Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1898)
- Date
- 1898-09-09
- Page
- Seite 432 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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WWW mmmm 432 Noch lange wirst Du mich führen auf Pfaden des Schmerzes und der Entbehrung!" fuhr Edoms Stern fort. „Siehe, von den^ Thron meiner Väter hast Du mich gestoßen, da ich noch ein Kindwar, und von den Stufen des freniden Thrones riefen mich die. Treuen meines Volkes! Ueber die Felsen der Wüste muß Nasmk schreiten und in den Klüften der wilden Thiere sich bergen! Mutter Isis, große, gerechte, liebreiche Mutter, — wann setzest Du mich wieder auf den glänzenden Stuhl meiner Väter?" „Bei der großen Isis, welche Du schmähest!" sagte der Kämpfts Edoms mit Bitterkeit. „Es wird Keiner vom Throne steigen, Dein unglückselig Schicksal zu ändern! Denn die Throne suchen Glanz und Macht und heitere Geschicke, — aber in den Herzen Deines armen, unterjochten Volkes quillt ein Blut, das bereit ist, der Erbin Edoms zu fließen. Und wir lieben Dich, ob Du auf dem Throne sitzest, oder Dein Fuß an den heißen Fels der Wüste stößt. Ja, in den Hütten Edoms, dort, wohin Dein fürstlicher Blick nur dringt dort fließen die schmerzlichsten Thränen Deinem Schicksal. — Dm» das ist der großen Mutter stille, unermeßliche Kraft der Liebes Siehe, Mutter Isis ist eine ewig liebreiche Mutter dem Fürsteflj dem Hirten der Berge und dem ärmlichen Pilger. Siehe, ihre Liebe ist unendlich und kennt keinen Unterschied, — aber die Liebe der Menschen ist anders!" Der Edomiter wandte sich ab. — er gebot mit Mühe einer quals vollen, tiefgekränkten Empfindung. Das Mädchen blickte ihn schüchtern an, denn es begriff die gehörten Worte nicht ganz. Sein Blick sprach Staunen und Schmerz, denn sein Herz fühlte, daß der Krieger gekränkt war. „Treuer Reson!" sprach das Mädchen, und unwillkürlich hob es die gefalteten Hände zu dem Krieger empor. Dann stockte es, deny was konnte es dem Gekränkten Tröstliches sagen? Der Kämpfer Edoms, der ein edles und starkes Weib verlassen und den Kampf mit Menschenrecht, mit dem Schrecken der Wüste und den düsteren Gewalten des Schicksals begonnen hatte, war nicht der Mann, Thränen zu vergießen. Als er sich zu Nasmi wandt^ waren seine Züge voll Ruhe, und seine Stimme zeugte von keiner inneren Bewegung. „Stern von Edom," sagte er, „dort kommen meine Männer hinter den Bergen hervor und führen die aufgezäumten Pferde: Laß uns hinabsteigen und den Pfad nach Jerusalem antreten!" „Ich bin bereit, treuer Reson!" erwiederte das Mädchen, und sie stiegen die Klippen hinab. Aus Wald- und grasreichen Schluchten hatten Resons Männer ein halb Dutzend Pferde herausgeführt, welche für Reson und Nasnü und für etliche bewaffnete Begleiter bestimmt waren. Einen solchen Schutz machte der gefahrvolle Pfad durch die Wüste Jericho nothwendig, wo Räuber aus Israel und den umliegenden Wüsten ihr Wesen trieben. Der Abend war gänzlich hereingebrochen, als sich der kleine Trupp in Bewegung setzte. Reson, Naömi, der Sidonier und drei Andere verließen das Gestade des Todten Meeres, und die zurückbleibenden Abenteurer zogen sich wieder in die unwegsamen Schluchten zurück. Als die Reiter an den Klippen vorüber der westlichen bewaldeten Fläche zutrabten, wo der Prophet verschwunden war, tönte vom Ufer des Jordan ein kurzes, heiseres Geheul, und sie erblickten durch die Dämmerung den fleckige» Leib des Panthers, wie er in mächtigen Sprüngen die Ufer des Stromes entlang gegen Norden floh.; „Es ist ein feiges Thier", sagte der Sidonier, „und greift nur Memmen und Todte an!" Dararif ritten sie weiter und durchschritten die waldige, buschreiche Fläche, welche den Anfang der Wüste Jericho bildet. Der kleine Trupp war in der Abenddämmerung fast verschwunden, und nur die Lanzen der Reiter blinkten noch in ungewissem Lichte, als eine hohe Gestalt sich inmitten des Gestrüppes emporhob und mit aufmerksamen Blicken dem Zuge folgte, bis er in den Schatten der Nacht gänzlich verschwunden war. Dann murmelte der Späher sinnend vor sich hin: „Die Erbin Edoms, — und in diesen Schluchten! In Resons Gewalt!" Der Prophet trat aus dem Gebüsch und schlug den nämlichen Pfad ein, welchen der vorausziehende Reitertrupp betreten. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mittheilungen. ----- Einer der besten und zugleich billigsten Kalender ist das „Jllustrirte Jahrbuch", Kalender für 1899, aus dem Verlage von Rudolf Mosse. Derselbe enthält viel Wissenswerthes, Belehrendes und Unterhaltendes. Besonders reich ist er diesmal mit hübschen Bildern geschmückt; so weist er zum Beispiel die Bildnisse sämmtlicher regierenden Fürsten Deutschlands auf, und ferner haben ihm die deutschen Erwerbungen in Ostasien, die Zola-Dreyfus- Affäre, der spanisch-amerikanische Krieg und noch viele andere Ereignisse Gelegenheit in Hülle und Fülle gegeben, einen besonders reichhaltigen illustrativen Schmuck anzulegen. In ansprechendem und anregendem Plauderton weiß er dabei die wichtigen Begebenheiten aus der Zeit vom Juli 1897 bis Juli 1898 ins Gedächtniß zurückzurufen, nicht nur in politischer Beziehung, sondern auch auf dem Gebiet der Erfindungen und Entdeckungen, das ja in dieser Epoche besonders reichhaltig war. Ganz besonderen Nutzen wird jeder Familienvater aus dem vielen Wissenswerthen ziehen können, mit dem der Kalender auf dem Gebiet der Bürgerkunde aufzuwarten weiß. Hier erweist er sich so recht als ein guter Freund und Berather; mag man ihn über das vielverzweigte Familienrecht befragen, mag man von ihm etwas über das Vereins- und Versammlungsrecht wissen wollen, mag man über einen der vielen Verträge des täglichen Lebens, über das Verhältniß zwischen Prinzipal und Handlungsgehilfen oder über die Organisation des Handwerks im Unklaren sein — der Kalender ertheilt über das alles in kurz gefaßter, leicht verständlicher Form Auskunft. Aber nicht nur dem Hausherrn selbst wird das Jahrbuch in allen Lagen des Lebens mit gutem Rath zur Seite stehen, sondern auch der Familie desselben wird es sich als ein guter Freund erweisen. 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Eine weitere Empfehlung des bekannten, in diesem Blatte schon öfter erwähnten Werkes ist wohl nicht mehr nöthig. Berichtigung. In dem Artikel „Die Juden am Fuße des Kapitols" muß es heißen: Seite 402 statt Abba Bolon — Abba Kolon, „ 403 „ Trastevare — Trastevere. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. m