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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-10-14 · Heft 41 (14.10.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 41 (14.10.1898)
Date
1898-10-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Samuel Salomon, Alex. Salomon, Schmul Pinkus und Joseph Weißfeld gewählt und bestätigt worden. — In Kattowitz wird gegenwärtig eine neue israelitische Leichenhalle erbaut. — Die jüdische Schule in Usch ist in eiüe Kommunalschule umgewandelt worden. — Der Kaufmann Simon Krönbach in Posen ist jüngst im Alter von 57 Jahren gestorben. Derselbe war eine lange Reihe von Jahren eifriges Vorstandsmitglied der dortigen Waisenanstalt, des Holzvertheilungs- und Chewra- Kadischavereins. — Das Anfangs d. M. verstorbene Fräulein Rosalie Jacubowska in Fraustadt hat für die verschiedenen israelitischen Vereine daselbst Legate ausgesetzt, der Gemeinde selbst hat sie einen Betrag von 3900 Mark hinterlassen. — Nach der vor Kurzem erfolgten Versetzung des Lehrers Isidor Lewin von Kolmar nach Schneidemühl hat die Gemeinde in Kolmar die Verschmelzung der beiden jüdischen Schulklassen in eine einzige bei der Regierung beantragt. Nachdem die Genehmigung hierzu erfolgt war, beantragte die Gemeinde wieder die Beibehaltung des Zweiklassensystems. Darauf hat der Minister entschieden, dem letzten Gesuche stattzugeben, wenn die Gemeinde auf den bisherigen Staatszuschuß verzichtet. — Der israelitische Frauenverein in Wreschen hat seiner Vorsitzenden, Frau Stadtrath Johanna Jaffe, anläßlich ihres Scheidens von Wreschen eine in einem Buch bestehende Ehrengabe überreicht. An Stelle der Frau Jaffe ist Frau Kreisphysikus Michaelsohn zur Leiterin des Vereins gewählt worden. — Der König hat die Annahme der der Stadtgemeinde Krotoschin von den Kommerzienrath Hepner'schen Eheleuten daselbst anläßlich ihrer goldenen Hochzeit gemachten Zuwendungen von 6000 Mark genehmigt. 6. Schrimm, 9. Oktober. Am 2. d. M. entstand während des Abendgottesdienstes in der hiesigen Synagoge eine Panik, die durch mehrere im Atter von 13 Jahren stehende Burschen polnischer Zunge hervorgerufen wurde. Dieselben hatten Steine in die Synagoge geworfen, mehrere Fensterscheiben zertrümmert und wurden deshalb von einigen Israeliten zur Feststellung ihrer Namen festgenommen. Indessen hatte sich aus die Hilferufe der jugendlichen Uebelthäter vor der Synagoge eine kolossale Menschenmenge angefammelt, die den Israeliten drohend gegenübertrat, so daß die in der Synagoge Zurückgebliebenen sich durch die Noththür flüchten mußten. Unter anderem wurden Drohungen laut, die Polen sollten sich sammeln, die Juden Niederschlagen und die Synagoge in Brand stecken. Erst durch das Eingreifen der Polizei wurde die Menge zerstreut. Gegen die Urheber dieser Panik sowie gegen Diejenigen, die sich solcher aufreizenden Redensarten bedienten, müßte ernstlich vorgegangen werden, zumal ähnliche Fälle hier schon häufig vorgekommen sind. Breslau, 4. Oktober. Frau Johanna Samuelsohn, geb. Fließ, ist ihrem Gatten Dr. Bendix Samuelsohn nach wenigen Monaten in die Ewigkeit gefolgt. Eine hochgebildete, geist- und gemüthvolle Frau, wußte sie Jahrzehnte hindurch ihr Haus zum Sammelpunkt der Studirenden jüdischer Wissenschaft zu machen, und Biele, die jetzt als Führer hervorragender Gemeinden wirken, danken ihr Anregung und Förderung. Eine stattliche Trauerversammlung bekundete die Verehrung, welche die Verstorbene genoß; Herr Dr. Rosenthal sprach im Namen der Familie, und Herr Dr. Guttmann widmete als Freund der Verklärten, ihr ergreifende Worte der Trauer und des Dankes. — Ferner ist hier am 4. d. Mts. Dr. Adolf Gold st ein gestorben. Der Verblichene hat, ehe er hierher kam, fast dreißig Jahre lang in Kattowitz ärztlich gewirkt, ebenso lange dort als Stadtverordneter, als Magistrats- Mitglied, als zweiter Bürgermeister sich mit Eifer und Erfolg gemeinnützig bethätigt. Hamelu, 1. Oktober. Die Lokalblätter melden folgenden Vorfall: Der Lehrer H. in Grohnde mußte sich am 2. Dezember v. I. beim Schlittschuhlaufen zur Befestigung eines lockeren Schlittschuhes auf den Schlitten eines seiner Schüler setzen. Der von einem besonderen Lehrer unterrichtete Sohn des Kaufmanns Rotenstein bemerkte dies und zog im Uebermuth dem Lehrer H. den Schlitten unter dem Sitze weg, wodurch H. dermaßen taumelte, daß er sich nur mit Mühe vor einem erheblichen Falle bewahren konnte. In seinem ersten Schrecken und in der Erregung rief H. dem davoneilenden Rotenstein zu: „Töw, Du verfluchter Jtzig!" Der Vater des Knaben klagte deshalb, nachdem er stch vergeblich beim Lokal- und Kreisschul-Inspektor sowie bei der Regierung über den Lehrer H. beschwert hatte. Das Schöffengericht Hameln sprach damals dem Lehrer den Schutz des 8 193 des Str.-G.-B. zu, indem es hervorhob, daß H. über das Mab des Erlaubten nicht hinausgegangen sei, da er sich in berechtigter Erregung befunden habe; da er ferner nicht einmal die beleidigende Absicht gehabt habe, könne von einer Beleidigung nicht die Rede fein. Der Anwalt des Privatklägers Rotenstein, Rechtsanwalt Lenzmann, beantragte H.'s Verurtheilung. Er hob hervor, daß der Name „Jtzig-" ein Schimpfwort sei, das einen Menschen bezeichne, dem alles Schlechte anhafte. Rechtsanwalt Busse als Bertheidiger des Angeklagten führte aus, daß sein Klient lediglich in berechtigter Abwehr einer großen Ungehörigkeit gehandelt hätte. Er sei der Ansicht, daß „Jtzig", ein bei den Juden häufig vorkommender Vorname, keine Beleidigung sei, da sonst eine Anrede bei den Juden überhaupt unmöglich sei, wenn schon der. Ausdruck „Jude" beleidigend sei. Rechtsanwalt Lenzmann bemerkt sodann noch, ob es den Gegner wohl angenehm berühren würde, „Jtzig" genannt zu werden. Rechtsanwalt Busse.verwahrt stch dagegen allerdings entschieden mit der Begründung, daß er die Bezeichnung „Christenjunge" aus dem Munde eines „Judenjungen"" gleichfalls nicht als Beleidigung auffassen würde. Das Gericht verurtheilte den Lehrer H. zu 20 Mk. Geldstrafe, indem es feststellte, daß „verfluchter Jtzig" im Zusammenhänge allerdings als eine Beleidigung aufzufassen sei. Es hob indeß hervor, daß H. der Schutz des § 193 zur Seite stände, weil es als eine Ungezogenheit zu bezeichnen sei, wenn ein Schuljunge einem erwachsenen Manne einen Schlitten unter dem Sitze wegziehe. Der Lehrer legte gegen das Urtheil das Rechtsmittel der Berufung ein. O Köln, 10. Oktober. Wir haben bereits über den Verlust berichtet, den die hiestge Gemeinde durch den Tod des Stadtraths Benjamin Liebmann, dessen Begräbniß am 4. d. M. unter allgemeiner Theilnahme stattgefunden, berichtet. Auch die „Kölnische Zeitung" widmet dem Verstorbenen einen herzlichen Nachruf. Dort heißt es: „Der Verblichene, der nicht nur unter seinen Glaubensgenossen, sondern in der gesammten Bürgerschaft stch hoher Achtung und Werthfchätzung erfreute, gehörte seit dem Jahre 1876 dem Stadtverordneten-Kollegium an und wurde mehrere Male durch das Vertrauen seiner Mitbürger wiedergewählt. In den verschiedensten städtischen Deputationen, Kommissionen und Kuratorien war er mit großer Pflichttreue thätig und widmete besonders den Angelegenheiten der Finanzkommission und der Feuerwehr sein regstes Interesse. Ueberhaupt lag ihm die gedeihliche Entwickelung Kölns sehr am Herzen, wie er auch als ein rechter deutscher Mann von nationaler und liberaler Gesinnung stets für alle patriotischen und nationalen Bestrebungen warm eintrat. Mit hervorragenden Gaben des Geistes und Herzens ausgestattet, widmete er dem von ihm mitbegründeten großen kaufmännischen Unternehmen seine ganze Arbeitskraft; seinen Angestellten war er nicht nur ein leuchtendes Vorbild, sondern auch ein fürsorgender Chef und treuer Berather. Mit seltener Hingebung hat er 27 Jahre hindurch sich in den Dienst der hiesigen Synagogengemeinde gestellt und war stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums. Die Synagogengemeinde verliert in ihm einen thatkräftigen Förderer ihrer Interessen, der mit unermüdlichem Eifer in allen Gemeindeangelegenheiten thätig war. Den Gedanken des Neubaues einer Synagoge hat er mit Energie und Zielbewußtsein vertreten, und seiner Fürsorge und seinen rastlosen Bemühungen haben es seine Glaubensgenossen mit in erster Linie zu danken, daß stch die neue Synagoge, deren Weihe er nicht mehr mit erleben sollte, in ihrer monumentalen Pracht an einem der schönsten Plätze Kölns erhebt. Er war ein Mann von edler Gesinnung und nie versagender Theilnahme für die Armen. Der Kölner Wohlthätigkeitsverein betrauert in ihm einen seiner Mitbegründer und unermüdlichen Förderer seiner schönen und edlen Bestrebungen. Die Bürgerschaft Kölns wird das Andenken des Verblichenen hoch in Ehren halten." Grstrrrrich -Ungarn. o Wien, 10. Oktober. Es beginnt doch allmälig zu tagen in Wien; das bethörte Volk beginnt doch endlich einzusehen, wie sehr es von der antisemitischen Partei hintergangen wurde und wird. Die Christlich-Sozialen haben bisher nicht nur keine der Verheißungen erfüllt, mit denen sie als Oppositionspartei so verschwenderisch umgingen, sondern sie wirthschaften noch viel schlimmer und drückender — weil unfähiger — als die vielgefchmähten Liberalen. Der neue Vertrag mit der englischen Gasgesellschaft hat eS offen gezeigt, wie sehr es

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