Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1898)
- Date
- 1898-08-12
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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381 Alonzo: Ja, ein solches Gut! Du heil'ger Mann, sei meine Seele offen: Es giebt ein solches Gut! Ich liebe! Der Prior (Rebeccas Bruder) erblickt ergriffen in dem Jüngling sein „Ebenbild" und willfahrt. Ein Mönch begleitet Alonzo aus dem Kloster und erzählt: Der reiche Isaak, der Juwelenhändler, Verkehrte viel mit unfern Kavalieren, Nicht immer, sagt man, nur des Goldes wegen. Weil er zu eitel war auf seine Kinder, Drum lud er Alles in sein Haus. Der Sohn War selber wie ein Ritter fast: so wilden Und ungezähmten Muths. Und eine Tochter — Die schönste Jüdin wurde sie genannt. Zu dieser schlich Don Luis Guzmann, er, Der längst des Vaters größter Schuldner war. Entehrt das Mädchen. Bon dem Sohn gezüchtigt. Vom rachentflammten Gläubiger verfolgt. Was that Don Luis nicht, ihn zu verderben! Bald klagt er Isaak an des Kirchenraubes, Nach harter Prüfung ward der Jude frei. Die beiden Kinder sandt' er fort. Der Sohn Nur kam zurück. Seht hier sein frisches Grab. Genug, laßt uns für seine Seele beten. Eins nehmt an seinem Beispiel Euch zu Herzen, Ich tadl' eS schwer an allen neuen Christen: Daß sie noch sehr an ihrem Ursprung hängen Wenn sie mit Ernst zum Heile sich gewendet — Sie sollten ihrer Wiege nicht gedenken. Denn sie sind Neugeborene im Geist. Nun geht mit Gott! Und kommt oft zum Paular. Alonzo, allein, spricht: Sie sollten ihrer Wiege nicht gedenken — So spricht der Mildeste! — Weil neugeboren Im Geist! ... In welchem Geist? Und neugeboren! Wenn neugeboren heißt: von neuen Eltern Ein Kind sein, die nicht unsre Eltern sind. Und Denen, die es find, den alten Eltern Nicht mehr ihr Kind sein — ha! um solchen Preis Möcht' ich im Jenseits selbst nicht neugeboren, Möcht' ich von Gott nicht neugeboren sein! Der Stein, den ihr zum Himmel werft, ihr Thoren, Zur mütterlichen Erde fällt er nieder. Wollt ihr ein Herz in euren Himmel werfen. Von seinem Ursprung weg? O Mutter! Vater! Der erste Liebeslaut von euren Lippen Ist Wurzel alter Liebe, die mich treibt. Und trieb sie mich in eine Welt des Geistes, Die euer frommer Eifer machtlos wehrte. Und treibt sie mich in eine Welt des Glücks, Die eures Glaubens Feinde mir erschlossen — Sie wird mich nie von eurem Schicksal trennen. Und als die eure werd' ich sie bekennen! Isaak, der unglückliche Vater, kommt, um auf dem „Christenkirchhof" am Grabe seines Sohnes zu beten, will „Abschied von meinem Kinde nehmen"; Don Luis, der Anstifter seines Unglücks, verhöhnt ihn und will ihn im Verein mit Anderen tödten, Alonzo, der Stellvertreter des Alcalden, tritt rettend dazwischen. Isaak dankt ihm sein Leben und erzählt ihm von seinen Kindern. Und wißt Ihr auch, wie sie mir starben? Wißt Ihr? Fern nach Italien zu Verwandten führte Der Bruder zürnend die gefallene Schwester. Von Räubern ausgeplündert, kamen Beide Nach Genua, wo bleicher Hunger sie Bon Sterbenden und Lebenden angrinste. Kein Einziger der Juden nahm sie auf: Die Christen traten hin zu den Berlechzten, Brod in der einen Hand, und in der andern Das Kreuz. So schwuren sie den Glauben ab — Ach, um ein Stück vertrocknet Brod. Umsonst! Mein Mädchen starb noch während sie sie tauften; Er kam zurück — und ach, das Mahl, womit Ich ihn erquickte, war sein Todtenmahl! Mein Sohn! Mein Sohn! Hier find' ich Dich, hier wieder! Doch mancher Jude, der sein Kind verlor, Er wäre glücklicher, es so zu finden! — Jüngst kam zu mir aus weiter Fern' ein Rabbi, Den Sohn erkundend, der abtrünnig in Die Welt hinausging; ach, ihm folgt sein Weib Bon Ort zu Ort, um ihren Sohn verzweifelnd . . . (Schluß folgt.) EUILLETON Die Rose von Sarsn. Line Erzählung. (2 vn. 4jXpt schritt dem Hafen zu. Tiefe, von den Sternen nur matt erhellte Nacht waltete um ihn herum. Dennoch war das Leben der regsamen Küstenstädte noch nicht erloschen, sondern es saßen die Morgenländer auf den Dächern ihrer Häuser und athmeten gern die kühle Luft der Nacht. Darum schimmerten ringsum von den Dächern einsame, freundliche Lampen, und Geräusch von Stimmen wallte flüsternd nieder auf den Schwingen der Nächtluft. Das Haus, das Reson eben verlassen, lag tief im Innern der Stadt, und der Edomiter hatte bis an die Küste mehr als eine Viertelstunde zu gehen. Doch bemerkte er dies nicht, sondern schritt sinnend und mit dem sorgenvollen Abwägen künftigen Glückes und Unglückes beschäftigt die Straßen entlang. Seit etlichen Minuten folgte ihm eine geschmeidige, nicht eben hohe Männergestalt. Der Edomiter konnte aber nichts hören von dem leisen, schleichenden Tritte seines Verfolgers. Dieser blieb bisweilen stehen, wo Reson hellere Punkte der Straße zu durchwandeln hatte, und blickte den Verfolgten aufmerksam an, wobei er die Hand über die Augen hielt. Endlich schien die sorgfältige, spähende Untersuchung geschlossen, denn der Spion that plötzlich einige lange Schritte und befand sich alsbald an der Seite des Edomiters. „Im Namen der großen Isis!" sagte der Spion in der Sprache Edoms. „Gruß und Glück aus Aegypten, tapferer Reson!" Der Edomiter wich etwas befremdet zurück und betrachtete prüfend den Ankömmling. Es war dieser eine schlanke, wunderbar gelenke Gestalt, gehüllt in einen fliegenden Oberrock, der von einem dünnen Gürtel festgehalten war. In diesem Gürtel stak ein kurzer Dolch. Auf dem Haupte trug er das Tulbend der Morgenländer, eine Art Turban, ähnlich der Kopfbedeckung Resons. Die Gesichtsfarbe des Ankömmlings war bedeutend dunkler als diejenige Resons und der Hebräer. Pechschwarze Augen und die umgebenden weißen Augäpfel blitzten seltsam. hervor aus den scharfen, mohrenartigen GesichtSzügen, die vollkommen bartlos waren. Die Nase war breit wie