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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-26 · Heft 34 (26.8.1898) · p. Seite 401

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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401 in der nächstjährigen Versammlung zur Berathung gestellt werden sollen. — Heilbrunn-Gehaus bringt seinen gestrigen Antrag, betreffend Beschaffung eines Präparationsbuches für die Hand des jüdischen Lehrers, wieder ein. Nach längerer Debatte wird beschlossen, den Delegirten zu beauftragen, den Antrag dem Berbandsvorstand zu unterbreiten, event. ihn auf dem nächsten Delegirtentag zur Sprache zu bringen. Der Delegirte' Steinhardt-Magdeburg sagt solches zu, behält fich jedoch eine Erweiterung des Antrages vor. Der Vorsitzende giebt sodann einen kurzen Ueberblick über den Gang der Verhandlungen der Konferenz, welche er zu seiner Freude als die interessanteste des Vereins glaube bezeichnen zu können, und fordert die Kollegen auf, auch fernerhin für den Verein und somit für das Wohl der jüdischen Lehrerschaft und der jüdischen Schule zu wirken und zu streben Nachdem er noch der Gemeinde Eisenach für die gastfreundliche Aufnahme im Namen der Versammlung den herzlichsten Dank ausgesprochen, erfolgt mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser sowie auf Se. königliche Hoheit den Großherzog von Sachsen-Weimar der Schluß der Versammlung. Steinhardt - Magdeburg, Sommerfeld- Chemnitz, Vorsitzender. Schriftführer. Cäcilie Adler. Bon Regina Neisser. affet uns nicht nur die Hügel der Todten, sondern die Häupter der Lebenden mit Ruhmeskränzen schmücken." Frau Cäcilie Adler, eine der edelsten Frauen Wiens, welche in den weitesten Kreisen der stolzen Kaiserstadt an der schönen blauen Donau die aufrichtigste Bekehrung genießt, beging am 3. August in Karlsbad unter der lebhaftesten Antheilnahme eines auserlesenen Freundeskreises von Nah und Fern ihren 70. Geburtstag. Frau Adler widmet seit Jahrzehnten ihre Zeit und ihre Kraft unablässig und uneigennützig dem Wohle der Armen und Nothleidenden, insbesondere hat sie ihre unermüdliche Arbeits- und Thatkraft in den Dienst des israelitischen Blindeninstituts auf der hohen Warte bei Wien, dessen Kuratorium sie schon mehr als fünfzehn Jahre angehört, gestellt, nicht minder hat sie hervorragenden Antheil an der Gründung der Wiener Volksküchen, die nach dem Vorbilde der Berliner Volksküchen, welche eine Schöpfung von Frau Lina Morgenstern, der bekannten Vorkämpferin der deutschen Frauenbewegung, Schwester von Frau Adler, ins Leben gerufen wurden. Frau Adler ist in Breslau als das älteste Glied des nach dem Vorbild und Beispiel der edlen Mutter, Frau Fanny Bauer, im Dienste der Nächstenliebe wirkenden Schwesternkleeblattes, Frau Lina Morgenstern, Frau Dr. Asch und Frau Dr. Honigmann, geboren und bethätigt mit ihren Schwestern das große Wort von dem Erbe der Väter, das man erwerben muß, um es zu besitzen, gleich jenem anderen großen Wort des unsterblichen Dichterfürsten: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut". Frau Adler reichte in noch sehr jugendlichem Alter ihre Hand ihrem Oheim zum Lebensbunde und verlebte ihre ersten Ehejahre in Krakau. Nach Wien übergesiedelt, nahm sie bald eine hervorragende Stellung in der österreichischen Metropole ein. Ihr verdankt das Blindeninstitut die Einführung der „Blinden- Sparkörbchen", welche, ihre ureigenste Idee, einen glänzenden Erfolg und eine große Verbreitung erlangt haben und viele andere Wohlthätigkeitsvereine veranlaßten, ähnliche Sammelbüchsen für ihre Zwecke einzuführen. Die Idee, glücklich sehende Kinder zum Sparen für die armen bedauernswerthen Geschöpfe, denen es nicht vergönnt ist, sich sehend der Wunder der Schöpfungsttelt zu erfreuen, zu veranlassen, entsprang diesem hochherzigen Frauengemüth, und ihr ist auch die energische, praktische Durchführung und treffliche Organisation des großen, über Oesterreich nicht nur, sondern über viele Orte Deutschlands und Frankreichs verbreiteten guten Werkes zu danken. Die Vorsehung hat der edlen Frau Mutterfreuden versagt, aber mit wahrhaft mütterlicher Liebe umfaßt sie neben ihren zahlreichen Neffen und Nichten jeden einzelnen Zögling des Blindeninstituts, sucht ihnen nach ihrer Entlastung die Wege zu ebnen, ihr Fortkommen zu fördern und bewahrt ihnen fortdauernd ihr wärmstes Interesse. Aber auch zahllosen Armen gehört ihre Fürsorge; viele Herzen sind ihr in Dankbarkeit ergeben, ist sie doch stets bemüht, Armen zur Gründung einer Existenz behilflich zu sein, ihnen stützend und rathend zur Seite zu stehen. Ihr hoher Kunstsinn, ihre herzlichen langjährigen Verbindungen mit der Wiener Aristokratie haben sie ganz besonders befähigt, Strebende thätkräftig zu fördern; so verdankt manch junges Talent ihrer Fürsprache und Mithilfe seine richtige Ausbildung, u. A. Paula Szalit, der junge Wolfberg u. A. m. Frau Adler hat sich bis ins Greifenalter mit der anmuthsvollen Freundlichkeit, dem liebreichen Gemüthe, dem jugendlich-empfänglichen Sinn für alles Gute, Hohe und Schöne, der rastlosen Arbeitslust und Arbeitskraft — sie steht mit den hervorragendsten Blindenlehrern unserer Zeit in Korrespondenz — eine wunderbare Frische des Geistes und Körpers bewahrt. Wer je des Glückes und der Ehre theilhaftig geworden, der verehrungswürdigen Frau näher zu treten, der hat den Eindruck einer wahrhaft schönen, edlen Frauennatur empfangen, die sich durch eine rührende Bescheidenheit auszeichnet. Das Kuratorium des Blindeninstituts hat die verehrte Jubilarin durch eine künstlerisch ausgeführte Adreffe, welche ihre Verdienste um die Anstalt in anerkennendster Weise feiert, erfreut. Möge die hochsinnige Frau sich eines freundlichen Lebensabends erfreuen und in voller harmonischer Frische von Körper und Geist noch lange segensreich im Dienste edelster Menschenliebe wirken dürfen! Nie Juden am Fuße des Kapitols". Von Dr. Heinrich Groß. frei Höhen werden in der Geschichte des Alterthums oft genannt: die Akropolis in Athen, das Kapitol in Rom und der Zion in Jerusalem. Alle drei waren die Mittelpunkte der an sie angebauten Städte, von denen die wesentlichen Anregungen zur höheren Gesittung der Menschheit ausgegangen sind. Die Akropolis, auf steilem, 150 Fuß hohem Felsen, mit herrlichen Tempeln und Götterstatuen, den Werken der größten Meister geschmückt, war das Wahrzeichen der vollendeten antiken Kunst, welche ebenso wie die Wissenschaft des Alterthums den Griechen ihre höchste Ausbildung verdankte. Das Kapitol, einer der sieben Hügel, auf denen Rom erbaut war, von zahlreichen Tempeln umgeben, in denen die heimgekehrten Sieger den Göttern Dankopfer dargebracht haben, mit dem angrenzenden korum romanum, auf dem das souveräne Volk in der Zeit seiner vollen Freiheit sich über seine Staatsangelegenheiten berathen hat, war das Sinnbild der römischen Macht, vor der sich die halbe Welt Jahrhunderte lang gebeugt hat. Der Zion, ein i) Ueber diesen Gegenstand sind in neuerer Zeit drei vortreffliche Werke erschienen, denen ich einige Daten entlehnt habe. a) Geschichte der Juden in Rom von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart von Dr. A. Berliner. Frankfurt a. M. 1893. b) Geschichte der Juden in Rom von Dr. Hermann Vogelstein und Dr. Paul Rieger. Berlin 1896. ■ c) Textes d’auteurs grecs et romains relatifs au judaisme, reunis, traduits et annotes par Theodore Reinach. Paris 1895.

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