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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-16 · Heft 37 (16.9.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Vorjahres, sich ergiebt. Die Beköstigung erforderte im Jahre 1896/97 58 944 Mark, demnach pro Tag und Kopf 66 Pfennig, im Jahre 1897/98 59 932 Mark, gleichfalls 66 Pfennig. Am 1. Oktober 1897 ist Herr David Hirschfeld aus Gesundheitsrücksichten, nachdem er 26 Jahre, davon 19 Jahre als Rendant, Mitglied des Vorstandes war, aus diesem ausgeschieden, was lebhaft bedauert wurde; seine langjährige verdienstvolle Thätigkeit hat der Vorstand durch Verleihung der immerwährenden Mitgliedschaft anzuerkennen gewußt. Frau Geheimrath Clara Goldberger, welche mehr als ein Jahrzehnt Ehrendame der Anstalt Große Hamburgerstraße war, hat dies Amt im Januar 1898 zu großem Bedauern niedergelegt. Neu gewählt und am 31. Dezember 1897 in gemeinsamer Sitzung des Vorstandes und der Ehrendamen wurden in ihr Amt eingeführt Herr Martin Herzseld als Mitglied des Vorstandes, Frau Lydia Fernbach geb. Pincus, Frau Johanna Fiegel geb. Lipmann-Wulf, Frau Marie Jaffö geb. Alexander, Frau Betty Joelsohn geb. Seligsohn als Ehrendamen der Anstalt Große Hamburgerstraße. Der Vorstand besteht gegenwärtig aus den Herren Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs, Vorsitzender, Moritz Manheimer, Stellvertreter des Vorsitzenden, Emil Pincus, Rendant, Sanitätsrath Dr. I. Ewer, Kontroleur, Leopold Aron, Martin Herzfeld, Sally Lehmann, Ludwig Mecklenburg, Louis Eduard Sachs, Sanitätsrath Dr. Wiesenthal. L2 Berlin, 12. September. Die zur Zeit älteste Einwohnerin Berlins, die hundertunddreijährige Frau Pinkus, über welche die „A. Z. d. I." bereits berichtet hat, kann sich von den Folgen eines Knöchelbruchs, den sie vor einiger Zeit erlitt, nicht erholen. Der Bruch will, wie das ja bei dem hohen Alter der Frau vorauszusehen war, nicht heilen und bereitet der Greisin nicht geringe Schmerzen, die sie mit Geduld trägt. Die alte Frau sieht aus wie ein mit verschrumpftem Pergament überzogenes Skelett. Ihr Gehör hat infolge ihres Alters stark gelitten, geistig ist sie aber noch sehr rege, und auch ihr Gedächtniß hat sie nicht verlassen. Aus Miloslaw in Posen gebürtig, hat sie dort den größten Theil ihres Lebens zugebracht, und gar manches weiß sie aus den napoleonischen Kriegen zu erzählen, als die Franzosen und dann die Kosaken kamen. Ihr Mann war in Miloslaw Synagogendiener und ist schon über 40 Jahre todt. 27 Jahre hat die Frau nach dem Tode ihres Mannes bei einem Sohn in Miloslaw gelebt, bis dieser infolge eines Sturzes ums Leben kam. Vor fünf Jahren nahm eine Tochter, die hiesige Handelsfrau Weiß, die greise Mutter zu sich, und bei ihr in der Koblankstraße 2 II wohnt sie noch jetzt. Der Mann der Frau Weiß ist Hausirer. Das Ehepaar, dem es an Kindersegen nicht fehlt, ist mit irdischen Gütern nur sehr spärlich bedacht. Bei aller Armuth herrscht in ihrer Wohnung peinliche Sauberkeit, es fehlt ihnen aber an manchem, um der Greisin die letzten Lebenstage freundlicher zu gestalten. F. Pankow, 14. September. Wie alljährlich, findet auch in diesem Jahr an den hohen Festtagen im jüdischen Lehrlingsheim der von der Religionsgenossenschaft Agudath Achim veranstaltete Gottesdienst für die Zöglinge des Lehrlingsheims und die Gemeindemitglieder statt. Nicht nur an den hohen Festtagen, sondern auch an den Sabbathen ist durch den Verein Agudath Achim ein geregelter Gottesdienst ermöglicht worden, der auch den Lehrlingen, für die gerade in unseren Tagen die Religion nicht als ein unwesentliches Bildungs- und Erziehungselement zu betrachten ist, zu gute kommt. Der Gottesdienst wird nicht von besoldeten Kultusbeamten geleitet, sämmtliche Funktionen werden von Gemeindemitgliedern ausgeführt. Es wäre zu wünschen, daß dieses Beispiel, das seit Jahren die Mitglieder des Vereins Lehrlingsheim Pankow freudig begrüßen, auch in anderen Vororten Berlins Nachahmung fände. — In den Vorortgemeinden Steglitz und Charlottenburg findet ebenfalls Gottesdienst statt. V Aus Westpreußen. Der Verein jüdischer Religionslehrer Westpreußens hält am 4. und 5. Oktober d. Js. in Marienwerder eine Generalversammlung im Konferenzzimmer der städtischen Knabenschule ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: ein Referat des Herrn Mannheim-Graudenz „Ueber die soziale und berufliche Stellung des jüdischen Lehrers; eine Lehrprobe von Herrn Geisenberg-Marienwerder „Ueber das Laubhüttenfest"; ferner „Mitwirkung der Lehrer am Statistischen Jahrbuch". Als Anerkennung für die freundliche Unterstützung bei der Einweihungsfeier der neuen Synagoge in Marien bürg am 30. August hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde daselbst dem Herrn Musikdirektor Schmidt und dem Herrn Taubstummenlehrer Stobbe je einen Ruhestuhl übersandt.—In Bischofswerder ist der Kaufmann I tz i g s o h n von der Stadtverordnetenversammlung zum Rathmann auf sechs Jahre gewählt. — Herr Fabrikbesitzer und Stadtverordnetenvorsteher Julius Levy in Jn o wrazla w ist als Vertreter der Stadt zu der 500jährigen Jubelfeier der Stadt Mogilno entsandt worden. — In Danzig ist Herr Kadisch zum Abgeordneten für den Städtetag in Deutsch-Krone gewählt. — Der Männer-Turnverein in Neumark i. Westpr. wählte den Rechtsanwalt Herrn Lewinsky zum Vorsitzenden. — Herr Kaufmann Lo üi s Lew in in Briefen ist in die Finanzkommission gewählt. — In Königsberg, Ostpreußen, richtete der Oberprästdent an das Vorsteheramt der Kaufmannschaft die Aufforderung, Angaben zur Beurtheilung der Bedeutung der in Königsberg lebenden russisch-jüdischen Händler für das geschäftliche Leben zu machen. Die in jenen Kreisen gehegte Besorgniß, jene Aufforderung könnte den Anlaß zur Ausweisung bieten, wird jetzt als unbegründet erachtet, vielmehr wünscht der Herr Oberpräsident jene Angaben zugleich für alle in Betracht kommenden Personen lediglich zur Vereinfachung des Geschäftsganges, um in jedem einzelnen Falle einen Schriftwechsel zu vermeiden. P. Insterburg, 31. August. Eine erhebende Feier war es, die am Sonnabend in unserem festlich geschmückten Gotteshause unsere Gemeinde und viele Gäste von Nah und Fern zu gemeinsamer Andacht vereinte. Es galt der Amtseinführung unseres verehrten Kreisrabbiners Dr. Max Beer mann. Nachdem der Gemeindeälteste Herr Eloesser in herzlichen Worten Herrn Dr. Beermann begrüßt hatte, bestieg unser Rabbiner unter dem weihevollen Gesang des Boruch habo, den unser Kantor vorzüglich intonirte, die Kanzel, um eine von tiefinnerster Begeisterung durchglühte Rede über das Programm seiner zukünftigen Amtsthätigkeit zu halten. Ein Priester der Friedensliebe, ein Priester der Menschenliebe, ein Priester der Gottesliebe wolle er sein und den Schwerpunkt seiner Wirksamkeit in Schule und Haus auf die religiöse Belehrung und Unterweisung der Jugend legen. Die nach Form und Inhalt gleich meisterhafte Predigt wird noch lange in Aller Herzen mächtig nachhallen und dazu beitragen helfen, daß die von unserem Rabbiner geplante Neuorganisation des Gottesdienstes und anderer Gemeindeinstitutionen zum Heile der Gemeinde wird durchgeführt werden. R. Crone a. Br., 30. August. Seitens unserer Stadtvertretung wurde heute dem Beigeordneten Herrn Alexander Cohn eine Ehrung bereitet, die zugleich die Würdigung des Wirkens dieses Herrn im Interesse der Stadt in sich schließt. Entsprechend einem einstimmig gefaßten Beschluß der Stadtverordneten und des Magistrats überreichten Bürgermeister Haacke und Stadtverordneten-Vorsteher Schemel Herrn Cohn einen, prachtvollen silbernen Pokal, der die Widmung trägt: Ihrem Beigeordneten, Herrn Alexander Cohn für treue Dienste. Die Stadt Crone. Die Herren gedachten der mühevollen Thätigkeit des Herrn Beigeordneten, der während der Krankheit des früheren und bis zur Amtsübernahme durch den jetzigen Bürgermeister die Magistratsgeschäfte geführt re., worauf Herr Cohn mit Worten des Dankes für die ihm gewordene Anerkennung erwiederte. N. Breslau, 14. September. Am 10. d. Mts. verschied im 67. Lebensjahre einer der angesehensten Rechtsanwälte Breslaus, Justizrath Balduin Korpulus. Nahezu 40 Jahre als Jurist thätig, hat er sich nicht nur bei seinen zahlreichen Klienten das größte Vertrauen zu erwerben gewußt, sondern er war auch in Fachkreisen eine hochgeachtete Persönlichkeit. Der Vorstand der Anwaltskammer, der er längere Zeit als Mitglied angehört hat, rühmt in einem warm empfundenen Nachruf seine hervorragenden juristischen Kenntnisse und seine hohen Charaktereigenschaften, die ihm ein dauerndes Andenken sichern. Q Duderstadt (Prov. Hannover), 2. September. Der 24. v. M. war für die hiesige Synagogengemeinde ein Ehren- und Freudentag, fand doch an ihm die Einweihung des neuerbauten Tempels statt. Am Vorabend der Feier, am 23. d. Mts., wurde im bisherigen Betlokal der Abschiedsgottesdienst abgehalten, nach dessen Beendigung Ansprachen an die vollzählig versammelte Gemeinde seitens des Herrn Landrabbiners Dr. LewinskyMs Hildesheim und des hiesigen Lehrers, Herrn Speyer, erfolgten. Nach Ueberführung der Thorarollen aus der alten Andachtsstätte in das neue Gotteshaus begann am 24. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, der Weiheakt der Synagoge, in Anwesenheit des

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