Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 35 (2.9.1898)
- Date
- 1898-09-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Kreise erworben hat. Ihr Schmerz, sehr geehrte Frau Kreisphystküs, um den Verlust eines solchen Gatten möge, wenn nicht Trost, so doch Beruhigung und Linderung in dem Glücke finden, daß das Andenken Ihres theueren Verstorbenen bei Freunden und Bekannten stets in Ehren bleiben wird. Mit der Versicherung des aufrichtigsten Mitgefühls zeichne ich hochachtungsvoll Dr. v. Stablewski." Hannover,. 30. August. Die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem erbietet sich gegen eine Spende von 5 bezw. 10 Mark zur Ablösung der Nosch-haschonoh-Gratulationen in folgender Weise, durch welche zugleich die Freunde des Spenders von der Ablösung in Kenntniß gesetzt werden. 1. Jeder Spender von mindestens 10 Mark zu genanntem Zwecke giebt zugleich bis zu 50 Adressen; bei einer Spende von 5 Mark 25 Adressen (in Deutschland und Oesterreich-Ungarn) aus, an welche die Benachrichtigung der Ablösung ergehen soll. 2. Die Anstalt benachrichtigt die aufgegebenen Adressaten von der erfolgten Ablösung und übersendet ihnen zugleich eine elegant ausgesührte Gratulationskarte portofrei. 3. Die Adressen müssen bis zum 5. September d. I. im Besitze der Anstalt sein, damit die Zusendung der Gratulationskarten an die Adressaten pünktlich zum Feste (17. September) erfolgen kann. Wir bitten alle Freunde unserer Anstalt — und zu diesen dürfen wir wohl Jeden zählen, der ein Herz für die Noth unserer ärmeren Glaubensgenossen und für die Erziehung elternloser Kinder hat — dieselbe durch Zuweisung von Spenden zu genanntem Zwecke zu unterstützen. Jahresbericht und Statuten werden auf Wunsch gern übersandt. Z. Dransfeld, 25. August. Bei der durch den Wegzug des bisherigen Bürgervorstehers Herrn Carl Rosenberg nothwendig gewordenen Ergänzungswahl wurde Herr Hermann Rosenberg Hierselbst zum Bürgervorsteher gewählt. Bemerkt sei noch, daß der Vater d^r Gebrüder Rosenberg eine Reihe von Jahren das Amt eines Bürgetvorstehers hier bekleidete, ein Beweis, daß man die Verdienste der Familie Rosenberg um unsere Stadt wohl zu schätzen weiß. Cr. Frankfurt a. M., 28. August. Zu den hiesigen Judenausweisungen wird uns den mancherlei Ausstreuungen gegenüber Folgendes geschrieben: „Von den hier sich aufhaltenden Ausländern hat noch nicht die Hälfte den Ausweisungsbrief erhalten, und von diesen sind wiederum kaum ein Viertel thatsächlich ausgewiesen worden. Die Polizei prüft natürlich nicht im Einzelnen, und so werden auch Solche von der Ausweisung betroffen, die seit Jahrzehnten hier wohnen und ein redliches Gewerbe treiben. Für solche ist und wird noch mit Erfolg eingetreten, so daß ihre Ausweisung unterbleibt. Im Uebrigen werden nur wirklich lästige Personen ausgewiesen, aber keine sich ehrlich ernährenden. Den Beginn der Ausweisungen haben diese russisch-polnisch-galizischen Juden selber herb eigeführt. In ihrem Betlokal haben die sogenannten Chassidim wiederholt einen solchen Lärm vollführt, der sogar in Schlägereien ausartete, daß die Polizei einschreiten mußte. Daß ferner viele von ihnen sich unter einander bei der Polizei denunzirten, ist hier allgemein bekannt. Besonders hat ein russischer Jude, der infolge eines häßlichen Ehebruchsprozesses von hier ausgewiesen wurde, sämmtliche hiesige Russen und Galizier bei der Polizei denunzirt, daß sie keine oder gefälschte Pässe hätten und darum nicht zu dulden seien. Da dieser Denunziation nicht sofort Folge gegeben wurde, so beschwerte er sich über die hiesige Polizei bei der Regierung in Wiesbaden. Ueber diese Thatsachen kann sich Jeder beim israelitischen Hilfsverein dahier, auf dem Büreau der israelitischen Gemeinde und auf dem Polizeipräsidium unterrichten, wenn er will." Damit sind auch die Behauptungen der letzten „Woche" richtig gestellt. — Zu Ende vorigen und Anfang dieses Jahres wurden verschiedenen hiesigen Einwohnern anonyme antisemitischeSchmähschriften geschickt, die die Adressaten beleidigten und bedrohten. Auch mit gefälschten Bestellkarten wurde Unfug getrieben, so daß einzelnen Mitbürgern Mengen an Getränken re. aufgehalst wurden. Ferner wurden Briefe aus den Kasten der Privatpost entnommen, mit antisemitischen Drohungen versehen und in die Briefkasten zurückgelegt, und außerdem wurden etwa tausend Bürgermeisterämtern des Deutschen Reiches unfrankirte Briefe mit antisemitischen Drohungen zugeschickt. Die Thatumstände aller dieser Handlungen deuteten auf einen und denselben Urheber hin, ohne daß sie jedoch zunächst zu dessen Ermittelung führten. Erst Mitte dieses Jahres ging dann einem hiesigen Pfarrer eine Schmähkarte der gedachten Art aus einem kleinen sächsischen Orte in der Nähe von Pirna zu. Diese Karte ermöglichte die Festnahme des Thäters. Ob der geständige Verhaftete, der ein geborener Frankfurter ist und bis zu diesem Frühjahre mit seiner Familie hier gewohnt hat, geistig völlig normal ist. muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Polizeibericht, dem diese Angaben entnommen sind, nennt den Aamen nicht. O Bad Ems, im August. In dem „Israelitischen Central - Waisen- und Mädchenheim", das schon am 1. Oktober v. I. mit 22 Waisenmädchen eröffnet worden war, fand am 31. v. Mts. die Einweihung unter zahlreicher Betheiligung von Emser Bürgern und Kurgästen auf dem zu diesem Zwecke festlich geschmückten, mit Guirlanden reich versehenen Spielplatz der Anstalt statt. In feierlichem Zuge betraten unter den Klängen eines von einer Musikkapelle gespielten Chorales die Zöglinge den Festplatz, wo Herr Dr. Aronsohn als Vorsitzender die Gäste begrüßte. Damit die Anstalt gemäß dem Wunsch der Verwaltung eine Musteranstalt würde, sei das gesteigerte Interesse aller Menschenfreunde sowie das ernste Streben der Zöglinge und Leiter erforderlich. Der Choral „Lobet den Herrn", gesungen von den Zöglingen, leitete nun die eigentliche Feier ein, die in der erhebenden Weiherede und dem Weihegebet des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Weingarten bestand. Anknüpfend an die aus frohen Kinderkehlen vernommenen Worte „Lobet den Herrn", forderte er auf, den Herrn zu loben ob des so wohlgelungenen Werkes. Wohl gebühre Dank der Rührigkeit des Vorstandes, dem Wohlwollen der Behörden, der hochherzigen Frau Baronin Hirsch-Gereuth in Paris, der edlen Frau Baronin von Rothschild in Frankfurt a. M. und Fräulein Exzellenz von Henrichsen aus St. Petersburg, aber nicht dürfe man vergessen, daß „Gott es ist, der Kraft verleihe, um Großes zu wirken". Unter Zugrundelegung dieses Verses aus dem Wochenabschnitt wies der Redner nun nach, daß die Gründung einer Waisenanstalt, wie das Emser Mädchenheim, ein wahrhaft göttliches Werk wäre. Sie hätte zum Zweck, armen, verwaisten Mädchen nicht nur Unterhalt und Erziehung zu gewähren, sondern das zerstörte Elternhaus wieder neu zu bauen. Die Zöglinge würden, wenn sie die Schule verließen, nicht gleichzeitig die Anstalt verlassen, sondern erst für einen Lebensberuf vorgebildet werden, aber auch nachdem sie aus der Anstalt ins praktische Leben getreten wären, stünde diese ihnen stets rathend und helfend und segensreich zur Seite. Neben der allgemeinen Bildung sollten ihnen die Lehren des unverfälschten Judenthums, die Liebe zum Vaterland und die Dankbarkeit gegen ihre Wohlthäter eingeprägt werden. Es würde zu weit führen, wollte man all die herrlichen Gedanken der Weiherede wiedergeben, an die sich das Weihegebet anreihte, worin der göttliche Segen auf die Anstalt, auf unseren Kaiser und König, unter dessen mächtigem Szepter Werke der Wohlthätigkeit entstehen, auf die Stadt und die Behörden, auf die Gründer, Menschenfreunde und Zöglinge herabgefleht wurde. Mit dem von den Zöglingen ausgeführten Gesang: „Danket dem Herrn" schloß die offizielle Feier, an die sich ein Rundgang durch die Räume der Anstalt anschloß', wobei Alle ihre Befriedigung äußerten. Anläßlich der Einweihung der Anstalt hatte ein Ungenannter zwei Freistellen (10 000 Mark) und Herr Baron Horace de Günsburg aus St. Petersburg, der gerade zur Kur hier weilte und der Feier beiwohnte, eine Freistelle (5000 Mark) der Anstalt gestiftet. Die Zöglinge erhielten von Freunden des Hauses schöne Geschenke als Andenken an den schönen Tag und je ein Sparkassenbuch mit ansehnlichem Inhalt, der nach und nach vermehrt und nach erlangter Mündigkeit mit den Zinsen den einzelnen Zöglingen zurückgegeben werden soll. Um ll/a Uhr fand ein gemeinsames Festessen unter Betheiligung von zahlreichen Freunden der Anstalt im Hotel de France statt, das von Tischreden gewürzt war. Zum Besten der Anstalt fand am 6. d. Mts. in dem von der königlichen Kurverwaltung bereitwilligst zur Verfügung gestellten großen Theatersaal ein Konzert statt. Möge das Interesse aller Menschenfreunde für das „Israelitische Central-Waisen- und Mädchenheim" immer mehr wachsen, auf daß sich dessen Räume immer weiter zur Aufnahme armer, verwaister Mädchen öffnen können. Oesterreich - Ungarn. Wien, 29. August. Der in dieser Woche im Alter von 83 Jahren verstorbene Weihbischof von Wien, Dr. E. Angerer, war eine streng konservative Natur, aber auch ein entschiedener Gegner der