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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-07 · Heft 40 (7.12.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 40 (7.12.1898)
Date
1898-12-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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genommen wurden, bestreben sich immer mehr, allen Anforderungen der modernen Pädagogik gerecht zu werden. So haben mehrere, wie das der Frls. Sachs und Salz, das sich fortgesetzt lebhafter Anerkennung erfreut, die Pensionats Wollmann, Wassermann, Lebenstein., Silbermann und das von Dora Simonsohn jetzt Fortbildungskurse errichtet, an denen durchweg tüchtige Lehrkräfte wirken. Das letztgenannte Institut hat trotz seines kurzen Bestehens schon hübsche Erfolge erzielt. Die Fortbildungskurse haben den Zweck, das in der Schule angeeignete Wissen zu befestigen und HU erweitern. Es sind alle Lehrfächer in den Lehrplan ausgenommen worden, die geeignet sind, die jungen Mädchen geistig anzuregen und gleichzeitig auch praktisch zu bilden. Der Unterricht wird so geleitet, daß bei den Schülerinnen Lust und Liebe zu geistiger Thätigkeit erweckt und gefördert werden. Der Lehrplan umfaßt außer allen Elementar-, Sprach- und technischen Fächern: Religion (biblische und nachbiblische Geschichte, Religionslehre, Hebräisch), Weltgeschichte (mit besonderer Berücksichtigung der neuesten Zeit), Kulturgeschichte, Mythologie, Litteratur, Kunstgeschichte, Erziehungslehre, verbunden mit Borträgen über Gesundheitslehre. Für die der Schule entwachsenen jungen Mädchen wird ein Kursus für Erziehungslehre, verbunden mit Vorträgen über Gesundheitspflege, abgehalten, da ein verständnißvoller Einblick in diesen Zweig der Wissenschaft für das spätere Leben durchaus nothwendig erscheint. 8. Berlin, 3. Oktober. Durch das in der vorigen Woche erfolgte Ableben des Herrn Moses Halle hat der hiesige „Verein zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler" einen herben Verlust erlitten. Mit Herrn Halle ist wohl der letzte Mitbegründer des Vereins dahingegangen, der zugleich eines der regsten Mitglieder war, der mit Herz und Hand sich stets dem Verein gewidmet hat. Geboren zu Berlin im Jahre 1819 erlernte er nach Absolvirung der Knabenschule von Bendavid das Gürtlerhandwerk und machte sich im Jahre 1843, wo er das Bürgerrecht von Berlin erlangte, selbständig. Seit dem Jahre 1844 verheirathet, feierte er Hierselbst im Jahre 1869 die silberne und im Jahre 1894 die goldene Hochzeit. Seit dem Jahre 1856 bekleidete er das Amt eines Hauptagenten der Berliner Generalversicherungsanstalt. Der Verstorbene hinterläßt eine trauernde Wittwe, welche sich im 60. Lebensjahr befindet, und einen Sohn, welcher der Veranlagungskommission der hiesigen jüdischen Gemeinde vorsteht. Zwei Söhne sind in jungen Jahren gestorben. Die Beerdigung fand unter reger Betheiligung des Vorstandes und der Mitglieder des Vereins in Weißensee statt. Sein Andenken sei gesegnet. §££ Berlin, 3. Oktober. Am 14. d. M. wird Emanuel Reicher im Uraniatheater, Jnvalidenstraße 57, unter Mitwirkung des Otto Schmidt'schen Chors das Bibeldrama „Mose" von Ludwig Klausner- Dawoc, dem Autor des Dramas „Jacob", vorlesen. Die Musik ist von Max Marschalk, der auch die Musik zu Gerhardt Hauptmanns „Hannele" und zu Sudermanns „Johannes" geschrieben hat. Billets (für Loge und Parket zu 3 Mk., Mittelbalkon zu 2 Mk., Seitenbalkon zu 1,50 Mk., Stehplatz zu 1 Mk.) werden in der nächsten Woche ebenso wie der Text zum Chorgesang in der Behr'schen Buchhandlung (Unter den Linden 47) und in der Trautwein'schen Buchhandlung (Wendriner), Leipzigerstr. 8, zu haben sein. Auch versendet der Verfasser (Möckernstr. 133) gegen Einsendung des Betrages oder gegen Nachnahme auf schriftliche bezw. telephonische (Amt I 5769) Bestellung Billets und Chortext. N. Breslau, 30. September. Anläßlich der Vermählung der Prinzessin Feodora von Sachsen-Meiningen wurden auch mehrere Mitglieder unserer Gemeinde durch Auszeichnungen geehrt. Als Deputirte der schlesischen Kaufmannschaft wurden u. A. die Herren Geheimrath Heimann, Fabrikbesitzer S. Kaufmann und Herr Eugen Ehrlich empfangen, der Abordnung der Vaterländischen Frauenvereine Schlesiens gehörten auch Frau Geheimrath Pinkus und Frau Kommerzienrath Fränkel aus Neustadt an. Der hiesige Stadtverordnelenvorsteher Geh. Justizrath Freund war zu den Hochzeitsfeierlichkeihen eingeladen. Frau Dr. Asch wurde von der Kaiserin Friedrich bei ihrem Besuche in dem städtischen Speisehause durch eine huldvolle Ansprache ausgezeichnet. Den Inhabern der Firmen Hugo Cohn, M. I. Gerste und Isidor Löwy hat die Frau Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen das Prädikat „Hoflieferant" verliehen. — Mehrere jüdische Zeitungen berichten ausführlich über den militärischen Abschied des „alten Goldschmidt" in Liegnitz. Musikdirektor Goldschmidt ist aber kein Jude. WDWWWWWWWW Es wäre überhaupt in dieser Beziehung den meisten jüdischen Blättern etwas mehr Vorsicht anzuempfehlen. p. Sohrarr, O.-Schl., im September. Der 11. September d. I. war ein Festtag für unsere Gemeinde. An diesem Tage fand nämlich die feierliche Einweihung unseres altehrwürdigen Gotteshauses statt, nachdem solches einer gründlichen Renovation unterzogen worden war. Der so vielfach gepriesene und oft besungene jüdische Wohlthätigkeitssinn hatte sich auch hier wieder in glänzendster Weise bewährt: die nicht unerheblichen Kosten waren nämlich zum größten Theil durch freiwillige Gaben und hochherzige Spenden aufgebracht worden. Insbesondere verdient rühmend hervorgehoben zu werden, daß Viele, welche einst Mitglieder unserer Gemeinde gewesen waren, es sich nicht hatten nehmen lassenaus der Ferne ihr Scherflein zum guten Werk beizusteuern. — Der Festgottesdienst begann um 3 Uhr und verlief programmmäßig. Es gewährte einen herzerhebenden Anblick, als sich die Thore öffneten, und man in das Gotteshaus trat, das in erneutem Schmuck vor uns lag. Der Rabbiner Dr. Deutsch, Ehrenmitglied unserer Gemeinde, war aus Lissa gekommen, um die Festrede zu halten, die, reich an Gedanken, von tiefer Innigkeit und großer Beredsamkeit zeugend, nicht verfehlte, auf alle Zuhörer einen tiefen und nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Auch zahlreiche Nichtjuden, darunter Mitglieder des Magistrats, Stadtverordnete, Lehrer und Andere hatten sich eingefunden, um der erhebenden Feier beizuwohnen. — Besondere Anerkennung um das Zustandekommen dieses edlen Werkes haben sich die Mitglieder der Baudeputation, die Herren David Schleier und David Brauer, erworben, welche in der uneigennützigsten Weise weder Zeit noch Mühe scheuten, um nach dem Rechten zu sehen und das Werk seiner Vollendung entgegenzuführen. 1. Hildesheim, 4. Oktober. Herr August Dux, dessen Bürgersinn und Wohlthätigkeit allgemein bekannt sind, hat der hiesigen Synagogengemeinde anläßlich seines jüngsten Geschäftsjubiläums einen namhaften Betrag überwiesen, um damit das Andenken seiner verstorbenen Eltern zu ehren. Das Geschenk dient zur Errichtung eines Wilhelm Wolf Dux und Henriette Dux-Stifthauses. Es soll dieses auf dem der Synagogengemeinde gehörenden Platze an der Teichstraße erbaut werden, sobald die Allerhöchste Genehmigung erlangt sein wird. Mit jener Stiftung soll das „Meyer Meyerhof-Stift" an der Güntherstraße vereinigt werden, da dasselbe den zeitgemäßen Ansprüchen nicht mehr genügt. Es steht zu erwarten, daß durch jene Verschmelzung ein stattlicher Neubau erreicht werden dürfte, der den modernen Ansprüchen vollends Rechnung trägt. In der letzten Sitzung der städtischen Kollegiensetzte der Herr Oberbürgermeister dieselben auch davon in Kenntniß, daß Herr August Dux anläßlich seines kürzlich stattgefundenen 25 jährigen Geschäftsjubiläums der Stadt eine Schenkung von 7000 Mark überwiesen habe zu einer „Wilhelm Wolf und Henriette Dux-Stiftung". Die aufkommenden Zinsen sollen je zur Hälfte den beiden hiesigen Waisenhäusern zu gute kommen, in der Weise, daß an den Geburtstagen des Kaisers und der Kaiserin Prämien, bestehend in vaterländischen Schriften, zur Vertheilung gebracht werden. Die Schenkung wurde vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung von den städtischen Kollegien angenommen, und Herr Oberbürgermeister Struckmann sprach dem Geber für die sehr sinnige Schenkung den besonderen Dank der städtischen Kollegien aus. O Coethen, 3. Oktober. Ein Fall, wie er in unseren Kreisen Gott sei Dank nur sehr selten vorkommt, wurde in diesen Tagen vor dem herzoglichen Schöffengericht verhandelt. Der frühere Kantor T. in Gröbzig hat sich nämlich eine arge und wohl selten vorkommende Sachbeschädigung zu Schulden kommen lassen. Im Aerger über seine nicht erfolgte definitive Anstellung als Kantor der jüdischen Gemeinde zu Gröbzig hat derselbe überführtermaßen im März d. I. in der Synagoge Gardinen, einen rothen Plüschvorhang, eine Sammetdecke, einen Gebetmantel und ein Gebetbuch, zum Theil Gegenstände der Verehrung einer bestehenden Religionsgesellschaft und dem Gottesdienste gewidmet, ferner in seiner Wohnung der israelitischen Kultusgemeinde gehörige Gardinen und eine Matratze des Gemeinde-Vorstehers durch gewaltsames Zerreißen und Zerschneiden beschädigt und zerstört. Es soll ihm Gelegenheit gegeben werden, 2 Monate und 3 Tage über seinen Vandalismus während seines Freiheitsentziehung in Coswig in geeigneter Weise nachzudenken.

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