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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-10-21 · Heft 42 (21.10.1898) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 42 (21.10.1898)
Date
1898-10-21
Page
Seite 503 (sequence 11)
Language
German
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503 EUILLETON Are Rose von Saron. Eine Erzählung. XVII. (cjCSIer Hügel Zion, zugleich der innerste Theil Jerusalems und mit der königlichen Burg gekrönt, ist ringsum von einer gewaltigen Mauer, der ältesten Befestigung der heiligen Stadt, umgeben. Im Weste» und Süden läuft um die hohe Zion das grüne Thal Ben-Hinnom, welches bei der berühmten Quelle Siloah mit dem Thal Josaphat zusammenstöbt und dort aufhört. Die Quelle Siloah aber ist in den Kreis der erwähnten Schutzmauer eingeschlossen, demnach von den beiden Thälern geschieden. Der sanfte Abhang des Hügels Zion von der Quelle Siloah an bis zum Thore Bethsa, dessen Staffeln aus der heiligen Stadt niederführen, war ehemals mit den berühmten Gärten bedeckt, wo die hebräischen Könige den Freuden orientalischer Muße und ihres reichen Harems sich überließen. Als Salomo auf dem Thron saß, übertraf die Pracht dieser Garten alles Aehnliche im Orient. Das große Fest der Wochen war vorüber. Nun zeigten sich auch die Sabäer der Fürstin Iva häufiger zu Jerusalem, und das müßige Volk war eifrig beschäftigt mit der Ankunft der reichen lind berühmten Fürstin. Auch durfte Iva nun die Burg des Königs betreten, was sie während des großen Sabbaths nie hätte thun dürfen, da die heilige Schwelle zu solcher Zeit durch den Fuß einer Abgöttischen ohne Zweifel entheiligt worden wäre. Es war also einen Tag nach dem großen Feste, als die Gärten Salomos von den Füßen der Macht und der Schönheit betreteil wurden. Mittag war vorüber, als König Salomo und der erhabene Besuch, den er empfangen, aus den Hallen der Königsburg niedergestiegen, um den von allen Orientalen so geliebten Garten zu durchstreifen. Der König und Iva schritten ohne weiteres Gefolge durch die Laudgänge des weitläufigen Gartens. Blos zwei ewig stumme Sklaven von schwarzer Gesichtsfarbe gingen dem königlichen Paare nach und hielten in ihren Händen große Fächer von Palmenblättcrn. Die schattigen Baumgänge aber, von dem üppigen Blätterdach hoher Stämme Überhängen, machten jene Fächer eigentlich ganz überflüssig. Die Sonne hatte den Zenith verlassen, aber noch sprühte sie sengende Hitze, und der tiefblaue Himmel glühte blendend hernieder. Welch ein Tag voll Gluth und Sonnenglanz! Welch eine Lust voll Licht iiiid strömender Düste! Solche Tage gebiert das Morgenland allein! Die breitblätterigen Palmen, die schlanken Granatbäume, die üppigen Cypreffen neigen erschöpft ihre Zweige und Blätter. Den Gräsern und Blumen zu ihren Füßen geben sie Schatten und Erquickung, sie selbst ragen schutzlos dem Sonnenbrände entgegen. Und doch sind diese Blätter nicht dürr, doch prangen sie in saftigem Grün — denn rings um die Stämme huschen zahllose Quellen durch das Gras und treiben rastlos die erquickende Kühlung in das Mark der Bäume, bis in das zarteste Geäder des Laubes. Ueber diesen versteckten Quellen schauert Kühle, und die Düfte der Blumen streichen darüber hin. Und das nahe und ferne Geriesel der kleinen Quellen läßt sich vernehmen wie sachte, geschwätzige Stimmen schützender Blumengeister. Eine athemlose Ruhe, ein Meer würziger Düfte, ein unermeßlicher Glanz ist über diese Szene gebreitet. Farbenschimmer der Blumen, die sich üppig an einander drängen, spielt mit dem gelben Strahl der Sonne, welcher durch das Laubgitter hereinhuscht und seltsame Lichter glitzernd über die grünen Abhänge wirft. Alles Gluth, Licht, Duft, schwellende Kraft und — ermattende Ruhe! Solche Szenen gebiert nur das Morgenland. Der König und Iva standen jetzt i.n einer von breiten Cypreffen umgebenen Rundung, deren Fläche mit feinem schimmernden Kiese bedeckt war. Jnrnitten der Rundung und von riesigen Bäumen fast ganz Überhängen, stand ein kleiner Bau von farbigem Holz, auf schlanke Säulen gestützt, deren Zwischenräume von dunkelgrünen, faltenreichen Vorhängen verdeckt waren. Das Gebäude oder der Kiosk war rund und trug eine leichte Kuppel, die mit grell abwechselnden Farben bemalt war. Aus dem Innern tönte der einförmige, einschläfernde Fall eines Springquells. Zwischen zwei Cypreffen am Rande des Kreises war eine breite Bank von grünem Rasen angebracht. Ein Teppich, dessen Zipfel bis auf den Kiesboden hernieder hingen, bedeckte den einfachen Sitz. Hierher setzten sich der König und Iva, während die beiden Sklaven auf beiden Seiten niederknieten und ihre Fächer in Bewegung setzten, um die summenden Fliegen von ihren Gebietern entfernt zu halten. In dieser Umgebung war es minder still als in dem früher durchwandelten Theil des Gartens. Singvögel aller Art, die melodische Singdrossel, welche die Nachtigall des Morgenlandes heißt, das schmeichelnde Rufen der Turteltauben und unzählige andere melodische Stimmen zwitscherten in den Zweigen der Bäume. Ueber all diesen harmonischen Tönen vernahm man auch das ferne Geriesel der Quellen nicht mehr. Die Fürstin der Sabäer begann also zu dem König der Hebräer zu sprechen: „Deine Macht ist groß, König von Zion, aber auch Deine Milde ist groß und Deine Lieblichkeit. Siehe, Dein Volk muß glücklich sein, da sein König, gleich den Hirten des glücklichen Saba, unter den milden und schönen Schöpfungen der großen Mutter so gern verweilt. Denn die Schöpfungen der göttlichen Mutter mildern und sänftigen den herrschsüchtigen Geist der Menschen." Das Auge des Herrschers blickte etwas erstaunt die Sprecherin an, und seine Lippen unterdrückten nicht ein hochmüthiges Lächeln. „Siehe," sagte er, „mein Volk ist glücklich, denn des Segens seiner Felder ist viel, und es knieet in dem prächtigen Tempel, den ich ihm erbaute aus den Cedern des Libanon und mit Hilfe der kunstreichen Sidonier. Israels Schiffe schneiden die Fluthen vieler Meere. Seine Segel wehen zu Askalon, am griechischen Meere und in den Häfen der Sidonier. Sie wehen an den Mündungen des Nils und zu Ezjon-Geber. Ja, sie wehen zu Saba und weit drüben in dem köstlichen Lande Ophir. Und die Schätze aller Länder strömen zu Jerusalem in die Paläste der klugen Kinder Israels, und meine Macht ist gefürchtet bis gen Syrien und abwärts bis an die Ufer des Nils. Siehe, Israel ist glücklich." Die Königin der Sabäer neigte das Haupt, so daß die weichen Falten des Schleiers gefällig in einander wogten. „Du hast das Edelste nicht genannt, großer König!" sagte die Fürstin der Wüste, „Du hast gleichsam das Licht des schönsten Edel

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