Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1898)
- Date
- 1898-08-19
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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392 -- Der Vater: Trügst Du als Hülle nur des nackten Lebens Dein Kleid — es dürft' ein Kleid des Feindes sein. Und machte Dich nicht furchtbar mir noch fremd; Dein Kleid ist Zeichen — Zeichen von Erlebtem, Das ich nicht kenn' und fürchten muß zu kennen. Wir find zum Dienst berufen. All unser Leben ist Gesetzesdienst. Eine Glaubenssäule Die ich in Dir erbaut, war umgestürzt. Die Andern schwuren, daß ste brach — und räumten Hinweg sie, warfen fie als Schutt hinaus. Ich sah fie nur gestürzt — und die gestürzte Wär' aufzurichten. Jetzt gieb Sicherheit mir! Antworte, daß ich fest mein Urtheil stelle: Du fielst, das weiß ich; bist Du auch gebrochen? Der Sohn: Das Beste, was ich war, als Du mir glaubtest. Das bin ich noch. Isaak: Glaubt ihm! Er ist's! Ein Jude Im Herzen, stärker als die Frömmsten. Zehnfach bezeug' ich's. Die Frommen leiden für das Judenthum: Er kämpft für Juden — hat für mich gekämpft. Der Vater: Ein todtgewifser, nicht ein stegsgewisser, Ist höchster Kampf. So kämpfen unsre Frommen. Schützt Euch sein Schwert nur oder seine Würde? Uebt er nicht Herrschaft hier? Herr bei den Feinden — Wo wir die Sklaven find! Nein, keine Sklaven! Sieh' diesen Tisch, dies Bette . . . Heut' ist Ostern! Heut' find wir Könige in Israel. Sieh', Todtenhemd ist unser Königskleid; Die Bitterkeit ist unser Königsmahl. Dies Brod des Elends aßen unsre Väter — Wer Hunger hat, der komm' und nähre sich! Bist einer Du der Hungernden, dann bist Du Mein Sohn . . . antworte mir, doch nicht in Worten. Die Stund' ist um, begehen wir das Fest! Bist Du ein Jude, nimmst Du Theil daran! Bist Du ein Jude, setze Dich zu mir! Du schwankst. Du zögerst?- Aufschub des Betens und des Fest's begehrst Du? Hinweg von uns, wenn Du nicht mit uns betest!- Nimm diesen Kelch!-Nimm ihn! Und bete mit, wie unsre Väter sprachen: „Gott, gieße Deinen Zorn aus über alle Die Heiden, die Dich nicht erkannt!" Der Sohn: Niemals! Den Weheschrei der frommen Selbstqual Aus Deinem Munde, Vater, ruf' mein Herz nach; Den Racheschrei der frommen Wuth verwerf' ich, Wer immer ihn erhebt! Das ist nicht Beten — Fluch ist's! Der Vater: So bist auch Du der Heiden Einer? Sei's! ... Ob Du Sohn wir warst, doch bet' ich: Gott! Gieß Deinen Zorn aus über alle Heiden, Die Dich nicht kennen. Oeffne jetzt die Thür; Ein andrer Gast, als dieser unheilvolle. Kehr' ein: Elias, der Prophet. Die Thür wird dann geöffnet, sie prallten erschrocken zurück, denn vor der Thür stehen Bewaffnete, die Isaaks Haus nach dem verschwundenen Alcaldensohn durchsuchen wollen, denn Sein geheimnißvoll Verschwinden mahnt Nach Zeit und Weise ganz an blut'ge Frevel, Alljährlich von den Juden ausgeübt. Auf Geheiß des miterschienenen Don Luis wird ein Vorhang zurückgezogen, dahinter zeigt sich eine verschlossene Thür. Don Luis verlangt von Isaak den Schlüssel. Isaak: Den Schlüssel? Dir? zu jener Thüre? Bube! Seit Du durch jene Thür gingst, schließt nur Satan fie auf — die Hölle liegt dahinter! Tritt ein, wie Du vermagst! Ersticke drin! Die Thür wird gesprengt, hinter ihr liegt die Leiche des Alcaldensohnes. Die Juden werden, des Mordes beschuldigt, um mit dem Blut ihre Osterkuchen zu tränken. Salomon: Gepriesen sei Jehovah, unser Gott! Er macht zu Schanden, was die Lüge schuf! -Uns're Peiniger fassen uns! Sie greifen nach uns aus mit glüh'nden Zangen Und reißen Glied von Glied. . . Kommt an! Kommt an! Gepriesen sei Jehovah, unser Gott! Alonzo: Sie alle Sind rein von Schuld an diesem Mord — wie ich! Rebecca sucht weinend den Sohn abzuwehren, der die Seinigen mit gezogenem Degen zu schützen sucht, Ihr Ruf „Sohn! Sohn! Laß' ab!" verräth den Eingedrungenen, daß Alonzo Geheimer Jude, der den Ritter spielt. Er ruft: Ihr Sohn! Hört es! Ihr Sohn für Erd' und Himmel! Sohn eines Juden, und beim Vater bleib' ich! . . . Mein Vater! jetzt, jetzt weißt Du, was ich bin. Jetzt, Vater! Mutter! Schwester! nehmt mich hin! War ich Euch je geraubt — zurückgegeben. Und Euer bin ich für das ew'ge Leben. Er wird mit Isaak und den Seinen gefangen abgeführt. Im Gefängniß bringt die Braut Alonzo die Botschaft, daß er frei sei, wenn er Christ werde. Er lehnt ab: Unglücksgenossenschaft hält mächtiger Als Antheil an dem höchsten Glück der Erde. Seine Mitgefangene Mutter begrüßt die Braut: Erzvater Jacob! Als Dich Gott gewürdigt. Nicht nur das Antlitz des beweinten Sohnes, Auch Deines Joseph Kinder noch zu seh'n — Wie preisest Du den Herrn! So preis' ich Gott, Die mich gewürdigt, nicht nur ihn zu seh'n. Auch sie, die er zum Weibe sich erkor. Die gefangenen Juden werden zum Scheiterhaufen geführt. Franz Fernando: Ein weisheitsvoller, Getreuer Lehrer ihres (der Kirche) Worts, der Prior Des Paular, wunderthätiger Gottesweihe, Der, wo er wandelt, Hellen Tag verbreitet. Erbat es stch-sein heilig Amt Hier zu erfüllen. Als Rebecca ihn sieht, ruft sie ihrem Gatten zu: Ha! Salomon! er ist vom Tod erstanden. Fernando, gerührt auf sein Kruzifix deutend: Er ist erstanden, Weib! Auch Deine Seele Wird bald in seiner Herrlichkeit ihn schauen. Der von der Königin Jsabella zum Blutgericht abgesandte Graf Benarento fordert Fernando auf: