Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1898)
- Date
- 1898-08-26
- Page
- Seite 408 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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408 Da auch der Verlag für eine gediegene Ausstattung des Werkes gesorgt hat, so zweifeln wir nicht, daß unsere Glaubensgenossen, M deren Herzen die Liebe zum Lande der Väter noch lange nicht erlösen ist, fich beeilen werden, diese vortreffliche und zeitgemäße Publikation, die stch auch als Geschenk für „Alt und Jung" eignet, käuflich zu erwerben. Albert Kätz. ---- Im Berlage von S. Calvary u. Co., hier, ist soeben der dritte Band von Dr. M. Joels Predigten erschienen. Es bedarf sicher nur dieses Hinweises, um die Aufmerksamkeit auf diese höchst bedeutende Publikation zu lenken. Aber wir werden noch aus berufener Feder eine eingehende Analyse des Werkes bringen, dem in der homiletischen Litteratur sicher ein bedeutender Platz gebührt. Gerckde in diesem Band gelangt die Eigenart des berühmten Kanzelredners zu ihrem vollen Ausdruck. In seinen Sabbathpredigten — der Band enthalt nur solche — hat Joel sein Bestes gegeben, und wer fich dieser erinrMt, der wird auch in den Reden dieses Bandes die Tiefe und Fülle der Gedanken, die geistvolle Darstellung jüdischer Lehre und jüdischen Lebens wiederfinden, die den gefeierten Redner auszeichneten und seiner homiletischen Eigenart eine solche Bedeutung in der einschlägigen Litteratur sicherten. Auch dieser Band ist aus dem Joel'schen Nachlasse von den beiden Schwiegersöhnen des Breslauer Rabbiners, von den Herten Rabbiner Dr. Ziemlich in Nürnberg und Dr. Eckstein in Bambtrg herausgegeben worden - ----- Die Nr. 33 der „Mittheilungen aus dem Verein zur AbwehrOrs Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 1, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Wiener Briefe. VI. — (Im jüdisches Blatt über den Fürsten Bismarck. — Fremdenangst in Tirol. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Vermischtes. — Der Jude als Arbeiter. — Briefkasten. Kprechsaal. t icht blos in Erfüllung einer konventionellen, wenn auch moralischen __ Pflicht, sondern vielmehr dem hundertfach geäußerten Wunsche unserer armen Glaubensgenossen, welche der Raubwuth des von gewissenlosen Agitatoren und Strebern verhetzten Bauernpöbels in Westgalizien zum Opfer fielen, und die nun durch die Munificenz der „Israelitischen Allianz zu Wien" an die Wiedererrichtung ihrer Existenzen schreiten können, nehmen wir hiermit Ankaß, einer hochverehrten „Israelitischen Allianz zu Wien" den tiefempfundenen Dank zum Ausdruck zu bringen. Man muß das Elend, den Jammer und die Verzweiflung der schwer heimgesuchten, geplünderten Juden im Neu-Sandeeer und Limanower Bezirke mit angesehen haben, um die Größe und Tragweite der Hflfsaktion dieses einzigen Institutes, das den Juden stets in der Noth Heigestanden, ermessen zu können. Friedliebende, ehrenhafte Bürger, die stets ihrem ehrlichen und redlichen Erwerbe nachgegangen find, und die der Bevölkermrg, unter der ste leben, nicht den geringsten Anlaß zur Unzufriedenheit geboten haben, find binnen wenigen Tagen zu Bettlern geworden. Verhöhnt und gedemüthigt von einer rohen Horde, gaben sie nicht blos ihr Vermögen, ihr redlich und schwer erworbenes Gut, sondern auch ihr menschliches Selbstgefühl verloren und wähnten fich von Gott und Menschen verlassen. Es war daher nicht blos die Gabe selbst, sondern auch die edle, feinfühlige Art, mit der die Unterstützungen verabfolgt wurden, welche ihren Muth neu belebten und ihnen Thränen des Glückes und des Dankes erpreßten. Im Namen der Geplünderten von All-Sandee, Bialowoda, Biedre, Biegonice, Bowera, Brzozna und Brzeziny, Chelmiee, Chemzaniee, Cyganowice, Dabrowka, Dabrowa Falkswa, Golabkowice, Gwirdowka, Jafienna, Jelna, Jodornik, Jusk, Kamionka, Kleczany, Kaduk, Klohne, Kamienica, Klimkolka, Krasne, Kobylczyna, Lacko, Leg, Librantora, Lipie, Losostna dolna, Losofina gorna, Lacko, Laskawa, Milkova, Mecina, Mordarka, Marcinkoviee, Mietkov, Naseisrova, Neu-Sandee, Niskova, Olszanic, Orieczka, Paszyn, Przydfinca, Piatkora, Pisanora, Podole, Posadora, Rojovka, Rucmienova, Siedlee, Szerenyce, Sechma,. Sridnik, Stankowa, Sienna, Stadlo,Stavawies, Slvwikova, Stronce,Trzetrzevina, Trzycierz, Tropie, Ubiad, Ujanoviee, Witovice, Wola, Witoviee gorne, Witovice dolne, Zabeleze, Zbek, Zbikovice, Znamiroviee, Zalubineze Zmiaea, denen die Unterstützung der „Israelitischen Allianz zu Wien" die Möglichkeit zur Wiederbegründung ihrer Existenzen gegeben hat, sprechen wir daher der Hochverehrten „Israelitischen Allianz" den aufrichtigen Dank Aller aus. Insbesondere dem Vorstande, Herrn Wilhelm Pappenheim, der die Mühe und Opfer nicht gescheut hat, die geplünderte Gegend zu bereisen und fich persönlich von der Noth zu überzeugen, nicht minder dem Sekretär der Allianz, Herrn Dr. Friedrich S. Kraus, und dem Vertrauensmann Herrn Franz Fischer, welche in hochherziger Weise ihre Misston erfüllten und jede Gabe mit herzerhebenden Worten des Trostes begleitet haben. Neu-Sander, 15. August 1898. Aron Nebenzahl, Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde. Aron Halberstamm, Rabbiner. I. U. Dr. Carl David. M. M. Klapholz. Jacob Großland. Moses Engländer. Med. Univ. Dr. Leon Silbermann. N. Taubes, Gemeinhesekretär. * Sehr geehrte Redaktion! ls ich in Ihrem werthen Blatt den Hinweis des Herrn Dr. Rosenak- Bremen auf Gründung einer Besserungsanstalt für jüdische Mädchen las, fragte ich mich auch: „Bedarf es einer solchen?" erkannte aber sofort unter lebhafter Zustimmung, daß der geschätzte Herr stch ein großes Verdienst erworben hat, mit seinen interessanten Ausführungen die jüdische Gesammtheit aus ihrer Lethargie aufzurütteln, ihr gewissermaßen den Staar zu stechen. Die Mehrzahl unserer Glaubensgenossen giebt sich nur zu gern der Selbsttäuschung nicht allein, sondern auf Kosten anderer Konfessionen auch der Selbstüberhebung hin: „So etwas giebt es bei Juden gar nicht; so etwas findet man bei Juden gar nicht", insbesondere in Bezug auf unglückliche Ehen, gefallene Mädchen, Arbeitsscheu, fittliche Verkommenheit u. s. w. Sicher ist, daß vermöge des höheren sittlichen Standpunktes, den die Juden, ohne Ueberhebung, doch im Allgemeinen einnehmen, und da sie doch nun einmal nur einen kleinen Bruchtheil der Bevölkerung bilden, alle diese Nachtseiten des menschlichen Lebens fich in jüdischen Kreisen minder bemerkbar machen, aber sie find vorhanden, und leider bei Weiten mehr, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt. Wer mit offenen Augen und warmem Herzen um sich blickt, namentlich in großen Städten, der hat gewiß oft das Dichterwort: „Der Menschheit ganzer Jammer saßt mich an" nicht nur empfunden, sondern greifbar verkörpert gesehen. Es hieße ein Stück sozialen Elends aufrollen, wollte ich nur die mich oft schmerzlich berührenden, tief erschütternden Eindrücke schildern, die sich mir bei meinen Rundgängen als Armenpflegerin oft genug boten! Der träge, arbeitsscheue jüdische Familienvater, die träge, arbeitsscheue Gattin und Mutter, die leichtfertige, gefallene Tochter, ste find leider vorhanden; es ist oft naturgemäße Vererbungdaß die Kinder, die ohne geregelte Erziehung heranwachsen, schon frühzeitig dem Laster entgegenreisen. Und hier heißt es „Abhilfe, Vorbeugen thut Noth, und schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe!" Eine Besserungsanstalt für jüdische Mädchen ist eine Lücke in unseren Wohlfahrtseinrichtungen, welche auszufüllen jüdischen Frauen von Gemüth und Verstand nicht genug ans Herz gelegt werden kann. Möge ein Theil der großen Wohlthätigkeit, die fich mehr denn je in jüdischen gebildeten und begüterten Frauenkreisen regt, den jungen Mädchen zu gute kommen, die des Glückes eines wohlgeordneten Elternhauses, einer geregelten Erziehung entbehren; ihnen die Hand bietenden Weg ebnen, aus verwahrlosten, arbeitsscheuen Geschöpfen nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft heranzubilden, heißt ein Werk der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit thun! Breslau, 8. Juli. Regina Neisser. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.