Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1898)
- Date
- 1898-09-09
- Page
- Seite 426 (sequence 6)
- Language
- German
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asssm f 426 führungen im Recht sind, daß unsere Anschauungen auch von Anderen getheilt werden, beweist der Umstand, daß zwei Körperschaften, die an sich verschiedenen Zwecken dienen, völlig unabhängig von einander Einrichtungen getroffen haben, die unseren jüdischen Lehrkräften die Gelegenheit zur gediegenen Ausbildung geben. Auf Grund eingehender Informationen sind wir in der Lage, Näheres darüber mitzutheilen, und knüpfen nur den Wunsch daran, daß dasselbstlose Streben und die redliche Mühe der Männer, die diese Einrichtungen geschaffen, durch eine rege Betheiligung der Jntereflenten gelohnt werde. Wir nennen zuerst den Verein für jüdische Geschichte und Litteratur. Im Winter 1896 richtete der Verein einen Fortbildungskursus ein, in dem Hebräisch, jüdische Geschichte und Religionslehre vorgetragen wurde. Die Theilnahme war zuerst eine überaus rege. Bald aber erlahmte das Jntereffe. Es zeigte sich, — übrigens ein tief eingewurzelter Fehler bei. unseren modernen Juden, — daß Biele von uns recht begeistert vom Judenthum reden können, sich auch gn Vorträgen hin und wieder recht herzlich erbauen, daß sie aber nicht gewillt sind, mit Energie und Ausdauer etwas für das JudenthuM zu thun, das Wenige zu thun, das auch der Aermste vermag, einen kleinen Theil ihrer Zeit der Erkenntniß ihrer Religion und ihrer nationalen Vergangenheit zu widmen, die nur dann eine gediegene, eine „gemächliche" wird, wenn man sich ein wenig mit ihr abmüht. Um so erfreulicher war es. daß eine Kategorie von Theilnehmern dem Kursus treu blieb, ja von Jahr zu Jahr an Zahl zunahm, die jüdischen Lehrerinnen. Dem intensiven Jntereffe entsprach auch der Erfolg. So wird uns von der hebräischen Stunde berichtet — der Fachmann wird das zu würdigen wiffen —, daß Damen, die ohne jede Vorbildung eintraten, nebenbei bemerkt, bisher auch keinen Religionsunterricht gaben, in etwa dreißig Stunden es dahin brachten, die historischen Partien in der Bibel im Urtext zu lesen und fgst alle Formen, selbst die der meisten unregelmäßigen Verba, sprachlich zu zergliedern. Es hat sich sogar die Nothwendigkeit herausgesteU, mehrere Kurse in einem und demselben Fache ei»zurichij-n. Hoffyi wir, daß der Verein in der Lage sein wird, den weiteren Ausbau dieser Kurse durchzuführen. Sollte das nicht der Fall sein, so müßten für solch bedeutungsvollen Zweck ihm die Mittel zur Verfügung gestellt werden. ' Die zweite Körperschaft, die schon seit längerer Zeit die Ausbildung jüdischer Religionslehrer auf ihr Programm gesetzt, ist dtzr Deutsch-Israelitische Gemeindebund. Der Bedeutung dieser Körperschaft entsprechend und gemäß der Bedeutung des Zieles, handelte es sich doch darum, ganz Deutschland mit tüchtigen Lehrkräften zu versehen, mußten längere Verhandlungen vorausgehen, so daß die von ihm eingerichteten Kurse erst im nächsten Wintersemester werden beginnen können. Wir hatten schon vor Kurzem Gelegenheit, eine diesbezügliche Mittheilung des Gemeindebundes zu bringen. Von dem größten Werth ist es, daß die Rabbinerseminare in Berlin dafür gewonnen wurden. So haben die Herren, die später den Religionsunterricht werden ertheilen wollen, Gelegenheit, bei jüdischen Gelehrten ersten Ranges zu hören. Da der Unterrichtsstoff ferner auf volle drei Jahre vertheilt ist, und wöchentlich sechs Stunden gelesen werden, da ferner jedes Gebiet jüdischen Wiffens in gleicher Weise bedacht ist—es wird Grammatik und Exegese, Geschichte und ReligwnHlehre, Liturgie und praktische Pädagogik getrieben, ja auszugsweise auch talmudische und rabbinische Litteratur nach ihren Quellen —, so könnep wir mit den schönsten Hoffnungen dem jüdischen Religionsunterricht der Zukunft entgegensehen. Wie wir hören, soll der Unterricht auch nicht die Form rein akademischer Vorlesungen haben, sondern, wie das in Seminaren üblich ist, schulgemäß vollzogen werden, von Zeit zu Zeit von Repetitionsstunden begleitet sein und mit einem regelrecht abgenommenen Examen schließen, so daß die Herren, wenn sie ihr Triennium absolvirt haben, ein von den Anstalten ausgestelltes und staatlich recipirtes Zeugniß in der Tasche haben, das ihnen ein Anrecht auf den Religionsunterricht an allen höheren Lehranstalten giebt. Wir möchten alle Diejenigen, die ein warmes Jntereffe für das Gedeihen und Erstarken jüdischen Wiffens bei unserer Jugend haben, doch bitten, ihren ganzen Einfluß dahin geltend zu machendaß jüdische Abiturienten, die mit einer Neigung zum Lehrfach auf die Universität gehen, Berlin wählen und von diesen Einrichtungen des Gemeindebundes Gebrauch machen. Wenn die Herren eine facultas docendi erlangen, zusammen mit der Berechtigung, als Religionslehrer zu fungiren, so bietet sich ihnen eine aussichtsvolle Zukunft dar. Wie die jüdischen Gemeindeschullehrerinnen jetzt wieder fest angestellt werden, wenn sie auch thatsächlich vor allem mit Religionsunterricht beschäftigt werden, so wird die feste Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den höheren Lehranstalten, die jetzt bekanntlich äußerst selten erfolgt, viel häufiger stattfinden, wenn die Kandidaten dem Lehrkörper als Religionslehrer angehören und in den profanen Fächern als Hilfslehrer fungiren könnten. Dann giebt es auch eine Reihe von Stellen, die ein Rabbiner nicht bekleiden kann, weil ihm die für dieselbe erforderliche facultas docendi fehlt, und die daher nur mit schwerer Mühe zu besetzen sind, wie Lehrerstellen an Lehrerseminaren, höheren jüdischen Schulen, Fortbildungsaiistalten u. s. w. Die Herren, die facultas docendi und jüdisches Wissen vereinigen, haben daher ebenso gute Aussicht, über kurz oder lang zu einem auskömmlichen Posten zu gelangen, wie die Rabbinatskandidaten. Ja noch mehr als diese, denn man vergeffe nicht, daß der Andrang hier so groß, daß in absehbarer Zeit keine Stelle mehr zu besetzen ist. Doch was bedarf es so viel des Hinweises auf die materiellen Vortheile. Wir wiffen, auch von unserer jüdischen akademischen Jugend gilt das Wort nam ms prb nm bjprnp rnaa nnr; in Jedem steckt ein Stück von einem Schulmeister, verdienen sich doch die Meisten ihr Brod damit während ihrer Studienjahre. Sie werden sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich zu „Lehrern in Israel" heranzubilden. F. Aus Ostpreußen. Bon Moritz Scherbel. 28. Juni tagte in Tilsit eine Konferenz der Schulinspektion des QstpreußischenG eme in de verband es. Erschienen waren vom Ausschuß desselben die Herren Eichelbaum, Elöffer. Holz, Insterburg, dann die Herren Dr. Ehrlich, R.-A. Cohn-Tilsit, Herr Rosenkranz von daselbst, die Herren Rabbiner Dr. Pogelstein, Dr. Munk-Königsberg, Dr. Olitzki-Allenstein, ferner Prediger Sturmann-Osterode und unsere Wenigkeit. Nachdem der Vorsitzende, Herr Eichelbaum, einige Worte der Begrüßung an die Anwesenden gerichtet, gab er denselben von einem Cirkular Kenntniß, das in jüngster Zeit seitens des D.-J. Gemeindebundes verschickt wurde. Nach diesem sollen kleinere jüdische Gemeinden von der Regierung subventionirt werden, wenn sie bei Anstellung ihrer Religionslehrer nur solche zur Verwendung bringen, die eine seminaristische Heranbildung genoffen haben. Herr Dr. Vogelstein konstatirte in dieser Vergünstigung einen erfreulichen Fortschritt in der Stellungnahme der Regierung dem jüdischen Religionsunterricht gegenüber. Auch wir erkennen solches dankbar an. Allein es hieße über die gegenwärtig bei den kleinen Gemeinden, wenigstens