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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-16 · Heft 37 (16.9.1898) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 Im Einzelnen hätten wir zu der vorliegenden Schrift noch zu bemerken, daß es uns auffiel, wie der Verfasser, welcher sonst konservativen Ansichten folgt, wieder andererseits Hypothesen, wie z. B. die von dev' Abfassungszeit mancher biblischer Bücher, etwa des Deuteronomium,; ohne Weiteres als Thatsachen aufnimmt (Seite 13). Mit den Sätzen Mendelssohns (Aus Jerusalem): „Wie es aber andererseits kein direktes Gebot zum Glauben an das unendlich Absolute im Alten Testament giebt, ebenso fehlt auch naturgemäß darin jede Strafe gegen etwaige Unbotmäßige ihm gegenüber", werden sich schon Diejenigen nicht einverstanden erklären, welche den Dekalog kennen, und doch nimmt sie der Verfasser als giltig hin (Seite 20). Daß die Pharisäer als „strenge Buchstabengläubige" den Saducäern gegenüber hingestellt werden (Seite 30), sollte man heute nicht mehr lesen, da man doch weiß, daß gerade die Pharisäer sich nicht an daß Wort, sondern an dessen Auslegung hielten. Einiges wollen wir noch zur Etymologie sagen. Die Erklärung des Wortes Maranatha (Seite 29, Anmerkung) ist eine vielumstrittene. Manche deuten es als Maran atha, „der Herr ist da"; dies ist ein Satz, der sich in den Briefen des Apostels Paulus findet. Was aber die Bezeichnung der spanischen Schein-Christen, Marannen, betrifft, so wird diese aus dem Worte Marannos („Schweine") erklärt. Kann das Wort für Harem (Seite 17, Anm.) nicht auch mit dem hebräischen Armon in Zusammenhang gebracht werden? Auf S. 17, Anm., wäre statt Hypothyse, Hypothese zu lesen. M. G. --- Die Zeit der Kalender ist gekommen. Unter diesen ist „The Jewish Year Book“ (London, Greenberg u. Co.) unbedingt der beste und reichhaltigste. Die allgemeine Statistik der Juden in der ganzen Welt, die Nekrologie, die Ueberficht über die Ereignisse des abgelaufenen Jahres, die Tafel der jüdischen Berühmtheiten, die allerdings sehr der Verbesserung bedürftig ist, sind von allgemeinem Interesse. Auch die genaue Aufführung der jüdischen Gemeindeinstitutionen in London nicht nur, sondern in ganz England und den Kolonien, das Verzeichniß der Juden im Adel, in der Armee und Marine und viele andere Beilagen machen dieses Jahrbuch zu einem höchst werthvollen Beitragzur jüdischen Geschichte. — Der „Kalender für Israeliten" (Wien, Moritz Waizner u. Sohn), den die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" nun schon seit sieben Jahren herausgiebt, enthält zugleich einen Führer durch die israelitischen Kultusgemeinden der österreichischungarischen Monarchie und vertritt somit dort die Stelle des statistischen Jahrbuchs, das bei uns der Gemeindebund herausgiebt. Der kalendarische Theil ist auch hier sehr vollständig. Die Wiener Gemeinde und ihre Anstalten stehen natürlich im Vordergrund. Auch der litterarische Theil ist von Interesse; er enthält Beiträge zur Geschichte der Juden in Mähren von Dr. M. H. Friedländer, einen werthvollen Aufsatz über das letzte frankistische Manifest von Oberrabbiner Dr. Gübemann und — last not least — einen sehr gehaltvollen Vortrag von Baurath Wilhelm Stiaßny über den Zionismus, mit dem wir uns fast durchweg einverstanden erklären. Dieser Zionismus ist der allein echte. Der Autor entrollt in großen Zügen ein Bild des heiligen Landes, seiner geographischen Lage, seiner klimatischen Verhältnisse und Bodenprodukte und stellt als die Hauptaufgabe des wahren Zionismus die hin, das Land erst geistig in Besitz zu nehmen, d. h. in naturwissenschaftlicher, archäologischer, kunsthistorischer und wirthschaftlicher Richtung zu durchforschen, dann erst neue und zwar auch städtische Kolonien anzulegen und die bestehenden zu erweitern, ferner die Schulen zu vermehren und das allgemeine Bildungsniveau sowie die Konkurrenzfähigkeit auf geistigem wie gewerblichem Gebiete zu erhöhen. Erst dann könnte das Land die Aufgabe erfüllen, die ihm gebührt: Austausch der geistigen und materiellen Güter in den drei Welttheilen der alten Welt zu vermitteln. Ein feingebildeter Fachmann und ein warmer Jude spricht in diesem Vortrag zu seinen Glaubensgenossen. Möchte sein Wort nicht ungehört verhallen! — Ein alter Freund, der sich auch schon seit 18 Jahren regelmäßig einstellt, ist der „Jllustrirre israelitische Volkskalender". (Prag 1898, Jakob B. Brandeis.) Außer dem Kalendarium und vielen nützlichen Beilagen enthält der Kalender hübsche Gedichte, eine Jahresrevue, eine prächtige Erzählung von Dr. Max Grünfeld aus dem Leben des Ghetto, „Der Prediger", eine Biographie der edlen Wohlthäterin Frau Baronin Clara von Hirsch mit Porträt von I. B. B. Brandeis sowie andere werthvolle Beiträge. — Auch das „Annuaire des Archives israölites“, herausgegeben von H. Prague (Paris, Bureau des Archives israelites), ist seit 15 Jahren ein lieber Gast. Es enthält regelmäßig interessante Beiträge zur Geschichte der Juden in Frankreich, diesmal einen Aufsatz: „Napoleon I. et les juifs“ von Leon Kahn, ferner eine Jahresrevue, eine Ehrentafel der französischen Juden, eine Statistik der jüdischen Gemeinde in Paris und deren Anstalten, an die sich ein Berzeichniß sämmtlicher französischen, elsässtschen, belgischen und Schweizer Gemeinden anschließt. ----- Im Anschluß an unsere Notiz über die „Altisraelitischen Gesänge" in voriger Nummer wollen wir Folgendes hinzufügen: Kantor A. Eisen stad t hat die Altisraelitischen Gesänge in leichter Form komponirt, für jeden Chor (auch freiwillige Sänger) ausführbar. Da es bekanntlich schwer ist, die erforderlichen Kräfte zu erlangen, um die kanonischen Gesänge, Kunstchöre, auszuführen, so werden die jüdischen Gemeinden und die Kantoren und Vorsänger diese Sammlung sicher willkommen heißen. Solchen Gemeinden, die eine Orgel besitzen, mag die Einführung dieser Gesänge ganz besonders empfohlen werden. Für jeden Musikfreund haben die „Altisraelitischen Gesänge" einen wissenschaftlichen Werth, wie hervorragende Mustkforscher bekunden. Durch Betheiligung vieler Gemeinden, Kantoren und Lehrer wird es möglich sein, dieses Werk noch zu erweitern und den Preis für die Fortsetzungen billiger zu stellen. Kprerhsaal. Geehrter Herr Redakteur! ^hinsichtlich der in Nr. 35 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" von Herrn Gymnasiallehrer Ludwig Levy gemachten Einwendung in Betreff des Londoner 8tar Chamber erlaube ich mir, nachstehende Bemerkung zu machen. Die Quelle, der ich meine Notiz entnommen habe, ist eine englische Encyklopädie, wo es wörtlich heißt: „The Star Chamber was so called from the starra or Jewish, covenants, being deposited there by Richard I.“ „Jewish covenants“ sind aber weiter nichts anderes als der hebräische terminns technicus für rTHtDtT/ sing.: S^ich starra, sing, starrum. Letztere Wörter finden sich zwar in einem modernen lateinischen Lexikon nicht vor, doch ist es möglich, daß der Schreiber des besagten Paragraphen Grund genug hatte, sie, oder vielmehr das Wort starra, als existirend hinzustellen, das augenscheinlich lateinischen Ursprungs gewesen sein muß. Die Theorie jedoch, daß nämlich kein englischer Gerichtshof 8tar Chamber genannt wird, weil sein Sitzungssaal mit Sternen verziert ist, kann schon aus dem Grunde nicht als einzig richtig hingestellt werden, weil dies meines Wissens keineswegs der Fall ist. Hochachtungsvoll London, 4. September. Dr. Chotzner. ^tn Nr. 34 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" vom 26. August dieses Jahres habe ich bereits meine in Nr. 33 dieser Zeitung gemachten Mittheilungen hinsichtlich des Testaments der Frau Fibermann berichtigt. Ich ergänze diese Berichtigung dahin: Ich habe mich durch die inzwischen erfolgte Vorlage von Urkunden überzeugt, daß die sämmtlichen in Bezug auf den Fibermann'schen Testamentsvollstrecker Herrn Isaak Hirsch ausgesprochenen Behauptungen und Vermuthungen den Thatsachen nicht entsprechen. Ich wiederhole deshalb mein Bedauern, daß ich Herrn Hirsch durch Veröffentlichung jenes Artikels in Nr. 33 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" eine unverdiente Kränkung bereitet habe. Hannover, 8. September. Dr. Siegmund Meyer, Rechtsanwalt. * ^Mn meinem Artikel über den Kalender muß es S. 430 unten Jj"5£tpin <3§ statt und weiter oben Che lek statt Chalek heißen. Ahlbeck, 11. September. Dr. Simon. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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