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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-09 · Heft 36 (9.9.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 36 (9.9.1898)
Date
1898-09-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 aufnehmen sollte, zu tragen, wurde aber mit meinem Gesuch abgewiesen, •<$' weil die Polizeidirektion sich nicht für befugt erachtete, eine Ausnahme^ zu gestatten. Auf meine gegen diese Verfügung sofort bei dem Herrn t Regierungs-Präsidenten eingereichte Beschwerde erhielt ich heute folgenden Bescheid: Stettin, den 26. August 1898. Ihre Beschwerde vom 18. d. Mts.,; betreffend die Behandlung russischer jüdischer Auswanderer durch die hiesige königliche Polizeidirektion hat nicht als begründet erachtet werden können. Letztere hat vielmehr, da die gedachten Auswanderer entgegen den Vorschriften des Herrn Ministers des Innern nicht mit den erforderlichen Legitimationspapieren und Mitteln versehen waren, durchausrj zutreffend verfahren, wenn sie dieselben von einem Aufenthalt in Preußen; ausschloß und nach ihrer Heimath wieder abschob. Die Gestattung von ' Ausnahmen kann in solchen Fällen niemals zugelassen werden. In Vertretung Seiberl. Ich habe es für angezeigt gehalten, dem verehrlichen Ausschuß des D.-J. G.-B. hiervon Mittheilung zu machen, und bin der f Meinung, daß es gut wäre, diesen Bescheid zu veröffentlichen, damit er als Warnung diene für andere Auswanderer, die sich durch Nichtbeach- ' tung der diesbezüglichen Vorschriften einer ähnlichen Behandlung aussetzen würden. Hochachtungsvoll Vogelstein." " ' V '*i ff ----- Marienburg, 4. August. Viel Opferwilligkeit, viel Be- - geisterung und viel Zähigkeit hat dazu gehört, bis es endlich unserer kleinen Synagogengemeinde gelungen ist, ein würdiges Gotteshaus für ihren Kultus zu erringen. Die Gemeinde zählt etwa 200 Seelen/ > und recht gering ist die Zahl der leistungsfähigen Censiten, so daß die^ Gemeinde für den Bau ihres Tempels Opfer gebracht hat, die dem i Gemeinsinn und der Begeisterung der Mitglieder alle Ehre machen. Mit großer Freude wurde deshalb der Tag begrüßt, der endlich die Krönung des so lange erstrebten und nunmehr vollendeten Werkes brachte. Aber; nicht allein die Marienburger Gemeinde war in Festesstimmung, aus" allen Städten der Provinz waren Glaubensgenossen herbeigekommen, um mit der Marienburger Schwestergemeinde am 30. v. M. die Einweihung zu vollziehen. Aus Danzig waren der Vorsteher der Gemeinde, Herr Davidsohn, sowie der Rabbiner Dr. Blumenthal und Kantor r Kalischer gekommen, ferner waren die Rabbiner Dr. Rosenstein-Graudenz : und Dr. Silberstein-Elbing sowie Vertreter zahlreicher Gemeinden der - Provinz, Vertreter der Staats- und Stadtbehörden anwesend. Die ' neue Synagoge steht unmittelbar neben dem prächtigen Postgebäude, * welches eine Zierde der Stadt ist. Man kann es deshalb den Stadt- / verordnten nicht übelnehmen, daß sie die Vorlage des Magistats, dieses w Bauterrain der Synagoge zu überweisen, zuerst ablehnten, weil sie befürchteten, daß die Wirkung des Postgebäudes durch den Neubau beeinträchtigt werden würde. Aber der Magistrat und der Gemeindevorsteher i* Herr Dr. Pincus verloren den Muth nicht. Herr Maurermeister Lübke, ck welcher mit der Ausführung des Baues beauftragt war, fertigte eine ' Zeichnung nach seinem Entwurf an, welche den Stadtverordneten vorgelegt wurde. Nunmehr wurde die Hergabe des Bauplatzes anstandslos -- genehmigt. Die Synagoge ist ein Bauwerk, welches nicht nur recht gut neben dem schönen Postgebäude bestehen kann, sondern eine weitere Zierde der alten Ordensstadt bildet. Die Einweihungsfeier machte auf Alle einen tiefen Eindruck. Vor dem Portal stand Maurermeister Lübke, der mit einer Ansprache, in welcher er der Gemeinde wünschte, daß sie ungestört und in Frieden in diesem Gotteshause ihre Herzen zum Allerhöchsten erheben möchte, die Schlüssel dem Gemeindevorsteher Herrn Dr. Pincus überreichte. Dieser legte die Schlüssel auf ein Kissen, und nunmehr bot ein junges Mädchen die Schlüssel dem Landrath v. Glasenapp dar, welcher das Hauptportal aufschloß und damit die Eröffnung vollzog. Unter den Klängen eines Harmoniums wurden dann von den anwesenden Rabbinern die bekränzten Thorarollen durch die Kirche zu dem Altar getragen, wo sie nunmehr ihren bleibenden Platz erhalten sollen. Ein Sängerchör trug unter Orgelbegleitung den Psalm von B. Klein: „Wie lieblich ist deine Wohnung, 0 Herr", vor, worauf die Liturgie, bei welcher Herr Kalischer aus Danzig mit seiner schönen Stimme ' die Andächtigen erfreute, abgehalten wurde, an die sich das Einstellen der Thorarollen in die heilige Lade und das Anzünden der ewigen Lampe anschloß. Nachdem dann der Psalm 130 von Breitenbach gesungen worden war, hielt der Vorsteher der Gemeinde, Herr Dr. Pincus, eine Ansprache, in welcher er die Festversammlung begrüßte und in knappen Zügen die Geschichte des Baues schilderte. Er theilte mit, daß j Spenden auch aus fernen Welttheilen eingegangen seien, dankte den Gebern und schloß mit dem Wunsche, daß das neue Haus der Gemeinde, der Stadt und dem Staate zum Segen gereichen möge. Darauf wurde der Psalm 121 von Mendelssohn vorgetragen, worauf Rabbiner Dr. Blumenthal aus Danzig die Festpredigt hielt, zu der er sich als Text den Traum Jakobs von der Himmelsleiter erwählt hatte.^ Mit andächtiger Spannung lauschte die Gemeinde der formvollendeten^ gedankenreichen Predigt, nach deren Beendigung der Prediger das neue Haus weihte. Nach der Predigt sang Herr Kalischer Geibels Gebetspruch: „Herr, den ich tief im Herzen trage", worauf Rabbiner Dr. Silberstein-Elbing das Gebet für Kaiser und Reich sprach. Mit dem Vortrag der Motette von Grell: „Lobe den Herrn meine Seele", wurde der Gottesdienst geschlossen. Am Nachmittag versammelten sich die Festgenossen im Gesellschaftshause zu einem gemeinsamen Mittagessen, das durch geistvolle Toaste reich gewürzt war und den denkwürdigen Tag würdig abgeschlossen hat. Lp. Aus der Provinz Posen, im August. Die Rentier Joel Barasch'schen Eheleute in Rawitfch feierten jüngst das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß spendet das Jubelpaar für die städtischen Armen ohne Unterschied der Konfession den Betrag von 500 Mark. — Der israelitische Gastwirth W. Hirschelin Kobylagora feierte neulich sein 25 jähriges Jubiläum als Ortsvorsteher daselbst. Erst in diesem Jahre ist der Jubilar auf 6 Jahre als Gemeindevorsteher gewählt und bestätigt worden. Herr Hirschel bekleidet auch noch andere Ehrenämter, u. a. ist er seit Begründung des Kriegervereins in Kobylagora Vorstandsmitglied desselben. — In Samter ist im Alter von 78 Jahren der Rentier Joseph Kauf, Vater des gegenwärtigen Synagogenvorstehers Gustav Kauf daselbst, nach längerem Leiden gestorben. Ueber 40 Jahre gehörte der Verstorbene dem Stadtverordnetenkollegium in Samter an; auch hat er in früheren Jahren an der Verwaltung der Gemeinde eifrig mitgewirkt, — Kantor Blaustein in Bromberg feierte am 1. September c. sein 25jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar ist Begründer des „Israelitischen Kantor" und des Kantorenvereins. Nördlingen, 30. August. Seit achtundzwanzig Jahren schon steht Herr Lehrer A. Weiler als Kantor und Religionslehrer im Dienst der israelitischen Kultusgemeinde dahier. Derselbe erfreute sich in dieser langen Zeit nicht blos hoher Achtung in seiner Gemeinde, sondern genoß auch stets die Werthschätzung weiterer Kreise und die Liebe der von ihm unterrichteten Kinder. Am 26. v. M. waren es 25 Jahre, daß er den Ehebund mit seiner verehrten Gattin schloß. Aus Anlaß der silbernen Hochzeit brachte der Musik- und Gesangverein, dessen schätzbares Mitglied Herr Lehrer Weiler seit seinem Hiersein ist, gestern Abend dem Jubelpaar ein Ständchen. Möge Glück und Segen Herrn Weiler und seiner Familie auch in den kommenden Jahren in reichem Maße beschieden sein. AI. Aus Nassau, im September. Vor längerer Zeit kurstrte in den Blättern die in den weitesten Kreisen Aufsehen erregende Mittheilung, ein jüdischer Primaner in Wiesbaden sei zum Katholizismus übergetreten. In der That spielte sich ein Stück Mortara- Gefchichte ab, denn ohne daß selbst der engste Kreis seiner Angehörigen es ahnte, befand sich der junge Mann lange Zeit in dem Netze der katholischen Kirche, dem ihn zu entreißen um so schwieriger war, da bis weit hinauf man sich bemühte, ihn derselben zu erhalten, auch der junge Mann auf dem Gebiete der katholischen Theologie schon reiche Kenntnisse gewonnen und man überdies seinen Ehrgeiz anzuspornen verstanden hatte. Umso inniger freut es uns, nun mittheilen zu können, daß es dank der angestrengten Bemühungen des Herrn Rabbiners > Dr. Silberslein gelungen ist, den Irregeleiteten auf den rechten Weg - zurückzuführen. Um ihn auf diesem Wege zu erhalten, sind ihm von v Herrn Dr. Silberstein passende Schriften, insbesondere auch geeignete jüdische Zeitschriften, vor allem diese Blätter, empfohlen worden. Wir können nun aber diesen Bericht nicht schließen, ohne eines orthodoxen Berichterstatters zu gedenken, der aus diesem Vorfall Veranlassung ' nahm, der israelitischen Hauptgemeinde einen größeren Ernst in der Fürsorge für die Jugend zu empfehlen. Wir müssen dies Unterfangen? umsomehr mit allem Nachdruck zurückweisen, da unser Religions- 1 unterricht in jeder Beziehung, sowohl hinsichtlich der Lehrkräfte wie der L auf den Unterricht verwandten Zeit und Mühe, allen berechtigten An- ■ forderungen entspricht und sich dem Unterricht in jeder anderen Ge-

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