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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-23 · Heft 38 (23.9.1898) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 38 (23.9.1898)
Date
1898-09-23
Page
Seite 453 (sequence 9)
Language
German
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v Jj X “-XP --t^r . V WWW MDMDWWWMDHWWWMWWMMMW^«»»» 463 UILLETON Are Mose von Saron. Line Erzählung. XIII. einer ärmlichen Hütte, inmitten der Oelbäume Gethsemanes, fiel an dem nämlichen Abend eine freundliche, aber wehmüthige Szene vor. Eine ältere Frau, ein Mädchen und ein junger Mann standen beisammen. Das Mädchen war von den Armen der älteren Frau umschlossen und blickte schüchtern zu ihr empor. Der junge Mann betrachtete mit wehmüthigem Blicke diese Gruppe. Die Hütte bestand aus zwei aneinanderstoßenden Gemächern, welche durch eine offene Thür verbunden waren. Mehrere regelmäßige Oeffnungen an den Wänden der Hütte dienten statt der Fenster, und nie waren Fenster auf anmuthigere Weise ersetzt. Denn rings um die Hütte standen die Oelbäume, und die dichtbelaubten Zweige mit ihren gelben Früchten verschränkten sich vor den Fenstern zu grünen, duftenden Gittern, durch welche der Strahl des Tages nur gebrochen drang. Darum wehte durch die Gemächer eine schauernde, erquickende Kühle, während über der heiligen Stadt die erdrückende Hitze der Sommermonate lag. Das Gemach,, worin die erwähnte Gruppe sich befand, war bescheiden, aber, anmuthig eingerichtet. An den Wänden liefen mehrere hölzerne Bänke hin, welche mit zarten, grünen Binsen bedeckt waren. Ein roher Tisch stand zwischen zwei Fenstern; die Platte war mit Blumen und den Blüthen des Oclbaumes bestreut, unten standen große, zum Theil hölzerne Mörser, in welchen die Oliven zerstampft wurden, ehe man sie der Presse oder dem Keller übergeben konnte. Auch fehlte nicht eiil Krug mit frischem Oel, dem täglichen Bedürfniß des Morgenländers. Im anstoßenden Gemache erblickte man hohe Betten, welche mit farbigen Decken behängen waren. Auch standen in diesem Gemache statt der einfachen hölzernen Bänke weiche Polster an den Wänden umher. So war die Wohnung Zeruhas, der Edomiterin, beschaffen, die am Oelberg Oliven baute utrt» fern von der Heimath unter den frommen Kindern Israels ihres Sohnes harrte. Der Leser hat demnach auch errathen, wer die drei erwähnten Personen waren. Während das Mädchen schüchtern zu Zeruha emporblickte, wandte sich diese an Reson, Die Edomiterin war eine hohe Frau, zwar bleich von Angesicht und mit leidenden, fast verfallenen Zügen. Aber hätten ihre Glieder wie ihr Angesicht mehr Fülle gehabt, so wäre sie immer noch eine Matrone voll Anmuth gewesen. Unter den Leiden langer Jahre war ihr nichts mehr geblieben als eine edle Würde und ein rührender Schmerz in den regelmäßigen, aber zerstörten Zügen und in dem sanften dunkeln Auge. Sie war ganz einfach gekleidet. Ein langes Gewand fiel bis auf die Füße hinab, welche von einfachen Sandalen umschlungen waren. Das Gewand schimmerte blendend weiß und war über den Hüften durch einen gestickten Gürtel von dunkler Farbe festgehalten. Die schwarzen, reichen Haare der Matrone hatte noch kein einziger grauer Fleck unschön gemacht. In breiten Zöpfen lagen sie um das Haupt, und ein weißes, feines Tuch war bescheiden um den fast jugendlichen Schmuck des Hauptes geschlungen. Die Edomiterin hielt das junge Mädchen mit dem einen Arm -umschlungen, und den anderen legte sie auf die Achsel Resons. „Krieger meines Stammes," sagte die Matrone mit reiner, weicher, melodischer Stimme, „Du hast Edoms kostbarsten Schatz in nieine Hände gegeben, und Zeruha wird die Hoffnung ihres Stammes, den Stern Edoms schützen und verbergen. Du sagst, es zwinge Dich das Schicksal, nach Edom zu wandern und den Aufstand der Treuen zu leiten. Möge die große Isis Deinen Pfad ebnen und Deinen gerechten Kampf begünstigen. In meiner Hütte aber erwartet Na-mn den Tag des Sieges." Das Mädchen umschlang die Matrone. „Du bist gut und mild, meine Mutter, und Du sprichst die Worte meines Vaters. Darum übergiebt sich Nasmi vertrauend Deinem Schutze." Die Matrone küßte das Mädchen auf die glatte, reine Stirn. „Stern von Edom," sagte sie gerührt, „Zeruha wird Dich mit ihrem Leben schützen, denn Du bist Edoms Fürstin. Wenn aber die Ungerechtigkeit der Geschicke über die Menschen komnit, daun ist aller Schutz und aller Widerstand vergebens. Siehe, ich bin durch ein Leben des Schmerzes gezogen und mißtraue den Geschicken der Erde. Und Du hast auch einen rauheil Pfad angetreten, junger Strahl von Edom! Möge die Aermlichkeit dieser Hütte das letzte Ungemach Deines Lebens sein, und möge Mutter Isis, die Liebende und Allmächtige, Dich auf den Thron Deiner Väter setzen!" Der Krieger Edoms hörte diesen Worten mit tiefer Bewegung zu. „Meine Mutter," begann er, „Deine Worte sind weise, aber traurig. Du hast gelitten, und Du hast ein starkes Herz durch die Stürme getragen. Und auch Reson trägt einen Schmerz, welchen das Geschick ihm auflud, aber noch nie floß eine Thräne über seine Wange. Doch dieses zarte Mädchen lernte noch nicht entsagen und nicht unterliegen, denn es ward auf dem Thron geboren, und die Stimme des Unglücks klang nicht in sein Ohr, da es in den prächtigen Gemächern zu Thebais wohnte. Darurn stütze Du die junge Kraft, und streue Du der Worte Trost in diesen zarten Busen." „Krieger meines Stammes," versetzte die Matrone, „Zeruha lvird die Fürstin ihres Volkes an ihrem Herzen und in den Armen halten." „O, Du bist gütig und voll Aufopferung," sagte der Krieger innig. „Siehe, von dem Tage an, wo ich, ein geächteter, flüchtiger Abenteurer, in Deinem Hause Schutz und Liebe fand, erkannte ich Dein mildes Herz und liebte Dich wie eine Mutter. Von Deinen Lippen tönt die Sprache Deines Volkes, Dein klageloses Leiden mahnt mich, den eigenen Schmerz zu unterdrücken, und ich sehe frei zu Dir empor, derm Du bist in der Hütte geboren gleich mir selbst und hast Empfindung für das Kind des Volkes. Und darum übergab ich Dir das Kostbarste, was das Geschick dem Schutz meiner Arme anvertraute." „Wärst Du mein Sohn!" sprach die Matrone mit zitternder Stimme, während Na«mi ihr Angesicht an dem Busen derselben verbarg. „Ach, wärst Du mein Sohn, und ich hätte Dich jetzt gefunden! Zeruha hat ein langes, trauriges Leben durchirrt, und sie war eine Waise, da Niemand sie liebte. Ach, wärst Du mein Sohn, tapferer, edler Reson!" ■t Der Edomiter sank wie ein gehorsames Kind auf die Kniee, und die Matrone legte ihm segnend die Hände auf das Haupt. „Ja, segne mich!" rief der Krieger Edoms mit überströmender Empfindung. „Es liegt ein Pfad voll Gefahren vor mir, und es betet keine liebende Seele für mich."

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