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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-09 · Heft 36 (9.9.1898) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 36 (9.9.1898)
Date
1898-09-09
Page
Seite 430 (sequence 10)
Language
German
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5 430 DKAM^schM^K'Ä Palästina erobert, jedoch in einem Waffenstillstand zwischen ihm und Richard Löwenherz gestattete er den Christen, das heilige Grab ungehindert zu besuchen, und daß dem Feinde die Küsten von TyruS bis Jaffa und das Land von der Küste bis Ramla verbleiben sollte. So gingen die Wogen auf und wieder, bis endlich alle Besitzthümer der Christen unter Selim I. im Jahre 1517 wieder in die Hände der Türken übergingen, in denen sie sich bis auf den heutigen Tag befinden. Das heilige Land liegt zum dritten Mal verwüstet und verheert und ist ein reines Jammerbild geworden. , Die Fürstin der Städte war schon lange ein Zankapfel zwischen den verschiedenen Nationen, und alle Wege, die dorthin führen, waren vor und während der Kreuzzüge ein Tummelplatz wüthender Kämpfe. Die übrig gebliebenen Kreuzfahrer zogen mit gesenkten Häuptern in die eigene vernachlässigte Heimath zurück und begnügten sich schließlich mit dem Geschenk des großmüthigen Siegers. Die Besiegten durften fortan nicht blos ungestört das heilige Grab besuchen, sondern Kirchen, Klöster und andere öffentliche oder Privatgebäude errichten, wovon sie auch den ausgiebigsten Gebrauch gemacht haben, so daß Jerusalem im Laufe der Zeit eine jüdisch-muhammedanischchristliche Stadt geworden ist. Die verschiedenen Bekenner, alle nennen sie die heilige Stadt und beten alle denselben Gott an. aber es befinden sich dort auch Synagogen, Kirchen und Moscheen, in welchen jeder Gläubige nach seiner Art sein Bekenntniß ablegt, und hier fängt die alte Geschichte von den drei Ringen an. Die ältesten Bewohner der Stadt und des Landes sind unstreitbar die Juden, und sie haben es auch seit ihrer Besitzergreifung nie ganz verlaffen, aber die wenigen Zurückgebliebenen hatten nicht die Kraft, ihre Rechte geltend zu machen, die unterdeffen in die Hände der Muselmänner übergegangen waren. Sie sind nicht mehr Herren des Landes und hängen von der Gnade Anderer ab. Nur Berg und Thal, die alte Tempelmauer, welche als Wahrzeichen allen Stürmen der Zeit trotzt, und andere Trümmer dienen ihnen zur Erinnerung an ihre wechselvolle Vergangenheit, während Weg und Steg in und um Jerusalem von dem Entstehen und der mächtigen Verbreitung des Christenthums Zeugniß oblegen. Außer dem heiligen Grabe und der dazu gehörigen Kirche ist es der Garten Gethsemane, wo Jesus vor seiner Gefangennahme betete, dann die Via Dolorosa, welche vom Oelberg bis nach Golgatha führt, und der Kalvarienberg, wo die Kreuzigung stattfand. Hier oben vereinigen sich die heiligen Stätten der Christenheit» und es scheint fast, als befände man sich in der Nähe einer christlichen Stadt. Aber auch der Christ ist nur ein Fremder in Jerusalem, welches in der Hand eines Eroberers liegt, der keine anderen Ansprüche daran hat als auf das Recht des Stärkeren und auf das Märchen, daß Muhammed während seiner wunderbaren Reise nach dem Himmel, welche nur den zehnten Theil einer Nacht in Anspruch nahm, einen kleinen Abstecher nach Jerusalem machte. Christ und Muselmann haben längst ihre Schwerter eingesteckt lind leben im Frieden neben einander, da erscheint plötzlich aus weiter Ferne nach zweitausend Jahren der älteste von den drei Söhnen einer uralten Mutter als gehetzter und müder Wanderer an der Pforte seiner einstigen Heimath, und, gestützt auf sein Erstgeburtsrecht, kommt er, um daffelbe geltend zu machen. Wird es ihm gelingen? Oar-Mrzwich-Tadelle. Bon Dr. M. Simon. t naben, die zwischen dem 10. September 1885 und einschließlich dem 29. September 1886 (d. i. im Weltjahr 5646) geboren sind, feiern in diesem mit dem 17. September beginnenden Jahre 5659 ihr Bar-Mizwah-Fest. Zur Bestimmung des Geburtstags-Datums nach jüdischer Zeitrechnung dient die folgende Tabelle: Im Jahre 5646 war: 10. Septbr. 85 --- 1. Tischri 8. März 86 1. Adar II. 1. Oktober „ ----- 22. „ 1. April „ ------ 25. 10. „ --- 1. Cheschwan 6. „ ,, — 1. Nissan 1. Novbr. „ --- 23. 1. Mai „ ------ 26. „ Q „ 1. Kislew 6. „ „ 1. Jjar 1. Dezember,, 23. „ I. Juni „ ------ 27. „ 0. „ „ 1. Tebet 4. „ „ 1. Ssiwan l. Januar 86 24. 1 Juli „ ------ 28. „ 7. 1. Sch'bat 4. „ „ ----- 1. Tamnms 1. Februar „ 26. 1. August „ 29. 6. „ ,, ----- 1. Adar I. 2. „ ------ 1. Ab 1. März 24. 1. Septbr. „ ----- 1. Elul. Ist z. B. Jemand am 3. Dezember 1885 (vor Nacht) geboren, so fiel nach jüdischer Zeitrechnung sein Geburtstag, wie sich ans vorstehender Tabelle ergiebt, auf den 25. Kislew (da der 1. Dezember23. Kislew). Im gegenwärtigen Jahr trifft der 25. Kislew. was aus jedem Luach zu ersehen ist, auf den 9. Dezember. Mithin ist dies der Barmizwahtag. Zum jüdischen Kalenderwesen. Das gegenwärtige Jahr 5659 (nach Erschaffung der Welt), das am Sonnabend, den 17. September 1898 beginnt und am Montag, den 4. September 1899 zu Ende geht, hat im ganzen 353 Tage. Es ist daher ein mangelhaftes Jahr (N"!VN HSIT), da das regelmäßige (Gemeinjahr) 354 Tage zählt. Der Beginn des Jahres (NiVN hängt von dem Eintritt des Mo lad Tischri ab. d. i. des Zeitpunktes, wo der Mond bei seinem Umlauf um die Erde zwischen diese und die Sonne tritt (Neumond). Dies geschieht in diesem Jahre für Tischri am Donnerstag nach 10'/z Uhr Abends. Da aber der jüdische Kalendertag von 6 Uhr Abends bis wieder 6 Uhr Abends gerechnet wird, so ist der Molad Tischri 4Va Stunde nach Beginn des Freitag. Dies wird in den jüdischen Kalendern durch die Zeichen Y'2Tl "T1 --6 Tage, 4 Stunden, 704 Stundentheile (Chalakim) angedeutet. (Ein Chalek — Via Minute oder 1 Stunde 1080 Chalakim). Da der Molad Tischri auf Freitag fällt, so müßte auch das Neujahrsfest mit Freitag beginnen. Nach einer unabänderlichen Kalenderregel darf aber der erste Neujahrstag weder ein Sonntag noch ein Mittwoch noch auch ein Freitag sein CP7K); er wird also auf den folgenden Tag verschoben und fällt daher auf Son nabend. Der Monat Tischri hat stets 30 Tage, die folgenden Monate (im regelmäßigen Jahr) abwechselnd 29 und 30 Tage. In unserem mangelhaften Jahre büßt der Monat Kislew, der sonst30Tage zählt, den letzten Tag ein und hat wie Cheschwan nur 29 Tage. Warum ist aber das Jahr 5659 ein mangelhaftes? Das hängt so zusammen. Die Dauer eines Mond-Monats, d. i. der Abstand zweier aufeinanderfolgender Neumonde (Molads), beträgt etwas über 29VZ Tag, genauer: 1 Tag 12 Stunden 793 Chal. (j"tNWi a"’«)

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