Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1898)
- Date
- 1898-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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WWM^WWWWWWWWWW 62. Ichrgang. Nr. 43. Lerlin. 28. Oktober 1898. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen nnd Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 20. Oktober. Auf -er Tagesordnung der gestrigen Abendsttzung der Repräsentanten-Bersammlung standen meist Rechnungsabschlüsse. Herr Isidor Sachs gab den Bericht über die Religionsschulen. Die Knaben- und Mädchenschule schlossen mit einem Minderverbrauch ab, während die Präparandenanstalt 507,77 Mark und Talmud-Thora 90,10 Mark durch Anschaffung von Unterrichtsmitteln mehr verbrauchten. Die Knabenschule hatte einen semestralen Durchschnitt von 613 Kindern, von denen 250 schulgeldfrei waren, die Mädchenschule 395 Schülerinnen, davon 150 schulgeldfrei. Der Referent fügt hinzu, daß die Erlassung des Schulgeldes mit der denkbar größten Rücksicht gewährt wird, und regt die Anstellung von Schulärzten an. Herr Professor Lewin betont die Notwendigkeit der Verlegung der Mädchenschule, da der Unterricht wegen des großen Verkehrs in der Rosenstraße nicht in gehöriger Weise ertheilt werden kann. Die Vertreter des Gemeindevorstandes stellen in Abrede, daß hierüber eine Beschwerde seitens eines Lehrers eingegangen sei, und fügen hinzu, daß auf Gemeindebeschluß der Verbleib der Mädchenschule in der Rosenstraße bestimmt sei. — Herr Bodenstein referirt alsdann über die Waisenkommission, welche mit einem Minderverbrauch von 300,60 Mark abschließt, und regt eine Vergrößerung des Fonds an, welcher den entlassenen Zöglingen die Mittel zu ihren ferneren Studien gewährt. Herr Isidor Sachs fragt an, ob nicht ein Theil der sehr beträchtlichen Büchsengelder des Friedhofes der Waisenkommisston zur Verfügung gestellt werden könne. Als hierauf seitens des Vorstandes kein Bescheid erfolgt, entspinnt fich eine lebhafte Diskusfion über die Verpflichtung des Vorstandes, aus der Mitte der Versammlung gestellte Anfragen sofort zu beantworten. Der Vorstand wünscht eine vorherige Benachrichtigung in Form einer Interpellation, um stch genügend auf die Anfragen vorbereiten zu können, alle Anträge sollen auch genügend substantiirt sein. Herr Landsberger verspricht eine bes ondere Berücksichtigung dieses Punktes bei der Feststellung der neuen Geschäftsordnung für die Repräsentantenversammlung. Herr Justizrath Tiktin bittet, die Anfrage auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Der Rechnungsabschluß wird als richtig anerkannt und dechargirt. — Herr Sanitätsrath Jastrowitz giebt den Bericht über das Hospital, das mit einem Minderverbrauch von 12 945,34 Mark abschließt. Es fei nahezu die Hälfte des von der Gemeinde gewährten Zuschusses zurückgezahlt worden. Die Ersparniß sei erzielt durch den niedrigen Verpflegungssatz von 73,5 Pfennig pro Kopf. Die Armenkommisfion werde um mehr als 4000 Mark durch das Hospital entlastet, ebenso erfahre das Krankenhaus eine, große Entlastung. Der Minderverbrauch habe den Hospitalvorstand zu der Eingabe veranlaßt, die Anzahl der Betten von 55 auf 77 zu erhöhen, während der Gemeindevorstand nur eine vorläufige Erhöhung auf 65 Betten genehmigt habe. Herr Manheim er giebt noch die Erklärung ab, daß trotz der Erhöhung der Bettenzahl sicher keine Nachforderungen an die Gemeinde gestellt würden. Nachdem Herr Jacob y kurz die vom Vorstande bewilligte Maximalquote vertheidigt, wird Decharge ertheilt, der Beschluß des Gemeindevorstandes gut geheißen und gleichzeitig eine Resolution mit dem Wunsche einer Erhöhung auf 77 Betten gefaßt. — Herr Professor Bag ins ky referirt alsdann in sehr ausführlicher Weise über den Abschluß des jüdischen Krankenhauses, das mit einem Defizit von 8679,60 Mark abschließt. Letzteres sei entstanden durch die Uebernahme der Räume des Siechenhauses für das jüdische Krankenhaus. Der Krankenverkehr sei ein sehr erfreulicher. Die Anzahl der Verpflegungstage belaufe sich auf 50 330 mit den Extrakranken; 52 pCt. aller Kranken werden gratis behandelt und verpflegt. Auf der inneren Station werde über die schlechten Räume der Jnfektionsbaracken Klage geführt, und sei eine Abstellung der Mängel durch Erweiterung dringend nothwendig. Der Abschluß wird von der Versammlung richtig befunden, die Erstattung des Defizits bewilligt. — Herr Leonhard Sachs berichtet darauf über den Abschluß der Armenkommisston, welcher einen Mehrverbrauch von 438,22 Mark aufweist. Die Armenkommisston besttze ein Vermögen von 715 838,10 Mark. Im Laufe des Jahres seien 4772 Gesuche eingegangen, der Verkehr mit der städtischen Armendirektion sei ein außerordentlich freundlicher; die Zuwendungen, welche der Kommission gemacht würden, sehr beträchtlich. Der Abschluß wird seitens der Versammlung genehmigt. — Der übrige Theil der Tagesordnung wurde schnell erledigt. Zum geschäftlichen Theil macht der Vorsitzende die Mittheilung, daß Justizrath Apolant der Gemeinde die Hebraica und Judaica aus der Bibliothek seines verstorbenen Vaters vermacht habe. Zu Revisoren der Gemeindehauptkasse wurden die Herren Oppenheim, Isidor Sachs, Neufeld und Sieskind durch Akklamation wiedergewählt. — An Stiftungen sind eingegangen vom Geheimen Kommerzienrath Herrn Louis Simon je 5000 Mark an das Hospital und das Krankenhaus, von Herrn Moritz Manheim er, zum 70. Geburtstage seines eben genannten Schwagers, 10 000 Mark für das Hospital. — In die Kommisston zur Einrichtung einer Gemeindebibliothek, worüber Geheimrath Blumenthal referirt, werden, außer dem Referenten, die Herren Rudolf Mosse, Professor Lew in und Justizrath Apolant gewählt. — Endlich werden noch 700 Mark nachbewilligt für zwei Thorarollen der Synagoge in der Lützowstraße. §2 Berlin, 23. Oktober. In der Beitel Heine Ephraimfchen Lehranstalt, OranienburgerstraßeNr.27,lesen vom 27.Oktober angefangen (gratis): Herr Professor Steinschneider: Die geschichtliche Litteratur der Juden, 1 Stunde wöchentlich, Levi b. Gerson, Milchamot, 2 Stunden. Herr Professor Barth: Jehuda Ha-Levi, Cusari (arabisch), 2 Stunden wöchentlich. Kitab al-AghLni (arabisch), 1 Stunde wöchentlich. Meldungen sind bei den Herren Lehrern zu bekommen und abzugeben. R. Berlin, 25. Oktober. Die Ankündigung, daß in der wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner der in pädagogischen Kreisen bekannte Rabbiner Dr. Jacob - Göttingen sprechen würde, sowie die Wahl des Themas: „Unsere Bibel in Wissenschaft und Unterricht", hatte neben den fast vollzählig erschienenen Mitgliedern der Bereinigung zahlreiche Gäste, u. A. Mitglieder des Gemeindevorstandes, der Repräsentantenversammlung und des Schulvorstandes, viele Hörer der hier bestehenden theologischen Lehranstalten, in das Vereinslokal geführt. Der Vorsitzende der Vereinigung, Herr Rektor Dr. Adler, begrüßte zunächst den Vortragenden, der dem Verein durch seine Berichte schon lange geistig nahe getreten sei, und hob die Fülle von Anregungen hervor, die diese Berichte — neben Maybaums Methodik die interessanteste Erscheinung in der religiös - pädagogischen Litteratur den Mitgliedern der Vereinigung geboten hätten. Sodann sprach er seine Freude über die Anwesenheit so zahlreicher Gäste, insbesondere aus dem Kreise des Gemeindevorstandes, aus und ertheilte dem Vortragenden das Wort zu seinem Bortrage, der in der dieswöchentlichen Nummer zum Abdruck gelangt. Namens der Versammlung, die dem Vortrag mit regstem Interesse gefolgt war, dankte der Vorsitzende dem Herrn Referenten für die mannigfache Anregung, die er in dem Vortrage geboten habe; es begann alsdann eine recht ausgedehnte Diskussion über Methode und Richtung der Bibelforschung sowie über die Art und Stellung des systematischen Religionsunterrichts, die noch nach Mitternacht den größten Theil der Zuhörer beisammen hielt. L2 Berlin, 24. Oktober. In der Gemälde-Ausstellung im neuen Künstlerhause befindet sich auch ein Gemälde von lokalem und historischem Interesse. Es ist dies der alte jüdische Friedhof in der Gr. Hamburgerstraße, mit dem Grabe Moses Mendelssohns und so vieler anderer hervorragenden Männer der Vergangenheit, ein interessantes Stück der jüdischen Geschichte Alt-Berlins. Professor Schnee