Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1898)
- Date
- 1898-08-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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- 2 — guten Einfluß auf die Gesundheit der Kleinen, Krankheitsfälle kamen nicht vor. Heute Mittag trafen die Kinder nach einem Aufenthalt von vier Wochen wieder in Hamburg ein. Der Verein hat außerdem noch eine Anzahl Kinder auf Anrathen des Arztes in ein Soolbad geschickt. Es wäre wirklich wünschenswerth, wenn dieser Verein, dessen segensreiches Wirken in weiteren Kreisen immer mehr Anerkennung findet, durch Beitritt neuer Mitglieder sowie durch Zuwendung größerer Spenden in die Lage versetzt wird, den gestellten Anforderungen ganz zu entsprechen, denn auch in dieser Saison mußte leider eine große Anzahl Kinder zurückgewiesen werden, weil eben die vorhandenen Mittel nicht ausreichten. Die Verwaltung des Vereins, welche unermüdlich thätig ist, geht jetzt mit dem Plan um, ein eigenes Kinderheim in Cuxhaven einzurichten. In dieses Heim sollen während des ganzen Sommers jeden Monat 20—30 erholungsbedürftige Kinder geschickt werden. Die Henry Joncsr-Loge steht diesem Plan besonders wohlwollend gegenüber, und ist nicht daran zu zweifeln, daß unsere Gemeinde in kürzester Zeit um eine neue Institution bereichert wird. C. Hannover, 15. August. Eine etwas seltsame Geschichte wird in hiesiger Gemeinde lebhaft besprochen. Unlängst verstarb hier eine fromme und gottesfürchtige Frau, die Wittwe Fiebermann, bei deren Lebzeiten bereits bekannt geworden war, daß sie ihr ganzes Vermögen wohlthätigen Stiftungen hinterlassen wolle. Unter den bedachten Vereinen befand fich auch die sogenannte „Jungen-Chewra" mit einem Legale von 6000 Mark. In diesem Verein mußte nun jüngst der Vorsitzende, ein Führer der hiesigen Orthodoxie und Mitglied unseres Vorstandes, sein Amt niederlegen, weil seine Amtsführung nicht im Einklang stand mit den Wünschen und Ansichten der liberalen Majorität dieses Vereins. Besagter Herr ist der Vertraute und Berather der weil. Frau Fiebermann gewesen und von ihr zum Testamentsvollstrecker ernannt. Bei Eröffnung des Testaments stellte sich nun zur Ueberraschung aller Betheiligten heraus, daß etwa 14 Tage vor dem Ableben der Frau Fiebermann ein neues Testament errichtet worden, in welchem das für den gedachten Verein in bestimmte Aussicht gestellte Legat von 6000 Mark gestrichen ist. Begreiflicherweise hat man nur Vermuthungen, weshalb gerade dies Legat gestrichen ist, die allgemeine Ansicht geht aber dahin, daß der Testamentsvollstrecker durch diesen auf seinen Einfluß allein zurückzuführenden Akt der Chewra eine Art von Quittung über seine nothgedrungene Demission habe ertheilen wollen. Der geschädigte Verein hat sich bei namhaften Juristen Gutachten erbeten, ob dies neue, ihm ungünstige Testament anfechtbar fei, weil Frau Fiebermann bei Errichtung des neuen Testaments kaum noch im vollen Besitz ihrer Geisteskräfte gewesen sein soll. Da auch die Verwandten der Frau Fiebermann, erbittert darüber, daß sie zum Theil leer ausgehen, zum Theil nicht einmal die Kostbarkeiten des Nachlasses zu Taxpreisen für sich erwerben konnten, das Testament anzufechten bereit sein! sollen, so ist eine Reihe von Prozessen in Aussicht, deren mehr oder minder interessante Enthüllungen demnächst mitgetheilt werden sollen. Köln, 14. August. Ich habe Ihnen bereits in der vorigen Woche einen kurzen Auszug aus dem Bericht über das hiesige israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache gegeben und es bleibt mir nur noch übrig, die ausgezeichnete Rede zu erwähnen, mit der unser verehrter Gemeinderabbiner Dr. Frank in anerkannter Meisterschaft die Gedächtnißfeier für die verstorbenen Gönner und Wohlthäter der Anstalt einleitete. Diese Rede ist jetzt im Druck erschienen und verdient allgemein gelesen und beherzigt zu werden — nicht nur hier, sondern in ganz Israel. Es sind goldene Worte, die der gefeierte Redner bei diesem Anlasse über jüdische Wohlthätigkeit im Allgemeinen aussprach. Mögen sie überall beherzigt werden! — Zugleich mit dem obenerwähnten Bericht ist auch der Rechnungsauszug und Ausweis der freiwilligen Spenden der israelitischen Waisenstiftung „Eifer Jeffaumim" für das 18. Jahr seines Bestandes ausgegeben worden"/ Die Stiftung verfolgt nach wie vor die bei ihrer Gründung gestellten Zwecke, die Pfleglinge gedeihen und entwickeln sich körperlich und geistig in durchaus ersprießlicher Weise. Knaben und Mädchen versprechen dermaleinst nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Die Stiftung erfreut sich dauernd des steten Wohlwollens der Gemeindemitglieder, wie das Spendenverzeichniß ausweist. Freudige Familienvorgänge und ■ Familientrauer, die das Menschenherz und vor allem das unserer Glaubensgenossen bestimmen, Wohlthaten zu üben, haben der Stiftung viele Spenden zugeführt. Das Gedenkbuch, in das die Namen Derer eingetragen werden, an deren Jahrzeitstag seitens der Stiftung das Seelengedächtnißgebet (Kaddisch) verrichtet wird, hat seit dem letzten Bericht wiederum einen Zuwachs erhalten, und die Zahl der Eingetragenen ist von 27 im vergangenen Jahre auf 31 gestiegen. Die Waisenstistung hat zur Zeit in Pflege und Obhut 14 Kinder (3 männlich und 11 weiblich), wovon 9 in Köln, 2 in Paderborn, 2 in Friesheim und 1 in Rheinbach untergebracht sind, die alle körperlich gedeihen. Ein Mädchen, das bereits 1896 die Schule verlassen hat, befindet sich auf dem Lande, weil es schwer ist, einen der schwachen Konstitution desselben entsprechenden Beruf ausfindig zu machen. Ein Mädchen, das zu Ostern die Schule verlassen hat, bildet sich in einer hiesigen Fabrik zur Korsetnäherin aus. Ein anderes Mädchen hat in diesem Jahre die Lehre vollendet und eine gute Stellung in Frankfurt a. M. gefunden. Ein Knabe, der bei einem jüdischen Bäcker ausgebildet wurde, hatte im Frühjahr seine Lehrzeit abgeschlossen; ein anderer, der Drücker werden soll und in Pflege des hiesigen jüdischen Lehrlingsheims ist, ist in das dritte Lehrjahr eingetreten. Außerdem sind die Nachrichten über die früher von der Stiftung erzogenen und ausgebildeten Pfleglinge in der Regel günstig. Ferner wurden noch 18 Kinder, die Halbwaisen sind, von der Waisenstiftung unterstützt. Das Kuratorium hat den Heimgang des am 20. Mai 1898 verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Simon Simon, zu beklagen. In der am 3. Juli stattgehabten Kuratoriumssttzung widmete der Vorsitzende dem Heimgegangenen einen Nachruf, in welchem die Verdienste des Herrn Simon, die er sich um die Stiftung vom ersten Tag ihrer Gründung an erworben hatte, hervorhob. Das Kuratorium der israelitischen Waisenstiftung besteht gegenwärtig aus den Herren Rabbiner Dr. Frank, (Vorsitzender), JosephKirchberg (Kassirer),Ph.Nekarsulmer (Schriftführer), Dr. Apfel, Friedrich Brücker, Bruno Heidenheim, I. de Jonge, Hermann Sternau. Möge diese große und segensreiche Schöpfung edler Männer sich gedeihlich weiter entwickeln und immer mehr theilnehmende Freunde und Gönner finden! Friedberg, 11. August. In unserer altehrwürdigen Gemeinde feierte der israelitische Krankenverein jüngst das Fest seines 100jährigen Bestehens. Die synagogale Feier trug einen ernsten Charakter, denn es galt vor allem, die Todten zu ehren. Nach einigen einleitenden Gesängen, die abwechselnd von den beiden Kantoren vorgetragen wurden, hielt Herr Lehrer Ehrmann die sehr beifällig aufgenommene Festrede. Er wies nach, daß der Verein ursprünglich einen viel umfassenderen Zweck verfolgte als eine gewöhnliche Krankenkasse. Er beleuchtete die materiellen und sozialen Verhältnisse der hiesigen israelitischen Gemeinde zur Zeit der Gründung des Vereins und hob besonders die große Opferwilligkeit hervor, welche die Begründer dadurch gezeigt, daß sie trotz ihrer großen Armuth fünf Jahre lang ohne jede Gegenleistung Beiträge bezahlt hatten, welche bei manchen wohl ein Sechstel ihres ganzen Einkommens betrugen. Er wies auf den großen Segen hin, den der Verein besonders in der ersten Zeit seines Bestehens verbreitet hatte, und gedachte in ehrender Weise der verstorbenen Vereinsärzte, der Herren Doktoren Renner, Trapp und Steinhäußer. Am Abend fand in der Restauration Jsenburger ein Festessen statt, welches zahlreiche Theilnehmer vereinigte, und das einen sehr angeregten Verlauf nahm. Der Präsident, Herr A. Maaß, brachte einen Trinkspruch auf Herrn Lehrer Ehrmann aus, in dem er dessen Verdienste um die würdige Feier betonte. Der Letztere theilte verschiedene interessante Einzelheiten aus der Geschichte des Vereins mit und brachte ein Hoch auf den Vorstand aus, indem er den Wunsch aussprach, es möge demselben gelingen, den Verein zu einer neuen Blüthe zu bringen. Herr M. Jsenburger toastete auf den Präsidenten, auf dessen Schultern fast die ganze Arbeitslast der Veranstaltung des Festes geruht hatte. Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß auch der Armen gedacht wurde. Die zahlreich eingelaufenen Glückwunschschreiben zeigten, daß man die Verdienste des Vereins sowohl am hiesigen Platze als auch auswärts zu würdigen versteht. Möge er noch lange seine gedeihliche Wirksamkeit entfalten! 5Z Kirchhairr, im August. Unter der Stichmarke „Der Juden Rache" bringt das Organ des Bundes der Landwirthe, die „Deutsche Tages-Zeitung", folgende Mittheilung von hier: „In eigenartiger Weise hat die Stadt Kirchhain es zu büßen gehabt, daß bei der jüngsten