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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-10-21 · Heft 42 (21.10.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 42 (21.10.1898)
Date
1898-10-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 allgemeine Sympathie und Förderung erheben dürfe. Als unentgeltlich wirkende I Heilstätte hat es in dem ersten Bierteljahrhundert seines Bestehens Tausenden unserer armen Glaubensgenossen — Erwachsenen und Kindern — aus allen Theilen unseres Vaterlandes, vornehmlich aber aus Berlin, Heilung oder wenigstens Linderung ihrer Leiden gebracht, indessen weder von Seiten der Gemeinde-Verwaltungen noch der Privaten derart Unterstützung gefunden, daß es seinen Wirkungskreis erheblich hätte erweitern können. Die dauernd steigende Zahl von Aufnahmegesuchen, die Erkenntniß der Nothwendigkeit, die Gesundheitsverhältnisse unter den Bedürftigen zu verbessern, haben das Komitee veranlaßt, zu Gunsten des Instituts einzutreten, und es ist seinen Bemühungen gelungen, einmalige Beiträge von ca. 125 000 Mark aufzubringen, wobei eine Spende der Frau Baronin von Hirsch-Gereuth in Paris in Höhe von 30 000 Mark einbegriffen ist. Aus dem Vermögen der Anstalt steht die Summe von 45 000 Mark zur Verfügung. Der Neubau nebst der Ausstattung läßt sich indessen nicht unter einem Aufwand von ca. 240 000 Mark Herstellen, und es fehlen somit noch ca. 70 000 Mark, ohne deren Beschaffung das Werk nicht vollendet werden kann. Das Komitee wendet sich deshalb an alle edeldenkenden Glaubensgenossen mit der dringenden Bitte, durch Gewährung einer einmaligen Spende beizutragen, daß die Fortführung des begonnenen Baues ermöglicht wird — eines Werkes der Menschenliebe, welches der opferfreudige Gemeinsinn unserer Glaubensgenossen nicht scheitern lassen darf! Möge dieser Appell von bestem Erfolge begleitet sein! Es handelt sich um ein großes Werk der Menschenliebe. Das Komitee für den Neubau des jüdischen Kurhospitals zu Kolberg besteht aus den Herren: Julius Jsaac, königlicher Kommerzienrath, Vorsitzender. Dr. I. Ginsberg, Schatzmeister, Karlstraße 31, Hermann N. Israel, James Simon, Martin Simon, Schriftführer. § Berlin, 18. Oktober. Auf Anregung des Herrn Rabbinatsaffeffors Dr. Biberfelo ist eine Anzahl Mitglieder der Adaß-Jißroel- Gemeinde zu einem „Mekor chajim-Verein" zu dem Zweck zusammengetreten, in regelmäßigen Schiurim zunächst Bibel und Ridualcodices zu lernen. Erforderlichenfalls sollen auch Kurse für Mischna und Talmud eingerichtet werden. Mitglied des Vereins kann Jeder werden, der auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums steht. Zur Theilnahme an den Kursen ist die Zugehörigkeit zum Verein nicht erforderlich Bereinsbeitrag pro Jahr drei Mark. Die Schiurim werden im Gemeindebüreau, Gipsstraße 8 I, jeden, Sonntag Nachmittag von 3—5 Uhr gehalten und haben am Sanntag den 16. d. Mts. begonnen. Berlin, 17. Oktober. Eine merkwürdige Verfügung des Vorstehers des hiesigen Briefpostamts wird von den antisemitischen Blättern folgendermaßen mitgetheilt: „Auf Ansuchen ist bisher einigen der bei der Post beschäftigten Beamten und Unterbeamten mosaischer Religion an gewissen jüdischen Festtagen Befreiung vom Dienste zugestanden worden. So. gern diese Vergünstigung an sich gewährt würde, führt sie zu Ungleichmäßigkeiten gegenüber den viel zahlreicheren Angehörigen beider christlichen Konfessionen, denen nach Lage der Sache an Festtagen keine andere Erleichterung gewährt werden könne, als sie sich aus der amtlich festgestellten Dienstbeschränkung ergebe. An der letzteren nähmen jedoch auch die Mitglieder der mosaischen Religion Theil. Dienstbefreiung werde daher allgemein künftig nur dann zu gewähren sein, wenn der Nachsuchende für Vertretung sorge oder die Vertretungskosten zu bezahlen bereit sei." Wir meinen, es wäre zweckmäßiger gewesen, die wenigen jüdischen Unterbeamten der Post beim Sonntagsdienst zu beschäftigen und ihnen dafür die Festtage freizugeben. * Gollub, 16. Oktober. An der hierorts existirenden öffentlichen jüdischen Elementarschule fungirt der Lehrer A. K. Demselben wurde auch die Ertheilung des hebräischen Unterrichts für ein Honorar von 300 Mark übertragen. Anfangs Mai d. I. theilte Herr Rabbiner Dr. Eppenstein aus Briefen dem Gemeindevorstand mit, er werde im Aufträge des westpreußischen Gemeindeverbandes (dessen Mitglied wir ebenfalls sind) nach hier kommen und den hebräischen Religionsunterricht inspiziren. Von diesem Vorhaben machte der Unterzeichnete Vorstand dem Lehrer Mittheilung mit dem Eröffnen, ob ihm der Besuch zur Zeit gelegen oder ob eventuell ein etwas späterer Termin zu bestimmen wäre; derselbe wollte hiervon nichts wissen, er kann und darf sich keinen neuen Vorgesetzten aufbinden lassen :c. Der Hinweis auf § 4 des Kontrakts, wonach dem Vorstand das Recht zusteht, veranlaßte den Lehrer, lieber den Unterricht zu kündigen als die Inspektion zuzulassen. Da die wiederholten Kündigungen dringender wurden, mußte der Vorstand solche acceptiren und bei dem Kreisschulinspektor die Erlaubniß für Rabbiner Dr. Eppenstein zur Inspektion des jüdischen Religionsunterrichtes nachsuchen, die nach Zustimmung der städtischen Schuldeputation auch ertheilt, von der Regierung zu Marienwerder aber durch folgende wichtige Entscheidung abgelehnt wurde: „Marienwerder, 26. August. Wir weisen Sie an, dem Rabbiner in Briefen die Genehmigung zur Kontrolirung des jüdischen Religionsunterrichtes in Gollub zu entziehen. Wir halten die Ausdehnung dieser lediglich den Geistlichen der christlichen Religionen ertheilten ministeriellen Erlaubniß weder auf einen Rabbiner noch auf einen Rabbinatsvertreter für anwendbar. Die Betheiligung des Synagogenvorstandes an der Revision des jüdischen Religionsunterrichtes ist unzulässig, da nicht ihm, sondern dem besonderen jüdischen Schulvorstand nach dem durch königliche Kabinetsordre bestätigten Statut der jüdischen Schule die äußere Aufsicht über dieselbe zusteht; die eingereichten Anlagen folgen zurück." Kp. Aus der Provinz Posen, im Oktober. Lehrer Auerbach in Tremessen ist infolge einer schweren Erkrankung auf längere Zelt beurlaubt. Der Schulvorstand der jüdischen Schule daselbst hat beschlossen, die Regierung zu ersuchen, einer jüngeren Kraft die Vertretung zu übertragen. — Beigeordneter Wollenberg in Gnesen beging kürzlich seinen 70. Geburtstag. Magistrat und Stadtverordnete daselbst erwiesen ihm aus diesem Anlasse mehrfache Ehrenbezeugungen.— Die Synagoge in Ratibor hat jetzt eine Gasglühlichtbeleuchtung erhalten. — In der Wahlmännerversammlung der Chewra-Kadischa in Ostromo ist Kaufmann D. Hartmann als Vorsteher des Krankenpflegevereins wieder- sowie Kaufmann B. Weiß als Stellvertreter und Glasermeister A. Marcus als Beisitzer neugewählt worden. — Der Chef der bekannten Firma S. Fränkel in Neustadt O./Schl., Geh. Kommerzienrath Pinkus, daselbst ist zum Magistralsmitglied mit großer Majorität wiedergewählt worden. — Der jüdische Schuletat in Tremessen ist pro 1899/1900 auf 2140 Mark festgesetzt worden. — Zur jüdischen Religionslehrerin an der Simultanschule in Ratibor ist Fräulein Rawitscher, Tochter des Lehrers und Predigers Rawitscher in Eberswalde, gewählt worden. 8—n. Stettin, 17. Oktober. Am 13. d. M. ist der Vorsitzende des Vorstandes unserer Gemeinde, Herr Jacob Samuel, von einem unabsehbaren Gefolge zur letzten Ruhestätte geleitet worden, und wenn ich um Aufnahme dieser Zeilen bitte, so ist der Zweck derselben nicht einzig und allein der, das Leben und Wirken dieses vortrefflichen Mannes zu feiern, sondern Andere, besonders solche seines Ranges, anzuregen, dem Beispiel des Dahingeschiedenen zu folgen. Es ist eine traurige Erscheinung unserer Zeit, daß ein großer Theil Derjenigen, die im öffentlichen Leben es zu einer hohen Stellung gebracht, von der Gemeinschaft ihrer Glaubensgenossen sich zurückzieht, und je ärmer das Haus, wo ihre Wiege einst gestanden, je dürftiger die Verhältnisse, in denen sie aufgewachsen, desto stolzer sie all dem gegenüber sich verhalten, was wir als heiliges Erbe aus allen Kämpfen der Zeit noch erhalten haben. Jacob Samuel war der Wenigen einer, der eine rühmliche Ausnahme machte, der trotz seiner mannigfachen Berufsgeschäfte, trotz der hervorragenden Stellung, die er im öffentlichen Leben als Stadtverordneter, als Handelsrichter, als Mitglied der Getreide-Fachkommission eingenommen, dennoch den Interessen unserer Gemeinde seine Dienste gewidmet, ein warmfühlendes Herz für die heilige Sache des Judenthums hatte und jederzeit für die Ehre desselben mannhaft eingetreten ist. Mit Recht hat Herr Dr. Vogelstein, der im Hause des Entschlafenen eine ergreifende Rede gehalten, auf dem Friedhof als Rabbiner und als Freund den: Vorsteher und Freunde die Worte Jonathans an David zugerufen: „Du wirst vermißt werden, denn Dein Sitz ist leer." Treffender und ergreifender konnte der Abschiedsgruß von dem Manne nicht ausgedrückt werden, der unerwartet von des Todes kalter Hand plötzlich dahingerafft und dessen Leben bis zum erlöschenden Athemzuge Arbeit war, Arbeit nicht nur im Dienste eigener Interessen, sondern mit gleich freudiger Hingebung im Dienste des allgemeinen Wohls und der Werke echter Menschenliebe. Vermissen wird ihn unsere Gemeinde, deren Wohl er drei Jahrzehnte gefördert und an deren Spitze er in den letzten 11 Jahren segensreich gewirkt. Mit seltenem Geschickwußte erallen Parteien gerecht zu werden, die verschiedenen Gegensätze durch die Macht seiner Persönlichkeit, durch seine Liebenswürdigkeit und versöhnliches Wesen auszugleichen und den Frieden der Gemeinde zu erhallen. Vermissen

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