Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1898)
- Date
- 1898-10-14
- Page
- Seite 488 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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<•? >t *;*-£**&■ ^TV^'^Ji - -v ’'V.ni r ' 488 an Sie abgehen. Habe ich Ihnen Unangenehmes zu melden, so schreibe ich es Ihnen noch im Verlaufe dieser Woche. Folgen Sie mir, und geben Sie sich und mir Ruhe; wozu uns gegenseitig unseren Briefwechsel trüben? Ich wiederhole, was Sie selbst in Ihren Briefen oft sagten: j-^L ‘“Din XL' Mö DX (wenn Gott es so bestimmt hat, so wird es zu einem guten Ende führen), welche Hindernisse sich auch erheben. . . . Finden Sie es für nöthig, zu einer neuen Wahl zu schreiten oder einen Prediger anzustellen *) (in diesem wie in jenem Falle wäre das Verhältniß zwischen mir und Berlin und, wenn es Gottes Wille ist, zu eurem Wähle aüfgehoben, da durch diese veränderten Umstände Sie weder an mich, noch ich an Sie mehr in Zukunft gebunden bin), so zögern Sie nicht. . Am 12. Oktober schrieb Frankel: „In der gestrigen Sitzung des Ausschusses wurde beschlossen, die Gemeinde will mir den freien Gebrauch meines Willens lassen und betrachtet das Wort nur insofern als ein gegebenes, als ich noch einige Zeit bei ihr verweilen und bei der Wahl eines neuen Oberrabbiners behilflich sein soll. Dieses dürfte um ungefähr ein Jahr sich verzögern, und es steht mir schon von jetzt an frei, meinen Willen zu erklären. Ich bin also nicht mehr gebunden und kann von Seiten der hiesigen Gemeinde Ihrem Rufe Gehör geben. Nur von einer Seite kommt noch zu erörtern, ob meine Vokation von der (preußischen) Regierung ausgehen wird, welches ein sehr wichtiger Punkt ist. Sie empfangen nächster Tage von mir und dem Vorstand ein offizielles Schreiben, wollen Sie aber gefälligst Ihren Herren Kollegen schon jetzt die nöthige Mittheilung machen, da Sie, wie ich hoffe, wohl schon wissen werden, welche Auskunft Sie, wenn solche verlangt wird, geben können." Am 19. Oktober schrieb Frankel: „Es kommt heute eine nötf nbjö (umfangreicher Brief) an den Vorstand, worin ich ihm erkläre, daß, sobald wir einig über die Bedingungen sind, meinem Hinkommen nichts mehr im Wege steht, und dieses vielleicht schon den künftigen Frühling erfolgen kann. Ich habe sehr viel über die Vokation geschrieben, die vom Ministerium ausgehen soll, "]rijMPO HOT nnxi (Sie aber handeln nach Ihrer Weisheit). Sie können diesen Brief den Ministern Eichhorn und Arnim mittheilen. Sie haben mir letzthin geschrieben, Arnim meint, der Jude habe keine Religion, sondern nur Form, auch seien seine Rabbiner keine Geistliche; ich habe alles ausführlich auseinandergesetzt und beachtet: S'tWW- ,10 1H). — Ich will nicht wieder mit neuen Klagen beginnen, wie ungern ich meine gute Gemeinde verlasse; sie hofft noch immer, vielleicht zerschlägt sich die Sache mit Berlin, und ich bleibe bei ihr. Ich habe in meinem heutigen Schreiben an den Vorstand nichts von den anderen Bedingungen, die ich schon Herrn Dr. Beit ausgeschrieben, berührt, weil diese nicht so genau in den Brief, der zum Ministerium kommen soll, hineinpaßten. Ich blieb heute nur bei dem Punkt stehen, daß mich die Regierung berufen und ich von ihr angestellt werden soll. Der Vorstand muß nun das Weitere beim Ministerium veranlassen. Ich werde die anderen Bedingungen nächstens berühren, daß sie eine offizielle Bestätigung bekommen. Besser wäre es, wenn der Vorstand in seinem nächsten Schreiben an mich diese Punkte oder Bedingungen als von ihm ausgehend oder unter uns schon abgemacht amtlich auseinandersetzte und befestigte, um uns manches Schreibens zu entheben." Am 30. Oktober: „In einem langen Schreiben an Dr. Veit habe ich alle offiziellen Punkte nochmals auseinandergesetzt. Ich wünsche 2300 Thaler und 500 Thaler Wittwengehalt. Diese Bedingungen müssen jetzt schon festgesetzt werden; auf mein Dortsein kann ich nichts verschieben. Die 2500 Thaler will ich auch nicht mit dem beliebten Ersatz von Seiten des 0 Es liegen viele Anzeichen für die Annahme vor, daß Dr. Veit schon damals im Stillen für die Berufung seines Freundes Michael Sachs wirkte, wie es auch seine Absicht war, unter allen Umständen neben dem zu berufenden Rabbiner Sachs als Prediger anzustellen. Diese Annahme findet übrigens durch den nunmehr durch Geiger publizirten Briefwechsel zwischen Sachs und Veit (Frankfurt 18971 ihre Bestätigung. Vorstandes; dieses ist ^21 (dummes Zeuges und nicht würdig (der Vorstand sollte nämlich 2000 Thaler fest bewilligen und für 500 Thaler Nebeneinkommen bürgen, eventuell das Fehlende, ersetzen). — Man soll das Schatzkollegium zusammenberufen und keine Geheimnisse machen; ich sehe nicht ein, wozu immer Verstecken spielen und auf Eiern gehen. Beim Ministerium muß etwas geschehen, und man kann ihm die Vorstellung machen, daß es einen Mann haben muß, an den es sich wendet; daher soll es ihn berufen. Diese Vorstellung privatim. Können Sie auf die 2300 Thaler nicht eingehen, so werde ich nach meinem Worte nicht darauf bestehen; aber wenn ich Ihnen vertraut und zum Kommerzienrath Meyer und zu den Herren Lehmann und Beit von meinem Wunsch nach 2500 Thalern gesprochen, warum blieb dies ganz unberücksichtigt? — Der hiesigen Gemeinde kündige ich nicht, bis ich dort in Ordnung bin... Der Ausgang ist noch ungewiß." Am 6. November schrieb Frankel an Muhr: „Ihr Schreiben vom vierten dieses Monats theilt mir den gefaßten Beschluß mit, daß Sie und Herr Lehmann sich zum Minister Eichhorn begeben und seine Ansicht hinsichtlich der Vokation erfahren wollen. Dieser Schritt ist in meinen Augen ganz des mit so vielem Eifer und der anerkennungswürdigsten Ausdauer handelnden Vorstandes würdig, so wie er sich am geeignetsten zeigen dürfte, um bald über diese Angelegenheit Licht zu bekommen. Ueberhaupt ist es ein nicht zu unterschätzendes Moment, zu erfahren, wie diese ganze Verhandlung vom Ministerium ausgenommen wird, welche Form es der Vokation oder, im Falle eine solche nicht erfolgt, der Bestätigung geben will. Man hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß wahrscheinlich Rückfragen vom dortigen Ministerium an das sächsische Kultusministerium werden gemacht werden; Sie sehen daher, daß ich vorsichtig mit der Aufkündigung in Dresden sein muß, da diese zugleich an die Gemeinde und an das Ministerium erfolgen müßte, wodurch ich dann leicht in einem sonderbaren Licht bei dem Minister Eichhorn erscheinen könnte. In meinem Schreiben dringe ich auf Vokation, und hier habe ich dem Ministerium meine Demission eingereicht! . . . Doch hoffe ich, daß mein Amtsantritt in Berlin, so Gott will, im Mai künftigen Jahres erfolgen wird, da, wie ich glaube, der verehrliche Vorstand zu Berlin das Weitere thun dürfte, um eine Vokation, die doch im Grunde für Ihre Gemeinde viel Auszeichnendes von Seiten der Staatsregierung enthält, zu bewerkstelligen- Ueber Ihre Anfrage wegen der 2500 Thaler Folgendes: Ich habe den drei geehrten Herren G. R. Meyer, Lehmann und Dr. Veit bei ihrem ersten Hiersein erklärt, daß ich zwar obiges Gehalt wünsche, doch sollen 500 Thaler mich nicht abhalten, meinem großen Beruf zu folgen. Später wurde zwischen Herrn Dr. Veit und mir verabredet auch von Ihnen, Freund, und von Herrn Salomon Meyer in Leipzig (d. h. bei ihrer Zusammenkunft in Leipzig) wiederholt, daß der Vorstand mir für 500 Thaler Einkünfte jährlich bürg? und das etwa daran Fehlende ersetzen wolle. Nun scheint mir aber dies nicht ganz mit dem Charakter eines Oberrabbiners übereinstimmend; der Oberrabbiner von Berlin soll sich jährlich nachzahlen lassen, seine Einkünfte vorlegen u. s. w.! Darum dachte ich, daß, wenn Sie schon die Finanzdeputation (fünfundzwanzig Personen) wegen des Wittwengehalts zusammenrufen. Sie auch diesen Gegenstand vorlegen und erklären können, daß ich den Wunsch ausgesprochen, obiges Gehalt zu bekommen. Ich mache aber, wie ich Ihnen und Herrn Salomon Meyer, auch Herrn Dr. Veit mündlich sagte, mein Hinkommen von dem Gehalt von 2500 Thalern nicht abhängig und überlasse dies ganz dem Vorstand, daß er nach seiner Ansicht handle. Theurer Freund! Sie scheinen sich zu wundern, daß ich mit so vieler Vorsicht zu Werke gehe, und fürchten, daß mein Vertrauen vielleicht erschüttert wäre DÜ- (Gott bewahre!). Ich finde in den den Vorstand bildenden Männern HDXbtt 'Vlvl 'XJW b'fl 'tWX nilttXS D'ölP (tüchtige und uneigennützige Männer, die sich dem öffentlichen Wohl eifrig widmen), so daß ich nur wünschen kann: ^XltPD Dl' (solcher Männer möge es viele in Israel geben). Ich rechne es mir zu wahrer Seelenfreude, in Gemeinschaft mit diesen Männern zu wirken. Aber ich weiß, wie unangenehm es ist, nach dem Amtsantritt und wenn man schon in Thätigkeit ist, über Geldangelegenheiten zu diskutiren; sobald ich bei Ihnen bin, muß ich meine Aufmerksamkeit höheren Gegenständen widmen. Darum will ich lieber Punkte obiger Art hinter mir haben." (Forts, folgt.)