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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-19 · Heft 33 (19.8.1898) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 an wen mich halten? VN1 tvbjt ^2 ^wahrhaft m* eigennützige Männer sind selten}. Sie meinen es mit mir sehr gut und würden mich mit allen Kräften unterstützen: aber wie Biele wollen so energisch wie Sie das Gute und meinen es so gut mit mir? Sie sehen, daß in jedem Falle fH'pffl 1VU sdie Angelegenheit muß reiflich erwogen werden}; kommen Sie, so Gott will, bald hierher, dann werden wir die Sache ganz genau erörtern, und dann will ich einen definitiven Entschluß fassen. Zudem muß ich erst genau die Berliner Zustände kennen und die Lage der Gemeinde überschauen, auch mir eine Notiz über die Beziehungen zu den Oberen verschaffen, ehe ich zu einem positiven Resultat gelange. V'N' *6 pawan1). In Ihrem letzten Schreiben verlangen Sie von mir bescheiden Auskunft, ob ich nicht auch der Meinung bin, daß in einem Gemeindestatut die Rücksicht auf jüdisches Gesetz vorwalten soll. Ihre Frage, theurer Freund, ist allgemein gefaßt, und wenn es sich um Wahlen handelt, ob sie sein sollen V1DVN 'tb B’SüH -NWL2N 'Sb D’Stn szum Theil nach Seelenzahl, zum Theil nach der Maßgabe der Steuerleistung} 2), so übt natürlich hier jüdisches Recht keinen großen Einfluß aus. Betrachten Sie aber die Gemeinde als Kultusgemeinde (so wie es im Dresdener Ministerium auf mein Betreiben ausgesprochen wurde), da muß das Statut von der jüdischen Ethik, wie Sie es nennen, durchwebt sei, und da muß an der Spitze stehen: Synagoge, Schule, milde Anstalten. Die Wirksamkeit muß dann mehr nach innen als nach außen berücksichtigt werden; nur Männer, die sich jener Institute mit Liebe annehmen, werden die Gemeinde auch nach außen würdig vertreten, denn im Grunde genommen haben die Gemeinden bereits aufgehört, politische Körperschaften zu bilden. Es sind also sowohl die Ansgaben nach jenem Maßstabe zu berechnen, wie auch die Funktionen danach einzurichten sind ljcnb biOttP rro N1V pbrP «bl ldie Kräfte der Judenheit dürfen nicht zersplittert werden}. Ein Vorsteher vertritt nur dann die Gemeinde, wenn er Armen-, Kultus- und Schulwesen seine Aufmerksamkeit zuwendet, und es muß das Statut auch darauf hinarbeiten." Am 18. Mai 1841 schrieb Frankel wiederum: »Geehrter Herr und Freund! Ich bin Ihnen in der That sehr vielen Dank für Ihr letztes Schreiben schuldig; es spricht sich ein Gefühl der Freundschaft darin aus, das mich labte und erquickte, und ich rufe 13^ ffl'TDD “irDriK nia* sich rufe es aus meinem Innern: wie wunderbar ist Ihre Freundschaft für mich! (vergl. 2. Buch Sam. 1, 25)]. — Sie können sich denken, wie mich die Worte, Sie wollen nach Dresden kommen, sobald Herr Arnold zurückkommt, erfreuten. Halten Sie doch Ihr Versprechenpjb«!D "[Öl? DT 'b DIB '2 lein Tag, mit Ihnen verlebt, ist mir mehr werth als sonst deren tausend}. Ich will Ihnen offenherzig sagen, daß Sie es vorzüglich sind, der mich nach Berlin zieht, aber ich sage Ihnen auch mit derselben Aufrichtigkeit, daß, wenn Sie nach Ihrer Aeußerung wahrgenommen haben 1S nnttört HUI? fdaß ich bis jetzt noch nicht die nöthige Ruhe erlangt habe}, so glaube ich, daß ungeachtet meiner innigen, unaussprechlichen Anhänglichkeit und Freundschaft für Sie, ich doch diese Ruhe auch in Berlin nicht finden werde, und darum, theurer Freund, wozu Hoffnungen erregen, die sich nicht verwirklichen lassen? Ich bin fest entschlossen, nicht nach Berlin zu gehen, und in dieser Beziehung ist meine ') Wer Vertrauen hegt, soll nichts überhasten, vergl. Jesaja 28, 16. 2) In den altjüdischen Gemeinden gab es in früheren Jahrhunderten thatsächlich ein komplizirtes Wahlrecht, das mit dem jetzt in Belgien geltenden große Aehnlichkeit hatte. Es galt im Prinzip, daß jeder ansässige Jude das Stimmrecht besaß, doch wurde bei der Abstimmung auch auf die Steuerleistung des Gemeindemitgliedes Rücksicht genommen. Hatte sich die Mehrheit für etwas entschieden, was die Gemeinde pekuniär belastete, so wurde geprüft, ob diese Mehrheit auch den größeren Theil des Gemeindebedarfes deckte. Dadurch wurde verhütet, daß die minder bemittelten Gemeindemitglieder Beschlüsse faßten, deren Kosten die Wohlhabenden zu tragen hätten. Hingegen durften auch Letztere nicht, selbst wenn sie den größten Theil der Gemeindelasten trugen, Beschlüsse fassen, die dem Wunsche der Mehrheit widersprachen. Dieses interessante Kapitel des altjüdischen Gemeindelebens werde ich noch gelegentlich ausführlicher behandeln. innigste Bitte an Sie: 13 "Utan K3 fach, dringen Sie nicht in mich}. Warum ich jetzt diesen definitiven Entschluß gefaßt habe, werde ich Ihnen bei Ihrem Hiersein mittheilen. Ihre innige Theilnahme an der Herausgabe meines Werkes würdige ich mit vielem Dank. Ich stehe noch mit einem Buchhändler in Verhandlung; im Falle sich dieses zerschlagen sollte, schicke ich Ihnen mein Manuskript ein und werde Ihre gütige Verwendung in Anspruch nehmen. Herr Beit, der im vorigen Sommer mir sagte, er werde sich vielleicht zum Verlage meines Werkes bereit finden, hat, nachdem er mich anderthalb Monate auf Antwort warten ließ, mir abgeschrieben. Da kann man doch sagen: welch ein Unterschied zwischen christlichen Buchhändlern in Leipzig und jüdischen Parnaßim in Berlin! Jene haben mir wenigstens bald ihre Mittheilungen gemacht und mir noch andere freundschaftliche Versicherungen gegeben. Ist nicht, wie der Talmud gut sagt: cnaty D^ito D'wttös jarrw onaw crmn bww «b*). Ich zögerte dieses Mal mit der Antwort, weil ich Ihnen Ihrem Wunsch gemäß die Kopien der Synagogenordnung und des Ministerialreskripts schicken wollte. Sie erhalten nun anbei beide. Das Ministerialreskript habe ich auch für Dr. Beit abschreiben lassen und es ihm vor einigen Wochen überschickt." Am Rande dieses Briefes bemerkte Muhr: „Das Unterstrichene nicht entmuthigt mich nicht fflönöfy» DK1 ib nsn* fund wenn er auch zögert, ich hoffe und erwarte nichtsdestoweniger. Anspielung auf Habakuk 2, 3 und den l2. Glaubensartikel nach Maimonides}. Unterdessen fühlte sich Frankel in Dresden ziemlich unbehaglich. Er hatte dort mit großer Mühe und vieler Anstrengung eine jüdische Gemeindeschule ins Leben gerufen, die seit Jahren segensreich wirkte. Dadurch wurde natürlich der Ausgabeetat der Gemeinde erhöht. Außerdem fand Frankel den bis dahin üblichen Stenermodus der Gemeinde ungerecht; es wurde nämlich dort, wie in den meisten deutschen Gemeinden, eine verhältnißmäßig hohe Fleischsteuer erhoben, die den Unbemittelten in demselben Maße wie den Wohlhabenden belastete. Auf Frankels Veranlaffung wurde diese ungerechte Steuer mittelst Ministerialreskripts um die Hälfte reduzirt und der infolgedessen entstandene Ausfall durch eine direkte Abgabe ersetzt. Gegen diese neue Einrichtung regte sich der Egoismus der wohlhabenden Gemeindemitglieder, was Frankel, diesen stets opferbereiten Mann, sehr verstimmte. Am 9. August 1841 schrieb er an Muhr: „Ihr Schreiben vom vorigen Mittwoch traf mich auf dem Krankenlager, wohin mich eine böse Grippe geworfen hatte, und ich fühle mich auch heute noch sehr schwach, doch NVN8 8^ TOrm [um meiner Freundschaft für Sie will ich nicht länger schweigen}. Sie schließen Ihr Schreiben mit den Worten: „Ich hoffe noch meinen Herzenswunsch in Erfüllung gehen zu sehen ^3313' *10)1 ,l"2 N010.11". sWer auf Gott vertraut, dem wird dessen Gnade zu Theil Ps. 19, 32, 10.} Ich theile Ihnen also mit, daß nach längerem Nachdenken über mich und meine Bestimmung ich zu der Erkenntniß gelangt bin, daß Dresden für mich ein zu kleiner Wirkungskreis ist. — Wünscht mich Berlin noch, so bin ich entschlossen, hinzukommen. — Dieses für heute; Sie werden hiervon keinen oder höchstens einen nur sehr sparsamen Gebrauch machen, da ich zuerst mündlich alles mit Ihnen besprechen will. Beschleunigen Sie doch Ihre Herkunft, und verweilen Sie einige Zeit bei Ihrem innigen Freunde, der jetzt so vieles und wichtiges mit Ihnen zu besprechen hat." Am 19. Oktober desselben Jahres schrieb Frankel an Muhr: „Geehrter Herr und Freund! Ich bin Ihnen auf zwei Briefe Antwort schuldig, konnte aber natürlich nichts erwiedern, bis der Brief vom Vorstand angelangt war, was vorgestern geschah.-) Nun . . . bDlfil flSKl 'ZwflB *) Mit Anlehnung an 2. Könige 17, 34 bemerkt der Talmud, daß die Vorfahren von den heidnischen Ureinwohnern in Palästina wohl das Schlechte, aber niemals das Gute abgelernt hätten. 2) Gemeint ist ein Brief vom Vorstande der jüdischen Gemeinde in Berlin, in welchem Frankel das Oberrabbinat angeboten wurde.

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