trauernden Hinterbliebenen empfing imb ihnen Linsen — das Trauergericht — äu essen gab. Dem Herzen Zettas muß besonders nahe gestanden haben Abun (Bun) ben Chija, der in jungen Jahren starb und von Z. in einer ergreifenden Trauerrede beklagt wurde. Er nahm Koh. 5, 11 zum Text und wandte auf ihn folgendes Gleichniß an. Ein König nahm Arbeiter auf, unter denen sich Einer befand, der sich als besonders tüchtig erwies. Was that der König? Er nahm ihn mit sich und lustwandelte mit ihm auf und nieder. Zur Abendzeit zahlte er ihm den gleichen Lohn wie den übrigen Arbeitern. Als diese murrten, sagte der König: Dieser hat in zwei Stunden mehr gearbeitet als ihr während des ganzen Tages. So hat R. Abun in achtundzwanzig Jahren so viel im Thorastudiunr gearbeitet, was sonst auch ein eifriger Jünger nicht in hundert Jahren studiren kann. Es scheint, daß Abun ben Chija sowohl Zettas als Hclas Schüler war. Als eigentlicher Schüler Zettas hat der ebenfalls aus Babylonien stammende Jirmeja zu gelten. In zahlreichen Anekdoten und Notizen ist ihr gegenseitiges Verhältniß von der Schultradition gekennzeichnet worden. Einmal saß Jirmeja vor Zetta, und sie beschäftigten sich mit Halachastudium. Da nahte die Zeit des Gebetes, und Jirmeja bezeigte seine Ungeduld. Darauf citirte ihm Z. die Schriftworte (Pro». 28, 9): wer sein Ohr dem Hören der Lehre entzieht, dessen Gebet ist ein Greuel. Ein anderes Mal bemerkte Z., wie Jirmeja ungebührlich lange das Wort NN8 im Einheitsbekenntnisse dehnte. Da sagte er ihm: das ist uunöthig; es genügt, wenn Du so lange dabei verweilst, als Du im Gedanken Gott als Herrn des Himmels und der Erde und der vier Himmelsgegenden anerkennst. Einmal schickte Jirmeja seinem Lehrer einen Korb unverzehnteter Feigen. Zetta aß die Feigen ohne Weiteres, in der Voraussetzung, daß ihm Jirmeja nichts Unverzehntetes schicken würde, während Jirmeja von der Voraussetzung ausging, Zetta würde nicht von den Feigen essen, bevor er sie verzehntet. Einmal hatte Jirmeja allerlei Fragen aus der Hfilacha an Zetta gerichtet, der seine Abendmahlzeit im Dunkeln hielt. Z. schlummerte ein; plötzlich fuhr er aus den Schlummer auf und hieß Licht machen. Denn er hatte, während er iin Schlummer seine Hand auf das offene Weingesäß hielt, eine Schlange gespürt, dünn wie ein Haar, die sich in der Dunkelheit Um das Gesäß gewunden hatte. Z. rief ans: Frevler — er meinte die Schlange — ich war nicht vorsichtig dir gegenüber. Auf etwas vorwitzige, die Halacha sachlich kritisirende Fragen, die Jirmeja vorbrachie, mußte er von Z. die Zurechtweisung hören: Habe ich es Dir nicht gesagt, daß Du Dich nicht aus den Grenzen der Halacha hinausbegebest! Als aber Jirmeja einmal eine halachische Exegese Zettas mit einem Einwand erschütterte, sagte Z.: Wir hatten etwas in Händen, da kam R. Jirmeja und warf die Axt darauf. Einst forderte Jirmeja Zetta auf. ihm Halacha vorzutragen. Z. erklärte, sich schwach zu fühlen; da bat ihn Jirmeja, ihn etwas Agadisches zu lehren. Darauf trug er ihm eine Agada Jochanans vor. Die kasuistischen Fragen, welche Jirmeja zu stellen pflegte, waren zuweilen derartige, daß sie unbedingt Lachen erregten. Z. aber blieb, wie ein Zeuge bemerkt, auch bei solchen Fragen ernst. Einmal beginnt Z. die Beantwortung einer Frage Jirmejas mit der zärtlichen Ansprache: Jirmeja, mein Sohn! Das Lob Z.'s verdiente sich Jirmeja einmal dadurch, daß er in der Beiiediktion über das Bcod nicht X'LD. sondern K'rifcn sprach. Einmal kleidete Z. sein Lob in eine besonders schmeichelhafte Form: „Seit Ben Arr/ai und Ben Zoma giebt es keine Fleißigen"; diese Worte der Mischna (Sota Ende) müsse man so ergänzen: es erstand kein Fleißiger, bis Jirmeja erstand. Doch mußte sich Z. von Abba, dem Sohne Chija ben Abbas, die Berichtigung gefallen lassen, daß die Bemerkung, durch welche sich Jirmeja solchen Lobes würdig gemacht, bereits von Elearar ben Pedath vor Jochanan ausgesprochen worden sei. (Schluß folgt.) EUILLETON Are Uose von Saron. Line Erzählung. XXI. f er Prophet von Silo saß im Vordergründe einer wilden Grotte, die, von Schlingkräutern und Gestrüpp überhangen, tief in den Berg hineinzog. Es war am frühen Morgen des nämlichen Tages, wo Reson entflohen war. Die Sonne stahl sich scheu durch die Zweige in die Grotte hinein und funkelte auf glattem, farbigem Gestein. Oberhalb der Höhle des Propheten und in eine breitgespaltene Kluft wie eingezwängt stand eine Hütte von Holz, mit breitem Blätterlager und zähen Zweigen bedeckt, die allgemach in den sengenden Strahlen der Sonne hiuwelkten. Diese Hütte war eine Viertelstunde etwa von Ahijas Höhle entfernt. In dieser Hütte war Reson durch einige Tage gefangen gewesen. Der Prophet saß auf einem Felsblock, welchen ein schlecht gegerbtes Widderfell bedeckte. Die düstere Stimmung, welche den Propheten immer beherrschte, sprach sich auch jetzt aus in den ernsten Zügen und dem sinnend geneigten Haupt. Der lange Stab des heiligen Mannes lag zu seinen Füßen. An diesem Morgen hatte Ahija die Flucht Nesons noch nicht erfahren. Sein düsteres Sinnen galt anderen, wenigstens ebenso wichtigen Gegenstände», als es die Flncht des tapferen Edomiters für die Pläne des Propheten war.

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