Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-26 · Heft 34 (26.8.1898) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228257-3228292--54847-3291018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

V ...... . 62. Jahrgang. Nr. 34. Gerlm. 26. August 1898. 'Werkage zur „Akkgemeinen Zeitung öes Zuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 23. August. Die jüdische Reformgemeinde hat nunmehr auch neben ihren bisherigen Religionsschulen im Gemeindehause, N., Johannisstraße 16, und in der Luisenstädtischen Oberrealschule, 8., Dresdenerstraße 113, auch in dem Falk-Realgymnasium, W., Lützowstraße 84 c, eine zweiklassige Religionsschule eingerichtet, die mit Beginn des neuen Schulhalbjahrs, Mittwoch den 12. Oktober er., eröffnet werden soll. Der Lehrplan derselben ist folgender: A. In den beiden unteren Mädchen- und Knabenklasfen: Biblische Geschichte von ihrem Beginn bis zum Salomonischen Tempelbau. Die zehn Bundesworte. Die Feste. Ausgewählte Bibelstellen zum Memoriren. Hebräische Leseübungen. B. In den beiden oberen Klassen: Biblische Geschichte von der Theilung des Reichs bis zur zweiten Tempelzerstörung. Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte. Systematische Religionslehre. Hebräische Lese- und Uebersetzungs-Uebungen. Der Unterricht findet im Winterhalbjahr statt: I. in der Johannisstraße 16: a) für Mädchen Sonnabend Nachmittag 3—5 Uhr, d) für Knaben Sonnabend Nachmittag 4—6 Uhr; 2. in der Dresdenerstraße 113: a) für Mädchen Montag Nachmittag 4—6 Uhr, b) für Knaben Donnerstag Nachmittag 4—6 Uhr; 3. in der Lützowstraße 84 c: a) für Mädchen Mittwoch Nachmittag 3—5 Uhr, b)für Knaben Mittwoch Nachmittag 4—6 Uhr. Die mündliche oder schriftliche Anmeldung der Schüler und Schülerinnen erfolgt im Büreau Johannisstraße 16, welches wochentäglich von 5—7 Uhr Nachmittags und Sonntags zwischen 10 und 12 Uhr Vormittags geöffnet ist. Anmeldungen für die Religionsschule in der Dresdenerstaße 113 werden auch im Komtor des Herrn Leopold Friedmann, Oranienstraße 69, entgegengenommen. Das Schulgeld beträgt pro Halbjahr für ein Kind 3 Mark, für 2 Geschwister 5 Mark und für 3 Geschwister 6 Mark. An dem Religionsunterricht in den drei Schulen können auch Kinder von Nichtmitgliedern unserer Gemeinde theilnehmen. Im Gotteshause der Reformgemeinde findet regelmäßig an jedem Sonntag nach dem Ersten des Monats ein Jugendgottesdienst statt. Wie in früheren Jahren, so wird auch diesmal am Vormittag des 1. Tages Roschhaschanah und am Vormittag des Jom Kippur im Betsaal ein Gottesdienst für die Jugend zu derselben Zeit wie im großen Gotteshause abgehalten werden. Es ist also ein sehr bedauerlicher Jrrthum gewesen, wenn man dieser Gemeinde jüngst in englischen Blättern nachgesagt hat, daß sie an Agonie leide, während fie doch gegenwärtig drei gut besuchte Religionsschulen unterhält, von denen zwei erst im Laufe des letzten Jahres eingerichtet wurden, und ihre gottesdienstlichen Einrichtungen immer mehr zu verbessern bestrebt ist. L2 Berlin, 22. August. Das alte Berliner Ghetto beginnt jetzt auch durch die moderne Baukunst zu fallen. Umfassende bauliche Veränderungen der Rosenstraße und Heydereutergaffe stehen bevor, die dem gesummten Stadtviertel ein völlig verändertes Aussehen geben werden. Bereits während der letzten Jahre wurden die gefammten alterthümlichen Häuser an der Ostseite der Rosenstraße abgetragen, um einem gewaltigen Kaufhause Platz zu machen; nun kommt noch die Westseite an die Reihe. Das Eckhaus am Neuen Markt, gegenüber dem Lutherdenkmal, ist bereits niedergelegt worden, und in nächster Zeit wird dasselbe Schicksal die Häuser an der Ecke der Schmalengasse und Heydereutergaffe ereilen. Insbesondere kommen vorläufig zehn Gebäude zum Abbruch, und mit ihnen verschwindet ein gut Theil von dem jüdischen „Alt-Berlin". Die „Heidenreitergasse", wie fie früher genannt wurde, hatte noch im 17. Jahrhundert nur wenige Häuser, die, in der Nähe der Spandauerstraße belegen, den Namen „Am Spandauer Thore" führten. Kam man aus der Spandauerstraße in diese Gasse, so war zur Linken bis zur Rosenstraße die Bültelei oder Scharfrichterei. Der Büttel und Scharfrichter wohnte da, wo jetzt das Haus Nr. 6 steht. Nachdem im Jahre 1725 die Scharfrichterei vor das Thor verlegt war, ließ ein gewisser Meyersheim das Haus niederreißen und da ein Brauhaus errichten. Bon den nach der Rosenstraße zu belegenen Grundstücken kaufte die jüdische Gemeinde einen Raum, aus welchem fie im Jahre 1700 durch den Baumeister Boumann den Aelteren die Synagoge und dqs Gebäude erbauen ließ, in welchem bis vor Kurzem die Armenkomrnisfion sich befand. In nicht ganz zwei Jahren kann daher das 200jährige Jubiläum der Synagoge begangen werden. Die Rosenstraße, die Heydereuter- und Schmalegasse, in der früher das Krankenhaus stand, bildeten einst einen Haupttheil des Ghettos Berlins. 22 Berlin, 21. August. Auf Veranlaffung eines Leipziger Mäeens hat der von der Münchener Akademie mit einem auszeichnenden Zeugniß entlassene reichbegabte Künstler Herr Israel Krupenie aus Slanin in Rußland für den dortigen „Israelitischen Kinderhort" einen „Moses" gemalt, wie er auf dem Berge Sinai die zehn Gebote Gottes empfängt. Hoch erhobenen Hauptes, mit der Linken auf die in der Rechten ruhenden Gesetzestafeln deutend, hebt fich die Gestalt des großen Propheten wirksam von dem gewitterschweren Himmel ab. Das ausdrucksvolle, strenge und zugleich von väterlichem Wohlwollen zeugende Gestcht ist von dunklem Haupt- und Barthaar umrahmt, welches vom Stürm lebhaft bewegt ist Im Hintergründe ist ein Theil des Berges Sinai sichtbar, über den aus dunklen Wolkenmassen leuchtende Blitze hervorschießen. Dieses Gemälde hat in der Kunstwelt wegen seiner ausgezeichneten Ausführung berechtigtes Aufsehen erregt. Um auch weiteren Kreisen dieses vortreffliche Bildniß zugänglich zu machen, find von demselben jetzt Reproduktionen in Lichtdruck hergestellt worden. Dieselben find vortrefflich gelungen. Das Bild selbst ist nicht nur in der energischen und sicheren Technik, sondern besonders auch in der selbstständigen Auffassung der mächtigen alttestamentlichen Charaktergestalt des Gesetzgebers eine erfreuliche und anerkennenswerthe Leistung. In der künstlerischen Gestaltung eines Moses mit einem Michelangelo in Wettstreit zu treten, wäre Vermessenheit. Krupenie hat auch nicht daran denken können. Was ihm offenbar als Ziel vorschwebte, ist, eine innerhalb seiner Gemeinde allgemein verständliche und durch eine offene, edelmüthige Physiognomie die Herzen gewinnende Mosesgestalt zu schaffen. So wird Krupenies Moses in der vortrefflichen Reproduktion namentlich in jüdischen Familien und Schulen einen würdigen und willkommen geheißenen Zimmerschmuck bilden. Das Original wird demnächst in größeren Städten zur Ausstellung gelangen. In den Städten, wo größere Gemeinden find, wird in der nächsten Zeit durch einen Kunsthändler Gelegenheit gegeben werden, Exemplare dieses wirklich in hohem Grade gelungenen Bildes zu erwerben. Sonst kann es durch jede Leipziger Kunsthandlung bezogen werden. S£S Berlin, 23. August. Der Synagogen-Verein Moabit zählt zu den rührigsten jüdischen Vereinen Berlins. Unter schwierigen Verhältnissen vor acht Jahren ins Leben gerufen, wird er jetzt in seiner Synagoge auf dem Hofe des Grundstücks Lesfingstr. 19 sein ständiges Heim beziehen. Die Einweihung des schön ausgestatteten Bauwerkes erfolgt Sonntag den 4. September, Nachm. 6V2 Uhr. Die Vermietung der Plätze hat bereits begonnen, und sind Eintrittskarten bei dem Vorsitzenden M. Heymann zu haben. S2 Berlin, 24. August. Berlins älteste Bewohnerin ist die in der Koblankstr. 13 wohnhafte verwittwete Frau Friederike Pinkus, die in dem hohen Alter von über 103 Jahren steht. Die in dürftigen Verhältnissen bei ihrer Tochter, Frau Weiß, lebende Greisin würde am 3. Januar 1795 zu Miloslaw bei Posen geboren, wo fie sich auch vermählte, und wo ihr verstorbener Gatte Synagogendiener war. Erst vor fünf Jahren siedelte fie nach Berlin über und ist zur Zeit in Folge eines Fußbruches bettlägerig. Stettin, 16. August. Aus sanitären Gründen besteht hier seit längerer Zeit das Verbot der Einführung russischer Juden auf dem Seewege. Die Polizei hatte schon lange den hiesigen Dampfer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.