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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-30 · Heft 39 (30.9.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 39 (30.9.1898)
Date
1898-09-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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„Zillerthal, 19. Juni 1892. Hochgeehrter Herr und Freund! Ich dm seit einem Vierteljahr krank, und so wollen Sie gütigst die Kürze dieser Zeilen entschuldigen. Daß mit der „Jüdin" ist ein alter Schaden, — schon vor länger als vierzig Jahren war Dr. Löwenstein (ein Verwandter von Rudolf Löwenstein) dagegen; ich mochte es nicht fallen lassen, weil es ein Muster von Balladenton ist. Es stammt aus der berühmten Percy'schen Sammlung. Anno 50 war das alles nicht schlimm, heute liegt es anders, und so verspreche ich Ihnen und dem Münchener Freunde, die Ballade aus der nächsten Auflage wegzulassen. Mehr ist nicht zu thun. Mit besten Wünschen für Ihr Wohl in vorzüglicher Ergebenheit Ihr Theodor Fontane." — Es versteht sich von selbst, daß der greise Dichter Wort gehalten und daß die Ballade in allen folgenden Auflagen seiner Gedichte nicht mehr zu finden ist. So war Theodor Fontane. Sein Andenken sei gesegnet! Kp. Aus der Provinz Posen, im September. Der israelitische Krankenpflege- und Beerdigungsverein in Ostrowo hielt kürzlich eine Generalversammlung ab, in welcher beschlossen wurde, das Bereinsstatüt dahin zu ändern, daß alle Mitglieder zur Krankenpflege verpflichtet seien, die Mitgliederbeiträge erhöht und die Begräbnißgebühren anderweitig als bisher tarifirt werden. Die Gebühren sollen möglichst sich nach den Einkommensverhältnifsen des Zahlenden richten. Der Verein besteht bereits über 80 Jahre und zählt 150 Mitglieder. — Der israelitische Gemeindeetat in Wreschen beläuft sich auf das Jahr 1898/99 in Einnahme und Ausgabe mit 13 028,71 Mark. Es werden zur Aufbringung 90 Prozent der Einkommensteuer erhoben. Der israelitische Schuletat balancirt in Einnahme und Ausgabe für dieselbe Zeit mit 3560 Mark. Von 113 Censtten werden 60 Prozent der Einkommensteuer aufgebracht. — In Buk hat sich aus den Damen der Synagogengemeinde ein Frauenverein gebildet, der ähnlich wie der in denselben übergegangene jüdische Wohlthätigkeitsoerein die Pflege kranker Mitglieder bezweckt. — Der Kreisphysikus Dr. Julius Davidsohn in Spremberg ist zum Sanitätsrath ernannt worden. —Kantor Kaylus ist in Czarnikau gewählt worden. — Am 12. September cr. ist die neuerbaute Synagoge in Go styn durch Rabbiner Dr. Bäck aus Lifsa eingeweiht worden. — Kantor Cohn in Freienwalde ist nach Jarotschin berufen worden. — Kantor Nathan Kempner in Patschkau feierte neulich sein 25jähriges Amtsjubiläum. — Tischlermeister Abraham Thierfeld in Gumbinnen hat vor Kurzem vom Handelsminister eine Staatsprämie von 100 Mark für gewerbliche Ausbildung eines Stummen erhalten. — Die Regierung zu Posen hat die israelitische Schule zu Z i rke wegen zu geringer Schülerzahl aufgelöst und die Kinder derselben der evangelischen Schule überwiesen. — Bor Kurzem haben Diebe die Synagoge in Schlochau erbrochen und den Opferkasten entleert, sonst aber nichts entwendet. — Der kürzlich in Schievelbein verstorbene Kaufmann Jtzig Samuel hat der Stadt die Summe von 15 000 Mark vermacht. — Die jüdischen Kaufleute in Ostrowo hatten sich an die dortige Stadtvertretung um Verlegung des in diesem Jahre auf das Versöhnungsfest fallenden Wochenmarktesgewandt. Die Stadtverordneten,unter 18 derselben befinden stch 4 Juden,haben trotz einer Gegenpetition christlicher Kaufleute den Markttag verlegt. — Der zu Berlin vor Kurzem verstorbene Kommerzienrath A. Friedmann, dem auch die Spritfabrik in Neufahrwasser gehörte, hat der Stadt Danzig 10 000 Mark vermacht, deren Zinsen alljährlich am Todestage desselben an Arme ohne Unterschied der Konfession ausgezahlt werden sollen. — Von zuständiger Seite werden wir ersucht, zu konstatiren, daß die verwittwete Frau Kreisphysikus Dr. Paradies sowohl wie deren Kinder der Veröffentlichung des Kondolenzbriefes des Erzbischofs von Posen anläßlich des Todes ihres Gatten gänzlich fernstehen. — In Nr. 31 muß es statt David Crohn vielmehr Isidor Crohn heißen, der in Czarnikau zum Rathsmann wiedergewählt worden ist. »4»« Nawitsch, 19. September. Frau Kommissionsrath Cohn hat das am Breslauer Stadtgraben gelegene Grundstück der Kleinkinderbewahranstalt der Stadtgemeinde Rawitfch als eine Stiftung zugewiesen, und gestern Vormittag fand die Uebergabe statt. Der Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins sowie das Kuratorium der Kinderbewahranstalt hatten aus diesem Anlaß eine entsprechende Feier veranstaltet. Dieselbe wurde mit einem Choral und Gebet eingeleitet; anschließend dankten die Kleinen in herziger Art mit finnigen Gedichten und Zwiegesprächen der Stifterin für die Wohlthaten, welche sie seit Gründung der Anstalt ihnen in so reichem Maße erwiesen hat, ebenso sprach die Leiterin, Fräulein Dietrich, ihren Dank aus für die bereitwillige Unterstützung, die sie jederzeit gefunden. Herr Fabrikbesitzer S. Cohn-Breslau richtete hierauf einige kurze Worte an die anwesenden Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung und übergab im Aufträge seiner Mutter das Grundstück der Stadt Rawitfch mit der Bestimmung und dem Wunsche, daß es für immer eine Heimstätte der Kinderbewahranstalt bleiben möge. Herr Bürgermeister Krakau bezeichnete sodann in einer längeren Ansprache die Segnungen und Erfolge eines solchen Instituts für Haus und Schule und vor allem für Arbeiterfamilien, denen es unmöglich ist, ihren Kindern die nöthige Aufsicht in diesem Alter angedeihen zu lassen. Im Aufträge und im Namen der städtischen Behörden übernahm Herr Bürgermeister Krakau die Stiftung mit der Versicherung, die Anstalt im Sinne der Stifterin weiter zu schützen und zu fördern. Die Anstalt verbleibt bis auf Weiteres unter dem Protektorate des Vaterländischen Frauenvereins und dem ständigen Kuratorium, dessen Vorsitz Herr Oberpfarrer Dnpke führt. 08. Bielefeld, 25. September. Der Ausschuß des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens hat in dieser Woche feinen Mitgliedern die erfreuliche Mittheilung gemacht, daß das Statut der Beamten- Pensionskasse unterm 8. August d. I. die Genehmigung des Oberpräsidenten unserer Provinz erhalten hat. Die Gemeinden werden nun den Anschluß an die Kasse thunlichst bald veranlassen müssen. Diese Kaffe ist die erste in Preußen, die es den Gemeinden ermöglicht, die Zukunft ihrer Beamten ohne große Opfer sicher zu stellen, und man darf deshalb wohl erwarten, daß der größte Theil der westfälischen Gemeinden den Anschluß an dieselbe bald vollziehen wird. Zweck der Kasse ist: a) die Gewährung von Pensionen an die dienstunfähigen Rabbiner, Lehrer, Kultus- und übrigen Gemeindebeamten im Hauptamts der betheiligten Verbands-Gemeinden; b) die Unterstützung der Wittwen und Waisen verstorbener Rabbiner, Lehrer, Kultus- und Gemeindebeamteu im Hauptamte der betheiligten Verbandsgemeinden. Die Kaffe hat ihren Sitz hier in Bielefeld. Penstonsbezw. unterstützungsberechtigt sind: 1. alle akademisch gebildeten Rabbiner, staatlich geprüften Lehrer und als Lehrer geprüften Kültusbeamten sowie die übrigen Gemeindebeamten, welche ihre Stellung im Hauptamte bekleiden, sofern ihre Gemeinden der Penflonskaffe angehören, und sie selbst wegen Alters oder infolge von Krankheit dauernd dienstunfähig geworden sind, und zwar von dem Zeitpunkt an, wo das dienstliche Einkommen aufhört; 2. die Wittwen der ad 1 aufgeführten Beamten, so lange sie im Wittwenstande verharren, und sofern die Ehe noch vor der erfolgten Penstonirung des betreffenden Ehegatten geschlossen wurde; 3. die Waisen von Beamten der betheiligten Gemeinden bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres, in besonderen Fällen auch auf längere Zeit, wenn dieselben erwerbsunfähig sind. Möge das große Werk gelingen und bald seine segensreiche Wirksamkeit entfalten! Hagen, 25. September. Ueber die Verhandlung der hiesigen Strafkammer vom 20. August schreibt die „Hagener Zeitung" vom 22. d. M.: „Wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung und Sittlichkeitsvergehens hat sich der Büreaubeamte H. St. von hier zu verantworten. Er soll im Laufe dieses Jahres Geldbeträge von insgesammt ca. 85 Mark, die er im Pfandleihgeschäft von H. B. I. als Ueberschüsse aus dem Verkauf von Pfändern für die Armenverwaltung zum Theil unter Vorlegung gefälschter Quittungen erhob, unterschlagen und am 13. Juni cr. an einem kleinen Kinde unzüchtige Handlungen vorgenommen haben. Des letzteren Delikts will sich Angeklagter, der totale Trunkenheit vorschützt, nicht entsinnen, die anderen Strafthaten räumt er reumüthig ein. Unter Annahme mildernder Umstände kommt Angeklagter mit 1 Jahr Gefängniß davon." Es betrifft dies Urtheil den städtischen Verwaltungsbeamten H. Steinbeck, welcher Mitglied des Vorstandes des antisemitischen Vereins zu Hagen war und vielleicht noch ist. o. Diez a. d. L., 22. September. Das hiesige Deutsch- Israelitische Kinderheim erfreut sich, wie wir dem eben erschienenen Jahresbericht entnehmen, regen Aufschwungs. Im Schuljahr 1897/98 betrug die Anzahl der Zöglinge 41, von denen aus Preußen 17 sind, und zwar aus Hessen-Nassau 12, Rheinprovinz einschließlich Hohenzollern 6, Sachsen 5, Westfalen 2, Hannover und Westpreußen je 1; aus Königreich Sachsen und Bäiern je 4, Württemberg 1, Großh j S i g g c 8 i i i 1 h VI v 2 8 v d S i r r Ü! I f l r s e i 3 ( l k a t X 5 ( l 5 d c e 5 ( r j r r t c f 1 c 2

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