Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1898)
- Date
- 1898-10-14
- Page
- Seite 485 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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WDWWWWWUM PHR MNW 485 Religionslehrerstandes kräftig mitzuarbeiten, allen Fragen der Schule und des Unterrichts das weitgehendste Interesse entgegenzubringen und seine Person für die Anerkennung und Würdigung des Judenthums einzusetzen. Nur dann könne der Verein der Verwirklichung seiner idealen Ziele näher kommen. Iurn Gemeindetag. Bon Kantor A. Friedmann. E^m 17. d. Mts. wird sich der Deutsch-Israelitische Gemeindebund auch mit der Frage der Vorbildung von Kantoren beschäftigen. Es sei daher gestattet, schon vorher zu diesem Punkte der Tagesordnung Stellung zu nehmen. Gar oft hört man die Bemerkung, daß es in Deutschland an einer Kantorenschule mangelt. Während die angehenden Rabbiner und Lehrer die Ausbildung für ihren Beruf an einer geordneten Anstalt erhalten, so st der Kantorats-Kandidat angewiesen, die Vorbereitung für sein vach auf privatem Wege zu erreichen. Diesen Mangel erkennt also mich der löbliche Vorstand des Gemeindebundes an und sucht der kantorenfrage näher zu treten. Welches Gepräge soll aber eine eventuell ut errichtende Kantorenschule tragen? Sollen in derselben nur die antoralen Fächer gelehrt werden, also Gesang und Musik, oder soll mich das Hebräische darin eine Pflege finden? Ich meine, daß beides mit einander verbunden, ja verwachsen sein muß. Demnach sollen ii der Kantorenschule neben den Musik- und Fachmännern auch debräische Lehrer unterrichten. Ueberhaupt müßte in einer solchen Anstalt auch auf den Religionslehrer großes Gewicht gelegt merden. Der Kantor darf und soll nicht einseitig sein. Er muß '» einer Kantvrenschule auch zum Religionslehrer vorbereitet werden und darf die Anstalt nicht eher verlassen, bis er auch die Religionsurüsung bestanden hat. Das Lehrerkollegium muß derart zusammengesetzt sein, daß das Zeugniß desselben auch für die Regierung genüge. I» der hier geschilderten Weise stelle ich mir eine Kantorenschule in Deutschland vor. Fragen wir uns aber, ob der Gemeindebund an die Gründung einer solchen Anstalt herantreten und große materielle Opfer bringen solle, so antworten wir mit einem Nein. Fassen wir die Lehrerbildungsanstalten zunächst ins Auge, die zugleich Kantoren ausbilden. Ich meine Berlin und Hannover. Gerade das Berliner Lehrerseminar hat Kantoren ausgebildet, welche in den größten Gemeinden Deutschlands fungiren. Ich nenne bie Städte: Berlin, München, Nürnberg, Mannheim, Leipzig, Dresden, Danzig u. v. a. In den Seminarien wird der Kandidat nicht allein zum Religionslehrer, sondern auch zum Elementarlehrer ausgebildet. Der ganze Mensch wird also im Seminar fürs Leben vorbereitet. Auch wird der religiös-sittliche Lebenswandel des Zöglings sorgfältig bewacht. Hat der Lehramtskandidat Anlagen für das Kantorfach, so bietet sich ihm auch im Seminar Gelegenheit, dieselben zu bilden und zu vervollkommnen. Im Berliner Seminar wird auf das Kantorat große Sorgfalt gelegt. Mehrere Male im Jahre finden in der Anstalt am Freitag Abend und Sonnabend Gottesdienste statt, welche von den angehenden Kantoren geleitet werden. Eine wichtige Institution, welche der jetzige allverehrte Leiter, Herr Rektor Dr. Holzmann, geschaffen hat. Den Unterricht im Kantorfache hat mehrere Jahre kein Geringerer als Lewandowski geleitet. Sein Nachfolger, der rühmlichst bekannte Musikschriftsteller und Chordirigent der jüdischen Gemeinde, Herr William Wolf, sucht durch sein großes Wiffen wie durch die Macht einer einnehmenden Persönlichkeit seinen großen Vorgänger zu ersetzen. Auch im Hannoverschen Seminar soll der Musikunterricht in guten Händen liegen. Warum setzt dennoch der Gemeindebund schon zum zweiten Male die „Vorbildung der Kantoren" auf seine Tagesordnung? Ich suche den Grund hierfür darin, daß an allen Seminarien kein Fachmann den Unterricht im Vorbeten giebt. Während das Seminar für jeden Gegenstand einen besonderen Lehrer hat, so liegt das liturgische Fach in Händen eines Musikers und nicht in denen eines Vorbeters. Zur Ehre des seligen Lewandowski sei hier erzählt, daß er oft seine Privatschüler zu mir schickte, um bei mir, wie er sich ausdrückte, das eigentliche Chasonus zu lernen. Also auch der selige Profeffor Lewandowski wollte den angehenden Kantor von einem praktischen Fachmann unterrichtet wiffen. Es sei aber fern von mir, die in den Seminarien bereits bestehenden Einführungen verdrängen zu wollen. Was ich mit diesen Zeilen bezwecken möchte, ist, den löblichen Vorstand des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes zu bitten, sich mit den Herren Seminarleitern und Gemeindevorständen behufs Einführung eines dreimonatlichen Kursus für die angehenden Kantoren, welche ihr Staatsexamen bereits bestanden haben, in Verbindung zu setzen. Das Verhältniß des Kantorats-Kandidaten zum Seminar soll auch in diesen drei Monaten bestehen. Er darf also während dieser Zeit seiner etwaigen materiellen Unterstützung vom Seminar nicht verlustig gehen, um sorgenlos dem Kantoratsstudium sich widmen zu können. Der Unterricht muß selbstverständlich von einem praktischen Fachmann geleitet werden. Die im Seminar bereits gewonnenen Kenntnisse müssen im Spezialkursus weiter entwickelt und vervollkommnet werden. Nach Absolvirung des Kantorenkursus wird der Kandidat sicher die Fähigkeiten erlangen, eine Kantorstelle mit Erfolg zu bekleiden, und die deutschen Gemeinden wie der gesammte Kantorenstand werden dem löblichen Vorstand des Israelitischen Gemeindebundes wie den Herren Seminarleitern für die obige Einrichtung Dank wiffen. Briefe aus England. Von Rev. Dr. Chotzner. meinem vorhergehenden, in diesen Blättern veröffentlichten Briefe wies ich auf die wenig bekannte Thatsache hin, daß nämlich der selige Sir Moses Montefiore im gewissen Sinne die Interessen der jüdischen Wissenschaft und Litteratur gefördert hat. Unter den verschiedenen jüdischen Gelehrten, die von Letzterem mehr oder weniger beeinflußt worden sind, auf jüdisch-litterarischem Gebiete mit Eifer thätig zu sein, war auch der selige Leopold Dukes. Er bestätigt dies selber in einem an Sir Moses von ihm gerichteten Schreiben, welches er seinem Werkchen ‘TYlSDpIK 'UJ beilegte, und diesem Umstande haben wir wohl die Existenz einiger seiner anderen gehaltreichen Schriften zu verdanken. Als Kuriosum will ich hier noch den Titel erwähnen, den sich ein svi-äisant, jüdischer Gelehrter, in einem Schreiben beilegte, das er Sir Moses bei Uebersendung seines hebräischen Machwerkes zuschickte. Derselbe war Rabbiner von Beruf und fügte seiner Namensunterschrift das Epitheton „Rabinatsgelerter" bei. Profeffor Taylor in Cambridge hat jüngst eine zweite, vielfach verbesserte Ansgabe seiner „Sprüche der Väter" veröffentlicht, die von seiner großen Belesenheit im rabbinischen Schriftthum ein beredtes Zeugnitz abgiebt. Dieselbe ist nämlich mit zahlreichen Gloffen versehen, die