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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-10-14 · Heft 41 (14.10.1898) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 41 (14.10.1898)
Date
1898-10-14
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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HW 62. Jahrgang. Nr. 41. Berlin, 14. Oktober 1898. Weikage zur „Akkgerneinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 6. Oktober. Der heutigen Abendsitzung der Repräsentanten-Bersammlung lagen sieben Vorlagen zur Berathung vor, darunter keine von größerem Interesse. Zum geschäftlichen Theil berichtete der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, daß der Kassenbote Simonsohn provisorisch als Nuntius verpflichtet worden sei. Ferner habe der Rektor Herr Dr. Adler ein ihm vom Vorstand zugebilligtes Honorar für die Vertretung des Herrn Dr. Apolant abgelehnt und sich nur zur Annahme eines Honorars für diejenigen Stunden bereit erklärt, welche er nach dem Hinscheiden des bewährten Lehrers ertheilt habe. In dem betreffenden Schreiben des Herrn Dr. Adler heißt es, es wäre für ihn eine Ehren- und Freundschafts-^ Pflicht, dem Verstorbenen gegenüber gewesen, denselben zu vertreten. Punkt 2 der Tagesordnung betraf die Mittheilung, daß die Kinder des Stadtverordneten Herrn Moritz Heilmann aus Anlaß seines 70. Geburtstages dem jüdischen Krankenhaufe einen Betrag von 9000 Mark zu einer Moritz Heilmann-Stiftung zugewendet haben. Die Versammlung hat von dieser Mittheilung nur Kenntniß zu nehmen. Die Anträge zweier Gemeindemitglieder, betreffend die nachträgliche Aufnahme in die Wählerliste, wurde ohne weitere Debatte genehmigt, mit Rücksicht darauf, daß die Wähler, obwohl sie bei Beginn der Auslegung der Liste Restanten waren, ihre Restbeiträge noch während der Auslegung beglichen haben. Zu Punkt 4 der Tagesordnung wurde ein Beitrag von 1000 Mark bewilligt zur Pflege des Grabes der in Wiesbaden beerdigten Clara Blumenthal, der Schwester des verstorbenen Felix Blumenthal, welcher der hiesigen Gemeinde seinerzeit eine größere Erbschaft hat zukommen lassen. Es erfolgte.alsdann die Festsetzung des Honorars für die Hilfs- Predigten; debattelos wurde auch gemäß dem Anträge des Referenten den Chormitgliedern der Synagoge Lützowstraße ein Extrahonorar von 50 Mark bewilligt für die mehrere Monate hindurch fortgesetzten Proben und für die Mitwirkung bei der Einweihungsfeier der Synagoge. Als letzter Punkt der Tagesordnung standen noch Rechnungsabschlüsse einiger Spezialverwaltungen zur Berathung. Ueber die Friedhofskommission, welche 52 053 Mark ablieferte, referirte Herr Isidor Sachs. Seitens des Referenten wurde bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß die Kosten der Beerdigung noch sehr hohe seien, wenngleich sie sich im Verhältniß zu denen auf den Friedhöfen Andersgläubiger noch immerhin billig stellten. Vom Kommissar wurde betont, daß die Beerdigungskosten nicht nur relativ gegenüber denen anderer Gemeinden außerordentlich billig seien, sondern auch absolut sich sehr niedrig stellen, und daß sie, soweit die dritte Klasse in Frage käme, kaum die Selbstkosten decken. In der Diskussion wurden noch verschiedene andere Fragen gestreift, so z. B. über die Nothwendigkeit einer besseren Ausschmückung der Halle. Im Uebrigen wurde dem Rechnungsabschluß Decharge ertheilt. Ebenso wurde der Rechnungsabschluß der Altersversorgungsanstalt dechargirt. Referent war Herr Bodenstein. Die Anstalt bezieht keinen Zuschuß von der Gemeinde, sie verfügt über ein ansehnliches Vermögen, über zwei Millionen Mark. Es wird sich jedoch, wie Herr Manheimer aussührt, in der nächsten Zeit die Nothwendigkeit ergeben, noch eine dritte Anstalt zu erbauen. Ueber die Fürsorgekommission berichtete alsdann Herr Sieskind. Der Abschluß ergiebt, daß eine Ersparniß von 668 Mark erzielt worden ist. Seitens sämmtlicher Redner wurde in der Diskussion die Thätigkeit dieser Kommission mit besonderem Lobe anerkannt. Hieraus wurde die öffentliche Sitzung geschlossen, und die Versammlung trat in eine geheime ein, auf deren Tagesordnung noch drei Punkte zur Erledigung standen, nämlich Verlängerung von Anstellungen, Bewilligung'von Unterstützungen und Wahl eines Mitgliedes für den Vorstand der Neuen Synagoge. g/g Berlin, 10. Oktober. Der achte Gemeindetag und erste Verbandstag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes findet, wie wir bereits gemeldet, im Bereinshaus, Wilhelmstraße 118, am 16. und 17. d. M., Vormittags 10^ Uhr statt. Die Tagesordnung haben wir ebenfalls schon ausführlich mitgetheilt und fügen deshalb nur noch den Wortlaut der drei wichtigen Anträge bei, die zur Verhandlung kommen werden- Der Antrag des „Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens" lautet: Der Gemeindetag des D.-J, G.-B. wolle beschließen, daß alle diejenigen Gemeinden einer Provinz oder eines Bezirkes, welche seitens des D.-J. G.-B. eine Unterstützung erhalten, Mitglieder des betreffenden Provinzial- oder Bezirks-Gemeindeverbandes sein müssen. Der Antrag der Gemeinde Gollub geht dahin: Der D.-J. G.-B. soll bei dem Herrn Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten dahin vorstellig werden, daß die den Geistlichen der christlichen Bekenntnisse ertheilte Ermächtigung zur Jnspizirung des Religionsunterrichtes auch auf die Rabbiner behufs Inspektion der jüdischen Elementarschule ausgedehnt werde. Der Antrag der Gemeinde Potsdam fordert: Der D.-J. G.-B. wolle die Einsetzung einer Kommission beschließen, die über eine einheitliche Regelung der Altersversorgung der Gemeindebeamten und der Fürsorge für deren Hinterbliebene durch Begründung einer Bundeskasse in Berathung zu treten und deren Ergebniß dem Ausschüsse, spätestens aber dem nächsten Gemeindetage zu unterbreiten hat. — Wie wir hören, sind die Anmeldungen zum Gemeindetag aus allen Theilen Deutschlands bisher zahlreich eingelaufen. Es steht zu erwarten, daß die Verhandlungen wichtig und erfolgreich sein werden. ex» Berlin, 12. Oktober. Auch in diesem Jahre hat der „Verein für jüdjsche Geschichte und Litteratur" ein sehr reichhaltiges Arbeitsprogramm für die Wintersaison aufgestellt. Die sechs öffentlichen Vorträge des Vereins finden in der Aula des Friedrich-Werder'schen Gymnasiums, Dorotheenstraße 13, Abends sy2 Uhr statt. Es werden sprechen: am 13. d. M. Geh. Regierungsrath Prof. Dr. Cohen aus Marburg: Die Versöhnungsidee; 16. November Prof. Dr. F. v. Lu sch an: Völkerkunde von Vorder-Asien (mit Demonstrationen); 7. Dezember Reeitator R. Faelberg aus Wien: Recitationen aus dem Gebiet der neuhebräischen Poesie; 3. Januar Professor Dr. Ludwig Stein aus Bern: Ueber den religiösen Optimismus; 14. Februar Gymnasialoberlehrer Dr. M. Schaefer: Der Richter Simson; 14. März Direktor H. Frauberger aus Düsseldorf: Jüdische Kunst im Mittelalter. — Außerdem veranstaltet der Verein zwei Diskussionsabende und einen zusammenhängenden Vortragscyklus im großen Saale des Architektenhauses, Wilhelmstraße 92. Am ersten Diskussionsabend, den 25. d. M., wird Herr Dr. A. Rosenberg-Thorn über „Faust und Kohelet" sprechen, am letzten Diskusstonsabend, den 2. Mai, wird Herr Dr. Ackermann-Brandenburg über die Frage der „jüdischen Melodien" sprechen. Den Vortragscyklus über die Geschichte der Juden von ihren Anfängen bis aus die neue Zeit wird Herr Dr. Gustav K arpeles in sechs Abenden, und zwar am 22. < November, 20. Dezember, 24. Januar, 28. Februar, 21. März und am 11. April, abhalten. Sämmtliche Vorlesungen des Vereins find unentgeltlich; der Zutritt steht Jedermann frei. g/g Berlin, 10. Oktober. In der letzten Stadtverordneten - sitzung am 6. d. Mts. kam der von uns bereits signalisirte Antrag Friedemann und Genossen auf die Tagesordnung: „Da in einem großen Theil der Privat-Töchterschulen des Westens die Aufnahme der Schülerinnen von konfessionellen Rücksichten abhängig gemacht wird, ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, eine zweite höhere städtische Mädchenschule im Westen zu errichten." Wir geben in Folgendem einen Auszug aus den Verhandlungen. Antragsteller Stadtverordneter Dr. Friedemann: Schon seit Jahren fei im Westen die Beobachtung gemacht worden, daß die Aufnahme der Schülerinnen in den höheren Privat-Töchterschulen von der Zugehörigkeit zu bestimmten Konfessionen abhängig gemacht werde. Solche Vorfälle

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