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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-26 · Heft 34 (26.8.1898) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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-- 399 - wurden, als nationales Gedenkftst zu feiern. Und nur unter der gegenwärtigen Raffen- und Religionshetze war es möglich, daß ein hervorragender Publizist allen Ernstes die Frage zur Diskussion stellen konnte, ob es nicht an der Zeit wäre, in der Kammer einen Antrag einzubringen, daß die Protestanten von allen öffentlichen Aemtern in Frankreich zu entfernen seien! Wer weiß, ob nicht vielleicht General Billot etwa in der That von einem „Handstreich" träumte, durch den man nicht nur mit den Juden, wie Billot Herrn Clemenceau antragen ließ, sondern auch mit den Protestanten aufräumen könnte! * Es ist bekannt, daß die Ehescheidung in Italien (wie in den meisten katholischen Ländern) verboten ist. Es existirt also kein Landesgesetz darüber, und dadurch entstehen für die dortigen Juden vielfache Jnconvenienzen. Ein Beispiel aus letzter Zeit, welches der Mailänder „Secolo" veröffentlicht, und das die jüdisch-italienischen Blätter Nachdrucken, ist in dieser Beziehung sehr charakteristisch: Der aus Turin gebürtige M. F. heirathete am 21. März 1888 Fräulein M. L. aus Reggio, die dort geboren und ansässig war. Am 19. Juli vorigen Jahres erklärte M. F., der in Mailand sein Domizil hatte und dort Bürger geworden war, auf sein italienisches Bürgerrecht verzichten zu wollen. Er verlegte seinen Wohnort mit seiner Frau unfeinen drei Söhnen nach Baden-Baden, wo er für sich, seine Frau unfeine Kinder das badensische Bürgerrecht erwarb. Von Baden-Baden ging er nach München. Dort lud er am 1. Oktober in der Eigenschaft eines Badenser Bürgers seine Frau vor das zuständige Gericht und beantragte die Ehescheidung wegen gegenseitiger Abneigung. Seine Frau kam der Vorladung nach, und am 11. November 1897 verkündete das Gericht unter Berufung auf das deutsche Gesetz und den mosaischen Kodex die Trennung der Ehe. Die Eheleute legten dem Appellationsgericht zu Modena diese Münchener Entscheidung vor, die jetzt auch bestätigt worden ist. Aus diesem Beschluß folgt, daß die italienischen Gerichte die Entscheidung eines fremden Gerichtshofes in Italien bestätigen können, indem sie die von demselben ausgesprochene Ehescheidung anerkennen. In solchem Fall kommt es weder in Betracht, daß die Hochzeit in Italien stattgefunden, noch daß sie zur Zeit der Eheschließung italienische Bürger waren. Der „Secolo" zieht hieraus die ebenso philosophische wie praktische Schlußfolgerung: „Die Eheleute in Italien, welche das Band der Ehe lösen wollen, mögen daraus erkennen, daß die Sache sehr leicht und einfach ist: die einzige Schwierigkeit sind — die Kosten." * Der Krieg zwischen Spanien und Amerika ist nun zu Ende, und es erscheint begreiflich, wenn man in jüdischen Kreisen jetzt Betrachtungen anstellt über das Schicksal Spaniens, das an dem Tage, an dem es die Juden vertrieben, den Grund zu feinet Kolonialmacht legte, während es heute nach 400 jähriger Mißwirthschaft diese so gut wie völlig verloren hat. Aber wir verspüren uns diese lehrreichen Betrachtungen auf ein anderes Mal und wollen heute an einem kleinen Beispiel die Größe und Toleranz des Staatswesens zeigen, das aus diesem Kriege als Sieger hervorgegangen. Es ist bekannt, daß unser verehrter Mitarbeiter Mr. Rev. Dr. Joseph Kraus köpf in Philadelphia als Hilfskommiffar der Vereinigten Staaten nach Kuba geschickt wurde. Eines Tages, es war am 24. v. M., trat der Kapitän des Schiffes an ihn mit der Bitte heran, den nächsten Sonntagsgottesdienst abzuhalten. Dr. Krauskopf lehnte zunächst ab und nahm erst auf wiederholtes dringendes Bitten des Kapitäns an. Am nächsten Sonntag versammelte sich die ganze Schiffsmannschaft, 1030 Marinesoldaten und Paffagiere, in der Schiffskapelle, und der Rabbiner von Philadelphia hielt den Gottesdienst ab, zum Theil aus dem Gebetbuch der jüdischen Gemeinden Amerikas und mit den von der „Hülfs- Kommission" vorgeschriebenen Hymnen. Dann hielt er die Predigt, die allgemeinen Beifall fand. Unter der Schiffsmannschaft waren im Ganzen nur vier Juden. In der That eine intereffante Episode aus diesem Kriege: Ein Rabbiner hält den Gottesdienst vor einem nichtjüdischen Auditorium auf einem Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten, angesichts der Küste von Kuba, im Karaibischen Meer auf Befehl eines nichtjüdischen Schiffskommandeurs ab? Dr. Krauskopf schließt seinen Bericht über diese Episode mit den Worten: „Ich nehme die Ehre in Anspruch, den ersten jüdischen Gottesdienst auf Kuba abgehalten zu haben!" Protokoll der Konferenz des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands am 29. und 30. Mai zu Eisenach im Gasthof zum Mohren. I. Sitzungstag. nwesend sind: Baumgart-Stadtlengsfeld, Engelberg-Aschenhausen^ Ellgutter-Plan, Emanuel-Themar, Heilbrunn-Gelaus, Hofmann- Meiningen, Holländer-Berhach, Heß-Weißenfels, Hofmann- Erfurt, Horwitz-Kassel, Katz-Aschenhausen, Katz-Fritzlar, Levin-Suht, Mühlfelder-Hildburghausen, Meyer-Eisenach, Oppenheim-Koburg, Rosenstein-Herleshaufen, Röther-Gotha, Rothschild-Erfurt, Samuel-Bleicherode, Landrabbiner Dr. Salzer-Stadtlengsfeld, Rabbiner Dr. Salzberger- Erfurt, Steinhardt-Magdeburg, Stern-Schönebeck, Dr. Spanier-Magdeburg, Sommerfeld-Chemnitz, Werthan-Bibra, Wertheim-Gera. Der Borfitzende, Herr Landrabbiner Dr. Salzer, eröffnet die Sitzung und begrüßt die Erschienenen; Kollege Meyer-Eisenach richtete im Namen seiner Gemeinde herzliche Begrüßungsworte an die Versammlung. Nach Erstattung des Geschäfts- und Kassenberichts wird zur Borstandswahl geschritten; per Akklamation werden gewählt: Steinhardt-Magdeburg zum Vorsitzenden, Röthler-Gotha zum Stellvertreter und Meyer-Eisenach zum Kasstrer. Die Gewählten nehmen die auf ste gefallene Wahl dankend an. Steinhardt-Magdeburg übernimmt den Vorsitz mit dem Gelöbniß, allzeit die Interessen des Vereins wahrzunehmen und zu kämpfen für das Wohl des jüdischen Lehrerstandes. Unter Dankesworten an den bisherigen langjährigen Vorsitzenden bedauert Steinhardt, daß Herr Dr. Salzer wegen überhäufter Amtsgeschäfte eine Wiederwahl abgelehnt habe, und stellt den Antrag, Herrn Dr. Salzer, in Anerkennung seiner Verdienste um den Verein, zum Ehrenpräsidenten zu ernennen; der Antrag wird einstimmig angenommen. Sodann erhält Dr. Spanier-Magdeburg das Wort zu seinem Bortrage: „Mendelssohn als Pädagoge". Redner erntete für seinen gedankenvollen, lehrreichen Vortrag allseitigen, lebhaften Beifall, und die Versammlung beschließt, das Referat durch Drucklegung veröffentlichen zu lassen. Der Bortrag giebt Veranlassung zu einer längeren, anregenden Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Salzberger-Erfurt, Horwitz-Kassel, Heilbrunn-Gehaus, Meyer-Eisenach und der Referent betheiligen. Alle Redner stellen sich — im Gegensatz zu Dr. Salzberger — auf den Standpunkt des Referenten, den Lehrern zu empfehlen, sich zum Zwecke der Weiterbildung mehr als bisher mit dem Studium der zugänglichen populären philosophischen Litteratur zu beschäftigen. Nach einer kurzen Pause referirt Herr Landrabbiner Dr. Salzer über das Thema: „Jakob, der Gotteskämpfer". Redner führte etwa Folgendes aus: Es.sei der ewige Ruhm des Judenthums, keine seiner verehrungswürdigen Gestalten vergöttert zu haben; selbst von Moses und David berichtet die heilige Schrift Verfehlungen. Diese könne und dürfe der Lehrer nicht verschweigen, denn, da die Bibel auch von den Strafen erzählt, welche diesen Verfehlungen folgten, und ebenso von der Reue und Buße der Sündigenden, so wirke die Erzählung jener Thatsachen allein schon sittlich und erzieherisch. Schwieriger gestalte sich die Behandlung der Lebensgeschichte Jakobs. Derselbe habe Handlungen begangen, die vielfach als ein böses Charakterzeichen dieses Patriarchen hingestellt werden. Es seien dies: 1. Der Kauf der Erstgeburt, 2. die Gewinnung des dem Esau zugedachten väterlichen Segens

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