Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1898)
- Date
- 1898-08-26
- Page
- Seite 406 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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•406 bewaffneten Reitern, denn der Zug sollte beginnen nach dem herrlichen Zion, an den Hof des weisen Salomo. Es war ein glänzendes, belebtes, prachtvolles Bild, dieser Aufbruch der Königin der Wüste! Mit gesenkten Hälsen standen die unförmlichen Kameele da, und schöne, trotzige Gestalten der Sabäer hielten die glänzenden Zügel. Auf den Rücken der Kameele waren aber geladen die herrlichen Waaren Arabiens, Goldsand und schimmerndes Elfenbein, duftender Weihrauch, herrliches Silber aus dem Lande Ophir und Taprobane und köstliche farbige Hölzer aus den Bergen der Aethiopier. Und flinke, buntgekleidete Reiter saßen auf schlanken, schnaubenden Rossen, und der heiße Strahl der Sonne funkelte blendend auf den mächtigen Lanzen. Inmitten des Zuges stand ein Kameel, dessen Ladung aus einem breiten, bunten Zelte bestand. Farbige Teppiche waren über den Rücken dieses Kameeles gebreitet und Helle Glöckchen klingelten aus den Ohren des Thieres. Schon länger als eine Stunde wartete der Zug auf das Erscheinen Jvas. Endlich trat sie von zwei Dienerinnen begleitet heraus. Dichte Schleier hinderten jede Betrachtung. Aber die Kinder der Wüste riefen ihrer jugendlichen Fürstin Gruß und Heil der Götter zu. Gehorsam legte sich das Kameel auf die Knie, und Iva bestieg sammt ihrer Dienerin den Rücken des Thieres, wo das breite Zelt vor den stechenden Sonnenstrahlen sie schützte, und farbige Kiffen statt der Sättel befestigt waren. Kaum war die Fürstin hinter dem Zelte verschwunden, als eine Abtheilung der Reiter mit hellem Geschrei über die Reihe der Kameele hinausjagte und also den Aufbruch eröffnete. Hierauf folgte der lange Zug der Kameele, denen wieder schützende Reiter zur Seite blieben. Den Beschluß machte der Rest der Reiter, welche langsam dem Haufen nachtrabten. In dieser Ordnung verließ der Zug Ezjon-Geber und wandte sich gegen Norden. Ehe aber die letzten Kameele die Umgebung der Stadt verlassen hatten, mischte sich ein dürrer, blos mit einem Dolch bewaffneter Mann von dunkler Gesichtsfarbe unter die Treiber der Kameele, mit denen er eifrig zu sprechen begann. Es erregte keinen Verdacht, daß ein einzelner Pilger sich der großen, schützenden Karawane anschloß, denn die Pfade an den Bergen Selr und durch die Länder Amalek und Moab waren nicht sicher zu betreten. Der Ankömmling wandte sich unterwegs noch einige Mal um, wie um die verschwindende Küstenstadt zu betrachten. Seltsam stachen dabei die weißen, glänzenden Augäpfel. ab von der mohrenartigen Gesichtsfarbe des Pilgers. So zog Iva ab von Ezjon-Geber, an den Bergen Se'ir vorüber, gegen Norden. Und bei dem Anblick dieses großen, glänzenden Zuges fragte wohl Mancher mit Erstaunen: „Wer ist, die da heraufgeht aus der Wüste wie Rauchsäulen, die da beräuchert ist mit Weihrauch und Myrrhen?" Und die Kunde breitete sich aus durch das ganze Morgenland, daß die Königin von Saba gen Jerusalem ziehe. (Forts, folgt.) Seringsdorfer Plauderer. Von Max Cohn. s war ein regnerisch-mürrischer Montag (kein blauer, so sehr ich ihn wünschte), als ich mich vom Stettiner Bahnhof in Berlin nach Heringsdorf begab. Meine Leidensgenossen im Wagen waren mit mir in der denkbar ungünstigsten Stimmung und wetterten auf Falb ganz tüchtig, der mit Jupiter Pluvius ein Bündniß geschloffen, um uns die goldene Badezeit gründlich zu verderben. Zum Hohn auf alle angekündigte Wetterunbill des Juli war der Badezug mit Menschenmaffen überfüllt, die auf einige Zeit an die erfrischende See eilten, um in den Fluthen Gesundung und Bergeffen von allen möglichen physischen und psychischen Leiden zu finden. Hunderte von Augen richteten sich zum nebelgrauen Himmel empor, daß er doch endlich ein Einsehen zeigen möchte, und manch gluthäugiges Mägdlein schien beten zu wollen: „O, laß den Himmel wieder blau werden, mir thut das Herz zum Sterben weh!" Jndeffen peitschte der Regen unermüdlich an unsere-Fenster und verdarb uns auch die Aussicht auf die Gegenden, die der Zug durchsauste. Du lieber Gott, es wäre auch bei schönstem Wetter vielleicht nicht viel auf märkischem Boden zu bewundern gewesen. Dort, wo die stolze Eisenbahnbrücke das Festland mit Usedom verbindet, verließ uns eine größere Menge, um den Rest der Reise per Dampfer zu machen, und wir waren endlich froh, als wir in Heringsdorf anlangten. Links vom Bahnhof dehnt sich ein großer, stolzer Wald aus, und seine Bäume vergoffen Thränen der Freude oder der Wehmuth und grüßten herüber, als wollten sie rufen: „Komm' her zu mir, Geselle, hier findest Du Deine Ruh!" Ich hütete mich indessen, dieser feuchtkühlen Begrüßung zu entsprechen, sondern zog es vor, ein schützendes Obdach zu erspähen, wobei ich allerdings noch Zeit genug fand, einen Blick auf das Aeußere Heringsdorfs zu werfen, und ich muß gestehen, daß das freundliche Billendorf mit seinen schönen Straßen und Gärten, trotz des trüben Tages, mir ausnehmend gut gefiel. Daß zum Schaden naturgemäß der Spott gehört, das erlebte ich beim Eintritt in das große jüdische Pensionat von Cassel, welches mir daheim empfohlen wurde, denn dort saßen richtig frierende, wenn auch nicht frostige Damen, Karten spielende Herren und sahen mich so mitleidig an, als wollten sie mir aufrichtig ihr Beileid zu meiner Reise aussprechen. Hin und wieder hörte man die kategorische Drohung an den Himmel, chald abzureisen, — und was soll dann aus Heringsdorf werden? — Gegenüber solchen bedrohlichen Aeußerungen wurde selbst der alte Vater Pluvius milde gestimmt und zog sich in seine innersten Gemächer zurück, um endlich Frau Sonne die Herrschaft abzutreten. Und da blaute wirklich der schönste Himmel auf uns nieder und sah hinab auf die lachende, wogende Menge, die sich im Festesschmuck nach dem Strand begab. So lag es denn wieder vor mir, das alte, liebe, bekannte Meer, so majestätisch ruhig, nur leise die Wellen kräuselnd, während stolze Dampfer und leichte Boote sanft dahinglitten. Welch munteres Treiben herrschte im Dünensande! Wie herzig spielten die barfüßigen Kleinen und buddelten phantasievoll im Sand, wie lebhaft unterhielten sich hier Männlein und Weiblein und ließen sich „lebendig begraben", wie süß träumte dort eine stille Gruppe! Das bunte, wechselnde Strandbild zieht an unserem Auge wie ein Mosaikbild im Kaleidoskop vorüber. Drüben auf der langen „Kaiser Wilhelm-Brücke" wandeln andere Gruppen, und vom neuen Straudkasino tönt soeben der Brautchor aus Lohengrin zu uns herüber, als wollte er alle Die aufrütteln, die daheim freudlos einem fernen Glück entgegenträumen. — Mit seinem Straudkasino hat Heringsdorf ins Schwarze getroffen. Noch höre ich jene süße Frauenstimme im Musikzimmer, noch sehe ich jene chiken und lustigen Wienerinnen, die so vorzüglich ä quatre mains Beethovensche Symphonien spielten. Wo soll man in dem schönen Pavillon am liebsten weilen? Im luxuriösen Konversationszimmer, in der stillen Lesehalle oder im nassen Dreieck? Als Miniatur-Pendant zu letzterem muß ich aber die beiden Aschinger-Buffets erwähnen, wo man für 10 Pf. in Heringsdorf Bier erhält; ist das nicht rühmenswerth? Wohin eilt