Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-16 · Heft 37 (16.9.1898) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3228257-3228295--54901-3291075
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

t i? I! WWW^^WM^WMWWMMMDW««WWWMWWWWW?W«WWWW«WMWWMWWMWFMWWWMZMMWWMMMMM eines angeblich türkischen Majors,: Namens Osmay Bey, gemeldet. Wie nachträglich bekannt wird, wurde der Verhaftete verschiedener Bßtrugsaffären beschuldigt. In der letzten Zeit soll er in Wien gewohnt haben, und er scheint .auch von dort flüchtig geworden zu sein. Voft einer gerichtlichen Verfolgung wurde jndeß Abstand genommen, und der Verhaftete sollte über die Grenze, geschafft werden. .In Triest gelang es ihm, sich durch die Flucht dieser Zwangsmaßregel zu entziehen. Ein wackerer Mann! B. Budapest, 10. September. Der transdanubische Rabbinerverein hielt in Stuhlweißenburg seine diesjährige Hauptversammlung ab, der ein Entwurf des einheitlichen Lehrplanes für den Religionsunterricht vorgelegt wurde. Nach einer sehr lebhaften Debatte wurde beschlossen, den Entwurf in Druck zu legen und den Mitgliedern behufs Ueberprüfung zuzusenden. Ein Antrag, beim Religionsunterricht auch die Religionsgeschichte zu berücksichtigen, wurde fallen gelassen. Die Versammlung sprach dann die Nothwendigkeit der Maßregelung jener Kultusbeamten aus, die ein religionswidriges LebHr führen. Nach Erledigung der laufenden Angelegenheit hieltet Dr. Schnitzer-Komorn und Dr. Steinherz-Stuhlweißenburg sehr interessante Vorträge. — Die durch Berufung des Rabbiners Dr. I. Fischer nach Prag frei gewordene Stelle eines Rabbiners in Ramd wurde dem Rabbiner Dr. M. Schwarz-T. Szt. Märton übertragen. — Der Afrikareisende Dr. E. Holub spendete der Wag-Neustädtlqr jüdischen Realschule eine werthvolle Sammlung ethnographischer Gegenstände aus Asien und Afrika. — In Budapest starb der pensionirte Bezirksarzt Dr. S. T. Blumgrund nach einer nahezu vierzigjährigen segensreichen Thätigkeit in Italien, der Türkei und Ungarn. Großbritannien. B. London, 11. September. Die jüdische Freischule hat einen schweren Verlust erlitten, ihr langjähriger Vorsteher, Moses Angel, ist am 2. September nach längerer Krankheit gestorben. Er war 1817 geboren, also 81 Jahr, und seit 58 Jahren Vorsteher der jüdischen Freischule, die er aus verhältnißmäßig kleinen Anfängen zu der größten Schule der Welt entwickeln half. Sein Begräbniß fand unter großer Betheiligung seiner vielen Freunde und ehemaliger Schüler statt, und am Donnerstag, 8. September, veranstaltete Rev. Emanuel in der großen, aber doch überfüllten Halle der Freischule eine Trauerfeier, in der er die Verdienste des Entschlafenen entsprechend würdigte. Don Nah und Fern. --- In Preußen haben die Antisemiten gegen 1893 verloren 16 463 Stimmen. — Die Chewra in Borken feierte am 21. v. M. ihr Stiftungsfest. Lehrer Amram hielt die sehr beifällig aufgenommene Festrede. Ein Toast wurde zwei Mitgliedern geweiht, die ausder Zahl der Begründer noch theilnahmen: den Herren L. Kaufmann und H. Rosenbusch. — In Koblenz feierte, am .3. d. der Lehrer und Kantor S. A. Friedberg die silberne Hochzeit unter allgemeiner Theilnahme. Derselbe wirkt dort bereits seit 30 Jahren segensreich. — In Cannstatt ist am 9. d. M. der allgemein geachtete. Kommerzrenrath Louis Elsaß, Mitglied der Kirchenbehörde, des Gemeinderaths, des Bürgerausschusses und der Handelskammer, gestorben.— In Augsburg hat sich der dortige „Antisemitische Verein" aufgelöst. — In Klagenfurt heißt der Bischof Dr. Kahn. Als Kandidat für die Prälatenwahl im Stifte St. Paul wird jetzt ein Dr. Katz genannt. Katz ist bekanntlich eine Abbreviatur von Kohen-Zedek. Der Erzbischof von Olmütz^ Dr. Kohn, bekommt demnach einen dritten Kollegen. Tres faciunt Collegium. — Zum Baseler Zionisten-Kongreß ist noch zu melden, daß derselbe in das Aktionskomitee als Mitglieder für Galizien die Herren Julius Schimarker in Krakau, Dr. Schur, Advokat in Kolomea, und Dr. Rosenheck, Advokat in Stanislau, gewählt hat. — Der Unterstaatssekretär der Finanzen, Leone Wollemberg in Rom, hat vom König von Italien das Kommandeurkreuz des Ordens der Italienischen Krone erhalten. — Es ist interessant, daß gegenwärtig mehrere der Ausgrabungen in Griechenland unter Leitung von jüdischen Gelehrten stehen. So sind die erfolgreichen Ausgrabungen in Paros von Herrn Dr. Rubensohn, diejenigen in Delphi von M. Cahen aus Paris geleitet. — Leon Piperuo, der Ehrensekretär der italienischen, Gemeinde Konstantinopel, hat von dem: Sultan den Osmanie-Orden erhalten.. Diese .Ordensverleihung hat große Freude hervorgerufen, einmal wegen der allgemeinen Popularität deA AusgMichneten,dann weil man diesen Gnadenakt des Sultans auf dessen eigenste Initiative zurückführt. — Eine Depesche des'„Wiener Tagblatt" vom 29. August meldet aus Konstantinopel: Nachrichten aus Beirut besagen, daß Einheimische und Fremde wieder aus der Rothschild'schen Kolonie im H auran ausgewiesen und selbst gezwungen werden, ihre Ländereien aufzugeben. Der Mali giebt an, auf höheren Befehl zu handeln. — Bei Gelegenheit der Thronbesteigung der Königin Wilhelmine der Niederlande erhielten Oberrabrner Dr. Ritter in Rotterdam den Ritterorden" des niederländischen Löwen, der Rabbinerder portugiesischen Gemeinde in Amsterdam Jakob A. Mendes den Orden von Oranien-Nassau. Zum Kommandeur desselben Ordens wurde der Generalkonsul I. H. v. Li er in Paris ernannt, zum Ritter des Löwenordens Rechtsanwalt I. A. Levy, Baron Georg Rosenthal, E. A. Lindo, Eisenbahn- Direktor in Java, A. S. van Prag, Mitglied der Kolonialstaaten in Surinam, H. M. de Bries, Agent der niederländischen Bank im Haag, E. E. van Raalte, Kronanwalt in Rotterdam; das Kommandeurkreuz des Löwenordens erhielten I. F. Israel, erster Sekretär der Regierung in Bangolmas, das Kommandeurkreuz des Ordens von Oranien und Nassau M. Catz, Vizepräsident der Gesellschaft „Nederland in Oranje" in Berlin, E. Pinn es, Sekretär der Deutschen Wohlthätigkeitsgesellschaft in Paris, E W. van Raalte, Polizeikommifsar in Amsterdam, Dr. B. E Goudsmit, Direktor der städtischen Bürgerschule in Zutphen, Dr. D. de Costa Gomez de la Pen ha, Arzt in Amsterdam, M. Hipmans van Wandenoyen, Präsident des Vereins zur Hebung der Volkswohlfahrt im Haag, S. van Dias, Generalsekretär des Festkomitees im Haag, das Offizierkreuz desselben Ordens I. I. Prins, Direktor der Dampfschifffährtsgeseüschaft in Arnheim. — In Rouen, einer Hochburg des Antisemitismus, feiert die freie Gesittung und Ehrenhaftigkeit, deren sich die Antisemiten bei jeder Gelegenheit rühmen, große Triumphe. Eingeworfene Fensterscheiben in jüdischen Häusern und Verkaufsräumen, obszöne, das jüdische Familienleben beschimpfende. Kreidesudeleien an den Häusern, Unverschämtheiten aller Art, denen insbesondere israelitische Damen ausgesetzt sind, geben Zeugniß von diesem traurigen Triumphe. — Am Dienstag Abend fuhren 14 jüdische Familien von London ab, die sich als Kolonisten in Cypern niederlassen wollen. Eine Familie ist schon die Woche vorher nach Cypern abgereist. Die Familien haben, bis auf eine Ausnahme, bisher im Ostende Londons gewohnt. — Aus Sibirien werden jetzt fortgesetzt Juden ausgewiesen, selbst solche, die, wie Söhne der Reservisten, das absolute Wohnrecht auch in Sibirien haben. In einzelnen Fällen, wenn die von den Ausweisungen Betroffenen den llstuth und die Ausdauer haben, bis an di<höchste Instanz zu gehen, hebt der Senat die Ausweisungsverfügung auf. — Aus Temet et Haäd in Algier kommt die Nachricht, daß die Eingeborenen, nachdem sie erst einander bekriegt hatten, sich plötzlich vereinigt haben, um die Juden zu plündern. — Oberstlieutenant Harris ist wieder zum Mitglied des Parlaments der Kapkolonie als Vertreter für die Stadt Kimberley gewählt worden. — Die jüdische Gemeinde in Atlantic City hat kürzlich am Tischabeaw einen Ball veranstaltet. Diesen frivolen Bruch mit dem jüdischen Gesetz verdanken wir der Reaktion gegen den Zionismus. Da die Absicht der Gemeinde schon länger bekannt war, so haben sich eine große Anzahl Rabbiner an die Gemeindebehörden gewendet mit der Bitte, diese Verhöhnung jüdischer Sitte zu unterlassen, doch hat alles nichts gefruchtet, denn die trotzigen Herren in Atlantic City wollten zeigen, daß sie die Zerstörung Jerusalems als ein Glück ansehen. — Kapitän Richter aus New-Aork, der bei der Erstürmung von Manila den Tod gefunden, war ein Jude. — Dr. Josef Hertz, Rabbiner in Syrakus, wurde zum Rabbiner der Gemeinde Johannesburg gewählt. — Auch in der Sahara giebt es Juden! Seit einigen Monaten besteht in der Handelsstadt Kano eine kleine Ansiedelung von marokkanischen Juden, die über die große Negerstadt Timbuktu dorthin kamen, um dort Handel zu treiben, sie besitzen auch schon ein kleines Bethaus (zalijah), freilich blos eine Lehmhütte mit einem Strohdache ist. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. .Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.