Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1898)
- Date
- 1898-08-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Schluß Herr Land-Rabbiner Dr. Lewinsky aus Hildesheim, ein Neffe des Verstorbenen, in tiefbewegten Worten im Namen der Familie von dem theuren Todten Abschied nahm. Unsere Gemeinde hat einen Mann verloren, dessen vornehme Geisteseigenschaften, dessen wahrhaft edle Gesinnung in unserer Mitte ewig unvergessen bleiben werden, denn „das Gedächtniß dieses Gerechten soll uns zum Segen bleiben". Er ruhe in Frieden! s. Köln, 9. August. Vor dem hiesigen Schöffengericht stand vor einigen Tagen der Kaufmann Samuel K. von hier, der beschuldigt ist, im Jahre 1899 fortgesetzt den Bestimmungen des § 105b der Gewerbeordnung zuwidergehandelt zu haben, indem er an Sonn- und Festtagen Nachmittags Gehilfen in seinem Handelsgewerbe beschäftigte. Der Beschuldigte bemerkte: „Ich bin Israelit und habe Sonnabends mein Geschäft geschlossen; die Leute, die ich an Sonntagen Nachmittags interne Arbeiten erledigen ließ, waren ebenfalls Israeliten, und ich habe nie christliche Gehilfen zu der fraglichen Zeit beschäftigt." Das Gericht entschied gleichwohl, daß auch das Beschäftigen an Sonntag-Nachmittagen verboten sei, und setzte zehn Mark Geldstrafe fest. M. Hamburg, 8. August. Unsere Gemeinde ist um eine großartige Institution bereichert worden. Das neue Siechenheim und Pflegestätte der deutsch-israelitischen Gemeinde, das einem langgefühlten Bedürfniß abhelfen soll, wird im Laufe der nächsten Tage bezogen werden. Die neuerrichteten Räume waren heute einem Kreise geladener Gäste zur Besichtigung geöffnet. Der Eindruck, den die Anstalt auf den Besucher machte, war der denkbar günstigste, besonders gelobt wurde die schöne freie Lage des Hauses, welches inmitten eines kleinen Parkes den Eindruck einer herrschaftlichen Villa macht. Die Stiftung wurde begründet durch großartige Legate der verstorbenen Herren Louis Lachmann und Joseph Schlesinger, doch wäre der Plan noch lange nicht zur Ausführung gelangt, wenn nicht der durch seine Wohlthätigkeit weit über die Grenzen unserer Stadt bekannte Herr Hermann Pinkus der Anstalt eine ganz bedeutende Schenkung zugewendet hätte. Das neue Heim bezweckt, bedürftigen, durch ihren körperlichen Zustand dauernd erwerbsunfähigen Mitgliedern der hiesigen Gemeinde beiderlei Geschlechts vollständige freie Wohnung und Unterhalt zu gewähren. Die Verwaltung hat zu diesem Zweck ein vor dem Dammthor belegenes Grundstück angekauft, welches nach genauer Angabe des Arztes Dr. Korach und den Plänen des Architekten Löwengard umgebaut wurde. Das Gebäude mit einer großen Veranda und mehreren Balkons versehen, ist zunächst für 20 Pfleglinge eingerichtet, für deren Aufnahme in der ersten und zweiten Etage geräumige, luftige Zimmer zur Verfügung stehen, während im Parterre ein gemeinschaftlicher Eßsaal und große Wohnräume sich befinden. Im Souterrain befinden sich die Küchen- und sonstigen Räume, während im Hochparterre eine schöne Badeeinrichtung für die Pfleglinge eingerichtet ist. Die innere Einrichtung ist im einfachen, aber durchaus gediegenen Stil gehalten, und ist natürlich stets in erster Linie auf die Bequemlichkeit und das Wohlbefinden der Insassen Rücksicht genommen. Das neue Heim wird zuerst von 20 Pfleglingen bezogen werden, doch ist dafür Sorge getragen worden, daß durch einen entsprechenden Anbau die Aufnahme von 40 Personen ermöglicht wird. Als Oberin fungirt Schwester Amalie, Mitglied des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin. Der Vorstand besteht aus 8 Mitgliedern und 5 Ehrendamen, Präses dieser neuen Institution ist Herr Gemeindevorsteher Jos. Schönfeld. <JL Limburg, 4. August. Die diesjährige Generalversammlung des „Vereins israelitischer Lehrer Nassaus" tagte am 17. Juli in Limburg. Um 10*/, Uhr eröffnete der Einberufer, Kollege Alt-Diez, durch Begrüßung der Erschienenen, unter welchen die Herren Bezirksrabbiner Dr. Silberstein-Wiesbaden, Dr. Weingarten-Ems und Dr. Landau-Weilburg als Gäste anwesend waren, die Versammlung. Nachdem Kollege Lehmann-Weilburg eine Berichtigung in Sachen Frank, früher in Westerburg, der Versammlung kundgegeben hatte, sprach Meyer-Wallau über: „Zweck des Vereins". In den Vorstand wurden, nachdem Lomnitz-Limburg demisfionirte, Kollege Alt-Diez als Vorsitzender, Kollege Greif-Bad Schwalbach als stellvertretender Vorsitzender, Kollege Blumenthal-Limburg als Kassirer und Kollege Lehmann-Weilburg als Schriftführer gewählt. Zum Delegirten für den deutschen Lehrerverband wurde unser Vorsitzender, Kollege Alt-Diez, bestimmt. Nun referirte Kollege Lehmann-Weilburg über das Thema: „Die Hebung der materiellen Lage des jüdischen Lehrerstandes". Der sorgfältig ausgearbeitete Bortrag schilderte getreu die Nothlage unseres Standes, zeigte uns an der Hand vieler Beispiele, daß den Lehrern nur von staatlicher Seite geholfen werden könne, und endigte mit folgenden Thesen: 1. Die definitive Anstellung der Lehrer, wo solche noch nicht ist, fei anzustreben. 2. Die Aufsichtsbehörden mögen nur solche Lehrer anstellen, die den Nachweis über pädagogische und methodische Bildung und Ausbildung nachweifen können. 8. Eine Gehaltsskala nach dem Dienstalter sei zu schaffen. 4. Um den Lehrern der kleineren, leistungsunfähigen Gemeinden das gesetzlich bestimmte Gehalt gewähren zu können, sei die Erhebung einer allgemeinen jüdischen Kirchensteuer anzustreben, um damit a) den Lehrer zu besolden, resp. demselben eine Zulage zu geben, b) daraus die nach Dienstjahren zu bemessende und bestimmende Pension zu gewähren und e) für die Hinterbliebenen zu sorgen. Allgemeiner Beifall lohnte den Referenten für seinen vortrefflichen Vortrag. An der sich anschließenden lebhaften Diskussion betheiligten sich die Herren Rabbiner Dr. Silberstein-Wiesbaden, Dr. Weingarten-Ems und Dr. Landau-Weilburg, Kollege Oppenheimer-Hadamar, Kollege Katzenstein-Schierstein, Kollege Wagschal-Montabaur, Kollege Thalheimer-Hachenburg und Meyer- Wallau. Was als Hauptpunkt die Tagesordnung zierte, war die Gründung einer Unterstützungskasse. Dieser Theil beschäftigte die Versammlung recht lange und rief eine große Debatte hervor. Zuletzt einigten sich die Ansichten dahin, diesen Punkt der Tagesordnung zum Beschluß zu erheben, was auch geschah. Es wurde eine Kommission ernannt, bestehend aus den Herren Kollegen Katzenstein - Schierstein, Oppenheimer - Hadamar, Meyer - Wallau, Sulzbacher - Biebrich und Thalheimer - Hachenburg, die die Statuten abzufassen und der künftigen Versammlung, die am 15. November stattfinden soll, vorzulegen haben. Als Ort der nächstjährigen Generalversammlung wurde Wiesbaden bestimmt, während die Bestimmung des Ortes zu der im November stattfindenden Zusammenkunft dem Vorstande überlassen bleibt. Nachdem Kollege Katzenstein unter dem Beifall aller Mitglieder dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung dankte, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem innigen Wunsche: „Aus frohes Wiedersehen!" Der Schriftführer S. Mayer- Wallau. Bühl, 1. August. Gestern feierte der Synagogenchorverein dahier das Fest seines 40jährigen Bestehens. Nachmittags fand in der festlich geschmückten Synagoge ein Konzert statt, welches so zahlreich besucht war, daß die vorhandenen Räume nicht ausreichten, das Publikum zu fassen. Schwestervereine aus allen Gegenden des Landes sandten ihre Vertreter zu der Jubelfeier. Das Konzert selbst legte ein schönes Zeugniß ab von dem heutigen Stand des israelitischen Kirchengesanges im Allgemeinen und von der Leistungsfähigkeit des Jubelvereins im Besonderen. Die Chöre kamen unter Leitung des Kantors Bruchsaler in tadelloser Weise zum Vortrag. An Einzelvorträgen erwähnen wir mit Anerkennung die des Herrn Kantors Bruchsaler und des Fräuleins Rosa Wertheimer. Abends 8 Uhr fand in den Räumen des Gasthofs zur „Krone" ein Festmahl statt, an welchem sich 130 Personen betheiligten. Der Vorstand des Vereins, Herr Adolf Darnbacher, begrüßte die ansehnliche Festversammlung und dankte den zahlreich erschienenen Abordnungen von befreundeten Vereinen und Gemeinden. Die Festrede hielt Herr Ferdinand Darnbacher, in welcher er einen Rückblick warf auf die Entstehung und Entwickelung des Vereins, erwähnte in Verbindung damit in dankbarer und pietätvoller Erinnerung die Namen der Gründer und Wohlthäter und der verdienstvollen, opferwilligen Förderer und Leiter des Vereins. Herr Albert Rosenfeld würdigte die Verdienste des Vorstandes, Herrn Adolf Darnbacher, und überreichte Namens der aktiven Sänger demselben ein kostbares Bild. Der Vorstand sprach hierauf seinen Dank aus mit dem Hinzufügen, daß er aus Anlaß des Tages dem Verein einen Taktstock gestiftet habe. Nun folgte Rede auf Rede, Toast auf Toast, auf deren Inhalt wir bei der großen Zahl selbstverständlich nicht eingehen können. In einem Rückblick auf die Entwickelung der israelitischen Gemeinde erwähnte Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer mit Worten der Dankbarkeit und Verehrung die Namen Kaiser Wilhelms des Großen, Kaiser Friedrichs und Kaiser Wilhelms II. Ebenso sprach der Gemeindevorstand, Herr Leo Wertheimer, auf unseren Großherzog und hob dabei hervor, daß das badische Judenthum alle Veranlassung habe, mit dem Gefühl der