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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-26 · Heft 34 (26.8.1898) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
Seite 404 (sequence 8)
Language
German
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-- 404 - Zacharias Frankei in Berlin. Bon Dr. S. Bernfeld. VI. Tuhr nahm die Sache energisch in die Hand, und die Unler- L Handlungen kamen in Fluß. Anfang November 1841 wurde Frankel aufgefordert, offiziell seine Bedingungen zu stellen. Frankel that dies und schrieb gleichzeitig (am 8. November) an Muhr: „Geehrter Herr und Freund! Schon liegen mir zwei Ihrer Briefe vor, aber ich komme erst heute zu ihrer Beantwortung, weil heute erst das Schreiben der Aeltesten anlangte, und ich eher, wie Sie selbst wissen, nichts erwiedern konnte. Wie mich Ihr jedesmaliger Brief freut, vermag ich nicht auszudrücken; er zeigt sich stets als der Ausdruck einer begeisterten Freundschaft und wird auch so von mir ausgenommen, er erwärmt und durchglüht mein Inneres für Sie. Was aber die bewußte Angelegenheit betrifft, bleibe ich, mein geehrter Freund, noch immer bei meiner ersten Behauptung stehen, daß ich nur großer Unruhe entgegengehe, wofür vielleicht mir nicht einmal Ersatz werden wird. Sie sind so eifrig, und wir scheinen wirklich die Rollen getauscht zu haben. Sie sprechen mit dem Feuer und der Lebhaftigkeit der Jugend und wünschten diese Angelegenheit beschleunigt und erledigt, sehen über Hindernisse und Folgen hinweg. Ich aber kann nun bei diesem für meine ganze Zukunft entscheidenden Schritt nicht so schnell zu Werke gehen. Ich muß mir über vieles Gewißheit verschaffen, da ich jetzt noch ehrenvoll zurücktreten kann, so ich mir nicht sichere Bürgschaften für das Kommende verschafft habe. Aber was soll geschehen, wenn einmal das Jawort gegeben ist, wenn ich iy Berlin angelangt, mich einem Kampfe, dem ich nicht gewachsen bin, ausgesetzt sehe? Sie erkennen daher, mein Freund, daß ich von den wesentlichen der hier mitgetheilten Punkte nicht abgehen kann und sogar Gewißheit darüber haben muß. Können sie mir nicht konzedirt werden, so rufe ich Gott zum Zeugen an, daß ich sehr gern zurücktrete und mich freue, in meinem stillen, gemüthlichen Dresden, das ich nur wie auf höheren Befehl, fast wider meinen Willen verlasse, wieder bleiben zu können. Sie werden dieser Tage ein Exemplar meines nun erschienenen Werkes sDie Eidesleistung der Juden) als ein Zeichen meiner wahren Achtung erhalten. Dem Minister Eichhorn kann ich noch keines überschicken. da dieses gleichsam einer Bitte oder Einschmeichelung zu meiner künftigen Anstellung, welches DH tgar undenkbar ift]. — Nur wenn die Angelegenheit zu Ende gediehen ist, werde ich dem Minister schriftlich ein Exemplar übersenden. Ich werde Ende dieser Woche oder Anfang der nächsten an die Herren Aeltesten schreiben. Sie, mein inniger Freund, sind mir stets theuer und unvergeßlich, wie sich auch die Umstände gestalten." „Dresden, den 28. November 1841. Geehrter Herr und Freund! Ich habe Ihr liebes inniges Schreiben Freitag erhalten, kann es aber erst heute beantworten, da erst heute der Brief vom Vorstand einging. Ich gestehe Ihnen ganz offen, daß dieser Brief des Vorstandes mich sehr gefreut hat; solche Mittheilungen sind ganz dazu gemacht, Vertrauen zu erwecken und eine Annäherung zu Stande zu bringen, die im Interesse des Ganzen erwünscht sein muß und durch die, s. G. w., manches Gedeihliche ausgeführt werden wird. Sie werden sich vielleicht gewundert haben, warum ich in meinen zwei letzten Briefen an Sie fremd that und die Vollendung der Angelegenheit als noch sehr fern liegend ansah. Aber ich darf es Ihnen sagen — und bitte Sie recht sehr pAK 'IT sbehalten Sie die Sache für sich) — daß ein Ausdruck in dem vorigen Schreiben des Vorstandes mich sehr chokirt hat. Es heißt nämlich daselbst: „da der Staat nicht durch Verordnung die Wirksamkeit des Rabbiners umgrenzt hat, so muß man auf das Historische u. s. w. zurückgehen". Mir war dieses „Umgrenzen" des Staates sehr befremdend; er mag einen Bischof Droste, Dunin *), Hengstenberg2), die sich Eingriffe in die *) Gemeint sind die Erzbischöfe Droste-Vischering und Dunin, die die bekannten Mischehewirren in den letzten Regierungsjahren Friedrich Wilhelms III. heraufbeschworen. 2) Der bekannte Vertreter der lutherischen Orthodoxie, der namentlich seit der Thronbesteigung Friedrich WilhelmsIV. auch im politischen Leben einflußreich war. Verhältnisse des Staates erlauben, umgrenzen. Wozu aber eine» Rabbiner? und wozu soll überhaupt einer Gemeinde ein Umgrenzen erwünscht scheinen? Welches Vertrauen wird ferner durch solche Erwähnung an den Tag gelegt? — Ich war darüber sehr betreten, und daher erfolgte mein Verlangen in meinem letzten Schreiben, daß ich mich als oberste Autorität anerkannt wissen will. Wie ich aber mein Ansehen nie mißbrauchen werde, können Sie, geehrter Freund, der Sie mich ganz durchschaut und meine Entwürfe alle erforscht haben, am besten ermessen. Ich habe für jetzt nichts an Ihren geehrten Vorstand zu schreiben, da wir nun über den vorzüglichsten Punkt einig sind. Ich werde also das Resultat der Wahl abwarten, von dem, wie ich hoffe, der Vorstand mich offiziell in Kenntniß setzen will. Ich drücke Ihnen hierbei nochmals meine vollständige Zufriedenheit mit diesem letzten Borstandsschreiben aus und bitte Sie recht sehr, obigen Punkt gegen Niemand zu berühren. . . Und nun, theurer Freund, habe ich noch manchen Punkt mit Ihnen zu besprechen. Die Wahl wird vor sich gehen, und fällt sie auf mich, so gehe ich, s. G. w., nach Berlin. Aber — Sie werden sagen, bei jedem Rabbiner muß der Pferdefuß durchblicken, und doch ist es nöthig, hier davon zu sprechen — noch ist wegen des Gehaltes nichts bestimmt. Ich machte keine Erwähnung davon gegen den Vorstand und dieser auch nicht gegen mich. Sollen wir handeln, wenn die Wahl vollendet ist? Dies wäre von beiden Seiten unpassend. Ich überlasse daher alles Ihnen, Sie können dies nach Gutdünken erledigen, nur erlaube ich mir. Ihnen in Erinnerung zu rufen, daß ich durchaus alle Rosch-Haschono- und Purim-Sporteln zurückweise. Als Berliner Oberrabbiner muß ich eine Stellung einnehmen, daß ich mir nicht einen Thaler zu in die Hand drücken lasse. Ich entsage auch den Einkünften des *)/ welches, wie Sie selbst erkennen, für mich nicht anständig wäre. Dafür aber soll mein Gehalt auf 2600 Thaler jährlich nebst anständigem Quartier — die Gemeindewohnung nehme ich nicht an, wie Sie mich selbst aufmerksam machten — festgestellt sein. Ein anderer wichtiger Punkt ist folgender: Können Sie, geehrter Freund, ajl /D’WKl D’pbx W F -M'-Q 'D28 DPI "ten ■'SPl1 fl» Sie so hoch angesehen, bei Gott und Menschen Wohlgefallen finden und auch unter des Königs Räthen Freunde zählen) es nicht veranlassen, daß sich auch die Regierung bei obiger Angelegenheit durch Berufung betheilige? Sie muß zwar ihre Genehmigung geben; allein es wäre doch etwas mehr als dieses zu wünschen. Und geht auch eine förmliche Berufung, da Preußen die jüdische Konfession nur als geduldet ansteht, nicht an, so wäre doch wünschenswerth und für meine künftige Stellung von großem Einfluß, wenn die Regierung mit meiner Anstellung in Berlin in unmittelbare Berührung käme. Erachten Sie es für nöthig, so will ich ein Exemplar meines Werkes an den Minister Eichhorn schicken. Nur stelle ich Ihrem Bedenken anheim, ob solches nicht den Schein einer Zudringlichkeit haben dürfte. Sie haben wohl, geehrter Freund, mein Vorwort gelesen; Sie sehen, wie ich wieder muthig in die Schranken trat. Und so will ich es immer! Keine Heuchelei oder Kriecherei, weder gegen Oben noch gegen die Mitwelt. Der Jude hat sein Recht zu verlangen; die pietistische, fanatische und intolerante Partei ist im Unrecht, mag ihr Motiv aus erheuchelter Frömmigkeit oder aus christlich-germanischem Prinzip oder aus falsch geleiteter Erziehung hervorgehen. Gegen Alle wollen wir stets unser Recht geltend machen. Kim ,K*|p| ombxb LSVKN "2 fcOXV ldas Recht ist bei Gott, und er wird uns zu unserem Rechte verhelfen). Ich will, s. G. w, den zweiten Theil fertig machen, ehe ich nach Berlin gehe, da ich dort wenigstens in der ersten Zeit mich ganz der Gemeinde widmen will. Ich habe daher diesen Winter sehr viel zu thun; doch ist mir jetzt die Arbeit leichter, da ich doch wenigstens schon einen Theil herausgegeben und die Welt überzeugt habe, daß es nicht leere Worte waren, als ich oft sagte, daß ich mit einer ernsten Arbeit beschäftigt bin." (Forts, folgt.) J) Die üblichen Geschenke an Rabbiner, Kantoren und Synagogendiener bei Gelegenheit einer jüdischen Hochzeit.

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