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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-11 · Heft 45 (11.11.1898) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 45 (11.11.1898)
Date
1898-11-11
Page
Seite 537 (sequence 9)
Language
German
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537 gerecht zu werden. Möge mir nur Gott beistehen, und ich hoffe, daß meine Anstrengungen gute Früchte tragen werden. Es wundert mich ungemein, daß Sie in Ihrem Schreiben wegen des Geldes so ängstlich waren. Gott bewahre! daß 500 Thaler mehr oder weniger mich zurückhalten sollten. Meine Aufgabe ist eine höhere und mein Berus ein heiliger, als daß ich durch Rückfichten solcher Art mich bestimmen ließe. Es war dieser Punkt nie eine feste Bedingung, und ich glaube, schon genug Beweise gegeben zu haben, daß ich nicht habgierig bin. Sehr erfreulich ist es mir, daß die Minister sEichhorn und Arnims sich der Sache annehmen wollen. Glauben Sie mir, theurer Freund, daß ich nicht aus persönlichem Ehrgeiz, sondern nur zu Ehren Israels auf einer ehrenvollen Berufung bestehe. Ich gehe nun auf die übrigen Punkte wegen Lehreranstellung u. s. w. ein und muß nur über die Besorgnisse lächeln, die von manchen Seiten laut wurden: ob ich nicht nach Hierarchie und päpstlicher Obergewalt streben werde. Wie wenig kennen mich Jene, die eine solche Furcht äußerten. *) Wegen der Wohnung werde ich Ihnen nächstens ausführlicher schreiben. Für heute nur in aller Kürze, daß ich für jetzt dankbar das Anerbieten des Vorstandes annehme, mir eine Wohnung zu miethen, da ich als Abwesender dies nicht besorgen kann. Nur wäre es zu wünschen, daß die Wohnung der Synagoge nahe wäre, aber nicht in der Rosenstraße und dergleichen. Doch, was brauche ich über eine solche Angelegenheit viel an einen Berliner Vorstand zu schreiben? — Sie sehen, wie ernsthaft mir die Sache ist, da ich schon an die Wohnung denke; allein, da jetzt schon nahe Weihnachten ist, so wird für die Zeit meines Ankommens im Frühling von mir in dieser Hinsicht eine Mittheilung gemacht werden. Ich habe einen Punkt vermißt in dem Schreiben: die lebenslängliche Anstellung.2) Doch ist dies nicht mehr so wesentlich, da hierüber schon andere Dokumente vorliegen. Nur wäre es erwünscht, daß in dem Schreiben, welches Sie dem Minister zur Bestätigung vorlegen, dieser Punkt auch angeführt werde. Ich werde wahrscheinlich noch im Verlaufe dieser Woche der hiesigen Gemeinde kündigen und auch dem Kultusministerium meine Demission einreichen." Es schien somit, daß nun alles in bester Ordnung wäre, zumal auch Minister Eichhorn in einem Schreiben an Muhr, wenn auch nur privatim, seine vollste Zufriedenheit mit dem Gange der Angelegenheit ausdrückte, und nicht nur die Bestätigung Frankels als Oberrabbiner von Berlin in Aussicht stellte, sondern auch Letzterem seine thatkräftige Hilfe versprach. Doch sollte das Jahr 1842 nicht zu Ende gehen, ohne daß von Neuem Zweifel über die endgiltige Annahme der Wahl von Seiten Frankels entstanden wären. Am 25. Dezember schrieb dieser: „Ihr liebes Schreiben vom 23. dieses Monats liegt mir vor und legt mir Beweise Ihrer Freundschaft dar, auf die ich stolz bin. Sie wünschen darin manches, was zur Beförderung der Erlangung des Staatsbürgerrechts dienen soll, lassen sich sogar schon die Wohnung Am 28. November 1842 hielt der Vorstand eine Sitzung ab, in der über den Entwurf eines Vertrags mit Frankel berathen wurde. Joseph Muhr begleitete diesen Entwurf mit satirischen Glossen und schloß mit der Bemerkung: „Summa: der Oberrabbiner hat Titel, Funktionen und — keine Rechte!" So bemängelt er z. B. mit Recht den tz6, der lautet: „Bei sämmtlichen Lehranstalten der Gemeinde kann Niemand als Religionslehrer zugelassen werden, welcher sich nicht durch ein vom Oberrabbiner ausgestelltes Prüfungszeugniß über seine Fähigkeit ausweist." Muhr schlug vor, das gesperrt Gedruckte zu streichen, denn „wenn das Prüfungszeugniß die wissenschaftliche Fähigkeit ausweist, der religiöse Lebenswandel aber die Anstellung nicht zuläßt — was dann?" Es wurde schließlich beschlossen, von einer Umschreibung der Rechte und Pflichten des Oberrabbiners abzusehen und alles dem guten Takt Frankels zu überlassen, wobei die im Briefe erwähnten Besorgnisse, Frankel könnte nach Hierarchie und päpstlicher Obergewalt streben, laut wurden. 2) Im Lause der mündlich geführten Unterhandlung wurde dies Frankel in Aussicht gestellt. angelegen sein: wie kräftig spricht sich Ihr Verlangen nach meiner Ankunft in Berlin aus! Und doch, theurer Freund, fühle ich mich gedrungen, ein sehr ernsthaftes Wort heute mit Ihnen zu sprechen, und zwar auf Veranlassung des mir mitgetheilten Schreibens des Ministers von Arnim. Bor allem erlauben Sie mir Folgendes zu bemerken: Ich habe das letzte Schreiben des Vorstandes billigend beantwortet, um zu zeigen, daß es mir mit dem Hingehen nach Berlin ernst ist. Sie haben mir bemerkt, daß man meinen könnte, es läge eine Geldspekulation zu Grundeich bin nun zufrieden mit 2000 Thalern und habe von Weiterem, obschon mir zugestchert, keine Erwähnung gethan. Man sagte mir in einem anderen Schreiben, daß mir ein votum negativum bei jeder Anstellung (von Kultusbeamten) zustehe; man hat dies nun anders modifizirt: ich bin daraus eingegangen. Ich habe also, glaube ich, genug Beweise meines guten Willens geliefert. Ich wollte eine Bokation vom Ministerium. Man stellte mir vor, daß eine solche nach den jetzigen Gesetzen nicht ausführbar sei, sagte aber, daß eine Bestätigung in sehr befriedigender Weise erfolgen werde. Nun haben Sie mir erst gemeldet, daß der Minister Eichhorn sagte, daß er damit nichts zu thun habe, und die Sache dem Minister Arnim gehöre. Ihr gestriges Schreiben bringt einen Brief vom Minister Arnim, worin dieser sagt: „In Bezug auf dre in diesem Schreiben zu erkennen gegebenen Wünsche setze ich voraus, daß die Vorsteher u. s. w. die Erfüllung derselben nur vom Herrn Minister der geistlichen Angelegenheiten erwartet haben, zu dessen Ressort der Gegenstand ausschließlich gehört." Es ist also ein Hin- und Herschreiben, das wahrscheinlich mit einer einfachen Bestätigung enden wird. Ich erkläre Ihnen aber hiermit ernstlich und feierlich und rufe den XN12 »en Weltschöpfer] zum Zeugen an, daß ich auf einfache Bestätigung hin nicht nach Berlin gehe; daß, wenn nicht ausdrücklich zugegeben wird, das, was ich mit Uebereinstimmung des Vorstandes in Kultussachen unternehme, unwiderruflich bleibt und keine Appellation an die Behörde stattfindet, ich von Dresden nicht weiche, HI2 'bp [fomme, was da wolle]. Das Beharren ist jetzt an mir; weiter gebe ich nicht nach; darum sind für jetzt noch alle Zeugnisse überflüssig, denn erst muß ich gewiß nach Berlin gehen wollen, dann kann das Bürgerrecht angesucht werden. Ich habe das Schreiben vom Vorstand noch nicht erhalten; bin aber gesonnen, im Falle Sie nicht diese Mittheilung machen wollen, an ihn Obiges zu schreiben und werde es auch ohnedies offiziell thun, um ihn von ferneren Schritten abzuhalten. Ich habe nur unter der Bedingung eingewilligt, daß eine ehrenvolle Bestätigung komme; bleibt diese aus, so bin ich auf keine Weise gebunden, und der Faden, der sich ohnedies bis zum Ueberdruß lang fortspinnt, wird für immer (denn das Wiederaufnehmen führt nur zu Lächerlichkeiten) abgeschnitten werden. Ich erwarte Ihre baldige Antwort. Mein Wahlspruch ist: intDDJI btt1)* Darum haben mündliche Aeußerungen der Minister bei mir nie einen Werth. Ich halte mich nur an das Schriftliche, -J*? nn sund das mag Ihnen als Beispiel dienen], was hat nicht Arnim nach Ihren früheren Mittheilungen alles versprochen, und wie ist er nun ser nimmt seine Versprechungen zurück]! Also, schriftlich, alles schriftlich. Eine ehrenvolle Bestätigung auf dem Papier, früher plane ich nichts, früher verlasse ich mich auf nichts und unternehme nichts. Ich werde dieser Tage vielleicht Gelegenheit haben, mit dem hiesigen Minister zu sprechen, und werde ihm geradezu erklären, daß mein Abgehen noch sehr ungewiß ist; denn ich will mich nicht auf Gnade und Ungnade ergeben. In Preußen ist wahrlich wenig zu hoffen. Gewißheit muß sein, und zwar recht bald. ~ Ihnen, mein Freund, nur noch eine kleine, kurze Notiz. Sie scheinen mir zu viel auf Worte von oben zu bauen. Ich bin etwas mißtrauisch, und vielleicht habe ich Recht. Und wird es Sie nicht verstimmen, wenn Sie das Lebensglück und die Ruhe Ihres Freundes werden untergraben sehen? Wenn mir die Hände werden gebunden sein und Sie mich aus meinem gesegneten Wirkungskreise werden weggezogen haben? '71^2^ ^>2.1 n2“7 bv 1*7 HEOn Sx [»erlaffen Sie sich doch nicht auf Redensarten, die einem nichts nützen]: „Es wird schon gut werden". Man muß alles Mögliche voraus berechnen, dann krönt die Zukunft unsere Erwartungen. Ich schließe und zeige Ihnen hierbei t) Vertraut nicht auf die Großen, Ps. 146, 3.

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