Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1898)
- Date
- 1898-09-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228257-3228296--54916-3291091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 neu angelegt hat. — Die Stadtverordneten in Czarnikau haben den Kaufmann David Crohn daselbst zum Magistratsmitgliede gewählt. -- In Koschmin ist kürzlich der Inhaber verschiedener Kriegsnnd Verdienstmedaillen, Gastwirth Sam uel Bar on im Alter von 66 Jahren gestorben. Derselbe war auf längere Zeit Mitglied des Repräsentantenkollegiums. An seiner Beerdigung betheiligten sich auch der Krieger-, Feuerwehr¬ und Gastwirthverein in Koschmin. — Kaufmann Lewinsohn in Grau de n z ist zum Abgeordneten für den westpreußischen Städtetag Deutsch-Crone gewählt worden. — Ein Sohn des Kreisphystkus Dr. Rubensohn aus Grätz hat sich als Rechtsanwalt in Rybnik niedergelassen. — Der Partikulier Victor Bayer in Breslau hat seiner Heimathgemeinde Pleschen eine Thorarolle mit prächtigem Silberschmuck zum Geschenk gemacht. Das Geschenk repräsentirt einen Werth von über 1000 Mark. — In Rawitsch ist neulich der älteste Bürger, nämlich der israelitische Rentier Salomon Birnbaum, im Alter von über 100 Jahren gestorben. Noch vor zwei Jahren durchwanderte der Hochbetagte, seine Cigarre rauchend, die Straßen der Stadt, dann machte sich aber die Last der Jahre geltend und fesselte ihn ans Bett. Bis vor einigen Monaten war sein Gedächtniß noch intakt, später verließ ihn, wenigstens zeitweise, auch dieses. Ein sogenannter Grünenthallscher Hundertmarkschein hat sich auch in die jüdische Gemeindekasse zu Wresch e n verirrt. Der Rendant Wolff hatte in diesen Tagen eine größere Zahlung bei der Landeshauptkafse in Posen zu leisten. Da wurde einer der Hundertmarkscheine als von dem ehemaligen Oberfaktor Grünenthal erkannt, aber anstandslos in Zahlung genommen. — Am 18. cr. wurde in Janowitz durch den Rabbiner Dr. Jacobsohn aus Gnesen die vollständig renovirte Synagoge eingeweiht. An der Feier nahmen außer den jüdischen auch viele Bürger der christlichen Religion Theil. Die nicht unerheblichen Kosten der Renovirung find durch freiwillige Spenden aufgebracht worden. — Zum Kantor der Synagogengemeinde Schmiegel ist Kantor Lewin aus Eisleben berufen worden. 8. R. Nybnik, 8. September. Es ist immer ein Zeichen der Pietät, wenn sich die jüngere Generation zusammenthut, um das zu feiern, was die Alten vor vielen Jahren gestiftet. Und ein solcher Ausdruck der Pietät war die Feier, die am gestrigen Abend die Mitglieder der hiesigen Gemeinde im Wittig'schen Saal, nachdem schon ein gottesdienstlicher Akt in der neu renovirten Synagoge vorangegangen war, vereinte.' Während des Mahles, an dem über 100 Personen theilnahmen, ergriff, zunächst Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Kattowitz das Wort, um dm Kaisertoast auszubringen. Danach entrollte Herr Rathsherr und Fabrikbesitzer A. Prager ein Bild aus der Geschichte der Gemeinde vor fünfzig Jahren. Die alte Synagoge — in der Redner als Letzter konfirmirt! wurde — habe einer achteckigen hölzernen Scheune geglichen und sei für' weitere Benutzung unbrauchbar geworden. Der damalige Vorstand habn den Bau des neuen Gotteshauses begonnen, ohne die nöthigen Mittel? besessen zu haben, und wie gar nicht anders zu erwarten war, mußte der Bau eingestellt werden. Da war es ein edelmüthiger Mann, ein« Nichtjude,' der damalige Landrath des Rybniker Kreises, Herr Baron von Durant auf Baranowitz, der in uneigennütziger Weise der Gemeinde * das nothwendige Kapital von 3000 Thalern lieh, so daß der Bau weitergeführt werden konnte. Im weiteren Verlaus seiner Anrede führte Herr Prager aus, daß die Gemeinde stets das zur Verherrlichung Gottes gethan, was in ihren Kräften gestanden, und trank auf das Wohl der Gemeinde. Nun nahm Herr Kaufmann Bender das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er das gute Berhältniß hervorhob, in welchem; wie damals, so auch heute in unserer Stadt — dank der Loyalität der? Behörden — Juden und Nichtjuden beisammen wohnen. In warmen- Worten gedachte er des Heimgegangenen Wohlthäters der hiesigen Ge-, meinde, der ihnen den Bau des Gotteshauses erst ermöglicht, des obene genannten Barons, und verlas außer dem Dankschreiben des Synagogen-7 Vorstandes an den Herrn Baron die folgende Erwiederung desselben: ) „Das anerkennende Dankschreiben vom 20. d. M. habe ich mit» lebhafter Freude empfangen, weil es mir den wohlthuenden Beweiseiner Gesinnung giebt, welche nicht zu den zeitgängigen Gestn-r nungen der Gegenwart gehört. Mein langes Leben ist reich an trüben^ Erfahrungen in dieser Beziehung, deshalb geize ich mit den besseren welche mir Gott der Herr zuweilen bescheert. Lassen Sie mich, meine Herren, die Erinnerung an Ihre freundliche Gesinnung gegen mich für: die kurzen Lebenstage bewahren, welche mir noch beschieden sind, und solche dann auf meine Söhne übergehen zum Gedächtniß eines guten Einverständnisses. Einige von Ihnen, meine Herren, wissen es sehr wohl, daß Eigennutz mich niemals beherrschte, am wenigsten, wenn es sich um eine Hilfe in der Noth handelte. Habe ich der jüdischen Gemeinde zum Aufbau ihres Gotteshauses helfen können, so habe ich solches gern und ohne jede Nebenrückstcht gethan, es freut mich, wenn ich, wenn auch zu einer anderen Konfesfion gehörend, der Gemeinde bei dem Aufbau eines Hauses habe behilflich sein können, in welchem Sie würdig zu dem Gott Ihrer Väter beten. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, meine Herren, ist auch mein Gott, zu dem ich bete, und Sie wissen es, ich bin weit entfernt davon. Andersgläubige wegen ihres Glaubens zu verdammen. Lassen Sie uns immer an Gott und dem Glauben festhalten, es sei unter welcher Form es wolle, lassen Sie uns treu zu unserem angestammten König halten und nicht irre werden, wie es so Biele werden. Mit Bekümmerniß sehe ich, daß die Gesinnung nicht mehr überall dieselbe ist, wie sie war, als ich in engerer Beziehung zu Ihnen stand, gestatten Sie mir die Bitte: halten Sie treu und ungefährdet zu dem alten Königsstännn, und fliehen Sie die falschen Propheten! Schließlich bitte ich, sagen Sie Ihrer lieben Gemeinde, ich sei und bliebe ihr gegenüber immer der Alte und wünsche Ihnen allen Gottes reichlichen Segen und fröhliches Gedeihen! Baranowitz, den 25. Januar 1864. Durant." Hierauf beschloß die Versammlung, dem Sohn des Verblichenen, Herrn Baron von Durant, ein Telegramm zu senden, auf welches derselbe sogleich telegraphisch dankte. Darauf sprachen noch die Herren Katz und Dr. Silberberg. Zum Schluß ergriff Herr Bender nochmals das Wort, um auf den Vorsitzenden der Synagogengemeinde, Herrn Prager, zu toasten. Ueber die Synagogenfeier will ich noch mittheilen, daß zu Eingang derselben von dem Kantor Herrn Nathan das Gebet beim Betreten des Gotteshauses vorgetragen wurde. Daran schloß sich ein vierstimmiger Gesang der Beethoven'schen Hymne: „Die Ehre Gottes in der Natur". Nachdem noch ein Psalm recitirt worden war, bestieg Herr Dr. Cohn die Kanzel, um die ewige Lampe anzuzünden. Hierbei sprach er ein kurzes Gebet. In der eigentlichen Weihepredigt führte er aus, daß das renovirte Gotteshaus eine Stätte wahrer Andacht werden möge, woselbst die Kummerbeladenen Trost und Erhebung finden möchten, daß sich von hier aus in die Herzen der Gemeindemitglieder der Geist der Eintracht und Liebe ergießen möge. Der vierstimmige Chorgesang des 150. Psalms endete die erhebende Feier. r. Magdeburg, 1!. September. Heute fand hier die definitive Konstituirung des „Synagogengemeinden-Berbandes der Provinz Sachsen" statt. Bis jetzt haben folgende Gemeinden der Provinz ihren Beitritt zugesagt: Magdeburg, Halle, Halberstadt, Erfurt, N o rd h ause n, Schönebeck, Egeln, Stendal, Tangermünde, Burg, Genthin, Calbe a. S., Gardelegen, Quedlinburg, Salzwedel, Suhl. — Herr Rabbiner Dr. Nahmer trat als außerordentliches Mitglied dem Verband bei. In der heutigen Versammlung wurden die Satzungen nach zweistündiger Berathung einmüthig angenommen und folgende neun Herren in den Verbands-Ausschuß auf drei Jahre gewählt: S. Singer-Magdeburg (1. Vorsitzender), B. Hirsch-Halberstadt (2. Vorsitzender), Rechtsanwalt Lichtwitz-Magdeburg (Schatzmeister), Blumenthal-Halle, Lamm-Erfurt, Oppenheimer-Nordhausen, Meyer-Stendal, Blumenthal-Egeln, Crojanker- Burg. Zu Delegirten für den Verbände-Tag in Berlin am 17. Oktober wurden die beiden Vorsitzenden designirt. g. Oeynhausen, 12. September. Es dürfte Ihre Leser gewiß interesstren. daß zu dem ans Anlaß der Kaisermanöver hier stattgehabten Diner, welches von dem Kaiser den Spitzen der Provinz Westfalen gegeben wurde, als einziger Glaubensgenosse der Fabrikdirektor Victor aus Bad Oeynhausen geladen war. In der Villa dieses Herrn wohnten während der sechs Tage die Prinzessin Victoria von Schaumburg-Lippe, die Schwester des Kaisers, und Prinz Adolf, deren Gemahl. Der Frau Direktor Victor wurde mit einem huldvollen Schreiben des Kaisers als sichtbares Zeichen kaiserlicher Huld und Anerkennung eine kostbare Broche mit dem kaiserlichen Namenszuge in Brillanten verliehen. GD Neuenahr, im September. Der Verein zur Gründung eines israelitischen Krankenheims in Bad Neuenahr für unbemittelte Glaubensgenossen sendet uns die nachfolgenden Mittheilungen: Bon jeher wurde es als eine der höchsten und schönsten Pflichten innerhalb unserer jüdischen Glaubensgenoffenschaft betrachtet, überall da, wo sich der Be-