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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-26 · Heft 34 (26.8.1898) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- 2 —:— „Libau Packet" im Verdacht, daß er russische Juden einschnruggele. Als gestern'.Abend der Dampfer aus Memel hier eintraf, ging sofort ein Schutzmann, wie die „Ostsee-Ztg." berichtet, an Bord, um Ne etwaigen Passagiere auf ihre Herkunft und Nationalität zu kontroliren. Obgleich er verschiedenes Gepäck, Betten rc. gewahrte, wurde ihm gemeldet, daß nur eine Dame aus Memel stch als Passagier an Bord befinde. Der Beamte erklärte sich zwar befriedigt, begab sich aber döch nach dem Personenbahnhof, um festzustellen, ob russische Juden angekommen seien. Er hatte auch nicht lange zu warten, als eine aNs 21 Personen bestehende Gesellschaft, Männer, Frauen und Kinder, eintraf. Der Beamte stellte fest, daß die Leute mit dem „Libau Packet" angekommen waren und die Weiterreise mit der Bahn nach Bremen anzutreten gedachten. Die ganze Gesellschaft wurde nach dem Dampfer zurückbefördert, wo sie sich unter polizeilicher Bewachung befindet. Vorerst scheint man sich noch nicht schlüssig darüber zu sein, ob man die Leute ihre Reise fortsetzen lassen soll, oder ob man dem Kapitän des Dampfers ausgeben soll, sie dorthin zurückzubringen, wo er sie an Bord genommen hat. Das letztere wäre aber doch, wenn die betreffenden Passagiere gesund sind, eine Ungerechtigkeit gegen dieselben. E. Z. Posen, 16. August. Gestern verstarb in Charlottenburg hei Berlin, wohin er erst vor wenigen Wochen verzogen war, der königliche Kommerzienrath Moritz Milch. Einer der bedeutendsten Industriellen unserer Provinz ist mit ihm heimgegangen. Er war der Begründer der chemischen Fabrik von Moritz Milch u. Comp., der er, nachdem das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt war, noch 10 Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrathes angehörte. Durch dieses Werk hat er zur Hebung des gewerblichen Lebens der Provinz Posen ein erhebliches Theil beigetragen. In einer großen Anzahl von wichtigen Ehrenämtern seit Jahrzehnten erfolgreich thätig, hat der Verewigte stch hierdurch wie durch seine oben geschilderte Thätigkeit große und bleibende Verdienste um das öffentliche Wohl erworben. Als Vorstand des Vereins Zoologischer Garten hat er regen Antheil an der Entwickelung dieses gemeinnützigen Instituts genommen. Auch die Polytechnische Gesellschaft verliert in ihm einen liebenswürdigen und treuen Mitarbeiter und Förderer ihrer Interessen. Eine lange Reihe von Jahren gehörte der Verblichene dem Kuratorium des Vereins junger Kaufleute an. Daß der Verstorbene auch einen regen Antheil an unserem Gemeindeleben nahm, ist fast selbstverständlich. Seit dem Jahre 1882 gehörte er dem Repräsentqntenkollegium der hiesigen Synagogengemeinde an. Mit größter Pflichttreue und regstem Eifer hat er während dieser Zeit für die Interessen unserer Gemeinde gewirkt. Mit Hingebung hat er ihr seine reichen Erfahrungen gewidmet. Insbesondere hat der Heimgegangene sich um den Ausbau und die Verwaltung des Jüdischen Kranken- und Siechenhauses außerordentlich verdient gemacht. Seit September 1893 gehörte der Verewigte auch der Direktion der Israelitischen Waisenknabenanstalt an und wirkte bis zu seinem Ende mit regstem Eifer zum Wohle der Anstalt. Eingehende Sorgfalt widmete er den Zöglingen des Instituts und sorgte für ihr ferneres Fortkommen in der ausgiebigsten Weise. So hat der Verblichene durchseinereichen Geschäftskenntnisse, seinen praktischen Blick, seinen kollegialen Sinn, sein stets offenes Herz sich ein bleibendes Andenken in unser aller Herzen in den Annalen unserer Gemeinde wie unserer Stadt gesichert. N. Breslau, 23. August. Am 19. d. Mts. ist hier Jtzig Zacharias Hamburger im 87. Lebensjahre gestorben. Er war der Seniorchef des bekannten gleichnamigen Handlungshauses, einer der angesehensten Bürger Breslaus, einer der ersten Vertreter der Kaufmannschaft, eines der geschätztesten Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Geboren zu Schmiegel, in der Provinz Posen, als der Sohn einer altehrwürdigen Familie, wurde er im Geiste und in den Anschauungen des alten Judenthums erzogen, begeisterte sich jedoch für das moderne Judenthum in ungewöhnlicher Weise, und obgleich er bis zu seinem Ende den Traditionen seines Elternhauses treu blieb, verschmolzen sich in ihm in enger und glücklicher Verbindung altes und modernes Judenthum. Als er vor mehr als vierzig Jahren nach Breslau übersiedelte, war kurz zuvor das jüdisch-theologische Seminar gegründet worden. Hamburger trat bald in die freundschaftlichsten Beziehungen zu Frankel, Joöl und Grätz, und uns alten Breslauern schien das Seminar und der edle Verklärte so eng zusammengehörig, daß man allenthalben sein lebhaftes Interesse für das Gedeihen dieser Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft kannte und schätzte. Sicherlich ist Jtzig Zacharias Hamburger im Verkehr mit den großen Todten und den in seiner Vollkraft Wirkenden nicht nur der empfangende, sondern auch der gebende Theil gewesen. Es war ein in jeder Beziehung reich gesegnetes Leben, so daß es nur natürlich erschien, wenn unser verehrter Herr Dr.. Gutmann das Leben Hamburgers mit dem des Patriarchen Abraham in der wahrhaft glänzenden, allgemein ergreifenden Gedächtnißrede am Grabe des Entschlafenen verglich, dessen Andenken stets ein gesegnetes bleiben wird. 8. R. Rybnik, 19. August. Zu meinem Referate, betreffend den am hiesigen israelitischen Waisenhaus absolvirten Gartenbau- und Handfertigkeitskurfus für jüdische Lehrer Oberschlesiens, trage ich, meiner Ankündigung gemäß, nach, daß der. Schlußabend die Theilnehmer, den Vorsitzenden der Freien Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlesiens und Glieder der Synagogengemeinde Rybnik zu einem erfrischenden Trank auf das Gemächlichste vereinigte. Herr Katz hatte es nicht nur verstanden, uns mit theoretischen und praktischen Kenntnissen zu versehen, er war auch darauf bedacht, den Aufenthalt in Rybnik mit einer fröhlichen Erinnerung für uns zu beschließen. So schieden wir denn von jener Humanitäts- und neuen Lehrstätte mit den gehobensten Gefühlen, mit größtem, lebhaftestem Danke gegen den Leiter, dem auch Kollege Malachowski im Namen der Kursisten, Kollege Bernhard Namens der „Vereinigung" warmen Ausdruck gab. Herr Katz hat sich ein unbestreit- und unberechenbares Verdienst erworben. Aus dem soeben vom Dirigenten veröffentlichten „Berichte", der den Gemeinden und Vereinen, die den Kursus materiell unterstützten, außerdem noch besonders interesstrten Körperschaften zugeht, sei erwähnt, daß die Erfolge allen Erwartungen entsprachen; „ausnahmslos waren die Theilnehmer", wie es wörtlich heißt, von der hervorragenden Bedeutung des Werkes, dem sie stch weiter widmen wollen, durchdrungen; sie waren auch eingedenk des Dichterwortes: „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis". So können wir uns wohl der Hoffnung hingeben, daß, wenn einige Jahre hindurch auf dem gelegten Grunde in gleicher Weise weitergebaut wird, man in zweifacher Hinsicht — für Lehrer und Schüler — wird sagen können: an den Früchten sollt ihr sie erkennen. — Ueber die Thätigkeit sei gesagt, daß 472 Tage dem Gartenbau-, die nämliche Zeit dem Handfertigkeitsunterricht gewidmet waren. Täglich harrten wir 8—9 Stunden aus, was aber gern, ohne Murren geschah. Galt es doch, grundlegende Fertigkeiten zu gewinnen, um sie in den Dienst der Schule, der Gemeinden, des Staates stellen zu können. Anschauungsmaterial stand nicht nur im Anstaltsgarten zu Gebote; in wohldurchdachter, begründeter Absicht waren wir auch in Gärten jüdischer Besitzer geführt worden. Ueberall hatten wir nebenbei auch gastfreundliche Aufnahme gefunden, wofür wir besonders Herrn Rathsherrn Prager und Herrn Bender öffentlich Dank zollen. Am Schluß des Gartenbaukursus fand ein Kolloquium statt, am Ende des Handfertigkeitsunterrichtes belehrte die selbständige Fertigstellung zweier Gegenstände über den Erfolg. Wir fügen noch hinzu, daß Herr Katz alle diejenigen Instanzen Ostdeutschlands, die der Angelegenheit näher treten wollen, bittet, sich an ihn zu wenden; er ist zu jeder gewünschten Auskunft gern bereit. e. Hannover, 22. August. Das erste jetzt vorgelegte Testament der Frau Fibermann hat das angebliche Legat von 6000 M. für die Jünglings-Chewra nicht enthalten. Damit entfällt alles, was wegen Streichung dieses Legats dem Testamentsvollstrecker in der Korrespondenz HannoverderletztenNummer zum Vorwurf gemacht worden ist. Auch sollen die Zweifel an der Rechtsbeständigkeit des zweiten Testaments grundlos sein. Wir bedauern, daß wir den Mittheilungen unserer Gewährsmänner, deren Zuverlässigkeit und bona fides $u bezweifeln kein Anlaß vorlag, da sie sich auf direkte mündliche Mittheilungen der Erblasserin stützten und von jeder Animosität gegen den Testamentsvollstrecker frei waren, ohne Einsicht der Testamente. Glauben geschenkt haben. Wir hoffen, daß der Testamentsvollstrecker sich mit diesem Bedauern über einen ihm grundlos gemachten Borwurf zufrieden giebt und die Sache durch diese Erklärung als vollständig erledigt ansteht. 8a. Bad Nanheim, 21. August. Neben der Billa, die von der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich bewohnt wird, befindet sich in einem schattigen Garten das Schweizerhaus, welches an das jüdische Kinderheim vermiethet ist. Die Billa ist von Herrn Max Abeles in Frankfurt a. M. der Kaiserin für dieses und das nächste Jahr zur

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