Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1898)
- Date
- 1898-08-19
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228257-3228291--54828-3290998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in 395 :n m er iß n-- uf tb Ls Ls >eur eS lei in ib t; ra Elt 15 er >ß iie en un, m lfm n. ger vs er Ls zu er :te!ker en er Ls g. und den Ort, wo Du dieselbe finden kannst. Aber die Fürstin Sabas bemitleidet den Verwegenen nicht, der das Schwert des Aufruhrs gegen seinen König hebt." Der Hebräer trat etwas bestürzt zurück. „Es ist das Gebot Jehovahs" — murmelte er. Die Fürstin schwieg bei Nennung dieses Namens. Der Flüchtling faßte sich bald »nd fuhr fort in leisen, leidenschaftlichen Tönen: „Zwar habe ich Dein Antlitz nicht gesehen, schöne, mächtige Fürstin, aber alles Volk erzählt von Deinen Reizen. Siehe, es wird eine große Umwälzung in Israel geschehen, denn der Herr hat Jerobeam auf den Thron Davids berufen. Und darum verschließe Dein Herz nicht dem Mitleid und der Liebe. Siehe, Du bist schön, Du bist reich, Du bist mächtig, und die Völker der Wüste lauschen Deiner sanften Stimme. Führe Deine streitbaren Männer mit Jerobeams Schaaren gegen Zion — und laß uns siegend auf den Thron Salomos steigen!" Die Fürstin schwieg, während der Flüchtling sich so tief gegen sie neigte, daß er mehr vor ihr kniete als stand. „Geh!" sagte sie endlich ruhig und streckte den Arm gebietend aus, denn die Königin der Wüste empfand nicht Zorn, sondern höchstens Verachtung für den Vorschlag des Abenteurers. Dieser wich zurück und nahm nach einer Pause seinen früheren Sitz schweigend wieder ein. „Willst Du das Schicksal Deiner Mutter erfahren, Flüchtling?" fragte endlich die Fürstin der Sabäer kalt. „Ich lausche Deinen Worten," versetzte der Hebräer in einem gemischten Tone von Achtung und Verdruß. „Wohlan, so vernimm zuerst die Kunde einer fernen Vergangenheit. Vor beinahe dreißig Jahren verweilte eine Tochter Edoms unter den Zelten von Saba. Und zwar diente sie meiner Mutter, welche damals bis an die Wüsten Ararene herrschte. ES war aber die Tochter Edoms, welche Zeruha hieß, unter den Sabäern geliebt und die vertrauteste Dienerin meiner Mutter. Da nun das Mädchen die Jahre der Reife erreicht hatte, zog ein Jüngling aus Israel pilgernd durch Arabiens Wüsten und verweilte unter den Zelten Sabas. Er gab vor, einen heiligen Ruf seines Gottes gehört zu haben, die Kinder Israel zu belehren und die Geschichten der Zukunft zu offenbaren. Zu so heiligem Berufe aber müsse er durch lange Irrfahrten unter den Heiden sich vorbereiten. Unsere Tempel und Götter waren ihm ein Gräuel. Dennoch zog er lange Wochen unter unseren Hirten umher, und endlich forderte er von meiner Mutter das Mädchen aus Edom zum Weibe. Zeruha, obgleich Jehovah nicht anbetend, war bereit, das Weib des Hebräers zu werden. Darum gab meine Mutter ihre Einwilligung. Weil sie aber das Mädchen aus Edom liebte, so gestattete sie ihr, jederzeit unter die Zelte Sabas zurückzukehren. Danach zog der Hebräer mit Zeruha aufwärts gegen Edom und Israel." Die Fürstin schwieg eine Zeit lang, dann setzte sie ernst hinzu: „Das waren Deine Eltern, Flüchtling aus Israel!" Jerobeam fuhr empor. „Und wie war der Name des Hebräers?" rief er stürmisch. „Sein Name", erwiederte die Fürstin, „wird noch immer in Israel genannt, aber seinem Götzen hat er das Mädchen aus Edom geopfert." „Der Name!" rief der Flüchtling ungeduldig. Die Fürstin schwieg wieder. „Mir ward geboten," versetzte sie endlich, „Dir den Namen und den Aufenthalt Deiner Mutter anzusagen. Ich weiß nichts von Deinem Vater." /„Du weißt!" rief der Flüchtling hastig, „aber Du willst mir nicht alles sagen, denn vielleicht stand Deine Mutter auch im Bunde der harten Menschen, die mich meiner Mutter entrissen!" „Dein Vater allein that dies," versetzte die Fürstin, ebenfalls etwas gereizt. „So nenne ihn!" „Ich nenne Dir Deine Mutter und ihren Aufenthalt; sie möge Deinen Vater Dir bezeichnen." „Wohlan, so erzähle weiter!" murmelte Jerobeam. ruhiger werdend. „Wo finde ich meine Mutter?" ■ „Zn Jerusalem." „Zu Jerusalem?" schrie der Flüchtling, von Neuem aufspringend. „Ja," versetzte die Fürstin, „aber zuerst höre meine Erzählung." Der Hebräer hörte mit fieberhafter Ungeduld den folgenden Worten zu. (Forts, folgt.) Nersebriefe. f n. er Mann, der unser Karlsbad die erste und größte zionistische Kolonie in Europa nannte, hat unzweifelhaft übertrieben. Aber es liegt doch etwas Wahres in diesem Scherz, und es ist merkwürdig, wie von Jahr zu Jahr die Anzahl unserer Glaubensgenossen in diesem Weltbade zunimmt. Nicht einmal die Furcht vor dem Antisemitismus, die in diesem Winter durch verschiedene Zeitungsartikel ausgestreut wurde, vermochte irgend Jemanden von dem Besuch des Wunderquells abzuhalten. Es hat eben Keiner diesen Antisemitismus für waschecht gehalten, und man weiß sehr wohl, daß die Karlsbader höchstens Winterantisemiten sind. Ja, es will sogar Jemand kürzlich das folgende Gespräch zweier ehrsamer Bürger des Weltbades belauscht haben: Erster Bürger: „Die verfluchten Juden . . ." Zweiter Bürger: „Aber. Anton, es ist ja heute erst der 27. Juli." Erster Bürger: „Na, wenn ich bis zum November warten soll, dann sind sie ja so schon alle weg". Für die Authentizität dieses Gesprächs übernehme ich allerdings keine Garantie, aber es ist doch ergötzlich, zu sehen, wie dieselben Leute, welche als die Führer des Winterantisemitismus, also als rechte Schneekönige gelten, von diesem Verdacht im Sommer mit tiefster Entrüstung sich rein zu waschen suchen. Eine derartige Erklärung brachte gestern die „Neue Freie Presse" von dem Besitzer des „Freundschaftssaales" und eine solche Erklärung ist von einigen heißblütigen Glaubensgenossen dem Besitzer des Weltetablissements von Pupp abverlangt worden. „Das ganze Märchen vom Karlsbader Antisemitismus hat nur der Neid und die Konkurrenz aufgebracht," sagte mir heute morgen am Mühlbrunnen ein christlicher Stadtrath. In der Halle aber intonirte gerade im selben Moment die hämische Musikkapelle von Labitzky den bekannten Walzer: „Du hast mich nie geliebt!" den ich still betrübt mitgepfiffen habe, da ich es nicht liebe, am Morgen und am Brunnen viel zu sprechen. Es ist mir immer unbegreiflich, wie dieselben Menschen, die zwei Stunden früher als sonst aufstehen, vier Becher heißen Waffers getrunken haben, das im günstigsten Fall nach schlechter Hühnerbouillon schmeckt, noch die Lust und die Kourage besitzen, so viel zu schwatzen, wie dies hier geschieht. Ich erinnere mich noch mit Vergnügen, wie der unvergeßliche Berthold