Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1898)
- Date
- 1898-08-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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lokale Zwecke verwendet werden darf. Wer die Verhältnisse näher kenntwird wissen, daß Punkt 2 der wichtigste, daß er aber auch derjenige ist, der die beiden Hauptströmungen des Kongresses von einander trennt. Großbritannien. B. London, im August. In der vorigen Woche veranstaltete die JewishLad’s Brigade eine Lagerübung ganz nach militärischem Zuschnitt. Die Knaben zogen hinaus nach den Hügeln, Sandhiys genannt, wo sie ein Zeltlager aufschlugen und unter Aufsicht jüdischer aktiver Offiziere des englischen Heeres alle Arten von Hebungen Vornahmen, wie sie die englischen MiÜztruppen bei ihren jährlichen Lagerdiensten vornehmen müssen. Die Jewish Lad’s Brigade ist bekanntlich auf Veranlassung von Oberst Goldsmid geschaffen und hat den Zweck, auf die Knaben, die ihr an gehören, durch Gewö hnung an Disziplin und durch körperliche Uebungen psychisch und physisch einzuwirken. Gegründet vor 2 Jahren mit 18 Knaben, versammelte sie diesmal schon 439 junge Burschen und leistet erzieherisch sehr gute Dienste. Amerika. * 8. Philadelphia, im August. Ueber den Heldentod eines jüdischen Soldaten im spanisch-amerikanischen Kriege wird aus dem F^rt Mc Pherson berichtet: Dort fiel am 1. Juli Charles D. Jacob Hr. vom ersten Kavallerieregiment, als er den Sergeanten seiner Truppe- Namens Barry, welcher durch die spanischen Scharfschützen verwundet worden war, aus der feindlichen Schußlinie tragen wollte. Bier Äbtheilungen des Regiments lagen etwa eine halbe Meile von San Judn entfernt hinter einer Umwallung; dort war auch die. schwere Artillerie postirt, um die an Santiago heranrückenden Truppen zu decken. Gie warteten noch auf das Kommando, als ein Beobachtungsballon sich gerade in ihrem Bereich niederließ und das Feuer der spanischen Scharfschützen und der leichten Artillerie auf fich zog. Der erste Sergeant Barry, der auf der Umwallung stand, wurde verwundet, und als JaHoh sah, daß dieser getödtet werden würde, wenn er nicht sofort Deckustg erhielte, lief er sofort vorwärts, um ihn aus der feindlichen Schußlinie zu tragen. Hierbei wurde er durch ein Shrapnel.am Kopfe verwundet und sofort getödtet. Jacob wurde 9 Meilen von El Caney begraben, zwischen El Caney und San Juan. Er war der Sohn jenes Charles D. Jacob, der viermal Bürgermeister in Louisville war. 0. H. New-York, 9. August. Am 5. d. ist in St. Louis, Missouri, Isidor Busch, einer der geachtetsten Israeliten und Deutsch- Amerikaner der Vereinigten Staaten, im Alter von 78 Jahren gestorben. In Prag 1820 geboren, war Busch lange Zeit in Wien Buchhändler und ist durch die Herausgabe des „Jahrbuchs und Kalenders Israeliten" sowie als Nachfolger der bekannten Verlagsfirma Ani von Schmied vortheilhaft bekannt. Das Jahrbuch, das dann von Wertheimer, Kompert und Szanto fortgesetzt wurde, gab Busch hon 1842—51 in 9 Jahrgängen heraus, die die werthvollsten Beiträge jüdischer Schriftsteller und Gelehrten enthielten. 1848 nach Amerika ausgewandert, war er zuerst Schriftsteller und Maler. Dann betheiligte er sich am öffentlichen Leben, war Mitglied der Legislatur im Staate Missouri, einer der einflußreichsten Führer im Bne Berith-Orden und Mitgründer des jüdischen Waisenhauses in Cleveland. Ganz besonders hat er sich in den letzten Jahren als Weinbergsbefitzer in der Bekämpfung der Reblaus Verdienste erworben. Sein Andenken sei gesegnet! — Gestern ist in San Franzisko einer der bekanntesten Deutschen an der amerikanischen Pacificküste, Adolf Sntro, gestorben. Adolf Sutro war im Jahre 1830 in Aachen, Rheinpreußen, gebyren und kam 1850 nach den Vereinigten Staaten. Er hatte auf der Reise von den großen Goldentdeckungen in Kalifornien gehört und begab fich sofort dorthin Im Jahre 1860 besuchte er die Bergwerks-Regionen von Nevada und faßte dort den Plan des großen Tunnels durch!das Herz der Berge, ein Unternehmen, mit dem der Name Sutro unvergänglich verbunden ist. Die Vollendung des Tunnels nahm über zehn Jghre in Anspruch, von 1869—1879, und machte Sutro zum vielfachen Millionär. Einen Theil seines Reichthums verwendete er auf die Anlage einer großen öffentlichen Bibliothek und Gemälde-Galerie. Mch machte er der Stadt San Franzisko im Jahre 1887 eine Nachbildung der Bartholdischen Freiheitsstatue zum Geschenk. Ferner baute er? cm der Seeküste das Cliff House, einen der großartigsten öffentlichen Pergnügungspläße der Welt, einen Badepavillon für Deutliche Zwecke. Es war erwartet worden, die nördliche Pacifiebähn werde ihre Geleise bis dorthin ausdehnen, so daß jeder Mann für 5 Cents dorthin gelangen könne. Die Bahn kam dieser Erwartung Nicht nach und erpreßte ein doppeltes Fahrgeld von den Besuchern. Es kam zu einem hartnäckigen Kampfe zwischen der Bahn und Sutro, aus dem der Letztere, nachdem er eine Bahn auf eigene Kosten erbaut, als Sieger hervorging. Er wurde dadurch so volksthümlich, daß er zum Mayor erwählt wurde. Sutro war ein Neffe des bekannten orthodoxen Rabbiners Abraham Sutro in Münster. Er selbst hatte aber wenig Sinn für das Judenthum. In den letzten Jahren soll er sogar in der Heilsarmee eine große Rolle gespielt haben. Zuletzt war sein Geist umnachtet, und seine Kinder zerrten durch häßliche Prozesse um die Vormundschaft über ihren Vater, dessen geachteten Namen in den Staub. Von und Fern. ----- In der Sitzung der städtischen Stiftungsdeputation am letzten Sonnabend machteder Borsitzende,Stadtrath Marggraff, die Mittheilung, der Kaiser habe die Annahme der von der Frau Geh. Kommerzienrath Schwabach dem hiesigen Magistrat gespendeten Summe von 100 000 Mk. genehmigt. Diese Summe soll an hilfsbedürftige Personen ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, die aber noch nicht der öffentlichen Armenpflege anheimgefallen sind, und die bereits bestimmt worden sind, baldigst vertheilt werden. — Sein 50jähriges Doktorjubiläum feierte am 15. d. M. hier der Geheime Sanitätsrath Dr. Adolf Abraham, der stellvertretende Vorsitzende der Berliner medizinischen Gesellschaft. — Der von den Angehörigen des Freiherrn v. Hammerstein,des früheren Chefredakteurs der „Kreuzzeitung", gestellte Antrag aus vorläufige Haftentlassung ist abgelehnt worden. — Auch in dem Regierungsbezirk Köln find in den letzten Wochen ausländische Juden, selbst solche, die in Fabriken arbeiten, ausgewiesen worden. — Der Kaiser hat Frau Henriette Unger, geh. Mannheimer, in Cannstatt die Centenar-Medaille verliehen. — Bei der Universität Freiburg in Baden ist der Privatdozent der Ohrenheilkunde Dr. Bloch zum außerordentlichen Professor befördert worden. — Die jüdische Gemeinde zu Lüttich, die 1200 Mitglieder zählt, wird demnächst eine große Synagoge erhalten. Für diesen Zweck hüben gespendet die Stadt Lüttich 20 000 Frcs., die Regierung 10 000 Frcs., Senator Montefiore-Levy 25 000 Frcs., die Baronin Hirsch 25 000 Frcs. und Herr Bischoffsheim in Brüssel den Bauplatz. — In Kopenhagen hat der Theaterzensor dem Kastnotheater verboten, Okonkowskys Stück „Hauptmann Dreyfus" aufzuführen. Obwohl das Stück von geringem Werth, macht das Eingreifen des Zensors doch viel böses Blut. — In Reggia Em ili.a wurde das Mitglied des Parlaments Ulderico Levi wieder einstimmig zum Stadtpräfekten gewählt. Derselbe ist auch Mitglied des Vorstandes der dortigen jüdischen Gemeinde. Der bisherige Schatzminister Luigi Luzzatti ist wieder auf seinen Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität Rom zurückgekehrt. — In Italien sind gegenwärtig 79 jüdische Gemeinden mit einer Bevölkerung von 47 790 Seelen. Die größte Gemeinde ist die zu Rom mit 7500 Seelen; dann kommt Livorno mit 4050 Seelen. 7 italienische Rabbiner sind mit Orden bedacht worden, darunter Dr. Margulies in Florenz mit dem St. Maurizius- und Lazarusorden. — In der englischen Armee dienten 1697 circa 600 Juden, davon 75 als Offiziere. Oberst Goldsmid nimmt bei den großen Manövern in Salisbury Plain eine hervorragende Stelle ein, und zwar die öes Generalfiabschefs der dritten Division der Nordarmee, an deren Spitze der Herzog von Connaught steht. — Bei der Ankunft des Centralpolizeikommissars Paysant in Algier fanden heftige antisemitische Kundgebungen gegen diesen Beamten statt. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Alle jüdischen Geschäfte blieben geschlossen. — Raphael Hassan, einer der ersten Advokaten in Oran, hat den Orden Karls III. von Spanien für die Dienste erhalten, die er seinem Vaterlande — er stammt aus Gibraltar — geleistet hat. — Nicht zum Generalpostmeister der Bereinigten Staaten überhaupt, wie es in der letzten Nummer hieß, sondern zum Generalpostmeister Amerikas auf Kuba ist Herr Louis Kempner aus Newyork gewählt worden. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.