Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1898)
- Date
- 1898-09-09
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1 MW <j424 Bodenfelde, Apt-Pattensen, Stern-Einbeck, Katz-Dransfeld, Bachenheimer- Uelzen, Eckmann-Nienburg, Wertheim-Münden- Cohen-Barsinghausen, Löwenstein-Scharmbeck, Heilbrunn-Gronau, Ginsberg-Gehrden, Katzetistein-Hannover, Wiesen-Osterode, Herr Seminardirektor Dr. Knoller- Hannover, die Herren Lehrer Selig-Emden, Löwenstein-Celle, WoH- Aurich, Nagel-Diepholz, Scheuer-Lemförde, Capell-Wunstorf, Hofmann- Twistringen, Bachrach-Hameln, Adler-Hemmendorf, Bachenheimer-Hatburg, Levy-Hannover, Levisohn-Hannvver, Lorge-Wolfenbüttel, Spitt- Ahlem, Bach-Hildesheim, Rothschild-Achim, Italiener-Peine, Mansbacher-Hoya, Haas-Gleidingen, Cahn-Sarstedt, Lomnitz-Eldagsen, Sußmann-Oelde (Westfalen), Waller-Moringen, Braunsberg-Berden, Wert- Heim-Volkmarsen als Gast. Entschuldigungsbezw. Begrüßungsschreiben waren eingegangen von Federlein-Neustadt a. R., Rosenblatt-Barenburg, Meyberg - Vegesaä, Apt-Emden, Rektor Dr. Adler-Berlin, Kirchenrath Dr. Kroner-Stuttgart, Levy-Norden, Apt-Emden, Löwenstein-Burgdorf, Löwenstein-Bremke. Erste Sitzung, Sonntag, den 29. Mai, Nachmittags 4 Uhr. Nach Eröffnung der Sitzung begrüßt der Vorsitzende, Lehrer Blumenfeld-Adelebsen, die Versammlung. Indem er das Lehramt äls ein heiliges Amt schildert, spricht er die Hoffnung aus, daß auch die bevorstehenden Verhandlungen zur Erhöhung der Berufstreue beitragen mögen, auf daß wir alle, unserem Ideale uns nähernd, ein Jeder ein rechter Moreh sei, der der Jugend den rechten Weg des Lebens zeige. Zu solchem Streben bieten fich dem Lehrer zwei Leitsterne: Der Glaube und die Vaterlandsliebe. Treue der Religion und Liebe dem Vaterlande, das seien die beiden Punkte, die unseren Bestrebungen Ziel und Richtung geben. „Nun, meine Herren," so schloß der Vorsitzende seine Ausführungen, „lassen Sie uns unserem allgeliebten Landesvater, der in so huldvoller Weise durch die Regulirung unserer Gehaltsverhältniffe auch für unsere materielle Besserstellung gesorgt, unseren Dank zum Ausdruck bringen, indem wir ausrufen: „Unser allergnädigster Landesvater, Se. Majestät der König und Kaiser Wilhelm II., er lebe hoch!" Kräftig und begeistert stimmten die Anwesenden in das dreimalige Hoch ein. Zur Berichterstattung übergehend, machte der Vorsitzende Mittheilung von einem Schreiben des D.-J. G.-B und schilderte das warrrje Interesse, welches derselbe unseren Bestrebungen entgegenbringe, und dje rege Antheilnahme, die er der Thätigkeit des Verbandes in hohem Mähe beweise, da in mancher Beziehung die Bestrebungen des Gemeindebundes und der Lehrervereine dieselben seien. Darum fei es Pflicht des Lehrers, trotz mancherlei Verdächtigungen, die wohl einer irrigen Auffassung zv zufchreiben seien, dem Gemeindebunde Dank und Anerkennung zu zollest. Diesen Worten entsprechend erhob stch die Versammlung von ihrcki Sitzen. Auf die Anfrage, wer von den Kollegen zur Mitarbeit bei der Herausgabe des „statistischen Jahrbuches" bereit sei, erklärten alle Anwesenden, sich dem Gemeindebund gern zur Verfügung stellen zu wollen, wobei man der Hoffnung Ausdruck gab, daß den Lehrern das Jahrbuch unentgeltlich oder doch zu einem ermäßigten Preise überwiesen werde. Darauf richtete Herr Justizrath Dr. Benfey als Delegirter des D.-H. G.-B. Worte der Begrüßung und des Dankes an die Versammlung, Mh Verhandlungen im Interesse der Schule und der Jugend/einen segensreichen Erfolg wünschend. Nachdem noch die Herren Landrabbiner Dr. Gronemann-Hannover, welcher das Fehlen seines Kollegen Dr. Löb entschuldigte, und Dr. Lewinsky-Hildesheim warme Begrüßungsworte an die Versammelten gerichtet, fuhr der Vorsitzende in der Berichterstattung fort. Er theilte mit, daß zwei wackere Kollegen und treue Lehrer (Seminarlehrer Sommer und Dr. Kayserling-Hannover) uns itn letzten Vereinsjahre durch den Tod entrissen seien. Auch gedachte er des verstorbenen Seminardirektors Dr. Stein-Kassel, dem eine große Anzahl Lehrer in der Provinz Hannover ihre Ausbildung verdankt, und schildere in kurzen Worten dessen rastlose und segensreiche Arbeit für den jüdischen Lehrerstand und namentlich für die jüdische Volksschule in Hessen, die ihm viel zu verdanken habe. Die Versammlung ehrte'dcks Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Weiter wurde berichtet, daß zwei Kollegen (Katzenstein-Hannover und Cohnhoff-Dudvrstadt) das 25 bezw. 50 jährige Dienstjubiläum gefeiert haben, sowie zwei Kollegen (Cohnhoff-Duderstadt und Frankenstein-Osnabrück) in den wohlverdienten Ruhestand getreten seien. Nachdem die Versammlung noch Kenntniß genommen von den eingegangenen Briefen sowie dkn Ansichtssendungen der Buchhandlungen Jacobsohn-Breslau und Ebbeke- Bromberg, empfahl der Vorfitzende noch den „Israelitischen Jugendfreund" von Flanter der Unterstützung und Förderung durch die Kollegen. Auf Antrag des Kollegen Weinberg-Bodenfelde wurde der Gesammtvorstand durch Zuruf wiedergewählt sowie die Kollegen Bachen- Heimer-Harburg und Selig-Emden zu Kassenrevisoren. Darauf hielt Kollege Scheuer einen Vortrag über das Themar „Die Gewöhnung, ein Mittel der religiösen Erziehung". Da die Zeit bereits sehr vorgeschritten, wird die Besprechung dieses allgemein als vorzüglich anerkannten Vortrages auf morgen verschoben, und werden zunächst die Mittheilungen des Verbandes entgegengenommen. Die Frage, wie die Kosten der Delegirten für den nächsten Berbandstag zu decken seien, findet eine schöne Lösung, indem fich auf Antrag des Vorsitzenden alle Anwesenden bereit erklären, einen außerordentlichen Beitrag von 1 Mk. in die Verbandskasse zu zahlen. — Nach Eintritt in die freien Besprechungen ladet Herr Seminardirektor Dr. Knoller die Versammelten zur Theilnahme an der im November d. I. stattfindenden Jubiläumsfeier der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover ein. Mit einer eingehenden Besprechung der zum Theil noch nicht entschiedenen Gehaltsregulirung wird der erste Tag beschlossen. Zweiter Tag der Versammlung. Morgens 7 7* Uhr versammelte man stch im Seminar in der Ohestraße. Zunächst wurde der Vortrag des Kollegen Scheuer besprochen. In der Debatte, an der stch Wolf-Aurich, Meyer-Hannover, Stern- Hildesheim u. A. betheiligen, wird die Zweckmäßigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen allgemein anerkannt. Meyer-Hannover, Wolf-Aurich und Spanier-Stolzenau schlagen in Gemeinschaft mit dem Referenten die folgende Resolution vor, die zur Annahme gelangt: „Die Gewöhnung ist als ein wichtiges Mittel zur religiösen Erziehung und zur Erlangung religiöser Gestnnung und Handlung in Schule und Haus anzuwenden. Sie wurzelt in Vorbild, Beispiel und besonderen zweckentsprechenden Veranstaltungen und findet ihre beste Förderung durch die Volksschule, die auch in dieser Hinsicht die beste Gewähr für das Gelingen bietet." Darauf hielt Kollege Levy-Hannover mit der Oberklasse der Seminarübungsschule eine Lehrprobe über: „Das Verbot des ^Betruges". In der Besprechung, an der stch Wiesen-Osterode, Stern-Hildesheim, Spanier-Stolzenau, Bachrach-Hameln, Lorge-Wolfenbüttel u. A. betheiligten, wurde, abgesehen von einigen Meinungsverschiedenheiten, der schöne Verlaus und gute Erfolg der Unterrichtsstunde hervorgehoben. Nachdem man fich wieder im Versammlungslokal eingefunden, referirten Nagel-Diepholz und Selig-Emden über das Berbandsthema: „Wie ist die jüdische Volksschule in unserer Provinz entstanden, wie hat fie stch entwickelt und was hat sie geleistet?" Die beiden Referenten führten, sich einander ergänzend, etwa das Folgende aus: 1. „Die jüdische Schule unserer Provinz ist, wie fast alle jüdischen Schulen Preußens und Deutschlands,Laus dem Cheder entstanden, und wurde je nach den Verhältnissen der Gemeinde entweder als Elementar¬ oder Religionsschule eingerichtet. 2. Sowohl die Elementarwie auch die Religionsschule unserer Provinz konnten fich durch das ihnen seitens der königlichen Hannoverschen Regierung entgegengebrachte Wohlwollen günstig entwickeln, indem fie kurz nach ihrem Entstehen durch Ministerialverfügung vom Jahre 1842 und durch die Schulordnung vom Jahre 1854 den öffentlichen Charakter erhielten. 3. Mit der Entwickelung gingen die Leistungen der Schule Hand in Hand. Die Elementarschulen bewirkten, daß die aus ihnen hervorgegangenen Zöglinge nicht nur mit einem für ihre berufliche und soziale Stellung, sondern auch für das religiös-fittliche Leben nöthigen Wissen ausgestattet waren, und die Religionsschule konnte dadurch, daß die an ihr wirkenden Lehrer geprüft, der Unterricht obligatorisch und Unterrichtszeit und Unterrichtsstoff vorgeschrieben waren, ihre Zöglinge mit einem besseren religiösen Wissen ausstatten, wie das in anderen Provinzen, wo diese gesetzlichen Bestimmungen nicht bestanden, häufig nicht der Fall war." Der Vorsitzende sprach den beiden Herren für die fleißige, umfangreiche Arbeit den verdienten Dank der Versammlung aus, welche auf eine Besprechung der sehr interessanten Ausführungen verzichtete. < i 1 ( i < \ i ( 1