Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1898)
- Date
- 1898-10-14
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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W WMMWWWWWWW« IH^ISBSSPP W 489 - halten — das Verhängniß hat einen göttlichen Blitz in die Seele Nasmis geschleudert — der Ster» von Edom wandelt aus seinen Kreisen heraus, um in den Gemächern eines Königs strahlend niederzugehen! Nasmi ist glücklich — aber Edom ist beraubt und Zerüha und — Reson! Unglücklicher Führer der Rotten zu Damaskus, Du bist tapfer, Du bist treu, Du bist entbrannt für Dein Edom und seinen Stern. Aber Deine leidenschaftliche Seele kennt die Klarheit weisen Bedenkens nicht, denn wärst Du weise, so würdest Du treulos sein und des undankbaren Kampfes vergessen! Ja, das wäre Weisheit, treuer Führer! Die Klugen werden lächeln, daß Du einem Mädchen Deinen tapferen Arm, Deine Treue, Deine starke Begeisterung hingegeben! — einem Mädchen, welches auf einem Thron geboren wurde! Du bist treu, Kind des Volkes, Du bist tapfer, aber nicht klug — siehe, das mangelt Dir, und darum wirst Du Dich des Glückes nimmermehr erfreuen! Nach einer langen Pause, während welcher der König das Mädchen fortwährend umschlungen gehalten, sprach er mit leiser Stimme: „Du bist lieblich, Tochter Edoms, gleich dem Frühling in den Gärten Salomos! Du bist zart und voll Liebe! Und mein Herz ist glücklich geworden bei Deinem Anblick. Wohlan, folge meinen Schritten, und weiche nicht aus meinen Armen, und sei Salomos geliebte, liebliche Braut!" Das Mädchen zitterte — seine Augen waren niedergeschlagen — sein Antlitz glühte — seine Arme hielten des Königs Nacken sehnsüchtig umschlungen-sie war seine Braut, unwiderruflich seine Braut! Er zog sie mit sich — er wollte sie zur geöffneten Thür hinausführen und auf den schnellen Rossen in seinen glänzenden Palast leiten. Da warf sich eine Frau, von Thränen überströmt und mit verzweifelnden Geberden, vor ihm nieder. „Führe sie nicht fort, großer König!" rief die Edomiterin flehend. „Siehe, in meine Hand ward sie gegeben, und ich habe geschworen, sie zu schützen, bis-o, führe sie nicht fort! Laß sie bei mir! Laß sie ihrem Volke!" Der König trat befremdet zurück, während Nasmi ihr Haupt an seine Brust verbarg. „Sie soll eine Fürstin werden in Salomos Palästen," sagte der König ernster. „Halte uns nicht auf, alte Mutter, Nasmi wird glücklich werden!" „Ich habe versprochen, sie zu schützen!" rief die Matrone verzweiflungsvoll. „König Salomo schützt sie! Weiche, thörichtes Weib!" „Nasmi!" rief die Edomiterin mit gefalteten Händen. „Sprich Du — denke Resons — denke des Thrones von Edom!" Das Mädchen verbarg das Gesicht und antwortete nicht. Es strebte, vorüber zu schreiten, und Salomo folgte der sanften Gewalt. „Weiche!" gebot er mit einer strengen Geberde. Die Matrone sank wie vernichtet zusammen. Der König und Nasmi schritten vorüber und standen bald neben den Reitern, welche die Pferde für den König und das Mädchen herbeiführten. Aber Salomo blieb stehen und schloß das Mädchen noch einmal in seine Arme. Das sanfte Mondlicht floß wie schüchtern auf die Züge des Mädchens nieder, und der König blickte voll Bewunderung und Leidenschaft in dies süße Angesicht. Er schlang die Arme fester um die zarte Gestalt des Mädchens und sagte in flüsternden, leidenschaftlichen Tönen: UILLETON Are Rose von Saron. Eine Erzählung. 8 XVI. m die einsame Hütte standen die Reiter Salomos an ihre Pferde gelehnt und harrten des Königs. Die Schatten der Bäume verbargen diese düsteren Gestalten, obwohl der Mond aufgegangen war und sein mildes, bleiches Licht mit zitternder Liebkosung auf den grünen Oelberg streute. Die Nacht war still, mild und athmete die Düfte der Gefilde aus. Drüben glänzte der heilige Bau auf Moriah und die ragenden Zinnen Jerusalems. Sie waren einsam und lautlos — ein ferner Wächterruf nur bebte zuweilen durch das Thal Josaphat. In dieser stillen, milden Nacht ward Edoms vertriebene Fürstin ein glückliches Geschöpf, denn der hohe König Zions entbrannte zu ihr in Liebe. Inmitten des zerstörten Gemaches, welches die fanatischen Krieger Israels verlaffen, stand eine Gruppe von zwei glücklichen Menschen. Die Fürstin Edoms kniete vor dem Herrscher Israels. Ihr zartes Antlitz war voll Gluth und Begeisterung. Der König hatte ihre Hand gefaßt, suchte die Knieende aber vergebens aufzuheben. Ach, das Erwachen einer glühenden, herrlichen Leidenschaft ist immer voll unendlicher Demuth, voll heißen Flehens um Erwiederung und Glück! Siehe, dies zarte, liebeglühende Wesen, wie es kniet vor dem hohen Herrscher, dessen Stirn Majestät, dessen lächelnde Lippe Milde und Leidenschaft spricht! Wie ist sie schön! — und wie ist er majestätisch, anbetungswürdig, fast göttlich anzusehen! — Weisheit, Macht, Liebe athmet diese hehre, gereifte Gestalt! — Tadle es nicht, daß ein liebeglühendes, nie geliebtes, junges Herz dieser siegenden Erscheinung leidenschaftlich entgegenbebt! Der König hat von ihren zitternden Lippen erfahren, daß sie, die gestürzte Herrscherin Edoms, daß sie seiner Macht unterworfen ist. Seine große Seele bebt voll Mitleid und Leidenschaft. Schönheit und Unglück — welche Seele widerstände diesem vereinigten Paare? Und sie kniet vor ihm, diese gestürzte Fürstin. Sie denkt ihres Thrones, ihres Volkes nicht mehr — nein, sie denkt nur der Liebe, nur des Glückes — dieses zarte, leidenschaftliche, unglückliche Mädchen! Länger darf er sie nicht knieen lassen. Die Leidenschaft, das Mitleid bricht jede Schranke — er hebt das Mädchen rasch zu sich empor — und in Schauern unendlichen Glückes vergehend, sinkt Nasmi an die Brust des Geliebten! Die Majestät — die Weisheit feiert eine göttliche Vermählung mit der Unschuld und Leidenschaft. Tadle den Bund nicht — diese Gruppe ist harmonisch, sie ist schön! Aber an der offenen Thür des zerstörten Gemaches lehnt eine erschrockene, bebende Gestalt — die Matrone Zeruha. Ihre Züge sind entstellt — sie erblickt die Fürstin ihres Stammes in den Armen des verhaßten Königs — sie erkennt, daß Nasmi für ihr Volk verloren, daß der Stern von Edom für ewig untergehen muß! Sie bebt, denn sie erinnert sich ResonS, welchem sie versprochen, sein kostbarstes Gut zu schützen. Sie kann das Versprechen nicht