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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-26 · Heft 34 (26.8.1898) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Verfügung gestellt worden. Das jüdische Kinderheim, von Frankfurter Philanthropen erhalten, läßt armen leidenden Kindern die Wohlthat der hiesigen Bäder zu Theil werden. An der kaiserlichen Villa vorbei führt ein schattiger Weg zum Schweizerhause, welcher, bisher öffentliche Passage, seitens des Besitzers, eines Herrn Loew, der Kaiserin zu ausschließlicher Benutzung zur Verfügung gestellt wurde. Als Anerkennung hierfür wurde Herr Loew zu der Kaiserin befohlen, und drückte ihm dieselbe ihren Dank in huldvollster Weise aus. Zu ihren ausgedehnten Spaziergängen in Nauheims Wäldern benutzt die Kaiserin ausschließlich den Schweizerhausgarten als Passage, ja eine besonders schattige Laube in demselben hat sie sich als Lieblingsplätzchen erkoren, dort empfängt sie den Besuch ihres Arztes, des Dr. Schott (unseres Glaubensgenossen, dem letzthin vom Großherzoge von Hessen der Professortitel verliehen wurde), dort ergötzt sie sich an den munteren Spielen der Kinder. Ganz außerordentlich angenehm überrascht wurde die hohe Frau, als sie letzthin beim Betreten des Gartens von den Kleinen, die sich kleine Gewehre umgehängt hatten, militärisch begrüßt wurde. Es vergeht kein Tag, an dem nicht das eine oder das andere der Kinder durch eine huldvolle Anrede ausgezeichnet wird. Wiederholt hat die Kaiserin den Leitern der Anstalt ihre höchste Befriedigung über die Anstalt und über das Betragen der Kinder ausgedrückt, ja vor 14 Tagen ließ die hohe Frau durch ihxen Hofmarschall der Direktrice ihre besondere Anerkennung über die musterhafte Artigkeit und Ruhe der Kinder beim Spielen aussprechen; es herrsche ein solch gesitteter Ton unter denselben, daß die Ruhe der hohen Dame trotz der großen Nähe der Anstalt — sie beträgt kaum 150 Schritt — in keiner Weise gestört werde. Das ist eine Anerkennung, auf die die Anstalt stolz zu sein alle Berechtigung hat. Das Kinderheim wird übrigens im kommenden Jahre in einem eigenen Gebäude, das zum großen Theil der Munificenz der Frau Baronin Willy von Rothschild seine Entstehung verdankt, untergebxacht werden. Es wird dann auch möglich sein, die Zahl der Alumnen, die in den fünf Sommermonaten je 30, insgesammt also 150 beträgt, wesentlich zu vermehren. Oesterreich - Ungar«. □ Wien, 22. August. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers haben in den hiesigen Synagogen Festgottesdienste stattgefunden; im Tempel in der Seitenstettengasse wo der Psalm 111 für Soli, Chor und Orgel von Sulzer zur Aufführung gebracht wurde, gestaltete sich der Festgottesdienst besonders feierlich. Nach Absingung des Festpsalmes wurde die Bundeslade geöffnet und hier vom Oberrabbiner Dr. Güdemann das Kaisergebet verrichtet, worauf unter Oberkantor Goldsteins Leitung vom Chorpersonal die Volkshymne intonirt wurde. — Hier fand am 27. v. Mts. die Verkeilung von Unterstützungen aus der Freiherr Anselm von Rothschild'schen Waisenstiftung statt, und wurden dabei 42 Waisen christlicher Konfession und 21 Waisen jüdischer Konfession mit 100 fl. ö. W. betheilt. — Der bekannte böhmische Großindustrielle Emil Ritter von Kubinsky in Prag hal als Huldigung zum Kaiserjubiläum eine Wohlfahrtsstiftung für seine Arbeiter im Betrage von 200,000 Kronen begründet. —- Hier finden gegenwärtig die Probepredigten für die dritte Rabbinerstelle statt. Meist sind es jüngere Kräfte, die berufen werden. Die Liste ist aber noch nicht abgeschlossen, und die Wahl dürfte erst nach den Feiertagen erfolgen. — Unter den anläßlich des Geburtstages des Kaisers zu Offizieren ausgemusterten Militärzöglingen befinden sich auch mehrere jüdische Kadetten. — Rabbiner Dr. Nathan Steinhart in Kojetein wurde zum nichtaktiven Landwehrrabbiner in der Standesevidenz des 14. Landwehr-Infanterieregiments mit dem Aufenthalte in Kojetein ernannt. — In Skala in Galizien wüthete ein arges Schadenfeuer, durch das viele jüdische Familien obdach- und mittellos geworden sind; man spricht von 2000 Obdachlosen. Das Schicksal der galizischen Juden ist schon ohne schädliche Elementarereignisse ein trostloses. — In der am 13. August beim Kreisgerichte in Neu-Sandee durchgeführten Verhandlung wurden vier Angeklagte wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit und Diebstahls verurtheilt, und zwar ein Angeklagter zu acht, zwei zu sieben und einer zu sechs Monaten schweren Kerkers. Wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit wurde gegen zwei Angeklagte auf eine zweimonatliche und gegen zwei auf eine viermonatliche respektive fünfwöchentliche Kerkerstrafe erkannt, und bei der Schlußverhandlung wegen der Theilnahme an den antisemitischen Exzessen wurden zwei Angeklagte wegen des Verbrechens des Diebstahls zu dreijährigem beziehungsweise zehnmonatlichem und zehn Angeklagte wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit sowie wegen der. Uebertretung des Diebstahls zu drei- bis zehnwöchentlichem schweren, mit Fasten verschärftem Kerker verurtheilt. — Der Schuster H a nisch in Währing wurde wegen antisemitischer Schmähungen zu fünf Tagen Arrest verurtheilt. — Bon großem Interesse ist der eben erschienene Bericht der Baron Hirsch-Stiftung für Galizien, dem ich für heute nur die nachfolgenden Daten entnehme, indem ich eine ausführliche Beleuchtung des großen und wichtigen Unternehmens sachverständigen Federn überlasse. Die Zahlen beziehen sich auf die drei Rubriken: Bolksschulunterricht, Handwerk und Landwirthschaft. Das Verhältniß stellt sich in den beiden letzten Jahren folgendermaßen: 1. Volksschulunterricht 1895/96: Subventionen an Schulen 8949,99 fl., Volksschulen 109 055,14 fl., Baukosten für Schulen 28 460,57 fl., zusammen 146 465,70 fl.; 1896/97: Subventionen an Schulen 9204,99 fl., Volksschulen 139 499,21 fl., Baukosten für Schulen 97 977,22 fl., zusammen 246 68 l,42 fl. 2. Handwerk 1895/96: Subventionen an Gewerbefchüler 918 fl.. Handwerkerschule (Rzeszow) 2876,24 fl., Stipendien für Handwerkslehrlinge 20 246,72 fl., zusammen 24080,96 fl.; 1896/97: Subventionen an Gewerbeschüler 1159,37 fl.. Handwerkerschule (Rzeszow) 3420,57 fl., Stipendien für Handwerkslehrlinge 22 703,40 fl., zusammen 27 283,34 fl. 3. Landwirthschaft 1895/96: 3065,73 fl.; 1896/97: 2568,53 fl. Das Budget für den Bolksschulunterricht hat also um 100 000 Gulden, das für Handwerk kaum um 3000 Gulden zugenommen, das für Landwirthschaft ist um 500 Gulden zurückgegangen. Hier werden die Kuratoren also vor allem einzusetzen haben, um den Intentionen des Stifters und den Bedürfnissen der galizischen Juden entgegenzukommen. Schweiz. ----- Basel, 22. August. Die offizielle Tagesordnung des zweiten Zionistenkongresses ist folgende: 1. Eröffnung durch den Präsidenten des Aktionskomitees Dr. Th. Herzl; 2. Wahl des Büreaus und der Ausschüsse; 3. Allgemeine Lage. Referent: Dr. Max Nordau; 4. Rechenschaftsbericht. Referent: Dr.M.T. Schnirer; finanzieller Theil, Referent: Dr. O. Kokesch: 5. Programm der Bewegung. Referent: Dr. Max Mandelstamm; 6. Organisation. Referent: Dr. A. Mintz; 7. Kolonisation. Referent: L. Mozkin; 8. Jüdische Kulturfragen. Referent: Dr. M. Ehrenpreis; 9. Die jüdische Kolonialbank. Referenten Dr. Wolffsohn und Dr. Bodenheimer; 10. Eventualia. — Außerdem sollen noch mehrere Vorbesprechungen, Konferenzen und General-Versammlungen stattfinden. Auch die Berathung der verschiedenen Anträge dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen. So hat die Zionistische Vereinigung für Deutschand in Köln dem Exekutivkomitee die folgenden Wünsche der Kulturkommission unterbreitet: 1. Herausgabe von Jugendschriften in jüdisch-nationalem Geiste; 2. Pflege der jüdischen Geschichte und Litteratur durch Borträge und populär-wissenschaftliche Werke; 3. Förderung der hebräischen Sprache als lebendige Sprache durch Lehrkurse und Lesezirkel; 4. Förderung der jüdisch-modernen Belletristik; 5. Errichtung von Turn-, Gesang- und Geselligkeits-Vereinen im zionistischen Sinne; 6. Herausgabe von Flugblättern und Broschüren; 7. Gründung von zionistischen Zeitungen und Zeitschriften; 8. Stellungnahme zu allen wichtigen jüdischen Fragen der Gegenwart; 9. Bedienung der großen Tagespresse mit objektiven Nachrichten und geeigneten Aufsätzen über die zionistische Bewegung. Ferner hatten die Berliner Ortsgruppen die folgenden Anträge gestellt: 1. Der Kongreß möge beschließen, nach Anhörung der Referate über das Programm über jeden Antrag auf Aenderung des Programms zur Tagesordnung überzugehen. 2. Indem sich der Kongreß die Kolonisation im großen Stile vorbehält, überläßt er die Fortsetzung der gegenwärtigen Kolonisations-Thätigkeit den Kolonisations-Vereinen und fordert alle Zionisten auf, stch denselben anzuschließen. 3. Der Kongreß beschließt die Sendung einer Kommission von Fachleuten nach Palästina zur Erforschung der wirthschaftlichen Hilfskräfte des Landes und fordert das Aktionskomitee auf, die hierzu nöthigen Schritte baldmöglichst zu veranlassen. 4. Der Kongreß ersucht das Aktionskomitee, wissenschaftliche Untersuchungen zur Klarlegung der rechtlichen Lage der Juden in der Türkei, besonders in Palästina, zu veranlassen. 5. Der Kongreß möge beschließen: Das Aktionskomitee setzt sich mit den Vertretern der einzelnen Länder in Verbindung, um festzusetzen, welcher Prozentsatz der Schekelgelder für

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