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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-19 · Heft 33 (19.8.1898) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
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!!:■! 388 •; t i:i. jf!1J : li;r Ty ' :" > höchsten Grade würdigte, beweist der Umstand, daß nämlich alle die ihm zugeschickten Bücher mit seiner Namensunterschrift geschmückt sind, was wohl nicht geschehen wäre, Hütte er sie mit Gleichgiltigkeit oder gar Nichtachtung behandelt. Freilich ist nicht alles Gold, was glänzt, und nicht jedes Buch von litterarischem Werth, das Sir MoseS gewidmet und zugeschickt worden ist. So sandte ihm z. B. ein jüdischer Autor ein höchst elegant gebundenes kleines Büchlein, das in hebräischer Sprache verfaßt und mit einer Widmung versehen war. Beim ersten Anblick stellt sich aber heraus, daß der Verfaffer des fraglichen Büchleins sehr schlau zu Werke ging, indem er daselbst Stücke aus dem gewöhnlichen hebräischen Gebetbuche Wort für Wort abdrucken ließ und den Namen Sir Moses für den Namen Gottes substituirte, wo immer nur Gottes Güte, Milde und Barmherzigkeit darin gepriesen wird. Ein zweites komisches Beispiel ist folgendes. Ein russischer Rabbi widmete dem Sir Moses sein riQYtW)! kil^XV betiteltes Oplis, bemerkte aber in der Einleitung, daß er zur Schriftstellerei auf jüdischem Gebiete getrieben worden sei, da seine Gemeinde unwiderruflich beschlossen habe, ihm in Zukunft kein Gehalt mehr auszuzahlen. Dieses Machwerk hat freilich der hebräischen Litteratur keinen Vorschub geleistet, dafür aber seinem Autor — ein acceptables Geldgeschenk eingebracht, das ihn wahrscheinlich eine Zeit lang für den Verlust seines Gehalts tröstete. — Die in Rede stehende Bibliothek enthält so viel kurioses litterarisches Material, daß eine ausführliche Besprechung deffelben einen separaten längeren Artikel erfordert. Letzteren behalte ich mir für eine spätere Gelegenheit vor. Im laufenden Heft der „Jewish Quarterly Review“ ist ein Vortrag über „Aaron of Lincoln" abgedruckt, den der zeitige Präsident des jüdisch-historischen Vereins vor Kurzem in London gehalten, und da derselbe ein allgemeines Interesse hat, so dlitste ein kurzer Auszug daraus hier nicht überflüssig erscheinen. Wie der Held in Sir Walter Scotts berühmter Novelle „Jvanhoe", nämlich Isaak of Jork, so ist auch der besagte Aaron of Lincoln eine interessante Persönlichkeit in den Annalen der Geschichte der englischen Juden des Mittelalters. Derselbe war in Lincoln (England) gebürtig und lebte daselbst zwischen den Jahren 1130 und 1186 der gewöhnlichen Zeitrechnung. Er war ein -genialer Finanzmann und machte großartige Bankgeschäfte in seiner Geburtsstadt sowohl als auch in anderen englischen Städten, ja sogar in Paris, wo ,er jüdische Agenten für seine Zwecke beschäftigte. Wie es heißt, soll er nächst dem damals in England regierenden König der reichste MaNn im Lande gewesen sein. Dieses gigantische Vermögen fiel aber nach Aarons Tode dem damaligen Landesgesetze gemäß diesem König zu, wovon ein großer Theil aiks Schulden bestand, die verschiedene christliche Gemeinden bei Elfterem gemacht, indem sie bedeutende Geldvorschüsse von ihm erhielten, die ihnen die Möglichkeit verschafften, mehrere prachtvolle Kirchen zu errichten. Merkwürdig ist's, daß Aarons Empfangsscheine in seinen Geldgeschäften meist in hebräischer Sprache abgefaßt waren. In einem der Londoner Gerichtshöfe existirt noch jetzt ein Zimmer, welches „The Star Chamber" heißt, und zwar aus dem Grunde, weil daselbst eine große Anzahl von solchen Scheinen (im Hebräischen im Lateinischen starrum genannt) aufbewahrt wird. Aaron of Lincoln hat ein originelles Geldwechselsystem eingeführt, und erwähnenswerth ist die Thatsache, daß die bekannte englische Magna Charta manche Auszüge davon enthält, welcher Umstand auf die Gediegenheit deffelben schließen läßt. Dieselbe Nummer der besagten Review enthält eine höchst kuriose Emendation der Verse 21 und 22 im Deborah-Liede, die der bekannte Oxforder Profeffor Cheyne in Vorschlag bringt. Statt des höchst poetischen Originals, das an die schönen heroischen Verse des griechischen Dichterkönigs Homer lebhaft erinnert (vergl. z. B. den 22. Vers m«», nnm nnm» - viv-'2pp ir6n IX) will Mr. Cheyne folgende Leseart substituirt haben, nämlich — IX - jwrp wip spst-rrax tbtü panp D’Jinp -'lvsr •orin Diese krause Lesart erinnert eher an gewiffe Pint-Stücke im „Machsor", die trotz aller beigefügten Erklärungen immer unverständlich bleiben und zugleich auch am wenigsten poetisch klingen. Obschon Tausende von Menschen jahraus jahrein das Britische Museum besuchen, so fällt es nur Wenigen ein, die dortigen affyrischen und ägyptischen Galerien in Augenschein zu nehmen, wo höchst intereffante Reliquien und Monumente, die von Affyrien und dem alten Aegypten herrühren, sich in großer Anzahl borfinden. Und doch sind diese Gegenstände von großem historischen Werth und verdienen allgemeine Aufmerksamkeit. So sind z. B. daselbst die einbalsamirten Reste jenes Pharao zu sehen, „der Joseph nicht kannte", und auch die seines Nachfolgers, Menephtah mit Namen, der den Auszug der Israeliten aus Aegypten veranstaltet hat. Ich erwähne gerade diesen Umstand, weil in letzterer Zeit einige Repräsentanten der modernen Bibelkritik ernstlich behaupteten, daß die im ersten Buche Moses vorkommenden Erzählungen ins Gebiet der Legende oder der Mythe gehören. In einer der jüngsten Nummern dieses Blattes wies ein Korrespondent darauf hin, daß Wieland in seinem „Oberon" einige Stellen der Bibel benutzt hat. Weit kurioser dürfte die Mittheilung erscheinen, daß nämlich der bekannte Vers in einem der Schiller'schen Gedichte: „Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar", fast eine wörtliche Uebersetzung einer Talmudstelle ist, die im Traktat Sanhendrin (S. 7) vorkommt und mit den Worten anfängt — N1N Xflö’m '2- Der Verfaffer derselben sagt nämlich darin, daß, als er und seine junge Gattin noch im Genuß der ersten Liebe schwelgten, da haben sie sich in der Ecke ihres kleinen Häuschens recht glücklich gefühlt. Freunde der hebräischen Litteratur, und namentlich solche, die Orientalia studirt haben, wird es vielleicht interessiren, zu hören, daß ein in Liffabon lebender jüdischer Gelehrter Namens Joss Benoliel die arabischen Fabeln Lokmans jüngst ins Hebräische übersetzt hat. Soweit mir bekannt, ist dies der erste Versuch, Lokman in die Sprache der Propheten zu übertragen, die bekanntlich mit dem Arabischen vieles gemein hat. Als der verstorbene Selig (Paulus) Cassel noch recht orthodox und ungetauft war, da schickte er Zunz ein Exemplar seiner Festschrift zu, die er dem seligen Rabbiner Oettinger in Berlin bei Gelegenheit seines 25jährigen Dienstjubiläums widmete. Darin schinipfte Herr Caffel recht lustig auf die Rabbiner los, die im Jahr 1844 eine Rabbinerversammlung veranstaltet hatten, um gewiffe Neuerungen im jüdischen Kultus einzuführen. Er stempelte sie daselbst zu Gottesleugnern, die dem wahren Judenthum nur Schmach und Schande verursachen und daher die größte Verachtung verdienen. Die fragliche Festschrift findet sich in der hiesigen Montefiorc- Bibliothek vor und ist mit einige» kurzen, keineswegs schmeichelhaften Anmerkungen von Zunz versehen, die Letzterer darin einschrieb, als Caffel sein orthodoxes Judenthum hinter den Rücken warf und Judenmissionar wurde. Das Ironische in dieser Sache wird noch durch einen von Zunz beigelegten Zeitungsausschnitt erhöht, worin die Ceremonie bei der Taufe des nicht mehr Selig, sondern nunmehr Paul Stephan genannten Konvertiten mit großem Eklat angekündigt wird. Derselbe Zeitungsausschnitt enthält auch einen Paragraphen, der ein bei fraglicher Gelegenheit von Caffel ver-

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