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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-08-12 · Heft 32 (12.8.1898) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 32 (12.8.1898)
Date
1898-08-12
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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379 nach Amerika ausgewandert, die Hälfte derselben siedelte sich in New-Dork an. . Im Jahre 1890 existirten in den Vereinigten Staaten 533 wohlorganisirte jüdische Gemeinden mit 130496 beitragenden Mitgliedern und einem Vermögen von 9 754275 Dollars. In New-Nork wohnten 1890 250000 Juden und zwar 50 000 Deutsche, 50000 Polen und Russen, 25000 Ungarn, 25 000 Rumänen und ungefähr 50 000 verschiedener Nationalitäten. Von den 32 321 Juden, welche 1890 in Amerika einwanderten, blieben 23970 in New-Iork. Jacob H. Schiff schätzte 1897 die Zahl der Juden in der Zwei-Millionenstadt auf 350000. Von dem Jahre 1881 bis 1897 wanderten nach Amerika 485 383 Juden aus. Nach der statistischen Aufnahme D. Sulzbergers in Philadelphia *) belief sich die Zahl der in den Vereinigten Staaten Amerikas wohnenden Juden 1897 auf 937 800, davon lebten in New-Aork 350000, in Pennsylvanien 85000, in Illinois 85 000, in Kalifornien 35000, in Ohio 50000, in Missouri 25 000, in New-Iersey 25 000, in Louisiana 20000, in Massachusetts 20 000, in Virginia 18000, in Indiana 15 000, in Tennessee 15 000, in Nord-Carolina 12 000, in Kentucky 12 000, in Texas 12000,. in Wisconsin 10 000, in Michigan 9000 u. s. w. i&m MUhelm Mslfsohn. Von Emil Lehmann?) ^Längst ward in diesen Blättern bei Erwähnung von Max TjP Müllers „Erinnerungen" Wilhelm Wolfsohns mit wenigen Worten gedacht. Es scheint, als gehöre er in unserer schnelllebigen Zeit zu den längst verblichenen Sternen am Himmel des deutschen Schriftthums. Hier wird nur eines seiner Dramen mit unrichtiger Titelbezeichnung („Blos eine Seele" statt „Nur eine Seele"), dort mit unrichtiger Inhaltsangabe erwähnt. Und doch verdient der allzu früh, im 45. Lebensjahr Heimgegangene, als Mensch ebenso liebenswürdige wie als Dichter und Redner bedeutende Mann eine dauernde ehrende Erinnerung, wie in den Herzen seiner Zeitgenossen und Freunde, so im Gedächtniß der Nachkommenden. Wilhelm Wolfsohn ist am 20. Oktober 1820 zu Odessa geboren, er ist bereits vor einem Menschenalter, am 13. August 1865, in Dresden verstorben. Von seinem 18. Lebensjahre ab Student der Philosophie und Philologie in Leipzig, entfaltete er dort seine litterarischen Schwingen zuerst in dichterischer Verklärung dessen, dem er lebenslang, trotz vielfach winkender Lockungen, die Treue bewahrte — des Judenthums. Er gab 1840 unter dem Namen Karl Maien ein Taschenbuch Jeschurun heraus.8) Darin steht sein inniges Gedicht: An meinen Vater. Als ich deine Hand, die werthe. Mit der meinen fest umwand, War's, als ob den Wunsch ich hörte: „Friede sei in deiner Hand!" h S. kublicatious of the American Jewish Historical Society No. 6. (1897) S. 141 ff. 2) Es ist dies der letzte Artikel, den uns unser viel zu früh verstorbener Freund und treuer Mitarbeiter für die A. Z. d. I. zugeschickt hat. Möge er die Erinnerung an den theuren Mann neu beleben! Die Red. s) Jrrthümlich wird in Winter und Wünsche: Die jüdische Litteratur III S. 878 der Herausgeber Karl Wolfsohn genannt. „Aber mußt das Schwert du tragen, Sei's vor Gottes Weiheblick, Sei's, wo edle Herzen schlage», Sei's für deines Volkes Glück." Und das werd' ich treulich halten Jeden Orts und jederzeit. Unter jeden Herrschers Walten Treu erfüll' ich meinen Eid. Und er hat ihn treu erfüllt. Ebensowohl bewandert in der Litteratur seines russischen Heimathlandes als in der Deutschlands, erfüllte er einen für beide Theile gleich segensvollen Beruf, indem er „Die schönwiffenschaftliche Litteratur der Russen" (1843) und „Rußlands Novellendichter" (1848—51) herausgab und in Petersburg und Moskau vielbesuchte Vorträge über deutsche Litteratur hielt. Dort suchte man den gefeierten Redner durch eine Anstellung zu fesseln — er widerstand trotz seiner Mittellosigkeit den Aussichten auf sichere und gute Stellung, weil er den Preis, den Glaubens- Wechsel, nicht zahlen mochte. Seit 1850 in Dresden wohnhaft, hat Wolfsohn hier und vielfach anderwärts durch seine frei und in künstlerisch abgerundeter, fesselnder Form dahinfließenden Vorträge aus der mittelalterlichen und neueren deutschen Litteraturgeschichte sich Ruhm und Ruf eines der besten, formgewandtesten wissenschaftlichen Redner seiner Zeit erworben. Er war auch vielfach journalistisch als Aesthetiker und Litterarhistoriker thätig, gab mit Robert Prutz das Deutsche Museum in den fünfziger Jahren, dann selbständig die Russische Revue heraus, wiederum zur Vermittelung zwischen russischer und deutscher schönwiffenschaftlicher Schriftkunde. Sein Bestes gab der feinfühlige, zartbesaitete Dichter in der Lyrik und Dramatik. Sein 1851 in Dirschau (Katz) erschienenes Neues Laienbrevier und seine genannten Zeitschriften enthalten stimmungsvolle, tiefempfundene Gedichte. Seine drei Dramen sind (Dramatische Werke, Dresden, Rudolf Kuntze 1851—1859, 3 Bände): „Czar und Bürger", „Nur eine Seele", „Die Osternacht". Längst von der Bühne verschwunden, machten sie ihrerzeit, insbesondere auf der Dresdener Hofbühne durch Dawisons hinreißende Darstellung der Hauptträger, einen tiefen, nachhaltigen Eindruck. „Czar und Bürger" ist „dem Andenken meiner Eltern gewidmet" mit den schönen Zeilen: Und kann ich je aus tiefstem Innern Von treuer Liebe Zeugniß geben — So ist's im heiligen Erinnern An euer liebetreues Leben. In der Vorrede zur Buch-Ausgabe vom 10. Januar 1857 gedenkt Wolfsohn der großen diplomatischen Schwierigkeiten, die sich der Aufführung dieses Dramas außer in Karlsruhe und Dresden entgegengesetzt, und schließt: „Noch einige Theaterpforten sollen sich in nächster Zeit diesem Drama öffnen. Was diese künftigen Abende auch bringen mögen — ich denke an einen vergangenen, der mir die reinste Autorfreude vorweggab. Mein Publikum waren: Berthold Auerbach und Otto Ludwig. . . . Und warum sollte ich es hier nicht aussprechen — daß unsere Freundschaft so alt ist wie dieses Stück?" „Nur eine Seele", diese psychologisch feine und drastische Schilderung des geleckten Barbarenthums französisirter Altrussen und der Seelenleiden der damaligen Leibeigenen hat vor vierzig Jahren auf den deutschen Bühnen ergreifend gewirkt. Die Buchausgabe ist vor vier Jahrzehnten vom Dichter „meinem Freunde Theodor Fontane", dem erfreulicherweise heute noch rüstig Lebenden und tüchtig Schaffenden, gewidmet. Endlich Wolfsohns drittes und letztes Drama: „Die Osternacht", ist die treueste Erfüllung des in jenem Gedicht an seinen Vater geleisteten Eides, denn er tritt in diesem

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