Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1898)
- Date
- 1898-09-09
- Page
- Seite 431 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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481 mehr als 4 volle Wochen, wie, aus den Moladangaben der jüdischen Kalender zu ersehen ist. Ein Jahr von 12 Mond-Monaten enthält demnach 50 Wochen und 4 Tage 8 Stunden 876 Chal. (V'nui Der Molad Tischri ist in diesem Jahre: 6 Tg. 4 Std. 704 Chal. der des nächsten Jahres rückt um 4 „ 8 „ 876 „ Weiler, ist also: 3 Tg. 13 Std. 500 Chal. Das nächste Neujahr fällt also auf Dienstag, also nach 50 Wochen und 3 Tagen. Mithin zählt dieses Jahr nur 353 Tage und ist daher ein mangelhaftes Jahr?) EUILLETQN Bie Rose von Saron. Line Erzählung. XI. chwerzu ersteigen und gewaltsam in den innerlichsten Schooß der Felsen eingesprengt war die Höhle, wo der Stern von Cdom trauerte. Doch war die Schwierigkeit nur beim Hinaufsteigen vorhanden. Hatte man hingegen den Kamm der Felsen von der anderen Seite erstiegen, so führte ein roher, von der Natur gesprengter Pfad allmälig auf eine glatte Felsenfläche, welche unmittelbar an den Eingang der Höhle stieß. Reson winkte dem Sidonier, worauf dieser am Ufer des Sees aufwärts ging und bald darauf verschwand. Der Edomiter selbst klomm die Felsen rasch hinan und stand alsbald vor dem Eingang der Höhle. Hier blieb er stehen, und sein Blick ruhte init einiger Wehmuth auf dieser düsteren Tiefe. Die Sonne war mittlerweile tief gesunken. Der herannahende Abend wehte frische Kühlung und Düfte des Thales über das verbrannte Gestein. Die Bewaffneten Resons hoben sich aus den Schluchten, wo sie versteckt gelegen, und stiegen von allen Seiten in das Thal hinab. Nur Reson blieb auf der Felsenplatte. Er beugte sich über den Eingang und rief mit sanfter Stimme: „Ncisini!" Eine melodische Stimme rief: „Ich komme!" Einige Sekunden später stand der Stern von Edom vor seinem Beschützer. Resons Augen weilten mit weicher Zärtlichkeit auf dieser zarten Gestalt, die in das grobe, härene Gewand gehüllt war. Na«mis Züge waren zart und blühend, und nur eine leise dunklere Färbung war darüber gehaucht. Ihre Äugen schimmerten sanft, waren aber dennoch dunkel und die Gluth derselben gleichsam nur umschleiert. Diese Augen sprachen Trauer, obwohl sie zuweilen so heiter glänzten, als seien sie zum Glück und Frohsinn bestimmt. Die Haare des Mädchens, schwarz und glänzend, flößen frei auf das schwarze, lange Einsiedlerkleid nieder, welches Busen und Arme keusch umschleierte. Ein breiter Pilgerhut bedeckte das Haupt des Mädchens, braune Sohlen und dünne Bänder umschloffen eng den kleinen, nackten st Zur allmäligen elementaren Einführung in das jüdische Kalenderwesen wurde diesmal in dem bekannten P oppelauer'schenLuach ein ähnlicher Aufsatz auf Seite 25 veröffentlicht. Da sich dort aber bei Abwesenheit des Berfassers mancher Druckfehler eingeschlichen, so kann das Vorstehende auch als Korrektur benutzt werden. 8n. und tief gebräunten Fuß. So war die Erbin Edoms in der heißen Bergwüste! „Der Abend sinkt nieder, Na>'Mi!" sagte Reson. „Meine Männer gehen die Pferde aufzuzäumen, denn wir wollen die kühlere Nacht zur Reise nach Jerusalem benutzen." „Ich bin bereit," erwiederte das Mädchen. „Ach, daß zu Jerusalem Sicherheit wäre für Dich und mich!" „Es ist Sicherheit dort für Dich, Stern von Edom. Ich aber, der Verbannte und Vogelfreie, will Jerusalem nicht betreten. Mein Pfad geht nach Edom, sobald ich Dich den Händen Zeruhas übergeben. Zeruha ist unseres Stammes, und sie wohnt außerhalb Zions am Oelberge. In der Verborgenheit ihrer Hütte kannst Du gefahrlos der Siege Edoms harren." - Das Mädchen schlug die Augen nieder, und ein trüber Ausdruck lag auf den zarten Zügen. Der Edomiter bemerkte es. „Stern von Edom!" rief er etwas bestürzt. „Mißfällt Dir mein -Rüths" - „Nein, o nein!" sagte das Mädchen, erschrocken auffahrend. „Ich 'will ja diese Wüste verlassen — und Zeruha ist unseres Stammes — und Du bist so treu —" Das Mädchen schwieg und brach plötzlich in Thränen aus. Reson war erstaunt und verstummte vor diesem plötzlichen Schmerze. „Edoms Stern — Fürstin — holde Nasmi," sagte er endlich und wagte die Hand des Mädchens zu faffen, „welcher Schmerz erschüttert Deine zarte Brust?" Nasmi schüttelte das Haupt, und ihre Thränen flosien unaufhaltsam. „Diese Wüste — war — so einsam!" schluchzte das junge Mädchen. Der Führer der Rotten zu Damaskus begriff diesen Ausruf des Mädchens durchaus nicht. Peinliche Zweifel waren in seinem rrnsten, gebräunten Gesicht zu lesen, während er das Mädchen betrachtete. „Was ist Dein Wunsch, Stern von Edom?" sagte der Krieger endlich zweifelhaft. „Ach," rief das Mädchen, indem es das Gesicht in den Händen verbarg, „daß meine Mutter mir nicht gestorben wäre — daß ich einen Bruder hätte!" ' Reson trat schmerzlich berührt zurück. Er wußte sich das Wesen Nasmis nicht zu erklären. „Die große Isis ist gerecht gegen alle ihre Kinder," murmelte er.-„und darum theilt sie Freude und Schmerz aus." Das Mädchen richtete seine dunkeln, in Thränen schwimmenden Augen gen Himmel, wo die letzten matten Farben des Sonnenunterganges verglommen. Es faltete die zarten Hände und hob sie empor. „Mutter Isis!" rief die Erbin Edoms in melodischen, aber von Wehmuth umschleierten Tönen: „Du bist groß, Du bist mächtig Dein Schooß ist voll Liebe! Wie unermeßliche Wasser der Flüsse strömt Dein Segen unermeßlich über die Erde! Mutter Isis, sei gerecht gegen alle Deine Kinder! — Siehe, Du hast meinen- Pfad nach der heißen Bergwüste gelenkt, wo die Panther brüllen und die einsamen Geier fliegen. Siehe, es - ist kein Geschöpf in dieser Wüste, an welchem ich mit Liebe hinge! Ach, daß Du mich führtest auf den Thron meiner Väter, daß ein mächtiger Fürst Ncwmi liebte!" Die Erbin Edoms blickte mit einer Begeisterung, die voll Schmerz war, gen Himmel. Der Führer der Rotten zu Damaskus stand daneben — aber er war still und stumm.