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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-19 · Heft 33 (19.8.1898) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 UILLETON Aie Nase von Saron. Line Erzählung. VIII. nterdeffen folge der Leser dem Flüchtling aus Israel in das Haus Jvas. Wie schon gesagt, das Dach dieses Hauses war ebenfalls flach und ringsum mit zierlichen Geländern versehen. Harter Gips war gleichmäßig auf die Decke des Hauses gelegt und bildete ein glattes, schönes Pflaster. Breite Stufen führten theils in das Innere der Gemächer hinab, theils nach dem Garten inmitten des Hofraumes. Hier und da auf dem Dach waren mittelst geflochtener frischer Baumzweige kleine Lauben gebildet, an deren Eingang fast überall Lampen, von Olivenöl genährt, strahlten. In dem Scheine dieser Lanipen glänzte der Gipsboden gleich einem mattgeschliffenen Spiegel. Im Mittelpunkt des Daches stand eine kleine, zierliche Hütte von kostbarem, farbigem Holz aüfgeführt, ein Gebäude, das eine spätere Sprachweise Kiosk nannte. Um diese Hütte, die von allen Seiten frei war, und deren rundes, kuppelartiges Dach von acht schlanken Säulen getragen wurde, blühte und duftete ein Wäldchen prächtiger Blumen, die aus großen Basen emporstiegen. Der Duft dieser üppigen Blüthen schwebte mit der Nachtluft nach allen Punkten und durchwürzte die Atmosphäre. Neben diesem Bilde des Orients waltete tiefe Stille und der blaue, milde Himmel. Zwischen den Blumen saß die Fürstin der Sabäer auf einem langen und niedrigen Divan, nachlässig angelehnt an eine der zierlichen Säulen. Die Lampen, welche durch das Blumenwäldchen schimmerten, zitterten in ungewiffem Licht auf den Zügen der Fürstin. Sie war so leicht gekleidet wie früher, doch hatte sie auf dem Haupt zwei breite Schleier befestigt, aber noch nicht über das Angesicht falle» laffen. Daher erblickte man die anmuthigen, ausdrucksvollen Züge und die sanft leuchtenden Augen, welche sinnend in die Nacht hinausstarrten. Eine Hand hatte sie an den Busen gedrückt, die andere ruhte nachlässig auf dem Divan. Iva war ein schönes, einfaches und sonderbares Weib. Sie war die Fürstin eines Hirtenvolkes, welches hinter Arabiens Wüsten unter sturmvollen Revolutionen der damaligen Welt abgeschlossen eine Kindheit des Völkerdaseins lebte. Unter den Zelten der Sabäer floß das goldene Alter der Menschheit ungetrübt dahin! Hier war das Klima, die Natur, hier waren auch die Menschen noch sanft. Darum besaß diese schöne, glänzende Iva eine großartige Einfachheit der Seele, eine Gluth, aber zugleich auch eine Unschuld der Empfindung, welche eine feinere Erziehung abreibt, und eine Kraft der Entschlüffe, die nur der Königin der Wüste möglich war. Darum fühlte dieses einfache, glühende Weib weder Eifersucht noch Wuth, da sie Resons Empfindung für ein anderes Wesen merkte. Sie fühlte nur leisen Gram — aber die Gluth und Wahrheit ihrer Liebe drängte sie, eigentlich nur auf Bewahrung der Liebe Resons zu denke». Sie konnte ihm eine zweite Liebe so leicht verzeihen — wenn er nur der ersten nicht untreu wurde! So dachte die Morgenländerin, oder so fühlte sie. Dieses Gefühl war so edel und aufopfernd — und wieder so unendlich einfach und der Königin der Wüste würdig! Sie erwachte aus tiefem Nachsinnen, als eine Dienerin vor ihr stand und einige leise Worte sprach. Die Königin ließ rasch ihren Schleier über das Antlitz fallen und faltete die Hände über dem Busen. Dann verschwand die Dienerin. Einige Sekunden später stand Jerobeam vor der Fürstin von Saba. „Du gabst mir Erlaubniß, Königin," begann der Flüchtling, „Dein Haus noch einmal zu betreten, denn es war ein Geheimniß noch nicht über Deine Lippen gekommen." — Die Fürstin der Sabäer winkte dem Flüchtling, sich ihr gegenüber auf einem zweiten Divan niederzusetzen, indem sie sagte: „Ich will dies Geheininiß offenbaren." Jerobeam ließ sich nieder, und sein dunkles Auge brannte auf der verschleierten Königin. „Zuerst," begann diese, „erzähle mir von Deiner Kindheit und was Dich trieb, die Fürstin der Sabäer zu stlchen. Denn aus dieser Klinde der Vergangenheit wird das Geheimniß aufsteigen, das seit Jahren allein in meinem Busen bewahrt wird." Der Flüchtling erwiederte rasch: „Ich weiß nicht, wo ich geboren wurde, doch dünkt mich, geschah es im Gebiete Israel. Vater und Mutter blieben mir bis zur Stunde unbekannt. Ein weiser Mann an den Ufern des Sees Genezareth erzog mich, bis ich unter Salomos Krieger trat. Bei dem Abschiede erzählte mir El Jada — so heißt der Weise — in zarter Kindheit habe mich ein fremder Mann zu ihm gebracht und mein Schicksal ihm übertragen. Dem Aufträge habe er redlich genügt; eines sei noch übrig zu thun. Und damit zog er einen Streifen Pergament hervor, gab mir denselben und sagte: diesen Streifen fand ich unter den Linnen, in welche Dich Deine Mutter ehemals gewickelt hatte. Muthmaßlich rührt Pergament und Schrift von der unglücklichen Frau her. Nimm und bewahre das einzige Vermächtniß Deiner Mutter. So sprach El Jada, und damit schied ich, die Straße nach Jerusalem betretend. Auf dem Pergament-Streifen aber standen in der Sprache Edoms die Worte: Suche Deine Erzeugerin unter den Zelten Sabas!" „Nun, und Du suchtest Deine Mutter auf?" fragte die Fürstin, da der Sprecher schwieg. „Nein!" erwiederte Jerobeam, ziemlich kalt. „Zu Jerusalem kam ich unter die Bewaffneten Salomos, und eine glänzende Laufbahn that sich vor mir auf. Der König ernannte mich bald zum Feldherrn und setzte mich zum Obersten über den Stamm Ephraim. Da vergaß ich, die Mutter aufzusuchen, die mich als zarten Säugling verstoßen hatte. Mein späteres Schicksal ward bekannt. Der Mann Gottes von Silo weckte mich zum Widerstande gegen Davids Samen, von welchem der Herr zehn Stämme reißen will. Aber der Ausgang des voreiligen Kampfes war unglücklich. Ich entfloh aus Israel und wanderte nun nach Aegypten, die Hilfe des Pharao zu suchen. Da vernahm ich zu Ezjon-Geber, die Fürstin der Sabäer ziehe, mit fünfhundert Kameelen, hinauf gen Zion, und ich erinnerte mich jener Worte meiner unbekannten Mutter." Der Flüchtling stand aus und näherte sich der Königin. „Darum, schöne Fürstin," fuhr er in leiseren Tönen fort, „betrat ich Dein Haus, diesen glücklichen Boden, welchen Dein zarter Fuß streift. Ein verschollenes, altes Geheimniß wollen Deine Lippen mir mittheilen. Ich will gern so süßen, Tönen lauschen — aber möchten Deine Lippen nur Mitleid sprechen für den Flüchtling aus Israel." Die Fürstin der Sabäer schwieg eine Weile. „Das Schicksal Deiner Mutter wirst Du erfahren, Flüchtling,

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