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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-26 · Heft 34 (26.8.1898) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
Seite 400 (sequence 4)
Language
German
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400 und 3. die Art und Weise, wie er sich den von Laban ausbedungenm Lohn verschafft habe. Die Urtheile aus nichtjüdischen Kreisen gehen fast ausnahmslos dahin, daß Jakob durch List und Betrug Bortheile zu gewinnen suchte, und Biele stempeln ihn direkt zum Betrügers welchem Urtheil sich leider auch Viele aus unserer eigenen Mitte anschließen. An der Hand der Bibel giebt Redner ein objektives Bild jener dem Jakob zum Borwurf gemachten Handlungen. Bei dem Kauf der Erst? gebürt könne von einer Uebervortheilung Esaus nicht die Rede sein, da es sich hier um ein ideales Gut gehandelt habe. Nirgends sei gesagt, daß damals schon die Erstgeburt zum doppelten Antheil an dem väterlichen Erbe berechtigte; dagegen gehe aus dem Wortlaut der Erzählung unzweifelhaft hervor, daß Efau in wilder Hast und Gier nach Genuß jenes ideale Gut vollständig verachtet und von sich geworfen habe. Bei der Erlangung des väterlichen Segens sei Jakob nicht von jeder Schuld freizusprechep, wenn auch der größere Theil der Schuld nicht ihn, sondern Rebekka träfe; doch habe Jakob diese That durch die Entfernung aus dem Vaterhause schwer büßen müssen. Redner weist auf die interessante Thatsache hin, daß Isaak den abrahamitischen Segen von vornherein dem Jakob zugedacht haben müsse, da er ihm in seiner Verkleidung als Esau nur einen materiellen Segen gegeben, der sich übrigens nie an Jakob erfüllt habe. Bezüglich der Art und Weise, wie sich Jakob den von Laban ausbedungenen Lohn verschafft habe, weist Redner klar und deutlich in längerer Ausführung aus der Bibel nach, daß es sich hier ebenfalls nicht um einen Betrug handle; höchstens müsse man es als unberechtigte Selbsthilfe bezeichnen. Wenn wir uns streng an den Wortlaut der Bibel halten, ohne etwas hinzudeuten und hineinzulegen, so finden wir, daß Jakob wohl, wie alle Menschen, nicht erhaben war über jeden Fehl, nicht frei von Schuld, daß er aber auch kein Betrüger gewesen. Jakob ist der schlichte Mann — Jfch Tam — geblieben, als den die Bibel ihn als Jüngling schon bezeichnet hatte. Er hatte sich in Kämpfen mit feindlichen Mächten und mit sich selbst emporgeschwungen zu einem Mann, der vollauf würdig war, den erhabenen Beruf Abrahams auf sich zu nehmen und auf seine Nachkommen zu verpflanzen. Sein nächtliches Ringen, das ihm den Ehrennamen Israel eintrug, war ein Bild seines Lebens, an dem wir die leuchtende Aufschrift lesen: „Durch Kampf zum Sieg". Dieser Sieg aber war ein Sieg des Rechtes über die Macht. Der Borsttzende dankt dem Redner und hebt, vom reichen Beifall der Versammlung begleitet, hervor, daß der Vortrag vor allem ein echt pädagogischer gewesen. Mühlfelder-Hildburghausen regt an, aus Grund des Vortrages eine Probelektion über Jakob auszuarbeiten und dieselbe in einer der erscheinenden pädagogischen Zeitschriften zu vvi* öffentlichen. Kollege Heilbrunn ist der Meinung, daß der jüdische Lehrer berufen sei, durch geeignete Veröffentlichungen gewisse Vorurtheile zu klären. Baumgart-Lengsfeld mißt derartigen Veröffentlichungen keinen großen Werth bei und spricht sich dagegen aus. An der weiteren Debatte, welche sich sehr anregend gestaltet, betheiligen sich noch die Herren Dr. Salzberger, Samuel-Bleicherode, Dr. Spanier, Ellgutter, Oppenheim-Koburg, Röthler und der Referent. Ein besonderer Beschluß wird nicht gefaßt, und mit nochmaligen Dankesworten an den Herrn Vortragenden schließt der Vorsitzende die Debatte. Derselbe berichtet sodann in vertraulicher Weise über die Thätigkeit des Vorstandes des Verbandes der Lehrervereine im verflossenen Jahre. Die Versammlung nimmt freudigst Kenntniß von den Bestrebungen für die soziale und materielle Besserstellung des jüdischen Lehrerstandes. Zum Delegirten wird wiederum Steinhardt-Magdeburg gewählt, und beschließt der Verein ferner mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Verbandskasse, die Kosten seines Delegirten an dem um Weihnachten stattfindenden Delegirtentage selbst zu tragen. Der Gemeindeb und hat die Unterstützung der Lehrer an dem „Statistischen Jahrbuch" angeregt; die anwesenden Kollegen erklären sich sämmtlich dazu bereit, ersuchen jedoch, daß zu diesem Zwecke ihnen seitens des Gemeindebundes fernerhin die Fragebogen zugesandt werden. Ein Antrag des Kollegen Dr. Spanier betreffs anderweitiger Gestaltung des Vorstandes des Verbandes der jüdischen Lehrervereine soll demselben zur Kenntnißnahme und Berücksichtigung unterbreitet werden. Kollege Heilbrunn stellte den Antrag: „Der Berbandsvorstand wolle der Frage naher treten, eines der vorhandenen Lehrbücher über Behandlung der biblischen Geschichte für die jüdische Schule bezw. als Präparationsbuch für die Hand des jüdischen Lehrers zu bearbeiten." Mit Rücksicht auf den noch stattzustndenden Bortrag des Kollegen Mühlfelder wird die Beschlußfassung über diesen Antrag bis zum nächsten Tage ausgesetzt. Einer Anregung des Vorsitzenden betreffend besserer Organisation des Vereins stimmt die Versammlung zu; das Weitere in dieser Angelegenheit wird dem Vorstände bezw. dem Delegirten überlassen. Es folgen noch verschiedene Besprechungen; dabei mahnt Sommerfeld- Chemnitz die Kollegen zur Vorsicht in der Unterstützung und besonders Weiterempfehlung zugereister jüdischer Bettler. Hiermit ist die Tagesordnung erledigt. Abends vereinigten sich die Vereinsmitglieder, um einer Einladung der Gemeinde Eisenach zu einem gemeinschaftlichen Abendbrod Folge zu geben. Seitens des Gemeindevorstandes nahmen daran die Herren Kuh, Weinstein, Stiebe! und Steinberger Theil. Das Zusammensein, welches bis nach Mitternacht währte, gestaltete fich zu einer wahrhaft kollegialen Festlichkeit. Das herrliche Mahl wurde gewürzt durch eine Reihe ernster und heiterer Trinksprüche; es toastete Herr Dr. Salzer auf die Gemeinde Eisenach, Steinhardt-Magdeburg auf den deutschisraelitischen Gemeindebund, Samuel-Bleicherode auf den Vorsitzenden, Oppenheim-Koburg auf die Jugend u. s. w. Die herrschende frohe Stimmung erhöhte sich durch ein Gesangsquartett (Herr und Frau Lehrer Meyer, Frl. Goldschmidt und Herr Stiebel), welches in musterhafter Weise mehrere gesangliche Vorträge ausführte, die allgemeinen Beifall hervorriefen. II. Sitzungstag. Kollege Emanuel-Themar hält eine Lehrprobe in der Mittelstufe über das Thema „Die Berufung Abrahams", welcher die Versammlung mit großem Interesse folgt. Im Anschluß daran ergreift Kollege Mühlfelder das Wort zu seinem Bortrage: „Die Methodik des biblischen Geschichtsunterrichts". Die biblische Geschichte ist, so führte Redner aus, wenn auch nicht ausschließlich, so doch vorzüglich die Grundlage auch im jüdischen Religionsunterricht. Der systematische Unterricht tritt später, nicht vor dem 5. Schuljahre auf, wenn er nicht gar in das Konfirmandenjahr verlegt wird. Begründung: Das erziehende Moment ist die Hauptaufgabe alles Unterrichts; nicht durch theologische und philosophische Erwägungen und Abstraktionen kann ein religiös-stttlicher Charakter gebildet werden. Die Geschichte dagegen entspricht den Anforderungen der Anschaulichkeit; sie bietet zwar kein System, aber sie erweckt Leben. Die Anwendung der formalen Stufen (Herbart) ist zu empfehlen. Ein Lehrbuch für die Hand des Lehrers, nach dem Muster der Präparationen von Staude u. Lentz, ist zu schaffen; jüdische Bibelexegese und haggadische Stoffe wie Midraschim find dabei zu verwenden. Die Lernbücher für die Hand der Schüler sollen die Geschichte in einer dem Kindesalter entsprechenden Sprache enthalten; durch Zwischenbemerkungen ist der Gang der Geschichte nicht zu unterbrechen, nur Kernsprüche, nicht aber Lehren, find den einzelnen Geschichten hinzuzufügen. Vertheilung des Stoffes: Die Unterabtheilung lernt ausgewählte Geschichten in sehr beschränkter Zahl. In der Mittelklasse (5. und 6. Schuljahr) und in der Oberklasse (7. und 8. Schuljahr) ist in je zweijährigem Kursus die ganze biblische Geschichte in ausführlicher Weise durchzunehmen. Bei der Mittelklasse wird mehr der Wissensstoff, bei der Oberklafse dagegen mehr der Lehrinhalt berücksichtigt. Die verschiedenen Operationen, und zwar: Ziel, Vorbereitung, Darbietung, Besprechung oder Vertiefung (sachliche und religiös-sittliche Klarlegung), Wiedergabe, Verknüpfung und Anwendung bespricht Redner an einem Beispiel: Davids Sünde und Reue. Die erwähnte Geschichte wird in drei Abschnitte zerlegt: Davids Uebelthat, Nathans Strafpredigt und Davids Reue. Das Hineinziehen des Gebeibuchinhalts bei passender Gelegenheit ist nicht zu unterlassen; der Hinweis auf die entsprechenden Gebete und die Anwendung geeigneter Bibelsprüche (Kernspruch) ist geboten. Langanhaltenden, lauten Beifall spendete die Versammlung dem Referenten und bewährten Lehrer für seinen wissenschaftlichen, lehrreichen Bortrag. Ueber diesen sowie über die vorangegangene Lehrprobe entspinnt sich nun eine lange Debatte, an welcher sich fast alle Bereinsmitglieder bet heiligen. Der Borfitzende ersucht den Referenten schließlich um Aufstellung von entsprechenden Thesen, welche

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