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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-10-14 · Heft 41 (14.10.1898) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 41 (14.10.1898)
Date
1898-10-14
Page
Seite 487 (sequence 7)
Language
German
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487 geifert?" „Nur der Gedanke beunruhigt mich, daß ich eine geliebte, ruhige Gemeinde verlassen soll, um dahin zu gehen, wo Anstrengung, Zwist und Unruhe mich erwarten. Ich weiß, Sie werden mich des Gegentheils versichern; aber, theuerer Freund, Sie können, glauben Sie es mir, es nicht überschauen und haben doch im Grunde nicht solche Erfahrungen wie ich gemacht. Erblicken Sie ja nicht hierin die Absicht, mein Wort zurück zu nehmen; aber innig wünsche ich, daß ich nicht der Ausersehene würde, und die Hilfe von anderswo käme." Am 18. August schrieb Frankel, daß er nur in dem Falle die Wahl anzunehmen gedenke, wenn sie mit großer Mehrheit beschlossen würde. Am 29. August, an demselben Tage, an dem die Rabbinerwahl stattfand, erhielt Muhr ein vom 28. August datirtes Schreiben, in welchem ihm Frankel mittheilt, daß er unter gleichem Datum an den Vorstand der Berliner Gemeinde geschrieben und ihm angezeigt, daß die Gemeinde in Dresden ihn nicht fortlassen wolle, und er „ihrer Vorstellung Gehör gegeben habe". „Sie werden vielleicht unangenehm überrascht sein, doch ich fühlte mich veranlaßt, den dringenden Bitten nachzugeben, und konnte nicht widerstehen." Nachdem die Wahl mit überaus großer Mehrheit auf Frankel gefallen war, begaben sich, wie bereits erwähnt, drei Mitglieder des Berliner Vorstandes nach der sächsischen Hauptstadt, um die dortige Gemeinde zu veranlassen, Frankel ziehen zu lassen. Am 9. September schrieb dieser an Muhr: „Die Herren Meyer, Lehmann und Beit, werden Ihnen schon mitgetheilt haben, wie sie mit der hiesigen Geckeinde in Unterhandlung stehen; das Weitere ist mir nicht bekannt. Ich für meine Person tonnte nur so handeln, und die erwähnten drei Herren haben sich von der Liebe dieser Gemeinde zu mir überzeugt und mein Verfahren gerechtfertigt gefunden. Auch muß ich gestehen, daß nur der bbtt fDlB!das allgemeine Wohl) die Wagschale auf die Seite Berlins Hinneigen tann; jede individuelle Rücksicht aber unstreitig für Dresden spricht. Der hiesige Vorstand hat noch keinen Beschluß gefaßt, und stehe ich auch, wie leicht zu vermuthen ist, hier von jedem Einfluß fern, da ich weder einwirken darf noch kann." Das Ergebniß der Unterhandlungen mit dem Vorstand der Dresdener Gemeinde war noch nicht klar. Unterdessen hat Frankel angedeutet, daß er die Wahl nur dann annehmen werde, wenn sie für mindestens zehn Jahre gelte. Die Delegirten des Berliner Vorstandes kehrten nun nach Berlin zurück, um über den letzten Punkt weitere Vollmacht einzuholen. Am 16. September schrieb Frankel an Muhr: „Wenn ich sonst nur mit dem freudigsten Gesühl die Feder ergriff, um an Sie zu schreiben, so kann ich mich jetzt einer gewissen Bangigkeit nicht erwehren. Da ich fürchten muß, Ihnen nicht nur nicht zu genügen, sondern Ihnen sogar manche Betrübniß verursacht zu haben und vielleicht noch zu verursachen. Ich habe Sonntag ein Schreiben und am Schluß des Versöhnungstages zwei Briefe von Ihnen erhalten, worin sich unverhohlen der innigste Wunsch, mich in Berlin zu sehen, ausspricht. Es war leicht vorauszusehen, daß man von dem Projekt, einen Rabbiner auf zehn Jahre zu wählen, zurückkommen werde; und dann, gestehe ich Ihnen offenherzig, mußte ich den Schritt thun, den ich gegen meine Gemeinde eingeschlagen, und würde ich unter gleichen Umständen noch heute so handeln müssen. Der hiesige Vorstand hat übrigens noch keinen Entschluß gefaßt, und kann also in dieser Angelegenheit nichts Weiteres gesprochen werden. Ich war heute in einer öffentlichen Angelegenheit beim Minister des Innern und hatte mit ihm eine lebhafte Debatte über einen dassallgemeine Wohl betreffenden Gegenstand; die letzten Worte, mit denen er mich entließ, waren: „Mein innigster Wunsch ist, daß Sie bei uns in Dresden bleiben", wobei er mir herzlich die Hand drückte. Sie sehen also, daß auch hier die höchsten Behörden nicht gleichgiltig find, und glauben Sie mir, der Schaden wäre für die hiesige Gemeinde jetzt weit unberechenbarer, wenn ich wegginge. Ueberlassen wir aber alles einer höheren Macht, und wie sie es beschließt, so wird es zu unserem Besten ausgeführt werden." Tags darauf schrieb Frankel im Anschluß an den letzten Brief: „Ich habe heute Ihr geehrtes Schreiben nebst dem des Gemeindevorstandes erhalten. Auch Dr. Veit ist hier und hat heute mit dem (Dresdener) Vorstande abermals gesprochen. Dieser hielt nun nach ttrüft (nach dem Vespergottesdienst) eine Sitzung ab, und der Beschluß war: Die Gemeinde fühlt zu sehr das Bedürfniß, mich in ihrer Mitte zu haben, und kann dem Wunsche des geehrten Berliner Vorstandes nicht willfahren. Es schmerzt mich dies Ihretwegen sehr, aber ich sage Ihnen ganz offenherzig, die hiesige Gemeinde wäre durch mein Weggehen zu Grunde gegangen, da leider in neuerer Zeit fich hier die Umstände im Innern nicht angenehm gestaltet haben, und große Zerwürfnisse durch meinen Rücktritt zu besorgen und vorauszusehen sind. Also TDSB BJM pffil pK (man darf nicht den Einen zur Erhaltung des Anderen opfern). Glauben Sie mir T1BJ?11 nblCm ITH -in« [kte Berliner Gemeinde wird anderwärts die nöthige Persönlichkeit finden). Für heute nichts mehr, denn Ihr heutiger Brief hat mich mit ungemeiner Wehmuth erfüllt, und ich kann nicht weiterschreiben. Gott tröste Sie und erhalte mir Ihre fernere Liebe und Freundschaft." Am 2. Oktober schrieb Frankel an Muhr, daß er schriftlich nicht alle seine Gründe gegen die Annahme des Berliner Oberrabbinats mittheilen könne. Da er für einige Tage nach Leipzig gehen mußte, so schlug er dem Freunde vor, dorthin zu kommen, um alles mündlich zu besprechen. Dies geschah. Nach wenigen Tagen trennten sich die Freunde, und Muhr fuhr fort, Frankel zu bestürmen, nach Berlin zu kommen. Dieser antwortete am 10. Oktober von Dresden aus: „Ihr werthes Schreiben vom vergangenen Donnerstag habe ich gestern erhalten. Ihre Vorwürfe gegen den hiesigen Vorstand find ungerecht. Glauben Sie mir, diese Männer fühlen das Unangenehme, das in einer auf die Forderungen des Berliner Vorstandes abschlägigen Antwort liegt, und können sich daher zu dieser nur schwer entschließen. Es hat auch deshalb das Schreiben des hiesigen Vorstandes sich noch verzögert, und wollen die Vorsteher überhaupt weder gegen hier noch gegen Berlin die Verantwortung allein übernehmen, sondern die Sache kommt an den Ausschuß (aber nicht an die ganze Gemeinde, welches, wie ich Ihnen sagte, ich keinesfalls zugeben würde) und wird, wenn ich nicht irre, morgen entschieden werden. Ich vermuthe, daß manches fich noch anders gestalten und daß mein nächstes Schreiben Ihnen vielleicht Günstiges mittheilen wird. Sie sollen daher, und Ihre geehrten Herren Kollegen mit Ihnen, noch einige Tage in Geduld stehen, läßt Sie der hiesige Vorstand ersuchen, und ich habe versprochen, Ihnen die Mittheilung zu machen. Vielleicht dürfte Ihrem Wunsche gewillfahrt und der Zeitpunkt offiziell bestimmt werden, wann ich zu Ihnen komme. Erlauben Sie mir aber, geehrter Freund, daß ich Ihnen mein Erstaunen über Ihre Klage in Ihrem Schreiben zu erkennen gebe. Sie schienen in Leipzig mit meiner Erörterung zufrieden, und nun wird wieder gestürmt und von vorn angefangen. Ich leide ungemein darunter und kann Ihnen aufrichtig versichern, daß meine Gesundheit ernstlich erschüttert ist. Wollen Sie denn mit solcher Gewalt gegen fast nicht zu besiegende Hindernisse ankämpfen? Und da wir doch alle sterblich sind, setzen Sie nun den Fall Tltf HiO (ich wäre gestorben), was würden Sie dann unternehmen? Dann müßten Sie fich doch anderwärts umsehen. Ich habe durch mein Versprechen von voriger Woche Ihnen schon viel geleistet; findet der Vorstand es nicht der Gemeinde gegenüber gemäß, jetzt zu schweigen, so handeln Sie, wie Sie es für richtig finden, und wählen Sie einen Anderen. Denn auch mein in voriger Woche gegebenes Wort ist nur aus Achtung für Sie und zum Wohle Ihrer Gemeinde gegeben, nicht aber zu meinem Vortheil oder aus persönlichem Ehrgeiz, da, wie ich Ihnen schon mehrere Male sagte, ich 12 fTlbwl rDTn flö (trockenes Brod in Ruhe verzehrt) vorziehe (ersteres ist aber Gott sei Dank in Dresden nicht der Fall). Also, mein geehrter Freund, dieses sei das letzte Wort über mein jetziges Weggehen. Künftige Woche, vielleicht noch Ende dieser, wird das definitive Schreiben des Vorstandes sowie das meinige

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