Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1898)
- Date
- 1898-08-19
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228257-3228291--54824-3290994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
391 ■ rs#?' ”Jv»JV’-"'%^r’ 'a"-j- Tt. ■•*»WW-1 [Sie haben mich überredet und ich ließ mich überreden, Sie bemächtigten sich meiner. Jer. 20,7,] Bewährte sich nicht in Ihnen ganz V2N [„ein Weiser ist mehr denn ein Prophet", BabaBathraf. 12 a]. Sie haben es vor vielen Jahren vorausgesehen. Sie schrieben mir noch im Sommer dieses Jahres, als ich an diesen Entschluß gar nicht dachte, ein Gefühl sage Ihnen, ich werde nach Berlin gehen. Und nun, theuerer Freund, wie wünsche ich, daß der Herr Ihre Tage verlängern möge und Sie mir eine wirksame Hilfe und Stütze sein und ich den verehrten Freund lange besitze und dieses Besitzes mich in seiner Gegenwart freue! Unter heutigem Datum geht auch das Schreiben an den Vorstand ab, das hoffentlich Ihnen bald zu Händen kommen wird. Es ist in allgemeinen Ausdrücken gefaßt, wie Sie sehen werden, enthält aber das Versprechen, daß ich die Wahl, so sie aus mich fällt, annehmen werde. Ich schrieb, daß Sie wahrscheinlich schon meine Ansichten (ich meine die Bedingungen) mitgetheilt haben werden, da es nicht passend erschienen wäre, daß ich den Vorstand darauf hinwiese. Sie werden ihm in meinem Namen erst die Ansichten mittheilen. Glauben Sie mir, ich bin noch nicht ganz beruhigt, und was mein Schreiben sagt, fühle ich ganz lebhaft. Doch ist es mir schon erfreulich, daß der Vorstand einstimmig meine Berufung will v'O'N ^>3 Dil*? 033*? Hl .Till )1T "0 [möge diese ihre Gesinnung lange anhaltend Und nun, theuerer Freund, soll die Sache zu Stande kommen, so wäre es mir wohl erwünscht, wenn sie bald erledigt würde, damit man nicht hier schon vorher davon höre, was mir Verdruß machen könnte. Ich glaube, daß Sie es gefälligst so einrichten, daß entweder die Aeltesten der jüdischen Gemeinde in Berlin mir die Ihnen schriftlich übergebenen Forderungen so einschicken, als hätten sie, die Aeltesten, sie entworfen; oder man müßte nochmals bei mir anfragen, und ich würde dann diese Bedingungen übergeben. Ersteres wäre, weil ehrenvoller, vorzuziehen. Mein Werk [Die Eidesleistung der Juden) wird nun bald vollendet sein, und Sie werden es vielleicht schon in vierzehn Tagen in Berlin haben." (Forts, folgt.) Wilhelm Wolfsohn. Bon Emil Lehmann. II. ie Szene auf dem Kirchhof zwischen dem unglücklichen Vater und Mollzo, dem Stellvertreter des Alcalden, ist eine der dramatischsten des ganzen Werkes. Isaak hatte von einem Rabbi erzählt, der mit seinem Weibe den verlorenen Sohn suche. Alonzo fragt, tief ergriffen aufschreckend: Wo sind sie jetzt? Wohin? Isaak: Fragt nicht nach ihnen! Nach Keinem von uns fragt, wenn Ihr es treu meint. Verborgen nur sind wir geborgen, irrend Durchs Lager unsrer Feinde. . . . Dank Euch, Herr! Ich geh' allein, mich führt hier noch ein Bauer, Der Einer von den Unfern war. Er kennt Hier im Gebirge die geheimsten Wege. Lebt wohl! Verschmäht nicht eines Juden Segen; Habt Ihr noch Eltern, lasse sie Jehovah Der Freuden höchste noch an Euch erleben — Weil Ihr Euch annahmt eines armen Vaters. Alonzo: Weh' mir! Ein Vater den verlornen Sohn Im Grabe lieber findend als abtrünnig! Weh! eine Mutter irrend in der Fremde, Im Schlaf und wachend nach dem Sohne tastend! Wo find sie? Wo? Mir soll kein Tag vergeh'n. Ich will sie suchen, suchen, will sie seh'n; Der eignen Eltern Weh ins Herz mir graben — Und mit des eignen Sohnes Trost sie laben. Der Sohn des Alcalden, der der Braut des Alonzo nachstellt, wird von deren durch Don Luis aufgestachelten Vater erstochen. Don Luis räth: Ich müßt mich irren, oder manchen Mord noch Bringt diese Nacht und mehr die folgende; Und find sie nicht verübt, da träumt man sie. Denn morgen Nacht beginnt der Juden Ostern, Wenn Einer wird vermißt, wenn irgend Einer Umkam im Feld, im Wald und im Gebirge — In Judenhäusern sucht man ihn. Er läßt die Leiche iit Isaaks Haus schaffen - Ich weiß dort einen Geheimen Gang in ein verschloss'nes Zimmer, Das nie sein Fuß^betritt: ins Schlafgemach Der Tochter. Auf! Dort bleibt bis morgen Nacht Die Leiche unentdeckt — bis wir sie suchen. Und nun die ergreifende Hauptszene. Osternacht in Isaaks Hause: So! hier das Osterlamm, hier Bitterkraut, sagt die das Sedermahl bereitende Verwandte zu Rebecca. Isaak kommt dazu: Gut Festtag, werthe Frauen! Ach, wir sind in einem Lande, Wo Zeit und Ordnung alles Menschlichen Und alles Göttlichen für uns verkehrt ist. Wir sind wie auf der Flucht! Nicht Speis' und Trank, Wenn die Natur uns mahnt, noch das Gebet, Wenn es die Vorschrift will! Hier ist Aegypten — Und wenn wir einst aus diesem Land uns retten. Laßt uns ein doppelt Osterfest begeh'n. — Isaak erzählt den Frauen von seinem Lebensretter: Er wohnt im Schloß, ist hohen Rang's, ist nächster Rathgeber des Alcalden. Dem habe er von ihrem Loose gesprochen, er sei ihm nachgegangen und habe ihn angesprochen: Ich frag' Euch noch einmal — und Ihr thut Unrecht, Mir zu mißtrauen — wo ist der fremde Rabbi, Den Ihr erwähntet? Nennt ihn mir, ich bitt' Euch, Ich frage nicht aus Neugier; eines nahen. Mir lieben Freundes Schicksal hängt daran. Isaak nennt ben Namen; Alonzo folgt ihm und — stürzt in die Arme seiner Mutter Rebecca. Rabbi Salomon, der Vater, tritt hinzu, „sprachlos" vor freudigem Schreck. Die Mutter: Verschließ ihm, Gott, Dein Ohr, wenn er nicht segnet. Der Vater: Nicht segne? Weib, hat Dein geschwätz'ger Jubel Vergessen, wem der erste Segen gilt? Das erste Wort bei jeder Schicksalsernte — Ob unser Glück, ob unser Unglück reifte — Das erste Wort vor jeder neuen Frucht, Bor jedem selt'nen, ungewohnten Anblick? Mein Sohn, welch eine Frucht mir Dein Begegnen, Ob süß, ob bitter — sie ist neu; seit Jahren Seh' ich zuerst fie, und Jehovah segn' ich. Dein Anblick ist dem Vater ein so selt'ner. Dem Juden ein so ungewohnter, daß Ich noch nicht weiß, ob Sohn, ob Jude. . . Doch Wer Du auch sei'st, vor Deinem selt'nen Anblick Segn' ich Jehovah! Der Sohn: Dieser Augenblick, Dem ersten gleich' er, wo Dein Vaterlieben Allein an meinem nackten Leben hing; So jetzt — nicht achte, welches Kleid ich trage.