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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-19 · Heft 33 (19.8.1898) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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WWWM 389 öffentlichtes salbungsvolles Büchlein dem allgemeinen christlichfrommen Lesepublikum bestens empfiehlt. Was dieses Büchlein besonders komisch macht, das ist dessen lateinWr Titel, nämlich: Symboli Beati, zu Deutsch: „Die Symbole eines Seligen", wodurch der ursprüngliche orthodoxe Name des Verfaffers (Selig) klar und deutlich wieder hervortritt. Dem löblichen Beispiel Schechters folgend, hat vor einiger Zeit auch Herr Elkan Adler, der Bruder des Dr. Herrmann Adler, eine Reise nach dem Orient, und zwar nach Persien, gemacht, um die sogenannte „Geniza", die in Teheran sich vorfindet, in Augenschein zu nehmen und etwaige daselbst vorhandene hebräische Manuskripte von litterarischem Werth der Verwesung und der Vergessenheit zu entreißen. Nach vieler Mühe ist eS Herrn Adler endlich gelungen, eine Anzahl von Manuskripten mit sich nach England zu bringen, die höchst rar zu sein scheinen, da selbst der große Bibliograph Steinschneider keines davon in seinem jüngst erschienenen neuen Katalog auch nur mit einem Wort erwähnte. So viel bisher über diese Manuskripte bekannt gemacht worden ist, behandeln sie verschiedene Branchen der jüdischen Wiffenschaft und Litteratur, die einer alten Periode der Existenz des jüdischen Volkes angehören, und sie bilden daher eine neue Fundgrube, woraus jüdische wie nichtjüdische Gelehrte eine Zeit lang neues Material für wiffenschaftliche Studien werden schöpfen können. Aacharms Frankel in Berlin. Von Dr. S. Bernfeld. f ie Verhandlungen mit Frankel wegen Uebernahme des Berliner Oberrabbinats blieben somit resultatlos. Im August des Jahres 1838 fragte Muhr seinen Dresdener Freund, ob ihm nicht dieser eine geeignete Persönlichkeit für die Besetzung des Berliner Rabbinats empfehlen könnte. Frankel lehnte dies ab, da ihm die Berliner Gemeindeverhältnisse nicht genügend bekannt wären, um eine richtige Wahl treffen zu können. Es muß zu Ehren der Wahrheit gesagt werden, daß Frankelbei dieser Gelegenheit eine unverzeihliche Kleinmüthigkeit bekundet hat, indem er das ihm angebotene Oberrabdinat in Berlin, das die Regierung damals zu einem geistlichen Primat für die ganze preußische Judenheit auszudehnen beabsichtigte, ablehnte; er hat dadurch der Entwickelung des Judenthums in Deutschland ungemein geschadet, er hat höchstwahrscheinlich das preußische Judengesetz vom 23. Juni 1847 verschuldet. Aber persönlich hat Frankel durch sein Verbleiben in Dresden eine seltene Uneigennützigkeit und Opferwilligkeit an den Tag gelegt. Seine Stellung in der sächsischen Hauptstadt war damals nichts weniger als glänzend. Die Gemeinde Dresden war in jenen Tagen klein und arm und konnte nur mit großer Mühe ihr Jahresbudget aufbringen. Für den begonnenen Bau einer Synagoge sollten 22 000 Thaler aufgebracht werden. Das konnte in Dresden selbst nicht geschehen. Außerdem stellte es sich unterdessen heraus, daß die Synagoge gar die Summe von 30 000 Thalern erfordern werde. Die Gemeinde stand rathlos da, und gegen Frankel, der die Seele dieses Unternehmens war, wurde eine ziemlich heftige Opposition laut. In derselben Zeit, in der er das ihm angebotene Oberrabbinat von Berlin ablehnte, mußte er seine Freunde flehentlich bitten, seine arme Gemeinde nach Kräften zu unterstützen. In der That wurden damals etwa 8000 Thaler an Geschenken aufgebracht. Unterdessen blieben Frankel und Muhr in regem Briefwechsel; auch kam Muhr manchmal nach Dresden hinüber. Nach dem Tode Friedrich Wilhelms III., als so Viele auf die Thronbesteigung seines Nachfolgers große Hoffnung setzten, glaubte auch die preußische j Judenheit dem erwünschten Ziele der Erlangung der bürgerlichen Gleichberechtigung näher zu kommen. Es erschien daher unabweislich, - an die Spitze der Berliner Gemeinde eine Persönlichkeit von wissenschaftlicher Bedeutung und von Charakterfestigkeit zu berufen. Und nochmals lenkten sich die Blicke auf Zacharias Frankel, dem es gerade um jene Zeit gelungen war, im Königreich Sachsen die Be- , seitigung des schimpflichen „Judeneides" zu erwirken. Die Aeltesten ' der jüdischen Gemeinde, unter denen sich außer Joseph Muhr noch Männer wie Joseph Lehmann und Dr. Veit befanden, beschlossen, nochmals an Frankel mit dem Anerbieten heranzutreten, nach Berlin zu kommen. Muhr übernahm es, sich darüber mit Frankel in Verbindung zu setzen. Am 20. April 1841 schrieb Frankel an Muhr: „Geehrter Herr und Freund! Soll ich beginnen: vin^D ttt TlXtDn? (ich habe gefehlt, ach, verzeihen Sie mir!) Ich weiß, ich darf auf letzteres von Ihrer Freundschaft rechnen, aber ich kann aufrichtig sagen, ich bin mir keines Vergehens bewußt. Sie haben mir nun drei Briefe geschrieben, und ich antworte erst heute. Aber in dem ersten waren es nur einige Zeilen, in welchen Sie mich zur baldigen Herausgabe meines Werkes*) aufforderten. Hierauf konnte ich nichts erwiedern, es ward: Tt,‘! JH 2^ by* 2)- Ich bin zur Herausgabe bereit, konnte aber bis jetzt noch keinen Verleger finden, odschon ich mich an mehrere, unter Anderen an Beit in Berlin, mit dem ich auch bei seinem vorjährigen Hiersein Rücksprache genommen hatte, wendete. Doch habe ich nicht die Hoffnung aufgegeben, und ich muß mich nun weiter umsehen. Ihr zweites Schreiben konnte ich wegen Dr. Freund nicht beantworten. Ich schrieb ihm sogleich an dem Tage des Empfanges Ihres werthen Briefes und wartete auf Antwort. Er hat sie Ihnen selbst überschickt, und Sie sehen, wie theuer und werth mir jeder Auftrag von? Ihnen ist. \ Und nun, theurer Freund, Sie schreiben mir, Rathenower habe; Ihnen gesagt von meiner Aeußerung, daß ich nach Berlin gehen wolle. ,| Hier muß ein Mißverständniß obwalten, denn hätte ich einen solchen s Willen j sund würde ich ihn nicht Ihnen mit- | getheilt Habens? Doch will ich Ihnen nicht verhehlen, daß ich mich hier auch nicht mehr ganz behaglich fühle; es fehlt mir hier B'“on und VDV sder Umgang mit gleichgesinnten Freunden und i die Gelegenheit, reifere Hörer zu unterweisens. Ich bin isolirt und ganz auf mich angewiesen. Zudem ist die Gemeinde klein, ich habe hier im Grunde jetzt wenig zu thun und kann der Ruhe pflegen, aber nPIISö sRuhes ist doch erst 'T!^ sim Jenseits)! — Und doch kann I ich mich nicht entschließen, nach Berlin zu gehen: Ich soll mich nun 1 wieder in ein Meer von Unruhen und Sorgen stürzen; woher die Kraft? | Ich bin jetzt nicht in der Gemüthsstimmung, in der man kühn den : größten Wagnissen entgegen geht; ich bin feit einiger Zeit verstimmt. Vielleicht wird Berlin, der Umgang mit gebildeten Männern mich aufheitern und meine vorige Kraft mir wieder zurückgeben; vielleicht werden aber die Mühen daselbst mich ganz Niederdrücken, und dann verliere ich alles und habe nichts gewonnen. Dieses Ihnen, dem | Freunde; und nun will ich zu Ihnen, als dem Organe des Gemeindevorstandes, sprechen: werde ich Ihnen genügen? Sie dürfen I mich nicht parteiisch beurtheilen. Berlin stellt große Forderungen, i vielleicht so große, daß ihnen Niemand genügt, denn der Jude liebt in > allem den Superlativ: und genüge ich nicht, dann sind Ihre schönsten Hoffnungen getäuscht, und wie wehe würde es mir thun! — JHK2 TOIS ’JX dlbü3)- Meiner Gemeinde genüge ich; doch für Berlin, j wo noch überdies die Parteien sich so schroff einander gegenüberstehen, j *) Gemeint ist sein Werk „Vorstudien zur Septuaginta". j 2) Jemandem, der betrübten Herzens ist, fröhliche Lieder vorfingen. Bergl. Sprüche 25, 20. s) Unter ruhigen Verhältnissen befinde ich mich wohl, vgl. Je- . remia 12,5. -1

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