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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-09-02 · Heft 35 (2.9.1898) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 35 (2.9.1898)
Date
1898-09-02
Page
Seite 418 (sequence 10)
Language
German
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418 besonders der Sabbathfeier. Selbst Tacitus rühmt ihnen nach, daß sie ihrer Ueberzeugung treu, in ihren Tempeln keine Götterbilder dulden und diese Ehre der Aufstellung von Bildern selbst den Kaisern nicht erweisen. Martial klagt bitter darüber, daß sich die Römer der jüdischen Religion zuneigen. Romas uraltes Gesetz gewöhnt überhaupt zu verachten. Lernen sie nur der Juden Gesetz und halten es. Das Judenthum hatte in Rom, sobald es besser verstanden wurde, ziemlich starke Propaganda gemacht. Es gewann viele Proselyten und fand in den höchsten Kreisen, namentlich bei den Frauen, zahlreiche stille Anhänger, Mit dem Niedergang der Macht des römischen Reiches ging auch das Heideuthum der griechisch-römischen Welt dem Verfall entgegen. Die alten Götter übten keine Anziehungskraft mehr aus. Das Gemüth fand in deren Anbetung keine Befriedigung mehr. Es ward von der Sehnsucht nach einer tieferen ethischen Auffassung des Göttlichen ergriffen. Der Geist ging über die sinnliche Erscheinung hinaus und suchte das Göttliche in dem jenseits dieser Erscheinung liegenden Uebernatürlichen. Das Judenthum, das diese beiden Momente in sich schließt, hätte nach und nach die Vorurtheile der Römer überwunden und über das Heidenthum, zu dessen Zertrümmerung es am meisten beigetragen hat, den vollen Sieg errungen, wenn ihm nicht im jungen Christenthum, dem es in der heidnischen Welt die Wege geebnet hat, ein unversöhnlicher Gegner erstanden wäre, der ihm den Rang dadurch abgelaufen, weil er minder schroff, an das Leben, die Formen und Anschauungen der heidnischen Welt sich angelehnt hat. Das Judenthum mußte sich mit dem halben Siege begnügen, den ihm der denkende Gegner nicht streitig machen kann. Die Akropolis liegt in Trümmern, das Kapitol ist mit Schutt bedeckt, das Forum Romanum ist ein Kuhmarkt geworden. Das Judenviertel in Trastevere, aus dem die Kirche (1556) ein Ghetto gemacht hat, schwindet in unserer Zeit immer mehr und mehr. Das ist die Signatur der Zeiten. Das heidnische Rom kannte kein Ghetto, das mittelalterliche hat überall in den Städten, in der Gesetzgebung, in den Rechten, in den Herzen, in der Gesellschaft, im ganzen Leben das Ghetto, die Scheidewände zwischen Inden und Christen errichtet. Wie das römische Ghetto, werden allmälig alle mittelalterlichen Ghettos schwinden. EUILLETON Me Rose von Saron. Eine Erzählung. Zweites Buch, s, X. Tage nach dem Essen des Osterlammes feierten die Kinder Israel das Fest der Wochen oder das Pfingstfest. Die Feier dieses Festes beschloß die Ernte, denn sieben Wochen lang dauerte diese in Palästina. Es waren wenige Tage »och bis zur Feier des fünfzigsten Tages, als der Prophet von Silo an der Mündung des Jordan in das Todte Meer anlangte. Er war durch die Länder Edom und Moab an den östlichen Ufern des Todten Meeres heraufgezogen, wollte oberhalb des Meeres über den Jordan setzen und durch die Wüste Jericho nach Jerusalem ziehen. Ein heißer Sonimertag hatte die Felsen um das Todte Meer erhitzt, aber mit den Nachmittagsstunden kam kühle Luft von Osten, und die üppig grünen Ufer des Jordan mit ihren wankenden Cypreffen und weitblätterigen Palmen breiteten Schatten und feuchte Kühlung aus. Da sich die Sonne gegen Westen zu neigen begann, erschien der Prophet an dem östlichen Ufer des Stromes, wo er die Furt rasch ausfindig machte und mit geschürztem Pilgerkleide durch die rauschende Fluth ging. Diesmal bedeckte ein breiter Basthut sein Haupt und schützte es vor der Gewalt der Sonnenstrahlen. Während süd- und westwärts der unbeschreiblich öde Anblick verbrannter, brauner Felsen sich darbot, grünte üppige Fülle der Pflanzenwelt nordwärts beide Ufer des Jordan entlang. Hier wucherten die zähen, saftigen Schlingkräuter mit ihren duftenden Blüthen und farbigen Früchten, und theils hingen sie in das spielende Gewäffer hinab, theils krochen sie auf der Erde fort und schlangen sich dann aufgerichtet um die braunen Stämme der Palmen. So weit das Auge reichte, war alles Gebüsch und wildverwachsene Waldung. Ja, das Bett des Jordan war zuweilen ganz unkenntlich gemacht durch gebrochene und in das Wasser gestürzte Stämme, um welche sich blätterreiche Kräuter gewunden und saftige Moose und Konchylien der Fluth schmarotzend angesetzt hatten. Unter dem grünen Dache rauschte die Fluth leise dahin, und fast jede Welle plünderte die blätterreichen Pflanzen und jagte die abgerissenen Blätter dem todten Schooße deS Meeres zu. In diesen Bäumen und Gebüschen hausten hundert und hundert farbige Singvögel, die mit ihrem glänzenden Gefieder schlangcnartig unter dem Blätterdach hinschlüpften oder ihren Jubel in die stille Luft emporzwitscherten. Die Szene war ganz einsam, und die Thier- und Pflanzenwelt schien hier allein ihr üppiges Leben hinzuträume». Der Prophet von Silo ging mit gesenktem Haupt durch die Fluth, welche ihm bis an die Brust reichte. Der breite Basthut beschattete seine Züge gänzlich. Mit dem langen Pilgerstab fühlte er vorsichtig nach gefährlichen Stellen der Furt in dem klaren Wasser. Die Wellen aber brachen sich geräuschvoll an der langsam schreitenden Menschengestalt. Bei diesem Geräusch wichen einige Gebüsche am westlichen Ufer aus einander, und es ward das Gesicht eines Mannes sichtbar, welcher aufmerksam nach dem Propheten hinüberblickte. Das Gesicht dieses Mannes war dunkelgefärbt, und ein Turban bedeckte das Haupt. Er mochte vom Stamme' der syrischen Völkerschaften sein. Man erblickte eine kurze Lanze neben ihm. Nachdem er einige Minuten den Propheten betrachtet hatte, sank er befriedigt zusammen, und die Büsche verbargen ihn wieder gänzlich. Der Prophet hatte endlich das Ufer erreicht, wo er bemüht war, seine Kleidung von Blättern und Muscheln zu reinigen, welche die Wellen an ihn geschwemmt hatten. Plötzlich ertönte ein heiseres, erschreckendes Gebrüll. Der Prophet fuhr rasch empor und blickte nach der Gegend hin, woher das Gebrüll erschollen. In diesem Augenblick ward auch ein erstauntes Gesicht über dem erwähnten Gebüsch sichtbar. Die Ursache dessen war leicht zu errathen. Aus einem mächtigen Gebüsch von blüthenreichem Flieder war ein Panther von gelber, schwarzgefleckter Farbe hervorgekommen und heftete in der Entfernung von etwa zweihundert Schritten seine glänzenden, gierigen Augen auf den Propheten. Der heimliche Lauscher in deni erwähnten Gebüsch verschwand rasch in seinem Schlupfwinkel, nachdem er die Ursache der Gebrülles entdeckt.

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