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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-11-04 · Heft 44 (4.11.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 44 (4.11.1898)
Date
1898-11-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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' > * N - - ■*'■ "■ > r -. -» T - - - -»-. - .£* te^ - >-,-.1 —- 2 - keine ausführlichen Referate über die einzelnen Borträge, dagegen aber regelmäßige Berichte über die Thätigkeit der Vereine bringen, und wir bitten die Vorstände, uns beständig darüber auf dem Laufenden zu erhalten. In Leipzig eröffneteam25.v.M. Prof. Dr. M. Philippson mit einem Vortrag über die jüdische Gesellschaft Berlins vor 100 Jahren. Derselbe Redner sprach auch in Krotoschin, Ostrowo, Wreschen und Ra witsch. Der Leipziger Verein hat mit Beginn des Semesters ein Lesezimmer eingerichtet, in dem alle jüdischen Zeitungen ausliegen. In den westfälischen Vereinen sprach Direktor Dr. Löwenberg aus Hamburg über „Moderne jüdische Erziehung" und über „Ahasver in Sage und Dichtung", in München Rabbiner Dr. Werner über „Philo undJosephus", in Eisenach eröffnete Stud.jur. Goldschmidt die Vereinsabende mit einem Vortrag: über „Berliner Salons im 18. Jahrhundert". Den zweiten Bortrag hielt Herr Prediger Meyer. Der Verein, der ursprünglich aus wenigen Mitgliedern, Gymnasiasten, bestand, zählt heute über 70 aktive Mitglieder. — Der Verein fürjüdische Geschichte und Litteratur in Aachen hat für das Wintersemester folgendes Vortragsprogramm entworfen: Rabbiner Dr. Jaulus: Die jüdisch-alexandrinische Epoche. Dr. Coblenz- Bielefeld: Jesaias. Dr. Voge lstein-Stettin: Uriel Acosta (Wahrheit und Dichtung). Professor Dr. Philippson: Die Juden unter Papst Martin V. Rabbiner Dr. Samuel-Essen: Die Synoden von Lydda und Uscha, zwei Marksteine der talmudischen Epoche. Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln: Don Isaak Abravanel und seine Zeit. — Am 25. ds. ist ein neuer Verein in Pieschen begründet worden. Ferner steht die Konstituirung neuer Vereine bevor in Nürnberg, Danzig, Wiesbaden, Bielefeld. Mögen alle anderen Gemeinden Deutschlands, die noch keinen Litteraturverein haben, diesem schönen Beispiel bald Nachfolgen. 0. Berlin, 1. November. Der Bericht über das Reichenheim 'sche Waisenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Weinbergsweg Ile, für 1897/96 ist soeben erschienen. Er enthält neben dem alljährlichen Rechenschaftsbericht diesmal eine genaue Zusammenstellung aller Stiftungen, die in den 26 Jahren des Bestehens der Anstalt für diese gegründet worden sind. Im Berichtsjahre wurden in der Anstalt 76 Zöglinge (46 Knaben, 30 Mädchen) verpflegt, 4 Knaben und 4 Mädchen entlassen. Die Gesammtausgaben für die Anstalt betrugen 54 590 M., die durch Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuß von 21150 M. aufgebracht wurden. Die Ausgaben für Beköstigung betrugen, auf Kopf und Tag vertheilt, 42,4 Pfg. gegen 41,9 Pfg. im Vorjahr. Das Waisenhaus steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Herr Louis Bamberger ist, und unter der Leitung des bewährten Direktors Herrn Dr. Moritz Jutrosinski. L2 Berlin, 28. Oktober. Bor der ersten Strafkammer des Landgerichts I fand in diesen Tagen die Verhandlung gegen eine Heirathsvermittlerin Elisabeth Wilhelmine Hartert statt wegen gewerbsmäßiger Kuppelei. Die Angeklagte betrieb aber auch das Geschäft als Heirathsvermittlerin und soll, wie die Ermittelungen ergeben haben, es als Spezialität betrieben haben, Offiziere von Adel, die sich in bedenklicher Vermögenslage befanden, mit reichen Jüdinnen zu verheirat hen!! Sie hat auch, wie sie behauptet, verschiedenen Offizieren den Weg in reiche jüdische Familien geebnet. Dies war wohl nur dadurch möglich, daß ste sich mit dem Nimbus einer vornehmen Dame zu umgeben wußte. Ihr Hauptaugenmerk soll aber darauf gerichtet gewesen sein, von den heirathslustigen Herren vor allen Dingen Verschreibungen zu erhalten, worin ihr ein gewisser Prozentsatz der Mitgift oder ein bestimmtes rundes Sümmchen, das in einem Falle 100 000 Mark betrug, für den Fall der Eheschließung versprochen wurde. Ihre ganze Thätigkeit bei diesen Ehegeschichten soll darin bestanden haben, daß sie den verschuldeten Offizieren reiche jüdische Heirathskandidatinnen namhaft machte und für ihre Einführung in die Familien sorgte. Warum wir das hier mittheilen? Um ein kleines Bild aus dem Großstadtleben zu bieten, das auch für unsere Kreise Interesse hat. Denn Warnungen und Mahnungen nutzen ja in solchen Fällen nicht, so lange gewisse Leute „nicht alle werden". Frankfurt a. ©♦, 35. Oktober. Nach längerem Krankenlager starb heute Morgen hier Sanitätsrath Dr. Marcuse im 64Lebensjahre. Der Heimgegangene, eine in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft hochgeachtete und allgemein beliebte Persönlichkeit, hat die ganze Zeit seiner ärztlichen Praxis, vom Jahre 1857 ab, in unserer Stadt zugebracht und lange Jahre hindurch sein reiches Wissen uub seine Arbeitskraft in den Dienst unseres Gemeindewesens gestellt. Seit Januar 1877 der Stadtverordnetenversammlung angehörend, nahm er an den Berathungen dieser Körperschaft regen Antheil und war namentlich bemüht, Verbesserungen in sanitärer Beziehung für unsere Stadt zu erreichen. Viele Jahre hindurch war der Verstorbene Armenarzt für den 7. und 8. Stadtbezirk, welches Amt er mit großer Liebe und Hingebung versah. > Desgleichen fungirte er 30 Jahre hindurch als Arzt für das St. Spiritushospital und das lutherische Waisenhaus. Er machte im Leib-Grenadier- Regiment Nr. 8 die Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 mit und wurde für feine aufopfernde Thätigkeit und seinen persönlichen Muth, den er an den Tag legte, im Kriege 1866 mit dem Rothen Adler-Orden IV. Klasse und im Kriege 1870/71 mit dem Eisernen Kreuz dekorirt. Wie in den weitesten Kreisen unserer Bürgerschaft, war der Heimgegangene auch in den Kreisen des Offizierkorps unserer Garnison stets gern gesehen und beliebt. Alle, die mit ihm in Berührung traten, namentlich die Tausende und Abertausende, denen er in ihren Leiden Linderung zu schaffen bemüht war, werden sein Andenken hoch in Ehren halten. Die Beerdigung fand am 18. d. Mts. statt. Der Beisetzung ging in der Leichenhalle des Kirchhofes eine Trauerfeierlichkeit voraus. Außer den Verwandten des Verstorbenen umstanden den mit kostbaren Kränzen bedeckten Sarg die Mitglieder des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung, des Aerztevereins und viele Freunde und Bekannte des Heimgegangenen. Das Offizierkorps des Leib-Grenadier- Regiments Nr. 8, in dem der Verstorbene drei Feldzüge mitgemacht hat, war durch eine Deputation vertreten. Außerdem waren auch andere Offiziere unserer Garnison erschienen, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. In warmempfundenen, zu Herzen gehenden Worten hielt der Rabbiner der hiestgen jüdischen Gemeinde, Dr. Hochfeld, die Gedächtnißrede. In dem Verstorbenen sei, so führte der Geistliche aus, der Besten einer dahingegangen, auf den man die Worte des Psalmdichters anwenden könnte: „Er trug die Lehre Gottes in seinem Herzen, und nicht wankend waren seine Schritte." Nach einem Gebet des Geistlichen wurde der Sarg, vor dem auf einem rothen Sämmetkissen die Ordensdekorationen des Verstorbenen lagen, zur Gruft getragen. Hier sprach der Geistliche abermals ein Gebet, worauf der Sarg in die Gruft Hinabgelaffen wurde, die sich dann bald über den Entschlafenen schloß. Er ruhe in Frieden. Kp. Aus der Provinz Posen, im Oktober. In Posen-Land hat die Freisinnige Volkspartei mit den Polen einen Kompromiß abgeschlossen, dem zufolge Herr Moritz Jaffe von hier als Kandidat für das LMrdtagsmandat acceptirt worden ist. — Die jüngst in New- Aork verstorbene Kaufmannswittwe Sklarek hat den israelitischen Gemeinden Pleschen und Krotoschin je 500 Dollars vermacht. — In diesem Monat feierte das Rentier Simon Simonius'sche Ehepaar in Moschin das Fest der diamantenen Hochzeit. — Die Kaufmann Adolf und Dorothea Moral'schen Eheleute in Posen haben der Stadtgemeinde eine Stiftung von 16000 Mark vermacht. Bestimmungsgemäß sollen die jährlichen Zinsen von 1000 Mark als Subvention für den zoologischen Garten daselbst, die Zinsen von 15 000 Mark dagegen zum Ankauf von Brennmaterialien für die städtischen Armen verwendet werden. — Der Pferdehändler Jsaac Berendt in Marienburg, ein sehr geachteter Bürger daselbst, ist von einem durchgehenden Wagen überfahren und getödtet worden. — Mitte d. M. beging der Mühlenbefitzer und Kommissionsrath Heinrich Bruck in Leobschütz sein 50jähriges Bürgerjubiläum. Die Mühlenindustrie verdankt dem Jubilar ihre Begründung. Er ist ferner der Begründer des in Blüthe stehenden Borschußvereins, feit mehr als 30 Jahren Stadtverordneter daselbst und Mitglied der Handelskammer zu Oppeln; außerdem ist Berendt Vorsitzender der Ortskrankenkasse zu Leobschütz und seit Jahren kaufmännischer Beirath der königlichen Intendantur des VI. Armeekorps. — Am 25. d. Mts. starb in Wreschen infolge eines Gehirnschlages der Kaufmann Salomon Gelhar. Derselbe war bis zu seinem Tode langjähriges Mitglied des Repräsentantenkollegiums. — Unter dem Vorsitz der Frau Rabbiner Dr. Lewtn wurde vor Kurzem in Wreschen ein Jungfrauenverein gegründet zu dem Zweck, arme Bräute mit Aussteuer zu versorgen und bedürftige Frauen zu unterstützen. In den Vorstand wurden gewählt die Damen Frau Dr. Lewin als Ehrenvorsitzende, Frl. Gunda Boas, Frl. Erna Türk, Frl. Jenny Ehrenfried und Frl. Martha Sieburth.

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