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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-16 · Heft 37 (16.9.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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- 3 - königlichen Landraths, Herrn Geheimen Regierungsraths v. Oven, des hiesigen Magistrats in corpore, des Herrn Professor Meyer, Direktor des königlichen Gymnasiums, und anderer zahlreicher Gäste von Nah und Fern; der Herr Regierungspräsident zu Hildesheim hatte in einem Reskript an den Herrn Landrabbiner seinem „lebhaften Bedauern, an der Feier nicht theilnehmen zu können, Ausdruck gegeben und den Letzteren ersucht, der Synagogengemeinde seine wärmste Theilnahme an dem für sie so bedeutungsvollen Ereignisse und seine angelegentlichsten Glückwünsche zu der Feier übermitteln zu wollen". Den Mittelpunkt der gottesdienstlichen Feier bildete die Festpredigt des Herrn Landrabbiner Dr. Lewinsky, in welcher er mit Zugrundelegung von Jesaias 56, 7 Zweck und Bestimmung des Gotteshauses in meisterhafter Ausführung klarlegte. Im Anschluß hieran verrichtete derselbe das Weihegebet, zündete das „Ner tomid" an und sprach das Gebet für Kaiser und Reich, für die hiesige Stadt und Gemeinde. Bei der erhebenden Feier wirkte unter Harmoniumbegleitung ein aus Damen und Herren der hiesigen Gemeinde gebildeter Chor mit. Nachmittags 3 Uhr begann im Saale des Hotel „Englischer Hof" ein gemeinschaftliches Festessen, zu dem auch die Stadtbehörde (Bürgermeister und Senatoren) erschienen war. Dem Festessen folgte ein Ball, der, gleich dem am 25. d. Mts. nach dem benachbarten Westerode seitens der Festtheilnehmer unternommenen Ausflug, einen recht vergnügten Verlauf nahm. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß, wie Herr Dr. Lewinsky in seiner Festpredigt hervorhob, bereits vor ungefähr 500 Jahren in Duderstadt eine „Synagoge oder Schule" bestand. Der neu erbaute Tempel, der einen stattlichen Eindruck gewährt und eine würdevolle Einrichtung aufweist, erhebt sich gegenüber der hiesigen Klosterkirche, ein Moment, das den Herrn Dr. Lewinsky veranlaßte, in einer seiner Reden auf die im „Schebet Jehuda" des R. Salomo ibn Berga (ed. Wiener, Seite 83 hebräisch, Seite 170 deutsch) enthaltene Erzählung hinzuweisen, nach welcher einst zu einer Königin, die sich „über die Nachbarschaft von Synagoge und Kirche aufhielt", einer ihrer Näthe sprach: „Diese beiden Häuser stehen wie zwei Schwestern neben einander", worauf die Fürstin ausrief: „Mögen sie bis in das späteste Atter zusammen bleiben!" M. Hamburg, 5. September. Der Verein zur Unterstützung dürftiger Familien an Sabbath- und Festtagen beging gestern den Tag seines 50jährigen Jubiläums. In der geschmückten Aula der israelitischen Töchterschule hatten sich gestern Abend die Mitglieder mit ihren Damen, die Ehrengäste sowie die Verwaltung eingefunden. Eingeleitet wurde die Feier durch ein Präludium, welches in vorzüglicher Weise vom Oberkantor I. Dreiblatt vorgetragen wurde. In seiner Begrüßungsrede gab der Präses, seinerzeitiger Begründer des Vereins, Herr Bankier E. Calmann, ein Bild von der Gründung und Entwickelung des Vereins. Im Jahre 1848, als eine Choleraepidemie in Hamburgs Mauern herrschte, vereinigten sich junge Männer, um Mittel und Wege zu schaffen, damit der ärmeren Bevölkerung gesunde, kräftige Nahrung geboten werde. Aus den kleinsten Anfängen hat sich der Verein zu einer der segensreichsten Institutionen unserer Gemeinde entwickelt. Den Vereinsmitgliedern selbst wird die Bertheilung im Wege der Verloosung zugewiesen, weder die Verwaltung noch die Lieferanten erfahren die Adressen der Empfänger, damit eben vorzugsweise verschämte Familien berücksichtigt werden können. Im Laufe der Jahre kamen allein 115 000 Pfund Fleisch und 135 000 Pfund Mehl zur Bertheilung. Redner ersucht die Anwesenden, auch in Zukunft die Ziele des Vereins zu fördern, damit das schöne Werk der Humanität sich immer mehr und mehr ausbreite. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner M. Hirsch die eigentliche Festrede, in trefflicher Weise gab der geschätzte Redner ein Bild von der Bedeutung der gemeinsamen Wohlthätigkeit, nicht der einzelne Mensch sei allein im Stande, helfend einzugreifen, wo es gilt, die Noth der Dürftigen und Bedrängten zu lindern, nur wenn alle Glieder sich vereinigen, um eine Kette oder einen Verein zu bilden, kann es möglich sein, auf dem Gebiete der Menschenliebe Ersprießliches zu schaffen. Die Festrede hinterließ bei den Anwesenden einen tiefen Eindruck. Nach dem Bortrag einiger Psalmen durch den Knabenchor schloß die erhebende Feier. n. Niedermarsberg, 8. September. Am verflossenen Sonnabend hielt hier beim Morgengottesdienst der Lehrer Ost mald aus Witten einen Bortrag über die Errichtung eines Asyls in Westfalen. Mit größter Aufmerksamkeit und regstem Interesse lauschte die fast vollzählig versammelte Gemeinde dessen Worten und wird hoffentlich eine Zeichnung für dieses edle Werk von gutem Erfolg sein. Z. Straßburg i. E., 8. September. Unsere Stadt hat in Gestalt einer prächtig ausgeführten neuen Synagoge wiederum eine Zierde von monumentaler Wirkung erhalten. Der Prachtbau ist an Stelle des alten Zollgebäudes, dessen Platz von der Stadt der Gemeinde kostenfrei überlassen wurde, durch Professor Levy in Karlsruhe in romanischem Stile in einem Zeitraum von 21/2 Jahren errichtet worden und erheischte einen Kostenaufwand von ca. 850 000 Mark, wovon 60 000 Mark durch die Staatskasse getragen wurden. Die Einweihung des neuen Tempels wurde heute Nachmittag in Gegenwart der fast vollzählig versammelten Gemeinde durch feierliche Prozession mit den Thorarollen, Vortrag von Festgesängen und Gebeten sowie durch eine ernste Weiherede des Oberrabbiners — an welche sich das Gebet für den Kaiser schloß — in stimmungsvoller Weise vollzogen. Dem Festakte wohnten unter Anderen auch der kaiserliche Statthalter, Fürst von Hohenlohe-Langenburg, der Bürgermeister Back, der Staatssekretär, der Gouverneur und zahlreiche andere offizielle Persönlichkeiten bei. Oestrrrrich -Ungarn. Q Wien, 12. September. Wir stehen hier alle unter dem Banne des entsetzlichen Ereignisses in Genf. Noch ist es nicht an der Zeit, die Biographie der Kaiserin Elisabeth zu schreiben; wird dies aber demnächst in objektiver Weise geschehen, so wird sicherlich als einer der hervorstechendsten Züge in dem Charakter der edlen Fürstin ihre große Toleranz, ihre entschiedene Abneigung gegen den Antisemitismus, der sich unter allerlei Gestalten auch selbst bis in die Gemächer der Hofburg einzuschleichen verstanden hat, hervorgehoben werden müssen. Ueber das tragische Ereigniß selbst werden erst heute die Einzelheiten bekannt. Darunter ist die Nachricht von besonderem Interesse, daß die Fahrt der Kaiserin nach Genf einzig und allein einen Besuch bei der Frau Baronin Alphonse von Rothschild galt, der einzigen Dame, der die im strengsten Inkognito reisende Fürstin einen Besuch abstattete. — Unter zahlreicher Betheiligung der vornehmsten Kreise hat hier das Leichenbegängniß des Kommerzialrathes und Generalsekretärs der Produktenbörse Moritz Leinkauf auf dem israelitischen Friedhofe stattgefunden. Der Verewigte hat sich um das kommerzielle Leben Wiens große Verdienste erworben und gehörte auch lange Zeit dem Vorstand der Kultusgemeinde an. — In Krakau fand am 5. d. M. unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Ursel die größte der bisherigen Strafverhandlungen wegen antisemitischer Exzesse statt. Sie richtete sich gegen 45 Angeklagte, darunter 11 weibliche. Die Beschuldigten hatten unter Anführung des Thomas Kasprzycki am 24. Juni in mehreren Ortschaften des Brzesker Bezirkes in vielen jüdischen Häusern theils geplündert, theils die Einrichtungsstücke vernichtet sowie auch die jüdischen Schänken zerstört. Nach dreitägiger Verhandlung wurden der Anführer Kasprzycki zu zehnmonatlichem schweren Kerker mit einem Fasttage in der Woche, sechs Angeklagte zu schwerem Kerker von neun bis zwei Monaten, neunzehn zu sieben Wochen bis drei Tagen Arrests verurtheilt. — Mitte August fand in Preß bürg ein Duell zwischen dem Lieutenant des 72. Infanterie-Regiments Nikolaus Kalbasa und dem Ministerial-Rechnungsrevidenten Reservelieutenant Leopold Levin, einem Konvertiten, statt, in welchem Kalbasa von einem Schuß in die Brust getroffen fiel. Die Ursache des Zweikampfes wurde in den Beziehungen gesucht, in welchen Lieutenant Kalbasa zu Frau Levin stand, und die zu einer Scheidungsklage sowie zu einem Renkontre zwischen den beiden Männern führten. Herr Levin stellte sich einige Tage nach dem Duell der Wiener Staatsanwaltschaft und wurde sofort in Haft behalten. Vorgestern jedoch langte aus der Kabinetskanzlei des Kaisers die Anordnung herab, daß das strafgerichtliche Verfahren gegen Levin einzustellen sei. Der Verhaftete wurde sofort von der Abolition seines Prozesses verständigt und in Freiheit gesetzt. — Anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers hat Baronin Hirsch, welche gegenwärtig auf Schloß Eichhorn weilt, ein Pensionsinstitut für die Beamten ihrer vier mährischen Güter Eichhorn, Rossitz, Schwarzkirchen und Pürschitz errichtet und hierfür den Betrag von 205 000 Gulden gespendet. — Neues von dem berüchtigten Osman Bey meldet die „N. Fr. Pr." vom 1. September aus Triest: Kürzlich wurde aus Pola die Verhaftung

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